Gehaltsvorstellung bei kommerziellen Projekten

Feenstaubtrulla

Sabrina Letzner
Sprechprobe
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Hallo liebe Leute.
Ich bin noch meilenweit davon entfernt, Geld fürs Vorlesen zu bekommen. Die Frage stellt sich mir, weil ich gestern über einen Artikel gestolpert bin.
Also... da stand eine Gehaltsspanne von 100 - 250 Euro für jede fertige Hörstunde. 100 Euro für den blutigen Anfänger, gehe ich von aus.
Um ein Buch wirklich schön zu lesen, muss ich den Text ja auf jeden Fall einmal durcharbeiten. Lesen, Zusammenhang erkennen, Markieren. Dann spreche ich ein, nehme diverse Stellen erneut auf. Eins plus Eins plus Drei im Sinn. Am Ende sind das doch nur maximal 30 Euro die Arbeitsstunde und ist jemand damit selbstständig wird davon nochmal ein Zehner abgezogen.
Öhm... lohnt sich das? Oder habe ich einen Denkfehler?
Man kann ja nicht acht Stunden am Tag lesen.

Einen wunderschönen Tag an alle
Sabrina
 

Dagmar

I'm not weird, I'm gifted
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Wassn das für ein depperter Artikel?
Unter 200/fertige Hörstunde bei Aufnahme im Fremdstudio, also mit der teuren Technik ANDERER, und ohne dass du noch schneiden oder auf den Ton achten musst etc. sollte das Minimum sein. Alles andere ist einfach nur miese Bezahlung. Es kann sein dass man das mal macht um überhaupt mal was gemacht zu haben, wenn man einfach nirgendwo anders den Fuß rein kriegt. Dann aber bitte für Leute, wo klar ist dass die auch nicht viel mit deiner Leistung verdienen werden, sondern es sich um Liebhaberprojekte, Autorenselbstvermarktung o.ä. handelt. Und nicht 50 von den Dingern machen, sondern so schnell wie Möglich den Absprung damit kriegen.
 

Alex

Euch werd ich was erzählen...
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Was Dagmar sagt.
Noch was anderes, sei vorsichtig mit raschen Veröffentlichungen, auch wenn du die Möglichkeit dazu bekommst.
Hab den Fehler leider auch mal begangen (klassische Unterschätzung des Themas).
Ist erstmal ein frühes Werk von dir auf dem Markt, welches noch nicht ganz rund gesprochen ist,
lässt sich der gemeine Wuthörer in teilweise echt derb miesen Latrinenkommentaren darüber aus.

Man kann ja nicht acht Stunden am Tag lesen.
8 Std ist natürlich schon heftig. Aber so bis 6 Std. mit Pausen geht irgendwann.
Da hast du dann aber auch 80-100 Seiten geschafft.

Ich persönlich mag die Arbeit an Hörbüchern viel lieber als Imagefilme o.ä.
auch wenn letzteres besser bezahlt ist...:rolleyes:
 

Spirit328

Dem Raumhall sein Tod!
Teammitglied
Das sind ja noch gute Gagen. 6 x 200 = 1.200 € / Tag.
Da verdienen viele ehemalige Ton-Kollegen (zu NICHT Coronazeiten) höchstens die Hälfte. Und das ist dann kein "Koffer-Job", wo man ans Pult tritt, Soundcheck macht, Show fährt und des Nachtens im eigenen Bettchen rüsselt, sondern meistens noch Auf- und Abbau inkl.
Aber wenn frau davon leben muß, sind 1.200 € auch nicht wirklich viel. Da gehen noch Steuern und sonstige Abgaben und Krankenkasse runter. Dann sollte frau noch etwas vorsorgen für Zeiten wo keine oder sehr wenige Aufträge reinkommen ...

Bei uns war damals die Daumenregel: 1/3 für den Staat und KK, 1/3 Rücklagen und 1/3 Verdienst. Mal mehr mal weniger.
Das ist aber auch schon ein oder zwei Dekaden her. ;)

... und wenn frau/man dem Drängen der "Gagenkürzer" erst einmal nachgegeben hat, ist es SEHR schwer die Gagen wieder in realistische Höhen zu bringen.
 

