Mr_Kubi

Der auf den Bus wartet
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Okay, haben wir jetzt hier eine Kunstdiskussion?

Achtung es folgt eine Fragesammlung und meine absolut gar nicht gefestigte Meinung dazu...

Was ist Kunst?
Aus meiner Sicht ist sie ein menschliches Produkt und Ergebnis eines kreativen Prozesses. Dadurch entsteht ein Teil unserer Kultur im Gegensatz zur Natur. Die Natur ist ja erst einmal ohne unser Zutun einfach da...
Btw. auch „Künstliche Intelligenz“ trägt den Begriff „Kunst“ in sich, eben weil sie vom Menschen geschaffen wurde.

Wird KI Menschen kreativer machen?
Das bleibt zu hoffen, obwohl das vermutlich nur einzelne Menschen betreffen wird. Die Mehrheit schwimmt mit dem Strom und wird neue Künste schrecklich finden, bis sie plötzlich Mainstream sind (vgl. Bauhausstuhl und Co.)

Neue Kunstrichtungen gingen in der Vergangenheit häufig von kleineren Künstlergruppen aus, die von ihren Werken überzeugt waren. Auch wenn es sonst niemand war. Das passt gut zu relativ alten psychologischen Untersuchungen zum Minoritäteneinfluss vgl. Moscovici (Blau/Grün Karten) und Einfluss der Mehrheit vgl. zu Ash (Linienlängen schätzen).

Ich glaube, wenn etwas zum Standard wird, gibt es immer einige Menschen (Künstler), die bewusst versuchen etwas anders zu machen.
Zu der Frage, ob der KI Slop Menschen kreativer macht, um sich davon abzusetzen: Aktuell wird dazu ja häufig die kanadische Band Angine de Poitrine genannt. Das ist eine aktuell gehypte Band die mikrotonale Musik macht und angeblich tut sich KI damit noch schwer. Der Witz an deren Musik ist, sie spielen immer leicht am gewohnt gelernten Ton vorbei. Klingt leicht besoffen aber auch spaßig, wird aber nicht jedem gefallen. KI ist aktuell sehr genau, damit ist chaotische Ungenauigkeit ein möglicher kreativer Ansatz...Ob KI chaotische Ungenauigkeit auch bald kann, naja wir werden sehen. ;)


Bandseite auf youtube:

Warum schaffen Menschen Kunst?
Ich glaube, Künstler schaffen Kunst vor allem, um bei anderen Menschen irgendwie Emotionen auszulösen (Freude, Ekel, Angst, Überraschung, Stolz, Neid...) und um wahrgenommen zu werden. Neben den Einwirken auf andere Menschen, gibt es auch den umgedrehten Weg. Also die Eindrücke der Welt um sich herum (also die Machenschaften der Mitmenschen) zu verarbeiten. Künstler beschreiben den Schaffensprozess dann ja oft so "Ich konnte nicht anders - es musste raus".
Trotzdem denke ich, das das Ziel oder der Auslöser immer ein anderer Mensch, bzw. dessen Machenschaften sind. Auch wenn das dem Künstler im Schaffensprozess oft selbst nicht klar ist.

KI ist mittlerweile sehr gut darin, menschengemachte Kunst wie Musik, Bilder etc. nachzuahmen. So das auch KI gemachte Werke durchaus in Menschen Gefühle auslösen können, und sie diese Werke konsumieren (vgl. Spotify Top Ten Liste).
Der Auslöser für die KI zum Schaffen von Werken ist (noch) der Prompt eines Menschen.

Was bedeutet das für uns Menschen und unser zukünftiges Verhältnis zur Kunst?
Muss menschliche Kunst jetzt immer von Menschen live und unmittelbar erlebt werden, damit wir ihr noch vertrauen können – oder sind auch Konserven wie Musikaufnahmen, Fotos und Werke im Internet in Zukunft noch menschliche Kunst (Stichwort Vertrauen)?
Das würde auch bedeuten, jeder Künstler braucht beim Schaffensprozess ein Publikum, was bekundet es ist menschengemacht. Klar bei Bands ist das einfach, aber Maler, Schriftsteller etc. wollen nicht unbedingt ein Publikum...

