Wie schätzen andere unsere Stimmen ein?

Dieses Thema im Forum "Sprechschule" wurde erstellt von Volker, 26. November 2014.

  1. Volker

    Volker Super-Hoertalker

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    Hallo zusammen,

    seine eigene Stimme einzuschätzen ist immer schwer. Deshalb habe ich mir überlegt wie wäre es wenn wir unsere Stimmen gegenseitig einschätzen ? Ein wenig Feedback von anderen kann doch nicht schaden, oder ?

    Jeder könnte dem Interessierten eine kurze Nachricht schreiben, was er von der Stimme hält, wozu sie passen könnte, mit wem sie vergleichbar wäre usw.

    Was haltet Ihr davon ?

    Viele Grüße,

    Volker
     
  2. Noir

    Noir Super-Hoertalker SHU

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    AW: Wie schätzen andere unsere Stimmen ein ?

    Die Möglichkeit ist ja eigentlich schon mit den Stimmproben gegeben. Das ist ja genau der Platz für so etwas.
     
  3. Volker

    Volker Super-Hoertalker

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    AW: Wie schätzen andere unsere Stimmen ein ?

    Da steht dann viel zur Technik und Equipment.
     
  4. jam

    jam Absolut Mitarbeiter

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    AW: Wie schätzen andere unsere Stimmen ein ?

    Naja, das ist ja logisch, weil es meist um die Freigabe geht, und weil dem/der Betroffenen geholfen wird, diese zu erlangen.:)

    Technik läßt sich auch leichter bewerten: gut oder nicht so gut. Die sprecherische Leistung zu bewerten, traut sich sicher nicht jeder zu, glaube ich, und die meisten, die hier eine Sprechprobe abgeben, stehen auch oft erst am Anfang, da könnte eine frühe Bewertung falsch verstanden werden. Aber man kann schon solche Dinge lesen, wie "ich mag deine Stimme" oder "ich könnte mir dich in der oder der Rolle vorstellen".

    Manche bitten auch explizit um Rückmeldungen, manchmal kommt dann gar nichts zurück, aber wenn man sich gewissermaßen "auf Augenhöhe" mit den anderen Sprechern befindet, mag man vielleicht auch gar nicht so gern Urteile abgeben.

    Jeder, der das Bedürfnis hat, hat ja auch die Möglichkeit, eine solche Art von Einschätzung zu erfragen, so daß man sowas nicht unbedingt global beschließen muß. Eine Kategorisierung würde ich allerdings schwierig finden, weil nicht jeder gern in ein Raster gepreßt werden möchte.:)
     
  5. Parzifal

    Parzifal Super-Hoertalker

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    AW: Wie schätzen andere unsere Stimmen ein ?

    Aber die Idee grundsätzlich finde ich nicht schlecht, ich gehöre zu den Menschen die ihre eigene Stimme schrecklich finden. Bisher wohl auch alle, bei den Projekten wo ich mich beworben habe. :D
     
  6. Dagmar

    Dagmar I'm not weird, I'm gifted

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    AW: Wie schätzen andere unsere Stimmen ein ?

    @Parzifal: Weil ich solche und ähnliche Aussagen soooo oft lese und höre möcht ich da mal mit de Mythos "ich hab keine schöne Stimme" aufräumen.
    Es ist einfach so, dass kein Mensch der ein bisschen Ahung von Besetzung hat nach der SCHÖNHEIT einer Stimme geht (sofern man das überhaupt sagen kann), sondern danach ob die Stimme zur Rolle passt, und wie der Sprecher damit umgehen kann.
    Wenn jemand mit seiner Stimme umgehen kann ist es ganz egal ob die Stimme "schön" oder "rauh" oder "interessant" oder "kratzig" oder "nasal" oder "dynamisch" oder "herb" oder helldunkelmittelwasauchimmer ist: sie wird gebraucht werden und ihren Platz finden!
    Daher ist "ich hab halt leider keine schöne Stimme" absolut keine Ausrede und auch kein Trost - und schon gar keine Wahrheit ;) Wahrheiten sind höchstens: "deine Stimme passt nicht zu der Rolle", "Du warst in der Auswahl aber ich musste mich halt für jemanden entscheiden und das warst jetzt zufällig nicht du", "dein schauspielerisches Talent reicht nicht aus", "du hast einen Sprachfehler/Dialekt der unpassend ist", "ich hab mir die rolle irgendwie anders vorgestellt", "ich hab keine Ahnung von Besetzung aber xyz hat sich schneller beworben", "dein technisches Equipment genügt meinen Ansprüchen nicht" etc.

