Wenn der Vorhang fällt

treborknarf

~ treborknarf ~
AW: Wenn der Vorhang fällt

@Kuno:

Erstmal vielen Dank für Deine ausführliche Auseinandersetzung mit einem Stück, dass Deiner Meinung nach weit hinter seinen Möglichkeiten zurückgeblieben ist.
Nun ist es ja immer so, dass man vieles besser machen kann und aber vor allem kann man es auch stets anders machen.

Jetzt aber erst mal der Reihe nach:

Mit dem Punkt, dass die Namen zu spät fallen und man die Personen nicht zuordnen kann hast Du sicherlich recht.

Interessant ist, dass es den Rundfunkreporter erst gar nicht gab, und ich ihn erst später eingefügt habe, um dem Hörer eben zu erleichtern, wo er sich befindet und um die Figuren vorzustellen. Da es ihn anfangs nicht gab, hätte man natürlich auch auf ihn verzichten können - und doch, so scheint mir, erleichtert er den Zugang, die Zuordnung und den Zeitsprung.

Die gleichen Formulierungen im letzten Teil sind Absicht, um gerade dadurch Assoziationen, wie Du sie ja auch hattest, zu wecken ("immer grüßt das Murmeltier").
Das mit der dramatischen Höhe ist dann der nächste Punkt, denn es ist nicht die "erste" Wiederholung, sondern die x-te; die Folge ist also sowohl Müdigkeit, Resignation, als auch Verzweiflung, aber auch in einer Kraftlosigkeit und vielleicht auch in einer Hoffnungslosigkeit. Deshalb kam es nicht zu der von Dir gewünschten "Höhe", die selbstverständlich eine Spielmöglichkeit gewesen wäre und die die Sprecher auch problemlos hätten "liefern" können, allein der Autor wollte das gar nicht...

Zum Tod: wenn er keine Angstgestalt ist, so ist auch das gewollt. Die "Angst" die der Tod auslöst, löst nicht er, der Tod selbst (schon gar nicht wenn er personalisiert auftritt), sondern die Endgültigkeit seiner "Abberufung" der beiden Damen aus. Felix hätte auch problemlos andere Farben in die Rolle einbringen können, und natürlich kann man den Tod ganz anders spielen - aber er traf durch gerade das, was Du beanstandest, genau den gewünschten Ton "meines" Todes. Denn was Du aufzählst: fies, arrogant, gerissen, hinterlistig -sind für mich oft dagewesene Klischees und deshalb ist er stattdessen ein "Beamter kurz nach der Mittagspause", besser hätte ichs eigentlich kaum charakterisieren können. ("Auch mein Begehr ist es, die Gewohnheit mit einer Wendung zu durchbrechen") Diese Äußerung des Todes impliziert ja "Gelangweilt-sein", Alltag, "Beamtenpflicht" - für den Hörer sollte also nicht der Tod Spannung erzeugen, als vielmehr dadurch überraschen, dass er eben gerade nicht so ist, wie der Hörer es erwarten könnte.

Was die Angst der beiden Damen im Augenblick ihrer Abberufung betrifft, da magst Du vielleicht sogar recht haben. Zwar dachte ich, dass man im Augenblick des Geschehens das gesamte Ausmaß mitsamt Konsequenz meist nicht überblickt, aber vielleicht wäre das dramaturgisch wirklich spannender gewesen. Gut möglich. Aber wie Du ja wohl weißt, sind das eben alles Entscheidungen, die man im Verlauf einer Produktion trifft. Möglichkeiten gibt es unendlich viele. Und dem einen gefällt dieses besser, dem anderen jenes...

Die "Handbremse" geht also absolut auf meine Kappe, denn wir befinden uns am Tag "x" der Endlosschleife, deshalb auch keine "großen" Gefühlsausbrüche mehr... und umso mehr freut es mich, dass das Stück trotz seiner "Schwächen in der Umsetzung" soviel in Dir ausglöst hat, dass es Dich dazu bewegt hat so ausführlich darüber zu schreiben!

(Ironie-Modus an)
Erstaunlich was diese Bilder in Dir ausgelöst haben, denn, was Du nicht wissen konntest: Die Sprecher haben allesamt nackt und sich in Schleim wälzend eingesprochen!
(Ironie-Modus aus)

Noch eine Frage, mir ist nicht ganz klar, wo genau sich die "Profis" unprofessionell verhalten haben?

Zum Schluss noch eine Frage: Du sprichst von Deinen Kollegen, aus welchem Bereich kommst Du denn?

Deinem Satz "Leben heißt (lernen wollen)" kann ich nur beipflichten, unterstellst Du, dass dem widersprochen wird?

lg,
Robert
 

Dagmar

I'm not weird, I'm gifted
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AW: Wenn der Vorhang fällt

Sooo, jetzt hab ichs auch gehört.

hmhmhmhm, ich versuch mal irgendwie meine EIndrücke in Worte zu fassen - wieder relativ ungeordnet, krieg ich nicht besser hin.


