Also ich denke vielen ist schon mittlerweile klar, dass ein Bild mit einer KI zu generieren einen selbst nicht zum künstler macht oder? Und wer den Schuss nicht gehört hat, der ist vermutlich selbst Laie und wäre gerne ein Künstler.
Jedoch finde ich das runterspielen der KI Nutzung im kreativen Prozess etwas mager, denn klar, man ist selbst kein Künstler, aber man kann durchaus Creative Director sein und bewusst kuratieren, was in das Produkt hinein genommen wird, damit es der kreativen Vision entspricht. Beispielsweise ein Comic. Klar ist man nicht der künstler des Comics, aber man ist irgendwo Projektleiter und muss Entscheidungen treffen, wie das Endprodukt rüber kommen soll. Und damit wird eine Sammlung vorgenommen, die einer Vorstellung folgt, die jemand versucht für andere Sichtbar zu machen. Und somit muss es eine ästehtische Koherenz erreichen.
Seit der Moderne ist der Begriff Kunst so weit weg, vom Ölgemälde, dass jemand, der sich Bilder aus der Bravo ausstanzen lässt und die gestanzten Bilder dann aneinander legt schon wieder ein Künstler ist.
Ich finde es ist eine Sache etwas als Rohling zu machen und sich dann hinzusetzen um das Ganze richtig zu gestalten oder damit einfach und schnell Geld verdienen wollen. Selbst wenn man sich dabei nicht als Künstler als solches betitelt, leiden alle anschließend darunter dass man den AI-Slop veröffentlicht. Zum einen jene, die es nicht sehen wollen, weil die Qualität eben nicht auf dem Level ist, das man erwartet, zum Anderen weil man selbst zu kritisch wird und echte Künstler angegangen werden, sie würden nur KI-Scheiß machen, obwohl es echte Fotokunst oder ähnliches ist, wo Jahre an Erfahrung drin steckt. Häufen sich ja auch, diese Meldungen.
Ich glaube manchmal wird etwas verkannt, dass die Leute, die generative KI benutzen, nicht unbedingt Künstler sein wollen, sondern ihre Ideen hörbar oder sichtbar machen wollen. Würden alle Künstler, die ich kenne kostenlos arbeiten, dann würde ich ihnen sofort alle meine Idee geben, wie ich gerne eine Geschichte illustriert haben möchte und würde das mit denen besprechen und dann am Ende ein von echten Menschen produziertes Artworkbuch für eine Story haben. Aber Künstler wollen Geld haben, weil sie auch leben wollen und daher würde für diese Geschichte nie irgend etwas visuelles jemals irgendwo erscheinen. Denn derjenige, der die Idee hat, hat auch nicht genug Geld das zu bezahlen. Es ist daher schon eine Demokratisierung der Umsetzung von Konzepten und Ideen, die sonst nur durch Connections und genug Geld das Licht der Welt erblickt hätten.
Du kannst überall über das Internet jemanden finden versuchen, der sich deinem Vorhaben anschließt und etwas mit dir gestaltet. Schau dich hier im Forum um. Niemand will einen Cent dafür haben. Es macht einfach Spaß. Auf Reddit gibts Leute die dir Fotos restaurieren von geliebten Verwandten, von denen du nur ein halb zerstörtes Foto hast. Viele davon kostenlos. Die ganze Open-Source-Community und solche Projekte wie Wikipedia machen das alles unentgeltlich, einfach weil sie es für sinnvoll erachten. Selbst kleine Gruppen an Leuten setzen sich zusammen und bauen ein Spiel, bei dem jeder auf was anderes spezialisiert ist (Sound, Grafik, Programmierung) und sie stecken da 3 Jahre Arbeit rein in der Hoffnung, dass sie am Ende einen Spiel haben, was sich verkaufen lässt. Du kannst diese Leute finden. Es ist dank dem Internet schon längst demokratisiert.
Wenn man selbst die Arbeit und Kraft nicht reinstecken will, ist das aber doch auch ok. Es muss nicht jeder alle seine Gedanken in die Welt veröffentlichen. Dann macht man das privat für sich in seinem Zimmer und fertig. Einige (viele) sollten es auch lieber nicht veröffentlichen (siehe dein Beispiel mit der Ballerina).
