Tempus Fugit - Raus aus Berlin

Marco

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AW: Tempus Fugit - Raus aus Berlin

Ich dachte mir, dass ihr auch mal die eine oder andere Originalaufnahme meines Vaters zu dieser Geschichte hören solltet.
Leider ist die Qualität nicht so gut. Also eine Freigabe würde er sicher nicht bekommen ;-)

 
oder
 

oder die Geschichte mit dem englischen Spion, die in dem Hörspiel nun nicht vorkommt.
 
 

Phollux

Robert Kerick
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AW: Tempus Fugit - Raus aus Berlin

Coole Sache! Ich habe sie mir direkt in die Playlist ans Ende des Hörspiels gepackt. ;) Im Film "Der Untergang" wurde am Ende ja auch ein Interview von Traudl Junge gezeigt, was ich sehr interessant fand. :thumbsup:
 

Olaf

Olaf
AW: Tempus Fugit - Raus aus Berlin

Ich habe diese Zeit glücklicherweise nicht mit erlebt. Die Geräuschkulisse ist sehr realistisch, die ganze Produktion gut, richtig gut.
Sie macht betroffen und läßt einen kaum vom Lautsprecher weg. Großartig !!!
 

Jeln Pueskas

Michael Gerdes
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AW: Tempus Fugit - Raus aus Berlin

Hallo miteinander,

ich muss ja noch so vieles hören, um da auch noch mal ein Feedback geben zu können. Bei Tempus Fugit hatte ich die Gelegenheit, vorab das fertge Werk zu hören.

Das Skript: "Raus aus Berlin" ist nun keine Geschichte, die, frei erfunden, eine Reaktion beim Publikum auslösen soll. Flucht, Vertreibung, Verluste (in der Familie, Freunde und/oder die eigenen 4 Wände) quälten damals die Zivilbevölkerung immens, so dass es hier viele Blickwinkel gibt, aus denen man die Geschichte betrachten kann. Dieses Hörspiel betrachtet sie aus der Sicht von Kindern, die fernab von ihrer Heimat langsam erkennen müssen, dass die Doktrin des Nationalsozialismus sie komplett vereinahmt hat. Es zeigt die Ängste und Hoffnungen auf, die die Kinder damals hatten, da sie fernab von ihrem zu Hause keine Ahnung hatten, wie es ihren Eltern oder Verwandten geht. Ohne eine Moral von der Geschichte aufzudrücken, werden die Veränderungen sowohl von außen, als auch in der Sichtweise der Kinder manchmal langsam wie auch drastisch verändert. Am Ende steht zwar Happy End, welches aber durch die Ereignisse und die Lebenserfahrung gezeichnet ist. Wenn man nun im Augenmerk hat, dass all das, was man gehört hat, die Erinnerungen eines Menschen sind, der diese Zeit miterlebt hat, kann man sich heute glücklich schätzen diese Art der Dramatik nicht selbst miterlebt zu haben. Als Hörer jedoch ist es eine packende Geschichte, die eigentlich alles bietet, was man von einem Drama erwartet. Gute Arbeit, Marco :)

Die Sprecher:
Phillp Süß als Klaus und Stefan Fritsche als Dieter haben hier in ihrem Spiel eine hervorragende Mischung an Dialogen abgeliefert. Die Rollen wirken autentisch und auch die Gefühle nicht aufgesetzt oder gar überzogen. Felix Würgler als Papa Heine überzeugt ebenfalls, zumal er hier eine Rolle spielt, die man von den anderen Hörspielen weniger gehört hat. Warm, herzlich, streng und fürsorglich. Absolut klasse. Auch Jan Münter als Fähnleinführer Holz stach für mich besonders hervor. Aber auch die anderen, wie Aiga Kornemann, Roland Möntemann, Dennis Oberhach, Patrick Steiner, Klaus Schankin und all die hier ungenannten fand ich sehr einfühlsam im Spiel.