Zum Reporter:
mir ist die Rolle des Reporters völlig unklar und auch nicht eindeutig angelegt. Erst wirkt es als wären wir in einer Live-Reportage - zumindest rein textlich. Dazu passt aber die Sprechweise von Jens nicht.
In der Mitte taucht er dann nochmal auf und ist eindeutig als Erzähler angelegt. Warum dann ein Reporter? Für mich leider mehr verwirrend als förderlich.
Zudem ist das ganze Stück ansonsten eher experimentell und als Kunstform angelegt. Da hättest du auch locker den Mut haben dürfen, den Reporter wegzulassen, Robert. So hast du den Versuch unternommen, es dem Hörer "leichter" zu machen, was aber auch nicht viel hilft, weil das Hörstück trotzdem nicht komplett transparent ist. Dann lieber den Mut haben und konsequent bleiben. Von mir aus sogar noch ne Ebene mit den Diven dranhängen, noch eine Schleife. Wenn du Zeitsprünge anzeigen willst hätte im Text was gereicht wie beispielsweise "Leg die Zeitung weg, die ist von gestern, kannst du nicht lesen? 4. Oktober!" und im nächsten Block "5. Oktober" usw.

Zu Jens: den Live-Reporter habe ich dir erst an der Stelle "abgenommen" als du flüsterst und das Publikum "Mitnimmst". Das hätte auch als reiner Erzähler so gut funktioniert. Die Ansage am Anfang hatte für mich nichts reporterhaftes.
Is aber auch schwer. a) hast du vermutlich schon 2011 eingesprochen udn seitdem große Fortschritte gemacht. b) ist die Rolle nicht klar angelegt und daher auch irgendwie blöd zu interpretieren.
_____________

Die Diven:
konnte ich solange auseinander halten solange sie ihrem Charakter treu waren. Die freche, und die träge. Ab da wo das weggefallen ist (z.B. bei den Zitaten) leider überhaupt nicht mehr auseinanderzuhalten. Zu ähnliche Stimmen, zu gleichförmige Sätze. Daher kann ich leider auch nicht direkt diejenige loben, die so schön gesungen hat.
Frage ist nur, wo der "Fehler" lag... bereits beim Casting? Bei den Sprechern (Rolle "verloren") oder bei der Regie, die da entweder nicht drauf geachtet hat oder es evtl. sogar genazu so wollte - was dann zwar eine Entscheidung ist, aber eine die mir persönlich weniger zusagt...

Vermutlich auch eine Regiesache ist der Umgang mit der Theatralik. Auch hier ist mir persönlich zu unklar mit umgegangen. Für mich hört sich das gesamte Stück sehr theatral an, sehr gespreizt, unnatürlich. Was bei "Diven" erstmal ja gar nicht so verkehrt ist. Aber ich hätte hier z.B. sehr viel stimmiger gefunden, mit ebendiesem Stilmittel zu spielen. z.B. die Diven permanent theatral-dramatisch zu lassen, künstlich, und den Tod umso natürlicher, lebensechter. Oder die Endlosschleife der Diven dramatisch in allen Variationen, aber das Gespräch mit Tod, und die Sätze die sich unterscheiden in den Schleifen auf einmal ganz natürlich, weil das die einzigen "echten" Elemente sind. Das kleine Bisschen, was sie noch am Leben hält, der Verbindungsfaden.
So sind halt alle theatral, der Tod rülpst noch - was willst du damit eigentlich aussagen? So ein Stilmittel find ich total gerechtfertigt, wenn es etwas transportiert.. aber ich frage mich hier: was?? Dass der Tod der einzig normale in dem Haufen ist? Warum klingt er dann auch als wäre er Musicaldarsteller auf einer Freilichtbühne? Das Rülpsen hätte für mich super gepasst wenn er ansonsten total normal klänge, beiläufig, vielleicht sogar gelangweilt.

Egal wie auch immer, aber eine Deutung, eine Interpretation, eine ganz bewusste Entscheidung hätte ich mir gewünscht, um hier einen Daumen hoch für die Regie geben zu können. So wirkt es für mich leider uninszeniert. Oder zumindest auf eine Weise, die mich kalt lässt, weil sie mich nicht "führt".

___________

Schnitt:
Vorweg: ich kanns gar nicht *g* Und ich hab damals ja auch deinen Kampf mit dem Schnitt mitbekommen, als wir uns in Berlin unterhalten haben. Ich finds klasse dass dus fertig gemacht hast, und hätte ich mich da mit befassen müssen hätte ich vermutlich irgendwann hingeschmissen oder nichts auch nur ansatzweise Hörbares rausgebracht.

Daher auch nur in Stichpunkten was mir aufgefallen ist:
* Die Dialoge warn mir zu "abgesetzt" - da lässt wieder jeder jeden ausreden, keine Reaktionen wähernd der andere spricht, zu lange Pausen bis man anschließt. Ein Stakkato, gleichförmig, keine Tempiwechsel.
Im Falle eines derartigen Kammerspiels ist glaube ich sowieso eine dezentrale Aufnahme eher ungeeignet. Lieber 2 Berliner oder wen der zu besuch ist und gemeinsam aufnehmen, am Stück. Dann musste auch nicht mit dem Schnitt kämpfen ;) Oder wenn dezentral, vielleicht über Skype/Telefon und gleichzeitig lässt jeder die AUfnahme laufen und du legst sie nur noch passgenau aufeinander ohne zu schneiden.
Oder wenn doch ge-x-t, dann vorher mal im TS proben. Der Text ist zu "schwer" um ihn ohne Probe zu interpretieren, zu erfassen, alles rausholen zu können, in der kurzen Zeit die Figuren zu charakterisieren, Leben einzuhauchen.
Da du der Autor bist hast du ja sicher ein Bild schon im Kopf gehabt. War das wirklich das Bild, was jetzt im fertigen Produkt zu hören ist?
* Ich hatte nicht den Eindruck dass die beiden Diven im selben "Raum" sprechen. Für mich klangen die Aufnahmen akustisch unterschiedlich. Allerdings hab ich auf sehr schlechten Lautsprechern gehört.. da müssten andere Leute besser was zu sagen können. Ich meinte auch, son Hintergrundgrundgeräusch zu hören, das dann irgendwann mal kurz weg war und wieder neu eignesetzt hat. Ich dachte erst, das ist wohl nur wenn Tod spricht, aber dann ging es weiter, is also irgendwas an Atmo die druntergelegt ist. Warum war die auf einmal kurz weg?