Und letztendlich noch eine abschließende Frage: Ist der Mensch der wirklich der einzige Konsument von Kunst?
Durch Agentensysteme nähern wir uns dem Status KI beurteilt KI gemachte Dinge. Vielleicht haben wir irgendwann KI Kunstwerke, die gar nicht für uns gemacht sind und die wir auch nicht mehr verstehen?

Zugespitzt könnte man auch fragen: Gott schuf den Menschen, der Mensch schuf die KI – wie steht Gott eigentlich zu unseren Handlungen?

Was für ein Fragenwirrwarr...sorry für dieses etwas längere Pamphlet. Wofür auch immer ;) .

Greetings Kubi
 
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soundjob

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In der Isolation von Sehnsüchten braucht es das Bedrüfnis der Verarbeitung als notwendiges Überlebenswerkzeug.
Manche nennen es "Kunst", andere nennen es aus bestimmten Gründen* "Tätigkeit/Handwerk" (wie auch ich) und doch ist beides eine Ausdrucksform einer eigenen fantasievollen Sprache mit dem gleichen Bedürfnis: Sehnsüchte zu verarbeiten.

Es ist ein psychologisches Ventil.
Der Antrieb obliegt natürlich individuell unterschiedlichen Motiven und Sprachen, aber im Kern liegt es der selben Sehnsucht und Wünschen zugrunde: Identität, Bedeutung, Verwirklichung.

KI als Konkurrenz und Weg in die Identitätskrise ?
KI kann uns durchaus beeindruckend die Kulissen und Maskeraden als Abziehbilder unserer Wünsche vorführen und uns dabei unterstützen, diese zu skizzieren, aber sie verschafft uns schlussendlich keinerlei Identität und Bindung.
Sie verschafft uns keine Bindung zum Werk, eben weil sie kein psychologisches Ventil der Verarbeitung von Sehnsüchten ist, sondern nur eine Illusion des Werks und eine Illusion der Verarbeitung.
Natürlich kann KI durchaus ein probat zweckdienliches Mittel der Verwirklichung sein, aber es ist ein sehr sehr schmaler Grad zwischen SELBSTVerwirklichung, Identität und Bedeutung.... kurz, Selbstbildnis.

Begreifen wir Selbstverwirklichung als Akt von Freiheit und Unabhängigkeit, so macht uns ein ausgiebiger Gebrauch von KI zwangsläufig zu abhängigen, identitätslosen Gefängnisinsassen.

*Ich begreife ein "echtes" Kunstwerk in eben seiner Einmaligkeit als ein (gewollt) nicht noch einmal reproduzierbares Unikat.
Wird es durch z.B. denselben Künstler stetig als Zyklus reproduziert, ist es irgendwann "lediglich" Handwerk und das "Kunstwerk der ersten Stunde" per se als solches an kunstwerkliche Bedeutung ggfls. verlieren würde, oder ?
Man stelle sich z.B. vor, Michelangelo hätte die sixtinische Kapelle ganz exakt mehrmals erschaffen. Und mit ihm, gleich etliche andere Künstler ebenfalls Dutzende sixtinische Kapellen gleich mit.
Sicherlich wären ohne Zweifel alle gleichermaßen atemberaubend und jedes für sich genommen- allgemein betrachtet, vlt. ein "Kunstwerk"... aber wäre es das denn noch wirklich "außergewöhnlich" und noch "atemberaubend" ?
Würden sie in der Masse von z.B. Tränen im Regen noch jene erkennbare Botschaft mit sich tragen, für die man sich interessierend separiert besondere Bedeutung zumessen würde ?
Wo verweilt die Grenze der Illusionen, der Zweckdienlichkeiten und die der Verwirklichung, um letztlich als Identität wahrgenommen werden zu können?

In der KI sicherlich nicht, denn sie ist das Paradebeispiel eines Gegenbeispiels !
Aber auch nicht in der Ausdrucksform des "Künstlers", wenn er genau das gleiche und das Gleiche immer wieder macht, wie Millionen andere auch... dann ist auch er nur eine "Träne im Regen".
... und stets das immer wieder Gleiche zu machen- und sich somit stetig wiederholend selbst zu kopieren, plagiieren etc.- wo hört da Kunst auf und wann ist es einfach "nur" (mehr oder weniger gutes) Handwerk ?
Was, wenn das "Ventil" zum reinen Selbstzweck verkommt, aber kein Ausdruck eines sehnsuchtsvollen Wunsches mehr ist ?
 