Früher hattest du Hobbies, die hast du im Privaten für dich umgesetzt und ab und zu wurde durch Zufall jemand daraus entdeckt und konnte vielleicht ein bisschen Geld nebenher damit machen. Aber Hobbies waren eben ansonsten einfach für dich da. Zur Entspannung oder um was Neues zu lernen. Heute muss das alles gleich veröffentlicht und kommerzialisiert werden und eigentlich ist das nur eine Demokratisierung dieses Geschäftszweigs und nicht mehr. Man hätte das auch früher machen können, aber man hat nicht genug Zeit und Arbeit reingesteckt, damit das passiert und auf einem Level war, dass jemand es hätte sehen/hören/fühlen wollen. Heute denkt man, die Maschine macht es für mich, es kommt dabei low-level-Müll heraus aber man erwartet, dass man gleich das große Geld damit macht. Es wird oftmals eben nicht als Werkzeug verstanden um sich selbst dabei zu verbessern, sondern es soll den ganzen Prozess vereinfachen, damit man mehr Geld scheffeln kann. Leute setzen sich nicht hin und fragen sich, was sie ausdrücken wollen, sie haben eine erste schnelle Idee und die wollen sie sofort umgesetzt sehen. Das ist kein Prozess mehr, an dem du Dinge verbesserst und es rund schleifst. Entertainment hin oder her.
Während dessen sind wir auf einem Level der Stromproduktion der KI-Rechenzentren in den USA allein, dass die halbe EU damit versorgt werden könnte (
Golem.de: IT-News für Profis ). Tut mir leid, aber da hörts bei mir echt auf. Wir verbrennen weiter mehr Ressourcen dafür dass wir kulturellen Müll rausfeuern, was im besten Fall keiner sehen will, im schlimmsten Fall bösartige Propaganda ist. Da gibt es für mich irgendwie keine Argumentation, die das auch nur annähernd rechtfertigen würde. (Ok hier verlass ich gerade den Punkt mit der Kunst, aber ist auch irgendwie alles schwammig zur Zeit, sorry.)
Ich möchte mich einmal dafür entschuldigen, dass ich bei dem Thema KI manchmal wie der Advocatus Diaboli rüberkomme.
Da brauchts keine Entschuldigung ;-) Ohne die 'andere Seite' der Diskussion haben wir doch gar keine Diskussion
Mir fällt immer wieder auf, dass der eigentliche Nutzen von KI häufig so sehr auf das Thema "bist du künstler oder nicht" gemünzt wird, anstatt auf das, was eigentlich im wesentlichen damit gemacht wird. Keiner der sich für Kunst interessiert, interessiert sich für KI Kunst. Aber Leute die entertaint werden wollen, interessieren sich für hübsche bilder und lustige songs oder vielleicht auch den kuratierten KI-Bild Comic, der eine bewusst erzählte Geschichte darstellt. Und dafür wird es auch abnehmer geben. Alleine wenn man Ballerina Cappuccina sieht. Letztens habe ich Schlüsselanhänger mit diesen schrecklichen Figuren gesehen, aber die Kinder machen sich einen Gaudi draus. Alles KI generiert, nichts davon ist wirklich bewusst gemacht worden, aber scheinbar genug happy accident, dass es kommerziell verkauft und sich wie ein lauffeuer verbreiten kann.
Der Nutzen dieser Algorithmen liegt meiner Meinung nach nicht im künstlerischen Bereich, sondern in Assistenzsystem wie das
@pio als Beispiel in dem anderen Thread gebracht hat. Alles medizinische, was dadurch besser läuft: go for it. Da hast du am Ende wahrscheinlich einen sinnvollen Mehrwert dabei. Erkennung von Dingen in der Forschung und Zeitsparen oder bessere Simulationen, alles gut. Solange man es verstehen kann und es keine Blackbox ist.
Ich hab Leute in der Bekanntschaft, die schreiben eine Karte zum Geburtstag mit ChatGPT. Wenn es jemanden nicht wichtig genug ist, sich den Text auszudenken, warum zur Hölle schreibt man dann überhaupt diese Karte. Lasst es einfach weg.