Zur Konsequenz wieder: Nochmal: da schreibst du ein recht unorthodoxes Stück - und traust dich nicht, es akustisch auch zu untermalen, zu fördern. Die Zitate die die Mädels bringen z.B. kommen so brav aneinander. Aber sie sind doch eh nicht normaler Dialog. Warum nicht übereinanderlagern, mit Echo, oder extremen Panning, nur Fragmente, wiederholen, eine Klangcollage, irgendwas. Statt dessen kommt eins brav hinter dem anderen. Für mich wirkt das wie gewollt und nicht getraut - mutig im Text, und dann bei der Umsetzung doch den Schwanz eingezogen.


Ok, klingt schon wieder so böse, ich versuch nur meine Gedanken zu sammeln.
Ich denk einfach der Text ist schwer, etwas wirr und inhaltlich wie auch durch die Art wie er geschrieben ist wird er sowieso polarisieren. Den Geschmack des Hörers eben treffen oder auch nicht. Das ist das SChicksal von Texten wie diesem. Aber wenn das Ganze in sich "stimmig" ist, dann kann man auch sagen: hm, hat zwar nicht meinen Geschmack getroffen, aber war irgendwie trotzdem geil/konsequent/stimmig umgesetzt.

Hier nun kämpfe ich mit dem Problem, dass ich die Umsetzung so farblos finde, dass nur noch der reine Geschmack bezüglich des Inhalts bleibt. Und der ist mir zu "mager" und daher leider schnell wieder vergessen. Dabei finde ich ist da schon genug Potential drin, um ein kleines Kunstwerk draus zu machen. Du hast gute Sprecher, einen Text der polarisiert und kunstvoll ist, sehr schön passende Musik (wieder mal sehr scön, Tim) und meiner Meinung auch mit dem Verzicht der meisten Hintergrundgeräusche eine gute Wahl getroffen. Gute Zutaten, nur an der Zusammenführung hakt es in diesem Fall.

Aber wie immer: nur meine Meinung - und die weicht ja eh sehr häufig von der aller anderen ab ;)
Also bitte nicht krumm nehmen, es wird so oft nach Kritik gerufen und alle sind enttäuscht wenn keine Reaktionen kommen. Aber ein "jo, war nett" ist mir als Kommentar irgendwie auch zu doof...
 

Jeln Pueskas

Michael Gerdes
Teammitglied
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AW: Wenn der Vorhang fällt

Hi Dagmar und Frank,

Znächst @Dagmar:
Ich finde es völlig Ok, wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Da sehe auch keine Notwendigkeit, sich dafür zu rechtfertigen. Letztendlich resultiert das aus Deinen Höreindrücken. Das diese von anderen abweichen ist ja zum Glück so. Sonst gäbe es ja immer nur eine Meinung.

Davon ab, finde ich auch, dass Frank hier seine Sichtweise sehr anschaulich dargelegt hat. Man erreicht eben mit ein paar "Stilbrechern" eben auch genau das gewünschte Hörerlebnis. Für mich war das auch kein natürlicher Dialog, wie man ihn auf offener Straße sonst hören würde, er hatte seine Symbolik auch in der Art und Weise, wie er dargestellt wurde. Aber eben das muss man nicht mögen und kann das auch gern kritisieren.

Viele Grüße.
 

wer.n wilke

wer.n the voice
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AW: Wenn der Vorhang fällt

... wenn er (der Tod) keine Angstgestalt ist, so ist auch das gewollt. Die "Angst" die der Tod auslöst, löst nicht er, der Tod selbst (schon gar nicht wenn er personalisiert auftritt), sondern die Endgültigkeit seiner "Abberufung" der beiden Damen aus. Felix hätte auch problemlos andere Farben in die Rolle einbringen können, und natürlich kann man den Tod ganz anders spielen - aber er traf durch gerade das, was Du beanstandest, genau den gewünschten Ton "meines" Todes. Denn was Du aufzählst: fies, arrogant, gerissen, hinterlistig -sind für mich oft dagewesene Klischees und deshalb ist er stattdessen ein "Beamter kurz nach der Mittagspause", besser hätte ichs eigentlich kaum charakterisieren können.

... ja, genau so dacht' ich mir das, lieber Trebor Knarf: das macht dieses Hoer=Spiel eben auch zu etwas Besondrem - etwas, was heraussticht aus dem üblichen Genre-Eintopf. Das Einzige, was mir auffiel, die Figuren sprechen alle aus der Mitte: etwas mehr "Raum" - also Panning hätten - hätten (!) - der Unterscheidbarkeit der Sprecherinnen nicht schlecht getan.