Der Schnitt:
Hier hat Marcel etwas wirklich großartiges abgeliefert. Es war nicht spatanisch geschnitten. Aber die Effekte flossen wohldosiert in die Handlung ein. Die Dialoge waren flüssig und in dem Tempo wie man es erwartet. Effektvoll und toll umgesetzt fand ich die sowohl die Frontszene als auch die Bombardierung Berlins. Aber vor allem die stillen Szenen wirkten in ihrer Kulisse sehr homogen.

Musik:
Diese fand in dem Hörspiel einen seichten Unterton. Die Handlung lag im Vordergrund - nicht die Musik. Dennoch war sie stimmungsvoll hatte eben diesen Schmerz, als auch eine seichte melancholische Ader. An manchen Stellen hätte ich sie vielleicht noch in ihrer Lautheit mehr nach vorne geholt. Allerdings ist Marcel hier seiner Linie treu geblieben und so bleibt alles in sich homogen.

Cover:
Das gewählte Bild der alten Lok, wie auch die Farbabmischung rücken das Gesamtergebnis ins rechte Licht. Schön gemacht.

Fazit:
"Raus aus Berlin" trifft sowohl den Nerv der Jahrgänge, die in dieser Zeit gelebt haben, als auch diejenigen, die mit diesen Geschichten aufgewachsen sind. In den letzten Jahren ist immer mal wieder die "Schulddiskussion" entbrannt, in der man sich doch am liebsten von der vergangenen Zeit lossagen will um damit seine eigenen Ideologien ins "rechte" Licht zu rücken. Eben den letzteren unter uns Deutschen wird dieses Hörspiel ein weiteres "ausgelutschtes" Thema bleiben. Man sollte aber nicht vergessen, dass die Generation, die diesen Krieg erlebt hat, bald ausgestorben ist. Noch haben wir die Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge zu hören. Diese sollten wir nutzen. Das Hörspiel fängt eben diese Momente ein. Ohne Anklage, ohne Schuldzuweisung oder Entschuldigungsfloskeln. Es ist einfach eine Geschichte einzelner in einer der düstersten Kapitel deutscher Geschichte.

Viele Grüße, Michael
 
Zuletzt bearbeitet:

abi

Hörspiel-Junkie ;-)
AW: Tempus Fugit - Raus aus Berlin

Hallo Zusammen

Als "neutraler" Schweizer ist das Hörspiel für mich eher ein Geschichtshörspiel als eine Aufarbeitung oder dergl. Dennoch habe ich es mit grossem Vergnügen (kann man bei diesem Thema überhaupt von Vergnügen sprechen?) gehört. Ich bin vieles aber definitiv nicht "rechts" habe aber auch meine Mühe, wenn auf gewissen TV-Kanälen jeden Tag irgend ein neues Fass von/über/mit Hitler aufgemacht wird. Diejenigen, die man aufklären muss und die sich nicht lassen wird man damit nicht erreichen.

Insofern fand ich das Hörspiel sehr gelungen und könnte mir vorstellen, dass man das auch in den Schulunterricht einbauen könnte. Die Sprecher sind sehr gut ausgewählt. An einigen Stellen hatte ich zwar bei den Schülern das Gefühl, sie kämen zu "hölzern" rüber. Aber wenn man sich in die Szenerie versetzt, hat das wohl auch seine Berechtigung.

Ich wünsche mir noch mehr Hörspiele aus diesem Bereich :)

Liebe Grüsse

Abi
 

Dorsch Nilson

aka Beipackzettel
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AW: Tempus Fugit - Raus aus Berlin

Ich hab, als ich jetzt Krank war mir die Zeit genommen Tempus Fugit gehört. Aiga hatte mir auf dem IHW von dem Werk erzählt - die anderen Feedbacks hier im Thread habe ich nicht gelesen, mach ich vielleicht später noch.