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Telliminator

Sample-Collector
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Als angehender Musiker, lernt man doch immer das Gleiche. Erst die Tonleiter, quält sich rauf und runter, bis man es kann, nur um dann wie 90%, der später nicht mehr Musizierenden, das Gleiche nicht gut zu können, weil diese ständigen Wiederholungen zur Übung, einem aus dem Hals raus hingen ... vielleicht ist die K.I. bald so weit, dass sie sagt, "Nö, ich will nicht mehr immer nur das Gleiche machen!", und hört auf und uns bleibt, nur die echte Musik übrig. 😅
 

MonacoSteve

... nicht ganz Dichter
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Schöner Beitrag, Markus. Ich habe nur ein bisschen Schwierigkeit damit, wie du "Kunst" und "Handwerk" voneinander absetzt und die Begriffe vielleicht sogar fast schon gegensätzlich siehst. Ich verstehe natürlich, wie das kommt: Hört man zuerst nur "Handwerk" bzw. "Handwerker" so verknüpft man damit primär eher Maurer, Tischler, Elektriker... mithin also diejenigen, die praktische, notwendige Gebrauchsgegenstände herstellen. "Künstler bzw. Kunst" hingegen mag sich davon dadurch unterscheiden, dass es sich hierbei um Menschen und deren Produkte handelt, die gerade das nicht sind - niemand braucht ein Bild von Picasso zum Leben, oder eine Symphonie von Beethoven. Wie oft bei solchen Betrachtungen ist der Übergang natürlich fließend, aber eines ist dennoch wichtig: Ein Handwerker muss Kunst nicht verstehen, ein Künstler Handwerk aber sehr wohl, denn er muss seine Kunst auch zum Ausdruck, zum Existieren bringen können. Sonst bleibt er ein einsamer Phantast, ein Theoretiker, oder ist bestenfalls Auftraggeber für ein Kunstschaffen, das er in andere Hände auslagert - jedoch kein Künstler. Für mich gehören Idee und handwerkliches Verwirklichungsvermögen - in derselben Person vereint! - für einen Künstler untrennbar zusammen. Aber wer das hat und kann, der ist dann auch Künstler, und nicht nur Handwerker.
 
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Strom

Tausendsassa
Quod erat expectandum, bzw. timendum 😜 🤭

Wie in dem anderen 'Rettet die Synchronbranche'-Thread geht es jetzt auch hier wieder vorrangig um die Frage 'Was ist Kunst?'. 'Kann KI Kunst? etc etc...
Und ich merke wieder nur (um so mehr), dass das an meinem Problem mit KI völlig vorbei geht - oder sagen wir: dass die Einsicht und Erkenntnis, WAS denn nun tatsächlich KUNST ist, mir nicht bei meinem Problem damit hilft oder Linderung bringt...

Aber es ist auch müßig - und energiezehrend...

Erstmal Kaffee - und einen schönen langen Donnerstag gewünscht :cool:
 
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soundjob

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Moin Stefan.
Natürlich hast du mit der Deklarierung von Kunst vollkommen recht und ich verstehe auch absolut, weswegen man sich mit meiner Auffassung der Separation von "Kunst" und "Handwerk" im ersten Moment schwer tut.
Und ich habe die Begrifflichkeiten auch ganz bewusst so gesetzt, weil selbstverständlich die Standarderklärungen von Sammelbegriffen der Künstlerdefinition zu erwarten und es eine gute Gelegenheit ist, auch einmal zwischen den Zeilen zu denken und die Deklarierung auch einmal von der anderen Seite der Medaille zu betrachten. Drehen wir es einmal um 🙃:
Die Standardfolklore ist natürlich "ein Künstler beherrscht sein Handwerk".