... allerdings, dass will ich nunmal an Deinen KritikerInnen kritisieren: da frag ich mich: geht es eigentlich noch um das HoerSpiel - oder doch eher darum, das eigne Profil zu schärfen?

Man kann auch mit Spatzen auf Kanonen schießen ...:eek:

... alles in Allem: ein doch schön-rundes, bös-humoriges, leicht-ernstes und nach-denk-würdiges Stück Hoerspiel :thumbsup:

oder: "man hätte, könnte, sollte, müsste ..." noch einmal spielen, noch einmal! Aber: 1,2,3 - und da kommt der Tod herbei :skull:
 

Olaf

Olaf
AW: Wenn der Vorhang fällt

Tja, so ganz hat sich mir der Sinn dieses Hörspiels nicht erschlossen. Ich habe es als Lebensüberdruss zweier
- wahrscheinlich - Schauspielerinnen verstanden. Daher habe ich einfach nur den tollen Klang der Stimmen
und die sehr schön anzuhörende astmosphärische Musik auf mich wirken lassen. Insgesamt ein angenehmes
Hörerlebnis.
 

treborknarf

~ treborknarf ~
AW: Wenn der Vorhang fällt

@Dagmar:
Da Du ja auch so vieles zum "Vorhang" geschrieben hast, möchte ich mich dazu auch nochmal äußern:

Zuallererst kann ich mich nicht gegen den Eindruck verwehren, dass Du nicht ganz unvoreingenommen warst beim Hören,
so hattest Du ja Kunos Kritk bereits im Ohr, was vielleicht Dein Empfinden etwas eingefärbt hat. Aber das ist natürlich nur eine Unterstellung...

Nun zu Deinen Punkten:

Ich habe ja bereits geschrieben, dass ich den Reporter erst später eingefügt habe, und natürlich hätte man ihn auch weglassen können und doch bin ich froh in drin zu haben. Nicht nur weil mir persönlich sehr gut gefällt wie Jens ihn gesprochen hat, sondern auch weil er uns sofort ins Theater führt, hinter die Garderoben und wir mit/durch ihn ein Gespräch "belauschen" können. Ohne ihn wäre all das nicht (so) klar.

Das Hörspiel "transparent" zu gestalten lag nie in meiner Absicht, deshalb auch keine wie von Dir angeführten Beispielsätze.
Das mit den "gleichklingenden Diven" kann ich in keinster Weise nachvollziehen: für mich sind Anke und Kathryn zwei sehr unterschiedliche Sprecherinnen, insofern ist es mir geradezu unverständlich, die beiden verwechseln zu können. (Aber ich glaube mich auch daran erinnern zu können, dass Du mal irgendwo geschrieben hast kein gutes Stimmgedächtnis zu haben...)
Die gleichförmigen Sätze wiederum sind im Stück begründet. Und schon beim Casting schrieb ich, dass die eine der anderen nicht unähnlich sei, und ich zitiere mich selbst:

Es handelt sich nicht um Alltagssprache, sondern eher um eine "Kunstsprache", wenn man das so sagen kann - ich meine damit, alle sprechen irgendwie "gestelzt", trotzdem kommt es ihnen aber leicht über die Lippen...sie meinen alles was sie sagen und sie meinen es ehrlich.
Das Zitat bezieht sich bereits auf den nächsten von Dir kritisierten Punkt. Theatral, gespreizt, unnatürlich. Genau. Ja, so wollte ich es haben.

Zum Schnitt: mein Problem war nicht der Dialogschnitt, sondern eher das "Sounddesign", da gebe ich Dir absolut recht, das können andere viel viel besser!! Auch was Du ansprichst mit unterschiedlichem "Raum"...da hast Du höchstwahrscheinlich das bessere Ohr. Jedoch die Pausen und der Dialog sind so gewollt, denn ein anderes Timing hätte ich durchaus schnippeln können, aber das wollte ich ja gar nicht. Um also auf Deine Frage zu antworten, ja, das ist ziemlich genau das Bild das ich im Kopf hatte. Was genau Du mit Hintergrundgeräusch meinst ist mir allerdings nicht ganz klar...

Und nun zu Deinem letzten Punkt: Natürlich (und das habe ich bereits auch Kuno geschrieben) hätte man ganz vieles sicherlich besser machen können, aber vor allem natürlich auch anders.
Vielleicht habe ich auch mit dem Trailer falsche Erwartungen geweckt - es lag jedoch nie in meiner Absicht eine Klangcollage oder dergleichen zu produzieren....
Das Ergebnis meines Hörspiels hat jedenfalls nichts mit fehlendem Mut zu tun, sondern mit Entscheidungen, die eben von mir anders getroffen worden sind, als Du sie getroffen hättest oder sie Dir gewünscht hättest.

Vielen Dank für Deine Auseinandersetzung mit dem Hörspiel und Deine Kritik.

@Olaf:
Auch wenn es sich Dir nicht ganz erschlossen hat, freut es mich wenn es Dir ein angenehmes Hörerlebnis beschert hat.

@Werner:
vielen Dank auch für Deine Kommentare und Kritiken!

@Jeln:
und selbstverständlich gebührt auch Dir großer Dank für Deine ausführliche Auseinandersetzung mit einem kleinen Stück Hörspiel,
hier also nochmal ganz offiziell: Danke!!
 