    Ich hab auch keine schöne Stimme. Ich bin als Kind auch viel wegen meiner Stimme gehänselt worden. Aber ich habe gelernt mit meiner Stimme gut umzugehen, und daher werde ich auch besetzt. Wenn ich passe. Und Zeit hab. Und niemand anderes besser passt. Und ich dem Besetzer sympathisch bin. Und und und und und ;-)
     
    MaVericK gefällt das.
  7. Dorle

    Dorle Berlin

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    AW: Wie schätzen andere unsere Stimmen ein ?

    ....und z.B. meine Stimme nicht so ähnlich klingt wie die von anderen, die im Stück schon besetzt sind-auch ein ziemlich wichtiger Faktor...;-)
     
  8. Janne

    Janne Sprecherin

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    AW: Wie schätzen andere unsere Stimmen ein ?

    Dagmar, das hast du wirklich sehr zauberhaft und gut formuliert!
     
  9. Dagmar

    Dagmar I'm not weird, I'm gifted

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    AW: Wie schätzen andere unsere Stimmen ein ?

    @Dorle: stimmt, das hab ich vergessen! Und das ist sehr entscheidend, da hast du recht.

    @Janne: awwww, danke :D
     
  10. Xilef

    Xilef zerfahrener Verdutzter

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    AW: Wie schätzen andere unsere Stimmen ein ?

    Hierzu möchte ich bemerken, dass ganz im Sinne Dagmars zwei Dinge grundlegend auseinanderzuhalten sind:
    1. Das Menschen Ihre eigene Stimme zunächst schlecht abkönnen, wenn sie sie irgendwo aufgenommen anhören müssen, als wäre sie von jemand anderem - das ist ein weit verbreitetes Phänomen und hat auch viel mit Physik, Biologie und Psychologie zu tun. Wir als Sprech- und Hörbegeisterte können dieses Phänomen getrost lächelnd und entspannt wahrnehmen, den Grusel daran kurz "geniessen" und es dann als mögliches Hindernis für unsere Kreativät ad acta legen.
    @Volker: vielleicht hast Du Dich auch etwas unglücklich ausgedrückt und meinst gar nicht die Stimme als solche, sondern bereits das, was Dagmar andeutet. Qualität von Stimme ansich ist ja aus der Geschmacksperspektive etwas sehr persönliches und schon deshalb als Diskussionsgegenstand in der Öffentlichkeit eher ungeeignet. Wenn hingegen im nicht wertenden Sinne Stimme zum Untersuchungsobjekt wird, dann fände ich einsammelnswert, was z.B. an logopädischen Erfahrungswerten dazu existiert. Aus dieser Branche haben wir hier ja auch ein paar, die sich mit uns im Forum tummeln.
    Eine befreundete Logopädin hat mir beispielsweise von dem merkwürdigen Umstand berichtet, dass in ihrer Zunft eine ganze Kohorte an Frauen als "Patientinnen" auftauchen, weil sie plötzlich stimmlich nicht mehr weiterkönnen (oft auch berufsbedingt) und dann - mitunter bereits in ihren besten Jahren - erkennen müssen, dass sie sich seit frühen Zeiten eine Stimmlage antrainiert haben, die sich meist oberhalb ihrer eigentlich physiologisch gemässen Indifferenzlage befindet. So etwas finde ich sehr interessant, weil es in unterschiedlichen westlichen Kulturen auch unterschiedlich verbreitet ist - und beispielsweise mit der Sozialisation entlang an einem spezifischen Geschlechterrollenbild zusammenhängt: hohe Stimme steht ja eher für "klein", "hilfsbedürftig", "rührend, niedlich, sexy...", "attraktiv und beschützenswert" eben, je nach dem.
    In puncto Stimme empfehle ich also jedem und jeder, lieber mal eher viel von sich selbst anzuhören...und sich dann einen Reim darauf zu machen........und bei Interesse eher ein Echo aus vertrauten Kreisen einzuholen.
    Stimme ist immer auch ein Spiegel der eigenen Person, also durchaus auch intimes Gelände.