Hut ab, ich finde, es ist echt toll geworden. Eigentlich zieh ich mir so ernste historische Literatur gar nicht mehr rein, weil es mir echt nahe geht und ich finde, dass ich mich in meinem Leben echt genug mit unserem politischen Erbe auseinandergesetzt habe, aber Aiga und der Community zu Liebe hat's mich dann doch interessiert. Ich fand's überhaupt nicht zu lang, im Gegenteil, ich finde, dass die Länge eigentlich ein guter Weg ist auch wirklich fühlbar rüber zu bringen, wie lange die Kids von zuhause weg waren. Aiga in der Mutterrolle und Felix als Papa Heine, ihr beiden habt mich mehrfach zu Tränen gerührt, wobei Felix sich echt (mal wieder) nen Orden als bester Schauspieler mit der schönsten Stimme verdient hat. Auch ansonsten ist alles sehr "schön" realistisch geworden, von den Sounds her und den Dialogen. Nur die Stellen mit dem möchtegern-Berliner-Dialekt fand ich unangemessen trashig und fielen mir im vergleich zur Erhabenheit des restlichen Werkes negativ auf. Ich finde, wenn man mit Dialekten arbeitet, dann sollte man da wesentlich tiefer rein gehen, das richtig üben, oder es lassen, oder stattdessen die eigene Mundart nehmen, dadurch kommt oft ein ähnlicher volksnaher Effekt zu Stande. Aber alles in allem, meine Verbeugung vor allen beteiligten, Prädikat: Absolut hörenswert.
 

Herr M

Well-known member
AW: Tempus Fugit - Raus aus Berlin

Ich dachte mir, dass ihr auch mal die eine oder andere Originalaufnahme meines Vaters zu dieser Geschichte hören solltet.
Leider ist die Qualität nicht so gut. Also eine Freigabe würde er sicher nicht bekommen ;-)

 
oder
 

oder die Geschichte mit dem englischen Spion, die in dem Hörspiel nun nicht vorkommt.
 

Sehr interessant. Schade das du die Aufnahmen nicht mit ins Hörspiel eingebaut hast. Aber es ist auch so richtig Gut geworden.
Dein Paps hat übrijens ne Sympatische Stimme wa.
 

Ellerbrok

Hoer-Stalker
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AW: Tempus Fugit - Raus aus Berlin

Es war unserer Absicht nicht schon wieder mit der "Die Nazis waren alles Schweine und das Deutsche Volk muss ewig dafür büßen"-Keule zu kommen. Daran wird man schon oft genug erinnert, ob man will oder nicht.
 

Jenleo

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AW: Tempus Fugit - Raus aus Berlin

Ich habe es mir auch vor einigen Tagen angehoert und es ist echt klasse. Habe mich richtig in die zeit zurueck gesetzt gefuehlt
 

Marco

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AW: Tempus Fugit - Raus aus Berlin

Vielen Dank für die Blumen :)

Felix als Papa Heine, ihr beiden habt mich mehrfach zu Tränen gerührt, wobei Felix sich echt (mal wieder) nen Orden als bester Schauspieler mit der schönsten Stimme verdient hat.

Ich denke, dass das eine Rolle war, die Felix perfekt steht. Nicht, dass man ihm nicht andere Rollen abnimmt, jedoch habe ich das Gefühl, in dieser Rolle fühlte er sich auch wohl.

Ich bin vieles aber definitiv nicht "rechts" habe aber auch meine Mühe, wenn auf gewissen TV-Kanälen jeden Tag irgend ein neues Fass von/über/mit Hitler aufgemacht wird. Diejenigen, die man aufklären muss und die sich nicht lassen wird man damit nicht erreichen.
Dieses Hörspiel ist eine im Grunde genommene wahre Geschichte. Ich habe versucht zu zeigen, wie die Menschen damals gedacht und gefühlt haben.
Vor allem, dass es auch einfach nur Menschen waren, die Gefühle hatten. Für Trauer war im Krieg wenig Platz. Das ein Haus nach einem Angriff plötzlich weg war, war "normal". Man ging dann wieder zur Tagesordnung. Durch den Volksempfänger ließ man sich Mut machen, denn die Hoffnung auf ein besseres stirbt zuletzt. Die Hoffnung, dass der Krieg bald zu ende ist.
Es gab aber auch Menschen, intelektuelle, die wussten wie es um Deutschland stand. Wie halt dieser Papa Heine. Und Papa Heine wurde wirklich so von seinen Schülern hinter vorgehaltener Hand so genannt. Natürlich durfte keiner Papa Heine zu ihm sagen, schon gar nicht vor den anderen Studienräten.
Es ist schon unglaublich, was ich durch die Interviews mit meinem Vater alles an Wissen erhalten habe :) .