Dagmar

I'm not weird, I'm gifted
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AW: Wenn der Vorhang fällt

@Dagmar:
Zuallererst kann ich mich nicht gegen den Eindruck verwehren, dass Du nicht ganz unvoreingenommen warst beim Hören, so hattest Du ja Kunos Kritk bereits im Ohr, was vielleicht Dein Empfinden etwas eingefärbt hat. Aber das ist natürlich nur eine Unterstellung...
Beeinflusst wird man immer ein bisschen, das stimmt. Von der Tagesform, von anderen Meinungen, von anderen Stücken die einen daran erinnern und die man unbewusst vergleicht. Beeinflusst wird man auch ein wenig von den guten Kritiken :) Trotzdem bilde ich mir meine Meinung. Ich gebe zu, dass ein und dasselbe Hörspiel mir vielleicht an einem gestressten Regentag ein wenig anders gefällt als bei guter entspannter Laune kurz vor dem Einschlafen. Aber drum versuche ich ja auch die Bestandteile einzeln zu zerpflücken und zu betrachten. Einen Gesamthöreindruck und die einzelnen Schritte zu trennen bzw. beides zu analysieren. Und natürlich mir auch eine Meinung zu bilden und meinen Geschmack kund zu tun. Und meine Meinung bzw. meinen Eindruck zu begründen. Zu erklären, was bei mir ankam, wie es wirkt, was unverständlich war, oder unangenehm. Was Unzufriedenheit ausgelöst hat, und wenn ich eine Idee habe wie das für mich angenehmer gewesen wäre, dann teile ich sie mit. So kam ich auch schon zu Resumées, die sehr gespalten waren, wie z.B.: "mich persönlich hats null angesprochen, ich habs nicht verstanden, esist absolut nicht mein Genre oder was auch immer - aber rein von der Mache her: echt geil". Oder andersrum: "grauenvoller Schnitt, gruseliges Equipment, aber so was von herzlich und liebevoll dass ichs nochmal hören würde".


Ich habe ja bereits geschrieben, dass ich den Reporter erst später eingefügt habe, und natürlich hätte man ihn auch weglassen können und doch bin ich froh in drin zu haben. Nicht nur weil mir persönlich sehr gut gefällt wie Jens ihn gesprochen hat, sondern auch weil er uns sofort ins Theater führt, hinter die Garderoben und wir mit/durch ihn ein Gespräch "belauschen" können. Ohne ihn wäre all das nicht (so) klar.
Ist ein klarer Standpunkt und nachvollziehbar. Was ich zum Reporter schrieb ist mein persönliches Empfinden, mich stört er eher. Aber ich kann nachvollziehen wenn andere sagen, dass er hilft.


(Aber ich glaube mich auch daran erinnern zu können, dass Du mal irgendwo geschrieben hast kein gutes Stimmgedächtnis zu haben...)
hehe, oh ja, das ist richtig. Drum bin ich immer froh wenn ich wirklich gut auseinanderhaltbare (ist das ein Wort?) Stimmen hören kann. Witzigerweise waren sie das für mich auch wie ich schrieb am Anfang, weil die Charaktere da auch durch die Art wie sie sprachen noch gut unterscheidbar waren. Aber später hatte ich keine Chance mehr. Allerdings ging das glaub ich nicht nur mir so... Andererseits hab ich das hier öfter schon gehabt, ich hab auch in manchen Hörspielen mich selbst nicht mehr von anderen unterscheiden können *gg*

Das Zitat bezieht sich bereits auf den nächsten von Dir kritisierten Punkt. Theatral, gespreizt, unnatürlich. Genau. Ja, so wollte ich es haben.
Fand ich auch für die sich wiederholenden Sätze wie ich schrieb sehr passend. Nur fürs Gesamte wars mir zu viel.

Auch was Du ansprichst mit unterschiedlichem "Raum"...da hast Du höchstwahrscheinlich das bessere Ohr.
ugh.. eher nicht. Drum kann ich auch nicht sagen woran genau es lag :( Vielleicht auch nur an den unnatürlichen Dialogen, vielleict hat das den Eindruck verstärkt, dass die Figuren so völlig unabhängig voneinander im Raum positioniert mir vorkamen. Oder am Panning, oder der Nähe zum Mikro, oderoderoder... Keine Ahnung. War nur ein subjektiver Höreindruck, der rein wissenschaftlich gemessen vielleicht sogar falsch ist.


ja, das ist ziemlich genau das Bild das ich im Kopf hatte.
Das finde ich das Wichtigste. Solang es so ist wie du es dir gewünscht hast ist egal, was andere sagen. Gefallen und nicht gefallen wird man immer haben. Wichtig ist, dass es so ist wie du es dir wünscht!

Was genau Du mit Hintergrundgeräusch meinst ist mir allerdings nicht ganz klar...
da ist doch so ein sphärisches Hintergrundrauschen, das war irgendwann mal weg und ne Stille nur da... hab jetzt extra nochmal reingehört... Track 3 bei 2:36 war das z.B. - aber vielleicht hat das auch nen dramaturgischen Sinn der sich mir nicht erschließt...

Das Ergebnis meines Hörspiels hat jedenfalls nichts mit fehlendem Mut zu tun, sondern mit Entscheidungen, die eben von mir anders getroffen worden sind, als Du sie getroffen hättest oder sie Dir gewünscht hättest.
Hehe, schön zu hören, dass es bewusste Entscheidungen waren. Mir persönlich halt zu brav, aber Geschmack ist halt Geschmack.