    2. Womit wir uns sinnvoll auch weiterhin beschäftigen könnten hier im Forum, in dem inzwischen so unübersichtlich viele sind:
    wie setze ich (s. Dagmar) meine Stimme als Werkzeug ein und welche Voraussetzungen bin ich überhaupt bereit zu schaffen, um auf gewollte Weise als SprechspielerIn mit der Stimme vielleicht sogar vielfältiger umgehen zu können, als ich es in meinem Alltag tue.
    Grundsätzlich ist aller Ausgang dafür sicherlich zunächst ein waches Ohr für die eigene Stimme in allerlei alltäglichen und spontan natürlichen Zusammenhängen, denn - wer seine Stimme nicht kennt, kann mit ihr natürlich auch kaum bewusst und gezielt arbeiten, also wirkungsorientiert umgehen. Achtung! Hier gibts immer den Abzweig auf einen Irrweg.
    Wie schon oft von mir empfohlen, setzt das Spiel mit der Stimme im wahrhaftigen Sinne erst dann ein, wenn ich nicht zuallererst mit der Wirkung, die ich erzielen will beschäftigt bin, sondern mit ihrem Anlass, ihrem Motiv überhaupt zu erklingen. Darum gibt es tatsächlich auch Schauspiel und Sprechen als (Berufs)Ausbildung. Mensch lernt über Jahre hinweg ( und hört damit bestenfalls nie auf ), auf den Punkt hin zu imaginieren, zu fokussieren - man könnte auch sagen, sich zutiefst entspannt dennoch mit schärfsten Sinnen zu konzentrieren - auf das, was wir Menschen allgegenwärtig (mal mehr mal minder) ohnehin ständig zur Verfügung haben: ein meist nie bewusst gemachtes reichhaltiges Spektrum an Sinneseindrücken im ständigen Abgleich mit unseren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen. Daraus resultiert dann, zumeist ebenfalls unbewusst z.B. der gemässe Ton, den wir anschlagen, sei es, wenn wir uns mit dem Hammer auf den Daumen handeln....oder als Francis Underwood (in der Serie House of Cards) scheinbar rührend um den U.S.Präsidenten bemühen, um mit besten macbeth'schen Absichten seinen Untergang zu bewerkstelligen.
    Es geht um Bewusstmachung, um die Verabsichtlichung der Mittel, die ich dann im Laufe vieler Jahre, schnell und ohne Krampf, und scheinbar spontan zu einem zielbewussten (so die Aufgabenstellung an Schauspieler) Ganzen komponiere - und dass in jedem aufeinanderfolgenden Augenblick einer (imaginären) Situation. Hierzu liesse sich noch ungleich mehr sagen, da das alles noch einen Zacken komplexer ist - denn es geht ja bei Darstellung, also der "ZurGehörstellung" auch immer um ein augabenbezogenes Abwägen zwischen Eindruck und Ausdruck....
    Wir aber sollten hier im Forum den Fokus weniger auf Hörspiel- oder Schausprechschule richten, sondern uns nach etwas einheitlicheren Beeten im Sprechgarten umsehen.
    Ähnlich wie manche Tonstudios, die selbst anberaumte Sprechercastings mit Standardtexten unterschiedlicher Genres veranstalten, könnten wir vielleicht auch etwas konkreter werden in Hinblick auf das allererste "dreckige Dutzend" an Sprechproben.
    Wenn jemand von Euch z.B. analog zu B.Brechts schönem Übungstext "Ein Hund kam in die Küche und stahl dem Koch ein Ei, da nahm der Koch den Löffel und schlug ..." Lust hat, sich ein Basisskript zu überlegen, mit dem dann jede/r Sprechproben willige - meinetwegen nach dem Motto: einmal eher leiser und introvertiert und einmal eher lauter und akklamierend bzw. appellierend - 12 mal über eine Emotionshürde geschickt wird....dann hätten wir so etwas wie viele bunte Blumen auf ein und derselben Almwiese.
    Ich erinnere mich an mein erstes Vorsprechen am Mozarteum 1982 ( da konnte man sich noch ohne vorbereitete Sprechrolle bewerben und musste nur improvisieren ): auf einer Bühne stand ein Dreistufenpodest über das eine kreisförmig markierte Gehstrecke führte. Unten im Schatten sassen die Dozenten, und einer gab irgendeine mit Stichworten von mir zusammengestellte 3-Satz Aussage vor, mit der ich auf den Weg geschickt wurde.
    Ich erinnere mich natürlich nicht mehr, aber es könnte so etwas sein wie:
    " Heute morgen ist sie plötzlich weggegangen, ich weiss auch nicht wohin.
    Ich war sicher, dass sie bald zurückkommen würde...und jetzt...
    Also, mir reichts! Wenn sie nicht bald wieder da ist, dann passiert was, dann..."
    In die neue Emotion begebe ich mich immer vorne an der Rampe. Sie steigert sich während des Rundwegs, auf dem man sich von hinten dem Podest nähert. Der Höhepunkt findet natürlich oben auf dem Podest statt und klingt dann wieder auf dem Weg nach unten und vorne an die Rampe ab, um von hierhaus in eine nächste Emotion umzuschlagen.
    In meinem Fall gab es vorne, während ich unablässig die Phrase nach eigenem Gutdünken wiederholte, dann von einem aus der Jury auf Zuruf eine neue Gefühlslage, die ich bis zu einem Klimax entwickeln sollte.
    Viele Durchgängein unterschiedlicher Reihung von Gefühlsentwicklung sind denkbar:
    z.B.
    1. Feststellung und Nachdenklichkeit bis hin zu hirnzermarternder Grübelei
    2. Trauer bis zur absoluten Trostlosigkeit
    3. Ärger bis hin zu schnaubender allesverzehrenwollender Wut
    4. Verzweiflung bis hin zu allesvernichtender unfassbarer Panik
    5. Amüsierte Betrachtung bis hin zum monströsen Lachkrampf
    6. Argwöhnische Vorsicht bis hin zur bodenlosen Angst