Alex

Euch werd ich was erzählen...
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Das sind ja noch gute Gagen. 6 x 200 = 1.200 € / Tag.
Da verdienen viele ehemalige Ton-Kollegen (zu NICHT Coronazeiten) höchstens die Hälfte
Den kleinen "Hinker" in dem Vergleich möchte ich noch entschärfen.
6 Std Einsprecharbeit am Tag entsprechen nicht 6 fertigen Hörstunden.
Es sei denn man liest als first shot perfekt und fehlerfrei ein. Ich kann das jedenfalls nicht. ;)
Auch ist in der Summe die ganze Skript Vorarbeit enthalten die allein schon zeitaufwendig ist. Alles andere deckt sich mit deinen Ausführungen.
Wahrscheinlich muss jeder der diese Art Job machen will, ne Portion Idealismus, Leidenschaft und Ducrhgeknalltheit mitbringen. ;)
 

Spirit328

Dem Raumhall sein Tod!
Teammitglied
Das macht es leider nicht einen Deut besser: Die Vorarbeit ist "all in"? Jesses nä!
Das macht die Kalkulation ja noch weniger attraktiv.

... ich traue mich es kaum zu sagen, aber da wird mein derzeitiger Job ein klein bißchen besser bezahlt, gut das mit den 8 Stunden Arbeit pro Tag klappt selten und es ist halt ein Job und kein Beruf. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied. ;)

Aber das ist schon hart verdientes Brot oder wie Karl Valentin einst gesagt haben soll: Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. :)
 

Dagmar

I'm not weird, I'm gifted
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Das sind ja noch gute Gagen. 6 x 200 = 1.200 € / Tag.
Da verdienen viele ehemalige Ton-Kollegen (zu NICHT Coronazeiten) höchstens die Hälfte. Und das ist dann kein "Koffer-Job", wo man ans Pult tritt, Soundcheck macht, Show fährt und des Nachtens im eigenen Bettchen rüsselt, sondern meistens noch Auf- und Abbau inkl.
Aber wenn frau davon leben muß, sind 1.200 € auch nicht wirklich viel. Da gehen noch Steuern und sonstige Abgaben und Krankenkasse runter. Dann sollte frau noch etwas vorsorgen für Zeiten wo keine oder sehr wenige Aufträge reinkommen ...

Bei uns war damals die Daumenregel: 1/3 für den Staat und KK, 1/3 Rücklagen und 1/3 Verdienst. Mal mehr mal weniger.
Das ist aber auch schon ein oder zwei Dekaden her. ;)

... und wenn frau/man dem Drängen der "Gagenkürzer" erst einmal nachgegeben hat, ist es SEHR schwer die Gagen wieder in realistische Höhen zu bringen.
@Spirit328 äh.. deine Rechnung ist fasch: du machst ca. 3 fertige Stunden am Tag, vielleicht wenn du fleißig und gut drauf bist und der Text easy und gut vorbereitet auch 4, aber das ist hart. Und die Vorbereitungszeit ist nicht bezahlt.
 

Jeln Pueskas

Michael Gerdes
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Obacht auch vor Billigangeboten. Ich wurde mal gefragt, ob ich für einen kleinen Verlag Hörbücher einspreche mit einem Preis von 700€ pro Buch. Ich weiß nicht mehr, wieviel Seiten das waren, es ging aber um einen Roman und nicht um eine Kurzgeschichte. Da habe ich dann abgelehnt. Nicht dass 700€ wenig Geld sind. Aber ich hätte dafür meine Ausrüstung nehmen müssen. Neben dem Einsprechen hätte ich das noch Schneiden und Mastern sollen. Quasi als Endprodukt servieren. Und da sind 700€ verdammt wenig für die Menge an Arbeit, die man sich ans Bein bindet und in dieser Zeit auch nichts anderes machen kann. Ich verstehe durchaus, dass 700€ für manchen kleinen Verlag vielleicht das Maximum sind, was sie zahlen können, da sie auch nicht so bekannte Autoren haben. Aber wie Dagmar schon sagte, ist das mehr ein Liebhaberpreis. Und für einen guten Kumpel
 

ROH

Ryan
Das sind ja noch gute Gagen. 6 x 200 = 1.200 € / Tag.
Da verdienen viele ehemalige Ton-Kollegen (zu NICHT Coronazeiten) höchstens die Hälfte. Und das ist dann kein "Koffer-Job", wo man ans Pult tritt, Soundcheck macht, Show fährt und des Nachtens im eigenen Bettchen rüsselt, sondern meistens noch Auf- und Abbau inkl.
Aber wenn frau davon leben muß, sind 1.200 € auch nicht wirklich viel. Da gehen noch Steuern und sonstige Abgaben und Krankenkasse runter. Dann sollte frau noch etwas vorsorgen für Zeiten wo keine oder sehr wenige Aufträge reinkommen ...