Vielen Dank für Deine Auseinandersetzung mit dem Hörspiel und Deine Kritik.
Wäre es mir egal, hätte ich nichts dazu geschrieben. Es gibt viele Hörspiele die ich beim Hören nicht mochte, da hab ich einfach keine Antwort geschrieben. Und dann liest man im Forum wieder: keiner setzt sich auseinander, keiner schreibt was, man kann doch nich einfach nur konsumieren und nix zurückgeben usw.
An Deinem Hörspiel gibt es viele Einzelteile die ich mochte, nur im Gesamtpaket blieb kein "rundes" Gefühl. Daher ist mir das Hörspiel alles andere als egal und ich habe versucht was mir aufgefallen ist aufzuschreiben. Dass das weniger Freude macht als ein Jubelschrei ist mir klar. Allerdings hat das auch sehr viel mehr meiner Zeit gekostet und sehr viel mehr Auseinandersetzung mit dem Hörspiel, als wenn ich nur "hey, super." geschrieben hätte. Vielleicht siehst du das auch.
 

Kuno

Mitglied
AW: Wenn der Vorhang fällt

Lieber Robert,
zunächst herzlichen Dank für Deine inhaltliche und vor allem konstruktive Auseinandersetzung mit meiner Kritik. Leider ist dazu offensichtlich nicht jedermann/frau in der Lage oder bereit.

Ich komme leider nur selten ins Netz, daher antworte ich Dir erst jetzt auf Deine ursprüngliche Antwort an mich, abermals mit einiger zeitlicher Verzögerung.

Wie mir allerdings scheint, gibt es da in der Diskussion immer noch ein grundsätzliches Mißverständnis, aufgrund dessen man immer wieder auf ähnliche Argumente wie Meinung, Geschmack und "man könnte doch alles ganz anders…" stößt.

Ich möchte daher mal an zwei Beispielen deutlich machen, warum die meisten dieser bisher genannten Argumente an meiner Position vollständig vorbei laufen:

Ein Humorist kann einen guten oder schlechten Witz erzählen. Er kann den Witz aber auch gut oder schlecht erzählen.

Was hier auf's erste Lesen wie Wortklauberei klingt, besitzt in der Sprechkunst einen gravierenden Unterschied.

Ob ein Witz gut oder schlecht ist, wird vor allem vom Zuhörer entschieden, nämlich dadurch, ob er lacht oder nicht. Damit wird die Entscheidung zu einer "Geschmacksfrage", denn jeder Rezipient besitzt ein individuelles Humorverständnis. Wenn also von 100 Leuten 60 Lachen, dann hat man eben zu 60% den Humorgeschmack der Leute getroffen.

Ob man allerdings einen Witz gut oder schlecht erzählt, ist hingegen gerade keine Frage des Geschmacks, sondern eine Frage des Handwerks, d.h. der Mittel, über die ein Witzeerzähler verfügt, bzw. die der Humorist benutzt, den Witz zu präsentieren. So kann man z.B. auch einen schlechten Witz, also einen, der nicht ankommt, trotzdem noch (handwerklich) gut erzählen.

Die Bewertung der eingesetzten Mittel, etwas handwerklich gut zu präsentieren, hat also nichts mit persönlichem Geschmack zu tun, sondern kann durchaus objektiv durchgeführt werden. Vorausgesetzt, man kennt die besagten Mittel und hat Fachkenntnisse darüber, wie so ein Witz abgeliefert werden muß, um der Witzeerzählkunst gerecht zu werden.

So wie also einem Kunden ein Tisch gefallen kann, oder nicht (Geschmack), wird ein Schreinermeister unabhängig der Geschmacksfrage auch (objektiv) erkennen können, ob dieser Tisch handwerklich sauber gearbeitet ist und welche Techniken dabei zum Einsatz gekommen sind, selbst wenn der Tisch ihm privat gar nicht gefällt.

Der Tischkäufer, sofern er keine Ahnung von der Schreinerkunst hat, kann hingegen den Tisch nur nach wenigen äußerlichen Kriterien bewerten. Was nicht schlimm ist, da er als Konsument weit weniger und z.T. andere Ansprüche an den Tisch stellt, als etwa der Meister, der die Arbeit eines Gesellen nach objektiven Maßstäben bewertet.

Sicher könnten sich einige selbst hier noch hinstellen und meinen, einen Tisch könnte man doch schließlich auch ganz anders zusammennageln. Klar - könnte man. Aber dann erfüllt das Ergebnis eben u.U. nicht mehr die Ansprüche, die in der Schreinerzunft seit jeher gelten.

Ganz ähnlich verhält es sich nun z.B. mit dem von Dir gezielt gewünschten emotionalen Grundton der Langeweile. Es besteht nämlich ein Unterschied darin, ob man Langeweile spielt, oder langweilig spielt.

Ersteres ist ein Stilmittel, das vom Spieler/Sprecher bewußt eingesetzt wird, um eine Figur zu charakterisieren. Dies kann für einen Zuhörer trotzdem ungemein spannend sein, so daß er in der Geschichte drin bleibt, während letzteres den Zuhörer eben ausschließlich langweilt und aus der Geschichte herausbringt.

Mein Beamtenvergleich war somit nicht auf die Figur, sondern auf die handwerkliche Umsetzung bezogen. Von der ich noch immer annehme, daß sie eben gerade nicht Dein Ziel war.