Wir kommen aber standardfolkloristisch nicht auf den Gedanken, einen Handwerker (z.B. Elektroinstallateur, streichender Maler etc.) im Gegenzug "Künstler" zu nennen. Aber weswegen eigentlich nicht ?
Also im allerbesten Falle solle ein Handwerker natürlich bitte bitte sein Handwerk verstehen 🙏😄... aber wir kommen eigentlich so gar nicht bewusst auf den Gedanken, dass ein "simpler Handwerker" seine Arbeit vlt. auch virtuos verrichtet, und neben der reinen Funktionalität ein äußerst ästhetisches Ergebnis herstellt. (welches uns gar nicht auffällt... soll es auch gar nicht, denn das bedeutet, dass das Ergebnis perfekt ist, bzw. alles funktioniert).
- nehmen wir beispielsweise den Maler&Lackierer, der z.B. eine Tür farblich nahtlos und ohne jeden Einschluss makellos lackiert, als wäre sie von der Maschine perfekt beschichtet worden. Wir kämen in unserem Naturell gar nicht auf den Gedanken, dass das Kunst sei.
Oder ein Elektroinstallateur, der einem die Leitungen verlegt, technisch sauber und 100% sicher.
Oder der Tapezierer, der einem das ganze Haus macht und später nicht eine Naht sieht.
Wir denken gar nicht darüber nach, wie kunstvoll und handwerklich perfekt der Mensch da eigentlich seine Arbeit verrichtet hat.
Aber wenn wir dann einen Nagel in die Wand kloppen, ein Bild an diese Wand hängen (irgendein Druck aus dem Kaufhaus) erfreuen wir uns an der Kunst des Bildes.
Oder ein jeder (Laie) der schon mal versucht hat eine Tür zu lackieren, wird nicht annähernd die Perfektion eines meisterhaften Lackierers erzielen... sobald er aber einen Pinsel in die Hand nimmt, ein paar diffus abstrakte Kleckse auf die Leinwand tupft, sind wir sofort in diesem "Künstler-Modus" und wollen ihm Kunst zusprechen. Sei sie ästhetisch ansprechend oder nicht.

Wenn man dies nun einmal unter diesen Prämissen zwischen den Zeilen liest- dann versteht man meine Deklarierung auch dahingehend, dass ich nicht wirklich Kunst<>Handwerk trenne... sondern nur Kunst von Kunst. 🤷‍♂️
 

soundjob

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Und wie @Strom schon bemerkte, schweift die Debatte vom "Sinn des SEIN" hin zu "was ist eigentlich Kunst ?" wieder ab.
Mögen wir alle auch unterschiedliche Auffassungen davon haben, was Kunst nun sei (oder nicht), bleibt der Kern der Angelegenheit und dieses Threads eigentlich: "Warum fühle und sehe ich mich durch die KI als "Künstler" (und Mensch in meiner lebenslangen Tätigkeit) entwertet ?"
"Wie gehen andere tatsächlich in ihrer Praxis damit um (ohne die Tiraden an Floskeln herzuleiten, dass KI den Mensch nie ersetzen würde bla bla), sondern wie sie selbst diesen Zustand erleben, den Raub der quasi eigenen Künstleridentität und Sinn und was sie dazu anleitet, dennoch weiter zu machen ?"
"Was motiviert einen dennoch... und wozu, für wen ? Was erhofft man sich ?"

Ist man eigentlich aber wirklich entwertet ?
Weil die KI im Ergebnis so manches nicht schlechter macht oder gar "besser" kann, als man vlt. selbst ?
Ist das ein Grund, nun mit allem aufzuhören ?
Oder ist es ein Ansporn a la "jetzt erst recht", weil man etwas in sich hat und macht, was die KI eben im Ergebnis doch nicht kann ?
 
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Chaos

Schneewittchen
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Hallo mein Name ist Alex und ich denke bei KI in letzter Zeit vorwiegend daran, wie es die Leute verblödet, aber auch wie Datenzentren das Umwelt austrocknen, die Bauern über Ernteausfälle und Tiersterben berichten, während die Anwohner nicht mehr richtig schlafen können, weil über allem ein dauerhaftes Sirren liegt :)
Weiterhin packt mich jedes Mal die Wut, wenn mir bei der Arbeit jemand KI-generierte Antworten schickt, auf die man auch mit 3 Sekunden nachdenken und tippen hätte kommen könnten.
Bekomme außerdem Würgreiz bei visuellen Medien (Plakate vor allem), die alle die selbe Schriftart und Aufbau nutzen, oder wo ich in so ki-generierte Fressen gucken muss, die alle perfekt peoportional, symmetrisch und vor allem gebau gleich aussehen.

Wenn ich KI nutze (meistens für Code-Hilfe und Mathequatsch), dann ist das meistens Bequemlichkeit.
Es macht mich wütend wie scheiße faul man sein kann, sodass einem darüber die Kreativität abhanden kommt.
Ist eh schon schwierig, eine Erwachsene mit -10 Zeit in den Mühlen dieser Gesellschaft zu sein.
Das schlimmste ist eigentlich, wie unfassbar langweilig alles ist.

