Ich konnte Herausforderungen noch nie aus dem Weg gehen. nichtmal, wenn sie über Jahre gehen. Also gut ...
Du machst schon sehr viel richtig (wenn man allgemein überhaupt von "richtig" sprechen kann) und könntest vermutlich am ehesten an präziserer Satzführung arbeiten (z.B. Satzanfänge nicht ganz so lapidar und hoch beginnen. Satzenden machst du schon richtig stark mit dem Halten der Spannung, also du lässt die Stimme nicht kraftlos von der Klippe springen, was immer sinnvoll ist). Die Geschwindigkeit empfinde ich zumindest als perfekt, Tempo und Klangfärbung passen zum Stück, du beherrschst Hochdeutsch (schau dir jedoch mal die "ig"-Regeln an) und ja, du musst einfach nur ein Gefühl für das neue Medium entwickeln. Hast du denn nie zuvor Hörbücher gehört? Irgendwie kann ich das kaum glauben.
Ich würde dir auch empfehlen, Texte von anderen einzulesen, denn dann bist du nicht so tief im Gefühl. Eigene Texte sind ja noch mal was anderes, vielleicht bist du zumindest mental freier, wenn du dich Texten anderer Leute annimmst und diese zum Leben erweckst?
Was man auch nicht verachten sollte, zumindest darf ich das in einem Hobbyforum sagen: Klar sollte ein kommerzieller Sprecher ALLES einsprechen können und wollen, immerhin ist man auch als Hörbuchsprecher eine Art Schauspieler. Aber ich finde es schön, wenn persönliche Vorlieben bedacht werden und wenn die Sprechpersönlichkeit sowohl zum Buch (Genre etc.) passt als auch zu dem, was der Autor im Sinn hatte.
Am Anfang meiner HörbuchHÖR(!!!)karriere habe ich mir wahllos Sachen (kostenpflichtig lol) runtergeladen und wurde weder mit Sprechern noch Büchern freund. Mittlerweile höre ich einen, den ich vorher unerträglich fand, in bestimmten Genres sehr gern. Es hatte zu dem Zeitpunkt einfach nicht gepasst. Du musst dich da reinwuseln und wirst sicher deine Favoriten finden. Wenn ich nur zwei Lieblinge wählen dürfte, wären es Tanja Geke und Dietmar Wunder.
"Sprechpartitur" ist ein schönes Wort, das ich vorher gar nicht kannte

Aber ja, eigentlich sieht man nur anhand eines flüchtigen Blicks auf eine Seite, ob die Textharmonie passt. Ich persönlich habe zwar leider noch kein ganzes Buch geschrieben, aber seitdem ich bewusst höre und spreche, fühle ich mich zumindest in der Lage, Texte zu produzieren, nein, ich habe sogar das Gefühl, dass ich meine Gedanken und Seele damit zur Ordnung oder zumindest bewussteren Unordnung rufen kann.
Wie gesagt, ich gehe davon aus, dass du bald sehr glücklich mit der Entscheidung sein wirst, dein Bewusstsein für Hörbücher und Hören und Sprechen allgemein geöffnet zu haben.