In ähnlicher Weise ließe sich übrigens über Müdigkeit, Kraftlosigkeit usw. urteilen, die halt nicht müde und kraftlos gespielt werden dürfen.

In diesem Zusammenhang war meine Murmeltier-Analogie auch nicht ganz grundlos gewählt. Denn dort sieht man gerade nicht die x-te Wiederholung ein und derselben Szene, sondern die x-te Variation ein und der selben Szene. Erst das macht es für den Zuschauer nämlich spannend. Obwohl aus kaufmännischer Sicht der Produzent eine Menge Geld hätte sparen können, wenn er einfach die selbe Szene x-mal hintereinander geschnitten hatte.

Du magst zudem meine Vorschläge, dem Tod etwas mehr Leben einzuhauchen, für abgegriffene Klischees halten, das ist Dein gutes Recht. Allerdings waren sie auch nur beispielhaft zu verstehen, nicht als Apodiktum für eine Umsetzung.

Ich für meinen Teil halte allerdings „Langeweile“ als Motivation für eine Figur für eine recht Schwache, aber das ist tatsächlich meine Privatmeinung. Auch wenn ich den Auftritt des Todes mit den Goethe-Worten „hier bin ich Mensch...“ nicht wirklich als gelungene Ankündigung für Langeweile als tragendes Motiv interpretieren kann, schließlich heißt es im Faust eine Zeile davor: „zufrieden jauchzet groß und klein...“, was nun wahrlich keine Langeweile, sondern ausgelassene Lebensfreude dokumentiert.

Doch das Hörspiel in dieser Weise Satz für Satz zu hinterfragen wäre wohl eher die Aufgabe von Dramaturgen.

Ich bleibe da lieber bei meinen Leisten und bewerte aus einer emotionalen Distanz Arbeiten objektiv nach professionellen Gesichtspunkten, sofern die Macher Gewerbliche sind.

In dem Zusammenhang ist meine Aussage über „Unprofessionalität“ ausschließlich auf die Einlassungen von Xilef zu beziehen, der mit Grenzen der Technik und einer lustvollen Hingabe an unvollkommene Produktionsbedingungen zu beweisen versuchte, daß man kein Garant für eine gelungene Projektumsetzung sein könne.

Ich möchte da in Anlehnung an Oscar Wilde dagegenhalten:
Meine Ansprüche sind ganz einfach: Ich bin immer nur mit dem Besten zufrieden ;-).

Und als solches gilt für jeden Profi-Sprecher, daß er vor dem Mikro liefern muß. Wobei seine Angebote schon ein so hohes Niveau erreichen müssen, daß er nie leer spricht. Selbst wenn überhaupt keine Dialogregie stattfinden würde (wofür es auch Beispiele gäbe...). Erst danach kann man über die vielen Nuancen und Variationen sprechen, die dann noch möglich sind, ohne das Niveau wieder zu unterschreiten.

Diese Haltung mag für Außenstehende kraß klingen, spiegelt aber die eigentliche Produktions-Wirklichkeit der heutigen Zeit wieder.

In die gleiche Richtung zielt deshalb auch mein Hinweis mit dem Lernen (wollen).

Profisprecher, zumindest die mir in meiner Laufbahn begegnet sind, habe immer an sich gearbeitet und waren in der Lage, Kritik als das zu sehen, was sie ist: Eine Chance, daran zu wachsen. Das heißt nicht, das man alles (kritiklos) hinnimmt, aber man muß sich damit inhaltlich auseinandersetzen (können und wollen) und nicht emotional abwiegeln. Und da bin ich mir nach einigen Antworten hier leider nicht mehr ganz so sicher (wovon ich Dich, lieber Robert, allerdings explizit ausnehmen möchte!).

Obwohl ich den Versuch von Anke, mit ihren jugendlichen Weisheiten über das Leben einem alten Kutscher das Peitsche-Knallen beizubringen, rech amüsant fand.

Somit bliebe also abschließend nur die Frage, wieso jemand einfach so die Frechheit besitzt daher zu kommen, und meint, den Schreinermeister geben zu dürfen, damit er die Holzschnittarbeiten Andere bewerten kann.

Aber nach über 40 Jahren in Sprecherstudios und davon sehr lange in einer Position zwischen Kunst und Kommerz, in der man häufig in die Situation kam, mit den Augen zu rollen, wie Dagmar es mal so treffend in einem anderen Posting beschrieben hat ;-), kann ich durchaus eine kleine objektive Bewertung über die handwerkliche Umsetzung vornehmen, ohne mich gleich dem Verdacht reiner Geschmacksäußerung auszusetzen.

Ich kann allerdings auch verstehen, daß die Tatsache, daß ich so ausführlich über etwas schreibe, jemandem vielleicht schmeichelt. Allerdings ist diese Annahme eine gefährliche Pendeltür, die bestimmt zurückkommt, wenn man hindurchspringt. Denn das auslösende Moment kann nämlich manchmal gerade das sein was fehlt, und nicht das, was man in die Arbeit hineingelegt hat.

In diesem Sinne würde ich mich freuen lieber Robert, wenn ich von Dir mal wieder etwas lese oder höre.

Unabhängig davon werde ich mich auch weiterhin zu Wort melden, wenn Brancheninsider ihre akustische Visitenkarte abgeben und sich darin Verbesserungspotential erkennen läßt .