Das Internet hat einen schönen Leitspruch, er lautet:
You need to touch some grass.

lg
 

Strom

Tausendsassa
Wir kommen aber standardfolkloristisch nicht auf den Gedanken, einen Handwerker (z.B. Elektroinstallateur, streichender Maler etc.) im Gegenzug "Künstler" zu nennen.
Da bin ich natürlich gedanklich gleich bei dem Umbau meines Hauses, wo ich extrem viel handwerklich 'gemacht' habe. Einiges grundlegend notwendig technisch funktionierend - aber das meiste 'verbastelt' /aufgewertet: z.b. die Stahlträger 'künstlich' gerostet. Wände mit Lehm verputzt und mit Airbrush und brauner Farbe im Used Universe Stil geweathert. Türrahmen mit 3D designten und gedruckten Elemten verziert. Per LaserCutter Schablonen erstellt und als Prototyp umgesetzt, um davon ein Silikon Negativ zu formen, um daraus dann Frank Llyod-Wright Ennis Style Blade Runner Panele aus Beton zu gießen, mit denen ich den Wandübergang vom Studio zur Lounge beklebt habe. War ein aufwändiger try and error Prozess.
Und noch vieles anderes mehr: momentan habe ich gerade ein kleines Zimmer rundum (alle Wände + Decke) nahtlos mit SW Comic Panels beklebt. Kommt klaustrophobisch sehr cool:cool: .

Ich bin mit allem sehr zufrieden und auf alles sehr stolz. Manchmal denke ich, dass das schon was 'Besonderes' ist - darüber nachzudenken, ob das jetzt KUNST ist - wäre dann wohl hier die Frage. Mir kam der Gedanke (noch) nicht. Es sind ja so gesehen alles einmalige Unikate. Unweigerlich ertappe ich mich dabei, dass natürlich auch stolz präsentieren zu wollen, sei es bei besuchenden Kollegen oder Freunden oder auch per Foto auf Insta oder Facebook. Aber vorrangig habe ich es ja NUR für MICH gemacht/gebaut.

Das wirft vielleicht auch die Frage auf, ob genannte Kunst nicht auch immer ein (Ziel-) Publikum voraussetzt oder erfordert, um Kunst zu sein oder als solche benannt oder gewertet zu werden.

Es ist ein psychologisches Ventil.
Der Antrieb obliegt natürlich individuell unterschiedlichen Motiven und Sprachen, aber im Kern liegt es der selben Sehnsucht und Wünschen zugrunde: Identität, Bedeutung, Verwirklichung.
Das mal weitergedacht: Ja es geht (mir) dabei wohl mehr um MICH als um das WERK.
Das steht natürlich im absoluten Widerspruch zu dem KI-befürwortendem Argument: es ist doch egal, woher das Werk kommt und wer es erstellt hat, solange es doch gefällt.
Ne - ist es nicht - da ICH ja komplett aus der Gleichung raus fliege.
 
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Strom

Tausendsassa
Weiterhin packt mich jedes Mal die Wut, wenn mir bei der Arbeit jemand KI-generierte Antworten schickt, auf die man auch mit 3 Sekunden nachdenken und tippen hätte kommen könnten.
Da möchte ich auch nochmal einhaken - wenn ich hier immer wieder mal lese: WIR müssen einfach nur keine KI mehr nutzen, dann wird das Problem schon noch zu lösen sein.
Da denke ich dann, WER ist denn dieses WIR?

Ich hatte in den letzten Monaten (sind es schon Jahre?) etliche Schock-Aha Erlebnisse bei Kollegen und Bekannten, wer nicht schon was ALLES mit KI macht!!!!! Hätte ich NE gedacht!!! War oft geschockt und sprachlos.

Und hier bei meinem Job - gibt es Niemanden - egal welches Alter - der nicht KI für E-Mails, Flyer, Bilder, Texte, Geburtstagskarten, Anzeigen etc etc etc nutzt. Sogar völlig unbedarfte, ansonsten absolut Technik befremdete Damen im mittleren Alter "och das hab ich mit KI gemacht" "ich hab das mal mit ChatGPT", "Ich hab das mit Gemini"....