Allerdings glaube ich nicht, dass das Hörspiel für den Schulunterricht geeignet ist. Bin mir da jedenfalls nicht sicher.
 

Marco

Administrator
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AW: Tempus Fugit - Raus aus Berlin

Heute durfte ich ein Interview über Tempus Fugit und Raus aus Berlin geben.
Der Radiosender (im Kabel und Internet zu hören) Ohr-Funk hat das Hörspiel gesendet. Wobei sie das Hörspiel in zwei Teile geteilt haben und den ersten Teil letzte Woche gesendet haben. Morgen und Übermorgen senden sie den zweiten Teil des Hörspiels mit dem Interview mit mir. Sie fanden es so gut, dass sie mehr darüber wissen wollten. Auch wollten sie wissen, ob aus der Tempus Fugit Reihe noch mehr geplant sei. Natürlich habe ich erzählt wie ich hierher gekommen bin und wie wir das Hörspiel zusammen produziert haben, dass wir es noch einmal auseinandergepuzzelt und wieder zusammengesetzt haben.
Das es Marcels Debut im Cut war und dass wir beim Zusammensetzen von Dir AK viel Unterstützung hatten (ohne Deinen Namen zu nennen).
Es war jedenfalls sehr spannend und auch das erste mal, dass ich interviewt wurde.

Also morgen auf www.ohrfunk.de (glaube 18:00 Uhr) kommt der zweite Teil mit dem Interview.
Ick freu mir...echt knorke
 

Jeln Pueskas

Michael Gerdes
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Hey Super! Das freut mich, dass Dein Werk so schön Wellen schlägt. Wenn ich heute Abend Zeit finde, höre ich mal rein.

Viele Grüße, Michael
 

Jeln Pueskas

Michael Gerdes
Teammitglied
AW: Tempus Fugit - Raus aus Berlin

Ah. OK. Ich habe gedacht, unter dem Link versteckt sich schon ein Teil des Interviews. Alles klar, dann morgen. Und ich glaube nicht, dass Du Dich furchtbar anhörst. :)
 

Paul

Wertentwender
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Tolle Sache! Ich habe zwar keine Zeit, dem Radiotermin beizuwohnen, freue mich aber über diese positive Rückmeldung für das gesamte Team. :)
 

Xilef

zerfahrener Verdutzter
AW: Tempus Fugit - Raus aus Berlin

@Marco - det is dufte find ick...
und auch ein schönes Echo aus der Runde hier - hab hier schon länger nicht mehr reingeguckt - das Dir Mut zu Mehr machen sollte.
Wie an anderer Stelle schon angedeutet, finde ich, Du hast eine Art eigenständiges Genre kreiert.
Ich erinnere mich, dass Du ein kleines Bisschen geknickt auf mich wirktest, nachdem Dein Vater sich Dein Werk zwar angehört aber nicht so davon hat erreichen lassen (können), wie Du vielleicht gewünscht hättest.
Um so schöner aber, dass Menschen, die - wie wir alle anderen auch - die Erlebnisse Deines Vaters nicht einmal ansatzweise teilen - sich diese über Dein Hörspiel aber doch m i t teilen und nahegehen lassen.
Hier verbirgt sich vielleicht auch die Idee für den Vorschlag, dass das Material genauso in pädagogischem Rahmen gut aufgehoben sein könnte, denn Deine Art sich diese Zeit zu erschliessen wählt ja eine völlig ungewohnte Perspektive, die
im Lehrstoff zu diesem Thema an Schulen völlig zu kurz kommt.
Bin gespannt auf Deine nächsten Findungen
LG
X
 
Zuletzt bearbeitet:

Jeln Pueskas

Michael Gerdes
Teammitglied
AW: Tempus Fugit - Raus aus Berlin

Den Einwand bezüglich der Schulen finde ich toll. Ich kann ja mal auf unserer weiterführenden fragen, ob an so etwas Interesse besteht, es in den Unterricht einfließen zu lassen, wenn es Dir, Marco, recht ist. :)

Viele Grüße, Michael
 

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