Kuno

P.S. das mit den Nackten im Schleim habe ich doch gleich geahnt ;-)
 

Jeln Pueskas

Michael Gerdes
Teammitglied
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AW: Wenn der Vorhang fällt

Hi Kuno,

Du hast Dir in diesem Thread viel Mühe mit Deiner Kritik gegeben. Dein letztes Posting verdeutlicht am ehesten, wie Deine Kritik einzuschätzen ist. Das Dilemma liegt nicht in Deiner Wortwahl. Allerdings hast Du Dich hier seit Februar nicht vorgestellt. Eben das macht es auch schwierig mit Deiner Kritik umzugehen. Es gab in der Vergangenheit, immer wieder mal Leute, die kurz aufblitzen, Kritik hageln ließen und dann in der Versenkung verschwanden. Wenn Du also mehr zu Deiner Person sagen könntest (zum Beispiel im Vorstellungsthread) wäre das toll.

Zu Deiner Kritik - speziell den letzten Post oben.
Du unterscheidest da Geschmack von Handwerk und ziehst als Beispiel den Humoristen heran. Das ist insofern treffend da es sich ebenfalls um einen Künstler handelt, der von seinem Handwerk - der Kunst beseelt ist und ausführt. Das Problem mit der Kunst und den Eindrücken ist immer, dass es eben entscheidend ist, welchen Eindruck der Betrachter von einem Kunstwerk hat. Das ist nun leider eine Geschmacksfrage. Natürlich beurteilt ein Kenner der Branche, der sich hat ausbilden lassen, mit einem geschultes Auge seinen Eindruck der Darbietung. Im Falle des guten aber schlecht erzählten Witzes ist es in der Gesamtheit gar nicht mehr überprüfbar, was dem Publikum als erstes im Gedächtnis bleibt. Und oftmals benutzen Künstler eben auch die Technik des Witz-Schlecht-Erzählens, um damit eine eigene Reaktion auszulösen.

Du argumentierst, dass es Dir nicht um Geschmack geht, sondern um das Handwerk. Das lässt sich auch als eine Norm sehen, nach der sich definiert, ob etwas schlecht gespielt oder etwas Schlechtes (zum Beispiel Langeweile) authentisch gespielt wurde. Diese Art der Norm trifft aber nicht unbedingt die Intention der Macher hier. Es geht oftmals darum, neue und eigene Wege zu gehen. Das mag dann nicht immer stimmig sein. Und auch in dem was Künstler oder Cutter sehen, mag so mancher Profi aus dem kommerziellen Hörspielbereich oder Hörfunk verächtlich die Nase rümpfen. Aber es gehört auch zum Entwicklungsprozess, diese Normen durchbrechen zu können.

Das bietet natürlich Angriffsflächen für Kritik, die gerade in diesem Hörspiel für jeden Hörer zutreffen mögen oder auch nicht. Aber ich halte es für fraglich, mit einer Messlatte daher zukommen, bei der die Sprechleistung allein an der Norm des Handwerks gemessen wird. Die Zielvorgabe "Besser müssen wir werden" ist zwar ein konsequenter gerader Weg, wenn man in seinem Beruf vorankommen möchte. Aber es bietet wenig Platz Alternativen auszuprobieren, in der Angst, jemand könnte den Ansprüchen nicht mehr genügen.

Zu den Projekten muss man sagen, dass hier der Cutter in der Regel auch die Dialogregie führt und damit auch die Verantwortung dafür trägt, wie die Sprecher in der Gesamtfassung beim Hörer ankommen. In diesem Hörspiel hatte Robert ja angemerkt, dass er eben genau die Stimmung erreichen wollte, die von Dir wahrgenommen aber auch als falsch ausgedrückt wurden. Eben da beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn obwohl er sein Ziel im Prinzip erreicht hat, werden ihm die Wahl der Mittel vorgehalten. Vielleicht erschließt sich mir daher auch Deine Argumentation nicht ganz. Aber wie ich schon zu Dagmar gesagt habe, soll hier jeder auch seine Meinung kundtun - auch, oder gerade wenn demjenigen das Werk nicht gefallen hat. Denn gerade dadurch wird hier der Lernprozess gesteigert. Die Reaktion ist halt die Nahrung des Künstlers und Machers.

Ich bin kein Profi. Ich mache das hier in erster Linie aus Spaß aber natürlich will ich für mich eine Steigerung in meiner Arbeit erkennen. Vielleicht mag mich diese Haltung disqualifizieren, hier eine professionelle Meinung abzuliefern. Allerdings liegt mir daran, meine Höreindrücke an die Macher zu geben, um so eine Einschätzung zu ermöglichen und vielleicht das gleiche bei meinen Werken zu zurückzubekommen... Eine Qualitätsnorm setze ich hier bewusst nicht.

Viele Grüße.
 

treborknarf

~ treborknarf ~
AW: Wenn der Vorhang fällt

2000

auf YouTube - keine Ahnung ob das was aussagt, und wenn ja, was - aber ich freu mich trotzdem! Vielen Dank fürs Hören!
 

treborknarf

~ treborknarf ~
AW: Wenn der Vorhang fällt

Wow! Das Lob macht mich ganz sprachlos und freut mich sehr!!! Danke!

Und so kann ich es nur noch mal an alle Beteiligten weitergeben:
Ihr habt das toll gemacht, vielen vielen Dank dafür!!!
 
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