Mein Verhältnis zu KI ist bewusst differenziert. Ich habe viele Freundinnen und Freunde aus der Kreativbranche und arbeite selbst als Autor (Auch bei Verlagen). Deshalb sehe ich die aktuelle Entwicklung durchaus kritisch – insbesondere dann, wenn menschliche Kreative vollständig ersetzt, ihre Leistungen entwertet oder bestehende Werke ohne einen fairen und transparenten Umgang als bloßes Ausgangsmaterial betrachtet werden.
Gleichzeitig halte ich KI für ein gutes Werkzeug, um Konzepte und Ideen sichtbar zu machen. Gerade bei aufwendigen Anime-Projekten ermöglicht sie es kleinen und nicht kommerziellen Teams, Geschichten zu visualisieren, die mit den vorhandenen finanziellen und personellen Mitteln zunächst kaum umsetzbar wären. ( und die deutsche Filmförderung ist in diesem Bereich mega kacke!!!)
In unseren Anime-Projekten nutzen wir KI vor allem für die visuelle Umsetzung. Wir entwickeln die Geschichten, Figuren, Drehbücher, Dialoge, Szenenabläufe und Regievorstellungen selbst. Anschließend setzen wir KI ein, um daraus einzelne Anime-Frames und bewegte Szenen zu erstellen. Dabei geben wir Einstellungen, Kameraperspektiven, Figurenmerkmale, Handlungen, Stimmungen und Abläufe möglichst genau vor. Die entstandenen Bilder und Animationen werden anschließend von uns ausgewählt, bearbeitet, geschnitten und zu einer zusammenhängenden Szene zusammengesetzt. Ich stelel mich aber auch nicht hin und sage "Boooooooaaaa geil Dicker!!! wie geil ist das gezeichnet!!!!!" außer es sind die Charakteresheets von Lee Lach, weil die sind mega GEIL!
KI hilft uns damit vor allem dabei, unsere Ideen zu visualisieren. Sie schreibt jedoch nicht eigenständig unsere Geschichten und gibt auch nicht die kreative Richtung des Projekts vor.
Diese Visualisierungen haben für unser Projekt sogar bereits ganz konkret Menschen zusammengebracht. Unsere Grafikerin konnte sich durch die ersten Bilder und Konzepte viel besser vorstellen, was ich mit meiner geschriebenen Idee eigentlich erreichen wollte. Dadurch hat sie sich für das Projekt begeistert und ist Teil unseres Teams geworden. Auch weitere Kreative konnten wir durch die bereits sichtbare Welt für unsere Projekte gewinnen – darunter einen tollen Komponisten wie Volker.
Genau darin sehe ich einen großen Vorteil: Eine Idee existiert nicht mehr nur als Text in meinem Kopf oder in einem Drehbuch. Menschen können sehen, welche Atmosphäre, welche Figuren und welche Welt entstehen sollen. Die KI-Visualisierung kann dadurch eine Brücke zwischen einer geschriebenen Idee und den Kreativen sein, die sie später gemeinsam weiterentwickeln.
Die Geschichten, Figuren und Dialoge stammen von uns. Ebenso entstehen Regie, Sprecherleistungen, Musik, Gesang, Sounddesign, Tonschnitt und die endgültige Montage durch Menschen. Wir arbeiten außerdem mit menschlichem Characterdesign und entwickeln unsere Figuren gemeinsam weiter. Synchronisation übernehmen ebenfalls menschliche Sprecherinnen und Sprecher, und auch Szenenaufbau sowie Kameraführung werden von Menschen gestaltet.
Entscheidend ist für mich der kreative Kompass. Die Technik darf unterstützen, aber sie sollte nicht darüber bestimmen, was erzählt wird, wie etwas erzählt wird und welche Haltung ein Projekt vertritt. Die inhaltlichen und gestalterischen Entscheidungen müssen bei den Menschen hinter dem Projekt bleiben.
Ich glaube deshalb nicht an ein reines Schwarz-Weiß-Denken. Eine vollständige Ablehnung von KI wird der Realität ebenso wenig gerecht wie ein unkritischer Einsatz, bei dem der gesamte kreative Prozess automatisiert wird. Für mich liegt der richtige Weg in der Mitte: KI gezielt als Werkzeug nutzen, ihre Grenzen anerkennen und menschliche Kreativität weiterhin in den Mittelpunkt stellen.
Unser langfristiges Ziel ist es, immer mehr Menschen von unseren Anime-Projekten zu überzeugen und den KI-Anteil dadurch Schritt für Schritt abzubauen. Je mehr Zeichnerinnen und Zeichner, Animatorinnen und Animatoren sowie weitere Kreative sich beteiligen, desto mehr Bereiche können wir vollständig menschlich umsetzen.
Dabei sehe ich uns bereits auf einem guten Weg. Unser Team besteht inzwischen aus zahlreichen Sprecherinnen und Sprechern, Musikern, Komponisten, einer Grafikerin und weiteren Kreativen. KI ist für uns kein Ersatz für dieses Team. Im besten Fall hilft sie uns sogar dabei, neue Menschen für unsere Ideen zu begeistern und das Team weiter auszubauen.
Das Wichtigste ist für mich Transparenz. Wir möchten offen benennen, an welchen Stellen KI eingesetzt wird und welche Leistungen von Menschen stammen. Das Publikum soll nachvollziehen können, wie unsere Projekte entstehen, und sich auf dieser Grundlage selbst eine Meinung bilden.
Denn am Ende zählt für mich nicht nur, dass etwas entsteht, sondern auch, wie es entsteht, welche Haltung dahintersteht und welche Menschen das Projekt gemeinsam möglich machen.