Bei uns war damals die Daumenregel: 1/3 für den Staat und KK, 1/3 Rücklagen und 1/3 Verdienst. Mal mehr mal weniger.
Das ist aber auch schon ein oder zwei Dekaden her. ;)

... und wenn frau/man dem Drängen der "Gagenkürzer" erst einmal nachgegeben hat, ist es SEHR schwer die Gagen wieder in realistische Höhen zu bringen.

A - s.o.
B - das ist FERTIGE Hörstunde

Du gehst davon aus - dass sie 6 Stunden am Stück fertigen Kontent produziert. Überleg mal was dazu gehört: Sie muss den Text lesen. Lies mal ein Buch und stop die Zeit. Die kriegt sie nicht bezahlt.
Dann muss sie am Stück einsprechen. Das ist nicht 1 Stunde sprechen = 1 Stunde Rohmaterial. Sie produziert auf jeden Fall länger als eine Stunde Material.
Egal wie gut sie ist - und sie wird es sich noch mal anhören und evtl. schneiden.
Die Zeit gehört da oben drauf.
1 Stunde einsprechen = 1 Stunde anhören. Vielleicht nachbessern.

Nach deiner Theorie spricht und hört sie 12 Stunden Kontent am Tag und das OHNE Vorbereitung und OHNE Fehler.^^
 

Delay

Well-known member
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Man sagt mit Schnitt entspricht einer Hörbuchstunde ca. 3 1/2 Stunden Arbeit und da muss man schon sehr gut sein um nur 3 Stunden zu brauchen.
Eine Stunde Hörbuch sind ca. 1 1/2 Stunden Aufnahmezeit, je nach Buch, wie gut man sich vorbereitet hat und wie viel Übung man darin hat auch länger oder kürzer. Ist teilweise auch tagesform abhängig, es gibt Tage da liest man wie ein junger Gott und Tage da verliest man sich alle 2 Sätze. Wobei 1 1/2 absolut das sind was man rechnen kann. Dann kann man Schnitt noch gut 2 Stunden rechnen, umso weniger man sich verliest umso schneller geht das natürlich. Dank Streaming sind die Preise für Hörbücher mittlerweile auch eher im Keller. Für die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubärs gelesen von Dirk Bach als Hörbuch mit 15 oder 16 CDs hat man Neupreis 100€ hingeblättert. Hörbücher waren damals zugegebenermaßen ein richtiger Boom und noch eine echte Investition. Das lief natürlich alles über Studios mit Regie und Tonmeister. Nach dem Schnitt noch von ein paar Testhörern gegengehört, das ist heutzutage eher seltener der Fall und eher noch den Bestsellern vorbehalten. Ich würde mal behaupten sehr vieles von dem was neu auf Audible rauskommt wurde von Sprechern im stillen Kämmerlein alleine aufgenommen und entsprechend auch selbst geschnitten, testgehört und gemastert.
Die Kommentarkultur auf Audible ist auch eher eine toxische.
Klar, dem Hörer interessieren die Umstände nicht, die bezahlen ja für ein fertiges Produkt.
Ich hatte hier auch mal was mit Staffelung.
Pro Nettostunde gab es für die ersten 15 Stunden 20€
Der höchste Satz waren 50€ die Hörbuchstunde, die man bekommen hat wenn man über 120 Hörbuchstunden aufgenommen hat :D
Und ich kann nur sagen, das waren keine einfachen Texte, im Gegenteil. Das waren gemeinfreie, altdeutsche, bockschwere Dinger, teilweise mit regionalem Dialekt.
 
Zuletzt bearbeitet:

Spirit328

Dem Raumhall sein Tod!
Teammitglied
Das ist ja noch schlechter bezahlt als ich befürchtet habe.
Und die Bezugsgrösse also fertige Hörbuchstunde ist echt hinterhältig.
Ich hatte erwartet, dass die Vorbereitung separat, wenn auch vielleicht mit reduziertem Stundensatz bezahlt würde.
Ich denke, dass wohl Übersetzer noch mieser bezahlt werden.
Und was ich noch unfairer finde ist dass auch noch der Schnitt und Mastern auch noch erwartet werden.

Hartes Brot und viel Arbeit. War vielleicht doch gut, dass ich damals auf meinen Orthopäden gehört und umgesattelt habe.
Sonst wäre nicht nur der Rücken am Arsch, sondern meine wirtschaftliche Lage auch.

