GEMA und der Rattenschwanz

Manuel

Mitglied
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Hallo zusammen,

Eine Frage an evtl ältere/erfahrenere Hasen im Bereich Produktion & Rechte. Bei mir steht demnächst ein etwas größeres Projekt an, um für eine Hörspielproduktion Musik zu komponieren und aufzunehmen. Das Ganze läuft über einen größeren Vertrieb, welcher mich jetzt auf eine evtl GEMA-Mitgliedschaft angesprochen hat. Die Möglichkeit besteht tatsächlich, dass die Musik öfters verwendet wird und ich darüber Tantiemen einspielen könnte - vorausgesetzt, ich bin in der GEMA, was ich zur Zeit nicht bin.

Nun hatte ich gehofft, dass die GEMA ihre Politik in Zeiten von OpenSource und CreativeCommons geändert hat, aber nach einem Telefonat mit einer deren Service-Mitarbeiterinnen kam heraus, dass die GEMA immer noch an dem alten Prinzip festhält: Wenn einer bei uns Mitglied ist, dann muss ALLES bei uns gemeldet werden und es wird ALLES lizenziert. In meinem Fall bedeutet das, dass ich auch meine eigenen (!) Hörbücher, wenn ich sie zum Beispiel über meine Webseite anbieten möchte lizensieren müsste. Ich könnte auch nicht einfach entscheiden, einen Podcast oder einen Track für Umme zu veröffentlichen - laut dieser Mitarbeiterin.

Gibt es da Erfahrungswerte in der Community oder kennt sich da jemand genauer mit aus? Ist jemand vielleicht selber in der GEMA?

Wäre da um Input sehr dankbar!
LG Manuel
 

Ellerbrok

Sprecher, Cutter & Fledermaus
Teammitglied
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Hi,

ich bin kein Mitglied, aber vor ein paar Jahren wurde das hier schon mal durchdiskutiert. GEMA ist ein ganz heißes Eisen.

Das schlimme ist ja, dass es nicht ab dem Tag der Gema-Mitgliedachaft zählt, sondern rückwirkend für alles, dass du jemals gemacht hast.

Liebe Grüße,
Marcel
 

Delay

Mitglied
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Kostet dich den die Lizenzierungen der einzelnen Stücke etwas? Würde sich ja für kleine Künstler gar nicht lohnen, wenn ich etwas für 3€ schützen lassen würde was vielleicht in 20 Jahren 2€ wieder einspielt ist das ja absolut kein Gewinn für Künstler... kenne ich mich leider gar nicht aus, finde das Thema aber sehr interessant, kann mich auch ganz Dunkel hier an einen interessanten Thread erinnern. Dürfte der Thread hier gewesen sein: [Rechtliches] GEMA-Fragen
 

WolfsOhr

Mario Wolf
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Hi Manuel,

vor ein paar Monaten war mal ein Artikel in der Professional Audio, vielleicht kannst du da auch ein paar Infos rausziehen. Wenn du willst scanne ich den dir mal ein, schreib mir ne PN falls interessant.

Ja, ich glaube du schränkst dich als Künstler unter Umständen ganz schön ein. Gema lohnt sich vermutlich erst ab einer größeren Verbreitungs- und Absatzmenge, dann macht das sicherlich irgendwann Sinn, denn du willst ja als Urheber entsprechend verdienen, aber ab wann das Sinn macht ist wohl schwer zu sagen.

Schöne Grüße
Mario
 

Manuel

Mitglied
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@Delay & @Ellerbrok Danke für den Thread - habe ihn mir mal gerade durchgelesen. Sieht ja nicht so gut aus. Immer wieder bemerkenswert, wie leidenschaftlich viele die GEMA verdammen, OBWOHL sie Mitglied sind und ja davon profitieren müssten.

Ich finde es unfassbar archaisch, den Künstler nicht selbst die Entscheidung über Lizensierungen zu überlassen - so archaisch, dass ich es fast nicht glauben kann, dass die GEMA da immer noch nicht nachgebessert hat.

@WolfsOhr Den Artikel würde ich tatsächlich sehr gerne lesen!
 

7klang

Musikus (semiprof.)/ Komponist/ MusikFX
Hi @Manuel
Ich war bis vor einigen Jahren (lass es mal gut 15 Jahre her sein) Mitglied bei der GEMA, da eine Band, in der ich Keyboarder war, 3 CDs produziert hat.
Habe mich aber abgemeldet! Das Lizensierungsdebakel ist mittlerweile KEIN Thema mehr für mich, da ich mittlerweile neben unkommerzieller Musik auch kommerzielles produziere. Diese Musik bekomme ich per Rechnung bezahlt. Habe also Nebengewerbe angemeldet. Ich war vor Jahren in der selben Situation wie du jetzt. Habe sehr viel recherchiert. Hatte sogar ein Businesscoaching.
Also ich kann dir die GEMA nicht empfehlen, wenn du nur hin und wieder einige Tracks produzierst und diese auf YT oder Soundcloud veröffentlicht! Das lohnt erst, wenn du sehr viel produzierst und auch Tonträger veröffentlichst.
Ok, ich bin jetzt bei keinem Label oder so, aber ich bin auch nicht in der Situation, von der Musik allein leben zu müssen! Ich hab nen BrotundButterJob.
 