    undsoweiterundsofort.....das geht sicher noch besser und vielfacher.
    Allein das Obengenannte in Verbindung mit einem dualen Ansatz und beispielsweise nur "auf dem Treppchen" könnte bereits einen solchen Fächer aufschlagen. Angenommen wir würden ab einem bestimmten Zeitpunkt darum bitten, zunächst mindestens mit diesem Standardtext im Hürdenlauf umzugehen, bevor weitere eigene Leckereien das Menu anreichern:
    wir hätten in Hinblick auf Castings vielleicht für viele Hörspielmacher eine besser einzuschätzende Vergleichbarkeit dessen, was unsere Sprecherinnen hier so anbieten.
    Was haltet Ihr davon.
    Ich jedenfalls bin für Nägel mit Köpfen beim Thema "Diskutieren wir doch mal unsere Stimmen" - vielleicht haben wir so mehr von uns und treten uns dennoch nicht zu nah.
    Schönen 1.Advent noch,
    X
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. November 2014
    charly gefällt das.
  11. Parzifal

    Parzifal Super-Hoertalker

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    AW: Wie schätzen andere unsere Stimmen ein ?

    HURRA es gibt noch Hoffnung!!! Nein im Ernst, du hast natürlich vollkommen Recht, ich finde es nur witzig das du deine Stimme "auch" nicht schön findest. Ich habe mich wohl oben etwas falsch ausgedrückt, Du hast es bereits angedeutet, es kommt darauf an wie man seine Stimme im Griff hat, da stehe ich noch ganz am Anfang. Deswegen wäre ich für hilfreiche Tipps dankbar.
    Z.B. wenn man etwas trauriges oder fröhliches sprechen soll, wie geht ihr da vor, müsst ihr Euch noch fröhliche oder traurige Gedanken machen um in die "richtige" Stimmung zu kommen? Spielt ihr vor dem Mikro die Rolle oder steht ihr starr davor....

    BG
    Parz
     
  12. Dorle

    Dorle Berlin

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    AW: Wie schätzen andere unsere Stimmen ein ?

    hey Parzifal:
    ich hab da mal was in deine Sprechproben-Seite geschrieben.

    und Volker:
    Grundsätzlich lade ICH gerne jeden ein, der was zu meinen Sprechproben oder meiner Stimme schreiben möchte, das zu tun. Also eigentlich stellt sich ja jeder von uns der Öffentlichkeit vor und ist ab dem Moment auch vor "ungebetener Kritik" nicht mehr gefeit- aber da es so viele empfinsame Seelen hier gibt, würde ich Kommentare nur geben, wenn darum gebeten wurde (und mir was halbwegs sinnvolles einfällt)- ansonsten scheinen mir die Sprechprobenkommetare eher um die sehr wichtige technische Freigabe zu gehen, das finde ich auch ok so (schwierig genug)
     
  13. Dagmar

    Dagmar I'm not weird, I'm gifted

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    AW: Wie schätzen andere unsere Stimmen ein ?

    Ich SPIELE die Rolle (besonders bruchgefährdend bei Actionszenen *kicher*) und ich habe traurige Gedanken, ja. Oder lustige, oder ernste oder was auch immer. ich habe eine ABSICHT und ein GEFÜHL. Also ich tu nicht so als wär ich jetzt mal traurig, sondern ich bin ein bisschen traurig wenn ich traurig sprechen soll. Den Rest macht der Körper und die Stimme von ganz alleine, weil sie Traurigkeit kennt und die leichte Erinnerung daran +Körperhaltung sofort auch den entsprechenden Atem und damit die Stimme unterstützt.
    Alles was du gekünstelt erzwingst wird auch gekünstelt klingen. Geschauspielert und nicht natürlich.