Und es hört nicht auf. Die nächste Hürde.
Anhang anzeigen 47792 Diese Sprechauszeichnungen sind nur, wenn überhaupt, für einen Profi sprechbar. Aber eigentlich auch sinnlos, denn das muss ja die Stimme ausdrücken. Im Buch funktioniert es, aber nicht gesprochen. Selbst wenn ich das hinbekomme, tötet es den Dialog und vor allem die Spannung. Wie gehen Profis damit um? Umschreiben?
Hi Rainer,
zuerst mal: Ich finde das, was ich bisher lesen konnte klasse. Großes Lob an Dich als Autor!
Ich glaube es wurde schon viel gesagt und
@derFlüsterer ist wahrscheinlich kaum zu toppen mit seiner Version.
@Kluki und
@Delay sind ebenfalls klasse (ich hoffe ich habe keinen übersehen). Ich hatte aber die Aufnahmen gemacht und dann erst von deinem Cut gelesen
@rainerlentz, ich hoffe du verzeihst mir, dass ich jetzt noch mehr input hinzu gebe
Ich kann hier eventuell nochmal als gerade etwas vorankommender Anfänger etwas beisteuern, der sich noch sehr frisch an seine Start-Zeit vor einem Jahr erinnert und ebenfalls das typische Problem mit dem zu schnell Sprechen und zu kurzen Pausen hatte. Auch jetzt sehe ich mich noch als jemand der sehr viel zu lernen hat, also möchte ich nur ein paar Ratschläge weiterleiten, die ich aus meinen Coaching Sessions mit Sascha Tschorn und einem Kurs mit Stefan Rössler mitnehmen konnte, die mir viel geholfen haben.
Aber vorab hier meine Version - ich bin ursprünglich hier gelandet, weil ich etwas Übungsmaterial brauchte - seit Heute habe ich ein Neumann TML 103 und ein Gefell M930 im Haus und kann mich nicht entscheiden welches Mic ich behalten will XD
Darum hier beide Versionen (vielleicht interessiert ja den ein oder anderen ebenfalls der Mic Unterschied), für dich
@Rainer Sonnberg reicht es wahrschenlich in eine mal kurz reinzuhören, bei Interesse.
Es ist allerdings nun nach 2 Uhr nachts, darunter leidet die Performance und 2 Räume weiter läuft der Trockner, also musste ich ein low cut drauf legen (nur zur Info für die Audiophilen). Ansonsten ist es unbearbeitet. Das Gefell hat 2 db mehr Gain benötigt.
Neumann TML 103 -> Focusrite Scarlet 2i2
Gefell M930 -> Focusrite Scarlet 2i2
So und nun zu den Tipps und auch ein paar Übungen, die mir geholfen haben mich halbwegs zu kurieren was Geschwindigkeit und Pausen angeht. Vielleicht ist was für dich dabei. - Es soll aber nicht von oben herab sein, ich arbeite selbst noch daran.
- Man darf und sollte als Sprecher den Text beim Lesen genießen(!), der Hörer kann es dann auch besser.
- Zu schnell und ohne/mit zu kurzen Pausen lässt sich Betonung, Satzmelodie, Rythmus und Emotion schwer darstellen und vom Hörer verarbeiten
- Alle Silben sind gleichberechtigt und wollen artikuliert werden (und zwar korrekt, Thema Schwa laut und ig und Ähnliches)
- Pausen sind gut und gehören dazu (aber nur die richtigen - ich hab anfangs Kommas mitgelesen auch wenn es keinen Sinn ergab, oder falsche Atmer gesetzt, zudem falsche Kunstpausen gemacht... es war ein Graus, da hast du eine deutlich bessere Startposition @Rainer Sonnberg, wenn sie noch etwas länger werden hier und da)
- zwischen Sinnabschnitten
- vor/nach Einschüben
- nach Punkten
- bei zeitlichen Zäsuren
- gelegentlich zum Spannungsaufbau
- gelegentlich zur Emotionsdarstellung
- Bestimmt noch ein paar mehr Gründe für Pausen
- Beim Pausen setzen oder weglassen kann man auch Film-szenisch denken und somit seine künstlerische Interpretation einbringen
- Beispiel: "Es regnete ohne Unterlass und in der ganzen Stadt rann Wasser tosend die Straßen hinab." (3 AM writing skills)
- Pause nach Unterlass (Szene 1: Es regnet irgendwo ohne Unterlass, die Pause erlaubt die Fantasie/Erinnerung des Hörers. Cut. Szene2: Kamera zeigt wie Wasser die überschwemmten Straßen hinabläuft)
- Keine Pause (Eine einzelne Filmszene in einer verregneten Stadt mit Wasser in den Straßen)
- Beide Varianten legitim und wirksam, reine Sprecher-Interpretation.
- Zu schnell und mit zu kurzen Pausen kann der Hörer die Information nicht aufnehmen oder der Sprecher
- Auch wenn es sich erstmal falsch anfühlt sind die Pausen angenehm, vielleicht A/B-Test feedback einholen von Hörern/Coach um vertrauen in die Sache aufzubauen
Ein paar einfache Übungen die mir geholfen haben:
- Alle Punkte sprechen. "Wir gingen in den Wald (Punkt) Die Sonne schien hell (Punkt) "Ist das etwa ein Reh?" (Punkt) Er zeigte auf den Waldrand (Punkt)
- Sinnabschnitte finden und einen Strich dazwischen in den Text machen (dabei den Text vor sich hin nuscheln um ein Gefühl für die Erzählung zu bekommen)
- Probeweise mal Nachrichten nach-sprechen üben (um einen Richtwert für maximal neutrale Verständlichkeit zu haben) 07.04.2026 – Kurz und leicht: Video-Nachrichten zum Deutschlernen - Natürlich liest man ein Buch nicht so, aber es ist eine interessante Übung zu versuchen diese Nachrichtensprecher genau nachzuahmen.
Zuguterletzt habe ich mal das Spektrogramm genommen um die Pausen zu visualisieren. Es ist bei beiden Bildern der gleiche Textabschnitt
Dauer 1 min 28 (deine Version aus
Statt einer Vorstellung: Ich brauch mal jemand, der mir sagt: Alles wird gut.)
Dauer 2 min 18 sec (meine Version oben)
Vor einem Jahr hätte meine etwa so wie deine Version ausgesehen. Ich habe nun zur Illustration extra die Pausen etwas ausgekostet, aber 40 sec mehr Ruhe zur Verarbeitung des Gesagten, kann man machen in dem Fall, ohne dass es irgendwie stockend klingt (für mein subjektives Empfinden).
Vielleicht gefällt dir auch dieses Buch, da geht er intensiv auf die Gestaltung von Pausen und Betonungen ein. Das höre ich immer mal wieder zur Inspiration, Hans Eckart ist auch ein toller Sprecher
https://www.audible.de/pd/Die-Kunst-des-Hoerbuchsprechens-Hoerbuch/B004UW3AGA
@Rainer Sonnberg sorry für den riesen post obwohl du das Thema cutten wolltest. Irgendwie hatte ich gerade einen Schreibflash zu dem Thema nach der Aufnahme. Ich hoffe es hilft dir irgendwie und du kannst mir verzeihen. Vielleicht macht es ja etwas Mut zu Pausen. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg mit deinem Vorhaben =)
Es ist nun 4 Uhr und ich gehe besser mal ins Bettchen und sollte mir auch eine Pause gönnen.