Lange Rede - da ist nichts mehr zu stoppen - dieses besagte WIR nutzt (leider) schon KI für ALLES.!

Ja, mir graut auch davor, dass es bald kein 'wie früher' mehr gibt...
Und das 'schon älter sein' trifft mich zweischneidig -
Einerseits setzen mir diese Entwicklungen arg zu, weil ich schon sooooo lange das 'vorher' kannte und zu schätzen wusste (und nichts vermisst oder mir gewünscht habe, was doch endlich mal gehen oder ich können müsste)
Andererseits bin ich "froh" oder versuche es zumindest als positiven Vorteil zu sehen, diese Entwicklungen und deren Auswirkungen nicht mehr 'so lange' miterleben zu müssen.
 

Chaos

Schneewittchen
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Einerseits setzen mir diese Entwicklungen arg zu, weil ich schon sooooo lange das 'vorher' kannte und zu schätzen wusste (und nichts vermisst oder mir gewünscht habe, was doch endlich mal gehen oder ich können müsste)
Ach glaub mal, ich vermisse auch die Zeit und ich bin 32.
Ich war bei der Arbeit diejenige, dir früh gesagt hat, wir müssen uns mal damit mehr beschäftigen, jetzt bin ich ziemliche Haterin :D Heißt ja auch nicht dass ichs nie nutze, ich sehe die Bequemlichkeit. Aber es weckt in mir auch den Wunsch, Sachen einfach zu können. Ist geil, Skills zu haben, die man autark anwenden kann.
Ich mag halt auch das Werkeln an kreativen Prozessen eigentlich sehr gerne. Letztens hab ich ein Live-Hörspiel entwickelt, das war ein großer Spaß zum Beispiel.

Verstehe insofern durchaus @Strom, dass es am Ego kratzt - im Grunde meine ich etwas ähnliches, wenn ich sage, mich langweilt der Output einfach sehr, da steckt nix drin, was meinen Horizont erweitert.
 

soundjob

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Da bin ich natürlich gedanklich gleich bei dem Umbau meines Hauses
Das was du aus einer stinknormalen Bude gemacht hast, ist auf alle Fälle ein Kunstgriff. Explizit, dass du das mit deiner Veranlagung so machen konntest.
Ich kann zwar noch `ne Borhmaschine bedienen, zwei Balken zusammenkloppen und Mörtel anrühren... aber was du alles kannst, kann ich so nicht- und vor allem ganz zu schweigen davon, was du handwerklich daraus gemacht hast, könnte ich nicht mal im entferntesten.
Deine Bude ist ein architektonisches Atelier geworden und überall wo man geht und steht, kommt einem nicht nur Handwerk, sondern unzählige Bauten und Details künstlerischer Betätigung entgegen... alleine ja schon an der Einganstür, bis hoch unters Dach zum Writers-Room.
Wenn das nicht alles Kunst ist, weiß ich auch nicht mehr, Alter.
Ganz zu schweigen davon, was du alles auch noch IN deiner Bude an "Wahnsinn" veranstaltest.... ich glaube, dass einzige was du vlt. (noch) nicht modifziert hast, ist dein Essbesteck (wobei mich das gar nicht wundert, wenn du auch das schon bearbeitet hättest).
Das ist schöpferische Tätigkeit höchsten Niveaus und stelle dir mal vor, wie man dich nun titulieren und vergleichen würde, wenn du jetzt nicht hier im 21. Jahrhundert, sondern in Florenz des 15. Jahrhunderts gelebt hättest.
Aber ob 15. oder 21. Jahrhundert... ob mit oder ohne KI... die tangiert dich in keiner Weise als den leicht verrückten Menschen und fantastisch interdisziplinären Künstler, der du bist.
Sie kann dich gar nicht deiner Identität berauben... sie beraubt dich nur solange, so lange du es zulässt zu glauben, sie würde dich berauben.
Wenn du dich in deinem Zuhause umguckst, von der Star Wars-Ecke hin, über die geweatherten Gitarren und Klimbims überall bis rüber zu den Boxen, aus denen deine Mucke und Hörspiel kommt... das alles bist DU.
Wo, auch nur im Ansatz, könne sie dich berauben ? ;)

Und natürlich machen wir die Dinge die wir so machen, in aller erster Instanz für uns selbst. Für die innere Zufriedenheit.
Ganz "egoistisch".... und mit etwas Glück, finden auch andere Menschen daran gefallen.
Wenn wir ja nur immer Dinge tun würden, nur damit sie anderen gefallen, ist das meist nur ein temporärer Zustand innerer Zufriedenheit.
Das wäre "geborgte Glückseligkeit" im Gegensatz der Dinge, die man für sich selbst tut, die einem gut tun. Auf die man immer wieder stolz und zufrieden zurückblickt, weil man sich darin wie in einem Spiegel selbst erkennt.
 