Da mache ich lieber einen Job, der mir Spaß macht, aber nicht mein Beruf ist.
Dafür werde ich halt privat das ein oder andere Mal "rückfällig".
Ich hoffe das die Kunden in Zeiten von Corona wenigstens vermehrt Hörspiele Bücher nachfragen und so das Kleinvieh genug Mist macht.
 

Dagmar

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Da mache ich lieber einen Job, der mir Spaß macht, aber nicht mein Beruf ist.
Dafür werde ich halt privat das ein oder andere Mal "rückfällig".
Ich hoffe das die Kunden in Zeiten von Corona wenigstens vermehrt Hörspiele Bücher nachfragen und so das Kleinvieh genug Mist macht.


Hm, ich lebe vom Hörbuchsprechen. Das ist ein Job der mir Spaß macht und eine Berufung. Und ich kann gut von leben. Aber es ist eben kein hinterhergeschmissenes Geld. Und meine Preise sind andere als diese lächerlichen oben genannten ;) UND ich mache keine Postproduction, dafür hätt ich keinen Nerv.
 

Spirit328

Dem Raumhall sein Tod!
Teammitglied
... das ist doch ziemlich nah an einem paradisischen Zustand :)
So viel Glück haben nicht alle Menschen und ich bin dankbar mit der Situation, in der ich mich befinde.
Und ich freue mich für Menschen, die ihre Berufung gefunden und in die Realität umgesetzt haben.
Es sei denn es sind diese unglaublichen Menschen, die für eine beispiellose Frechheit einer Entlohnung unsere Mitmenschen versuchen am Leben zu halten, die von diesem heimtückischen Virus befallen wurden.
Da fühle ich mich unglaublich priviligiert in meinem Home-Office und verneige mich in tiefem Respekt.

... und hintergeschmissen wird auch meinen Kollegen und mir das Geld nicht. Zumindest habe ich es noch nicht so erlebt. ;)
 

Dagmar

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PITCHEDsenses

Musik, Cut, FX, Art
@Dagmar Wie sieht es eigentlich rechtlich nach dem Aufnehmen aus? Hat man Anteile, oder ist das Geld quasi die komplette Gegenleistung und das Ganze gehört dem Auftraggeber? Kann man da evtl grob eine Vorstellung bekommen, wie das so weiter abläuft?
Ich denke auch, dass da auch deutlich mehr als 200€ rüberkommen muss für eine fertige Hörstunde (Hörbuch). Hörspiele werden soweit ich weiß pro Take bezahlt?
 

Dagmar

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@Dagmar Wie sieht es eigentlich rechtlich nach dem Aufnehmen aus? Hat man Anteile, oder ist das Geld quasi die komplette Gegenleistung und das Ganze gehört dem Auftraggeber? Kann man da evtl grob eine Vorstellung bekommen, wie das so weiter abläuft?
Ich denke auch, dass da auch deutlich mehr als 200€ rüberkommen muss für eine fertige Hörstunde (Hörbuch). Hörspiele werden soweit ich weiß pro Take bezahlt?

Hörspiele kenn ich meist nach Stunde oder pauschal bezahlt, aber ich glaub es gibt auch Leute die pro Take zahlen.
Ich selber hatte das aber noch nicht glaub ich... oder einmal? äh.. keine Ahnung... *grübel* also soweit ich mich bewusst erinnere war das glaub ich immer pro Stunde oder ein fester Satz.

Anteile hat man eigentlich fast nirgends mehr. Ich hab einige ganz wenige Verlage, wo man nochmal 2% vom HAP (Händlerabgabepreis) bekommt, aber i.d.R. wird da erstmal deine Gage gegengerechnet. D.h. bis du mit den 2% deine Gage rein hast bist du eh schon in der Kiste, außer du hast wirklich mal Glück und nen Bestsellertitel erwischt. Bei mir ist das noch nicht eingetreten.
Bei einem Verlag hab ich die 2% ohne Anrechnung, aber der zahlt dafür auch pro Audiostunde schlechter, d.h. das gleicht sich dann quasi auch wieder aus.
 

Comewhatmay

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Tipp:
Wenn ihr mal ein Angebot bekommen solltet für jemanden ein Hörbuch einzusprechen und er/sie euch eine Royalty Share Beteiligung anbietet, schlagt es bitte aus. Ausnahme: Es ist JK Rowling oder so ;-) .
IdR geht ihr dann damit in Vorarbeit und bekommt das Geld nie wieder rein.

Schöne Feiertage :) .
 
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