Manuel

Mitglied
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Bei mir ist es eher das Problem, dass ich einfach zu oft - sowohl für Kunden als auch für mich selbst - Musik und Texte erstelle, die nicht alle eine Verwertungskette haben, die bei der GEMA greifen würde. Zudem will ich mir nicht die Möglichkeit nehmen lassen, bei solchen Projekten wie hoertalk mitmachen zu können.

In heutigen Zeiten, wo Self-Promotion und Streaming Services sowie Podcasts eher die Regel als die Ausnahme sind, ist es mir einfach unbegreiflich, wie man an so einer Policy festhalten kann...
 

7klang

Musikus (semiprof.)/ Komponist/ MusikFX
In heutigen Zeiten, wo Self-Promotion und Streaming Services sowie Podcasts eher die Regel als die Ausnahme sind, ist es mir einfach unbegreiflich, wie man an so einer Policy festhalten kann...
Das sehe ich auch so! Wenn man öfter Libarymusik macht, Selfpublished o.ä. ist das mit der GEMA echt beschieden. Wenn man viel z.b. Songwritersachen oder EDM tracks veröffentlicht, wäre es wohl geschickter sich mal CDBaby, Distrokid und und und anzuschauen
 

Lunaris

Mitglied
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Bei mir ist es eher das Problem, dass ich einfach zu oft - sowohl für Kunden als auch für mich selbst - Musik und Texte erstelle, die nicht alle eine Verwertungskette haben, die bei der GEMA greifen würde. Zudem will ich mir nicht die Möglichkeit nehmen lassen, bei solchen Projekten wie hoertalk mitmachen zu können.

In heutigen Zeiten, wo Self-Promotion und Streaming Services sowie Podcasts eher die Regel als die Ausnahme sind, ist es mir einfach unbegreiflich, wie man an so einer Policy festhalten kann...
Das sehe ich auch so! Ich habe mich auch extrem über deren Vorgaben zum Thema "Podcasts" gewundert (und geärgert). Musikpodcasts machen sie damit quasi unmöglich. Selbst wenn Du Gema zahlst, musst Du die Songs im Podcast "verstümmeln", sprich: nur zur Hälfte spielen und an Anfang und Ende der halben Songs noch drüber reden oder ineinanderfaden. Ätzend. Und Du musst für diese halben Songs, die im Podcast online stehen, auch noch fortlaufend Gema zahlen. Also dauerhaft auch für alte Podcastfolgen, solange sie online stehen. Das bedeutet mit der Menge (und der Reichweite) der Podcastfolgen wirds immer und immer teurer - es sei denn, Du löschst sie nach Ablauf der bezahlten Gemafrist wieder. Was ja nicht im Sinne eines Podcasts ist. Ich habe mich deshalb jetzt dazu entschieden nur noch die reinen Interviews als Podcast online zu stellen. Was - gerade bei Newcomern - total schade ist. Unter anderem weil man keinerlei Eindruck von Ihrer Musik bekommt. Nunja.
 

Manuel

Mitglied
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@Dolax Ich befürchte, dass C3S zwar eine ganz gute Idee ist, aber (noch) nicht handlungsfähig. Ich glaube, eine bessere Alternative sind die Amerikanischen Versionen der GEMA: ASCAP und BMI - da recherchiere ich gerade...

@Lunaris Ja, das ist auch eine der Auswirkungen, dass man bei der GEMA Self-Promotion nicht berücksichtigt und dabei den Künstlern tatsächlich Schaden zufügt - allerdings auch hier natürlich nur den unbekannteren Künstlern.
 

Vollbard

Mitglied
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hehyo.
ich kenne 2 sichten der gema. Als Veranstalter ist die gema echt zum reihern. jedenfalls im DIY wenn man Richtung 0 gewinn arbeitet. jedes mal die bögen eintragen bzw digial oder analog abschicken. mail antworten dauern stellenweise ungelogen Monate bis fast ein Jahr und beim telefonieren mit denen weiß die eine Hand nicht was die andere tut.
ich bin als künster bei der gema angemeldet. das war Grundvoraussetzung um sich einem Label anzuschließen. auch als kleine band kommt ein netter betrag rum über den ich nicht meckern kann. ich sehe momentan auch keine alternative als durch die gema meine Kunst vertreten zu lassen (da stehe ich nicht voll hinter).denn als letztes verdient auch der künstler geld und ich habe auch seit langem das gefühl man wird weniger wert trotz das an jeder ecke mit Musik Geld verdient wird. ich bin nicht tief im gema geschehen drin, damit möchte und will ich mich auch nicht beschäftigen.
@Manuel als mitglied der gema must du auch jedes jahr bezahlen und ich würde die mitgliedschaft davon abhängig machen was du vor hast.
1. cds pressen kosten geld und die gema bekommt dann auch n riesenbatzen. ich glaub knapp 1 euro der zu 80%? zurück kommt.
2. für uns lohnt sich das nur weil wie viel live gespielt haben. wie dann die einnahmen sind ohne konzerte seh ich 2021 dank corona ...
3. mitgliedschaft in der gema lohnt sich dann für den vertrieb sowieso da die über dich abrechnen. da wirst du sicher die passenden verträge zu bekommen in der die ihre prozente verdiesen für analog und digital.
 
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