DarkHeart

Queeres Goth-Girl
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Da möchte ich auch nochmal einhaken - wenn ich hier immer wieder mal lese: WIR müssen einfach nur keine KI mehr nutzen, dann wird das Problem schon noch zu lösen sein.
Da denke ich dann, WER ist denn dieses WIR?

Ich hatte in den letzten Monaten (sind es schon Jahre?) etliche Schock-Aha Erlebnisse bei Kollegen und Bekannten, wer nicht schon was ALLES mit KI macht!!!!! Hätte ich NE gedacht!!! War oft geschockt und sprachlos.

Und hier bei meinem Job - gibt es Niemanden - egal welches Alter - der nicht KI für E-Mails, Flyer, Bilder, Texte, Geburtstagskarten, Anzeigen etc etc etc nutzt. Sogar völlig unbedarfte, ansonsten absolut Technik befremdete Damen im mittleren Alter "och das hab ich mit KI gemacht" "ich hab das mal mit ChatGPT", "Ich hab das mit Gemini"....

Lange Rede - da ist nichts mehr zu stoppen - dieses besagte WIR nutzt (leider) schon KI für ALLES.!

Ja, mir graut auch davor, dass es bald kein 'wie früher' mehr gibt...
Und das 'schon älter sein' trifft mich zweischneidig -
Einerseits setzen mir diese Entwicklungen arg zu, weil ich schon sooooo lange das 'vorher' kannte und zu schätzen wusste (und nichts vermisst oder mir gewünscht habe, was doch endlich mal gehen oder ich können müsste)
Andererseits bin ich "froh" oder versuche es zumindest als positiven Vorteil zu sehen, diese Entwicklungen und deren Auswirkungen nicht mehr 'so lange' miterleben zu müssen.
Mit "WIR" meine ich die kreativ schaffenden. Ich sehe hier Produktionen, wo dann am Ende ein liebloses KI-Bild das ganze Schmückt, oder "Animation" mit KI umgesetzt wird. Das verstehe ich persönlich nicht. Ich habe das Gefühl, das es manchen egal ist, wenn es nicht ums eigene Kreative Werk geht. Zum Beispiel Autoren, die sich über KI-Bücher aufregen, ihre Bücher dann aber mit KI illustrieren und das verteidigen.
Wir haben hier so viele tolle Menschen auf Hoertalk mit denen man arbeiten kann und trotzdem nutzen hier manche zu meinem Unverständnis KI.
Ich wollte auf diesen Wiederspruch hinweisen.
 
Okay, haben wir jetzt hier eine Kunstdiskussion?

Achtung es folgt eine Fragesammlung und meine absolut gar nicht gefestigte Meinung dazu...

Was ist Kunst?
Aus meiner Sicht ist sie ein menschliches Produkt und Ergebnis eines kreativen Prozesses. Dadurch entsteht ein Teil unserer Kultur im Gegensatz zur Natur. Die Natur ist ja erst einmal ohne unser Zutun einfach da...
Btw. auch „Künstliche Intelligenz“ trägt den Begriff „Kunst“ in sich, eben weil sie vom Menschen geschaffen wurde.

Wird KI Menschen kreativer machen?
Das bleibt zu hoffen, obwohl das vermutlich nur einzelne Menschen betreffen wird. Die Mehrheit schwimmt mit dem Strom und wird neue Künste schrecklich finden, bis sie plötzlich Mainstream sind (vgl. Bauhausstuhl und Co.)

Neue Kunstrichtungen gingen in der Vergangenheit häufig von kleineren Künstlergruppen aus, die von ihren Werken überzeugt waren. Auch wenn es sonst niemand war. Das passt gut zu relativ alten psychologischen Untersuchungen zum Minoritäteneinfluss vgl. Moscovici (Blau/Grün Karten) und Einfluss der Mehrheit vgl. zu Ash (Linienlängen schätzen).

Ich glaube, wenn etwas zum Standard wird, gibt es immer einige Menschen (Künstler), die bewusst versuchen etwas anders zu machen.
Zu der Frage, ob der KI Slop Menschen kreativer macht, um sich davon abzusetzen: Aktuell wird dazu ja häufig die kanadische Band Angine de Poitrine genannt. Das ist eine aktuell gehypte Band die mikrotonale Musik macht und angeblich tut sich KI damit noch schwer. Der Witz an deren Musik ist, sie spielen immer leicht am gewohnt gelernten Ton vorbei. Klingt leicht besoffen aber auch spaßig, wird aber nicht jedem gefallen. KI ist aktuell sehr genau, damit ist chaotische Ungenauigkeit ein möglicher kreativer Ansatz...Ob KI chaotische Ungenauigkeit auch bald kann, naja wir werden sehen. ;)


Bandseite auf youtube:

Warum schaffen Menschen Kunst?
Ich glaube, Künstler schaffen Kunst vor allem, um bei anderen Menschen irgendwie Emotionen auszulösen (Freude, Ekel, Angst, Überraschung, Stolz, Neid...) und um wahrgenommen zu werden. Neben den Einwirken auf andere Menschen, gibt es auch den umgedrehten Weg. Also die Eindrücke der Welt um sich herum (also die Machenschaften der Mitmenschen) zu verarbeiten. Künstler beschreiben den Schaffensprozess dann ja oft so "Ich konnte nicht anders - es musste raus".
Trotzdem denke ich, das das Ziel oder der Auslöser immer ein anderer Mensch, bzw. dessen Machenschaften sind. Auch wenn das dem Künstler im Schaffensprozess oft selbst nicht klar ist.

KI ist mittlerweile sehr gut darin, menschengemachte Kunst wie Musik, Bilder etc. nachzuahmen. So das auch KI gemachte Werke durchaus in Menschen Gefühle auslösen können, und sie diese Werke konsumieren (vgl. Spotify Top Ten Liste).
Der Auslöser für die KI zum Schaffen von Werken ist (noch) der Prompt eines Menschen.

Was bedeutet das für uns Menschen und unser zukünftiges Verhältnis zur Kunst?
Muss menschliche Kunst jetzt immer von Menschen live und unmittelbar erlebt werden, damit wir ihr noch vertrauen können – oder sind auch Konserven wie Musikaufnahmen, Fotos und Werke im Internet in Zukunft noch menschliche Kunst (Stichwort Vertrauen)?
Das würde auch bedeuten, jeder Künstler braucht beim Schaffensprozess ein Publikum, was bekundet es ist menschengemacht. Klar bei Bands ist das einfach, aber Maler, Schriftsteller etc. wollen nicht unbedingt ein Publikum...

Und letztendlich noch eine abschließende Frage: Ist der Mensch der wirklich der einzige Konsument von Kunst?
Durch Agentensysteme nähern wir uns dem Status KI beurteilt KI gemachte Dinge. Vielleicht haben wir irgendwann KI Kunstwerke, die gar nicht für uns gemacht sind und die wir auch nicht mehr verstehen?

Zugespitzt könnte man auch fragen: Gott schuf den Menschen, der Mensch schuf die KI – wie steht Gott eigentlich zu unseren Handlungen?

Was für ein Fragenwirrwarr...sorry für dieses etwas längere Pamphlet. Wofür auch immer ;) .

Greetings Kubi
42 ... ich hoffe, damit wären alle Fragen hinreichend beantwortet.
 
Nein, denn der andere Rechner rechnet nun, um "42" auch zu bestätigen. 😄
Kann bekanntlich ein wenig dauern. 🤷‍♂️
Die Zeit nutze ich für weniger philosophische Fragen... z.B. wie viel Red Bull ich benötige, um um 09.00 Uhr Morgens bereits in Skynet Diskussionen einzutauchen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich die ganze Zeit den T-800 mit Bob Ross Gedächtnisfrisur, pinselschwingend vor einer Leinwand stehend und philosphierend vor sich hinmurmelnd "Produziere ich hier Kunst? Oder bin ich ein künstliches Produkt?" Mehr wie 42... das ist schon mal sicher.
 

Telliminator

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@soundjob

Mein Quantensingularitätsrechner HAL sagt, "Nein."

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