Overtone GEQ: Stimmen präsenter machen, also "enttopfen"

GO TO ADMIN PANEL > ADD-ONS AND INSTALL ABSTRACT SIDEBAR TO SEE FORUMS AND SIDEBAR

Nonowe

Super-Hoertalker
Sprechprobe
Link
Hallo zusammen!

Die Klangqualität, die wir mit unseren verschiedenen Mikros erzielen können, ist naturgemäß recht unterschiedlich. In frisch geschnittenen Dialogen fällt es dann besonders auf: Eine Stimme klingt klar und präsent, die andere Aufnahme dagegen leicht metallisch oder dumpf, eben wie aus einem Lautsprecher. Woher kommt das?

Pragmatische Antwort: Die Mikros zeichnen je nach Bauart manche Frequenzen besser auf und manche schlechter oder überhaupt nicht. Also: In der Aufnahme fehlen bestimmte Frequenzen - insbesondere die Obertöne - und die Aufnahme klingt dumpf, metallisch, "topfig". Was tun?

Hierfür gibt es natürlich spezielle Equalizer!

Die meisten EQs erlauben einem, beliebige Frequenzbereiche in der Aufnahme lauter oder leiser zu stellen. Das Problem ist: Wenn Frequenzen fehlen, können wir sie in einem normalen EQ natürlich auch nicht lauter machen. Dazu brauchen wir "Enhancer EQs" oder "Exciter EQs", die über Algorithmen verfügen, die zB fehlende Obertöne wieder dazurechnen. Und das bringt der Aufnahme Glanz!

In diesem Tutorial will ich einen freien EQ aus dem Music Production Bereich vorstellen, der wie ich finde einen sehr guten Job macht: Voxengos Overtone GEQ.

Hier ein Hörbeispiel, aufgenommen mit meinem - sehr günstigen - Just Music Mikrofon JM220 (und Steinberg Audio Interface):

 

1) Original
2) Nach Bearbeitung
3) Kurzer Auszug Original
4) Kurzer Auszug nach Bearbeitung

Zauberei, oder? So geht's:

  1. Den frei erhältlichen Overtone GEQ von Voxengo runterladen, zB hier:
    Overtone GEQ by Voxengo - EQ VST Plugin, Audio Units Plugin and VST 3 Plugin

  2. Schiebt die Datei in den Ordner, in der eure DAW die VST Plugins vermutet. Wenn ihr die Plugins aktualisiert oder eure DAW neu öffnet, findet ihr jetzt den neuen VST Effekt "Overtone GEQ".

  3. Wendet den Effekt als Insert Effekt auf die gewünschten Spur an.

  4. Für uns ist es insbesondere interessant, die Obertöne der beiden höchsten Bänder anzuheben, aber es lohnt sich, bei jeder Stimme an den Reglern herumzuprobieren und eine Einstellung zu finden, die gut klingt.
    Im Prinzip braucht man nur den linken Block mit den sieben Reglern - der zweite Block kann zum schnellen Vergleichen von Einstellungen benutzt werden.
    Im Beispiel von oben sah das bei mir so aus:

    https://www.hoer-talk.de/upload/up/OGEQ-1516504099.jpg
So - auf diese Weise klingt hoffentlich mein kleines Mikro im Zusammenspiel mit dem professionelleren Equipment, das hier im Umlauf ist, auch akzeptabel, ob im Dialog oder als Gesang im Mix :). Natürlich: Ein EQ ersetzt kein hochwertiges Mikro, hier wird man immer an gewisse Grenzen stoßen. Und auch Aufnahmen, die räumlich ungünstig waren und durch den Kammfiltereffekt metallisch klingen, sind nicht immer zu retten; mir hat es aber schon geholfen, einige Aufnahmen noch nachträglich etwas aufzupolieren!

Welche Enhancer oder Exciter benutzt ihr? :)
 
Zuletzt bearbeitet:

Eric

Super-Hoertalker
Sprechprobe
Link
Danke, das ist ein spannendes Thema, ich werde mir den Enhancer mal anschauen.
Ich nutze bisher auch den frei erhältlichen "You wa Shock!" Enhancer, dieser lässt einem aber nicht wirklich Einstellungsmöglichkeit, ich nutze den aber sehr gerne dezent zur „Veredelung“ von Ansagen die sehr präsent ins Ohr gehen sollen.
 

Spirit328

Veni, audi, secari
Natürlich kann man eine Menge Plug-Ins verwenden, aber in vielen Fällen genügt es, wenn man den Frequenzgang der Spur auf die sprechende Person anpasst.
Doch dabei sollte man zwei wichtige Dinge berücksichtigen:

1. Die Stimme sollte an sich "natürlich" klingen
2. Die Stimme sollte auch in den klanglichen Kontext passen.

Zunächst sollte man bei Stimmen immer einen HPF (Hoch Pass Filter) verwenden, der alle Frequenzen unter 80 - 100 Hz stark bedämpft. Damit sind schon mal die "Rumpel-Geräusche" weitestgehend weg und die Aufnahme klingt schon mal ordentlich.
In aller Regel "mumpfen" viele Stimmen bzw. die Aufnahmen davon. Also sind die ersten "üblichen Verdächtigen" im Bereich von 200 - 280 Hz zu suchen. In aller Regel drehe ich in diesem Bereich 2 - 4 dB raus. Nicht zu viel, sonst wirkt die Stimme dünn und wirkt kühl, bzw unnatürlich.
Dann, je nach Stimme und deren Lage ist im Bereich um 1 kHz eine weitere leichte Absenkung (1-4 dB) im Klangkontext dazu geeignet, der Stimme etwas mehr Durchsetzungsvermögen zu verleihen, aber bei Monologen sollte man hier behutsam vorgehen.
Eine leichte Anhebung der Präsenz irgendwo zwischen 2 - 3,5 kHz hilft die Sprachverständlichkeit zu erhöhen.
Die Höhen oberhalb von 8 kHz drehe ich mehr oder minder energisch raus.

ABER!

Wie kann man das schnell herausfinden? - Nun, .... Übung macht den Meister oder ...
Man verwendet Filter, deren Güte (Q), Frequenz (f) und Stärke (dB) man verändern kann.

Zunächst stellt man die Stärke auf maximal und die Güte auf eine möglichst große Zahl. Dann verändert man die Frequenz so lange, bis man eine Stelle findet, die "nervt" oder gar "im Ohr weh tut". Schon haben wir eine einfache Möglichkeit störende Frequenzen zu identifizieren und zu reduzieren. In aller Regel sollte man nicht mehr als 2-3 solcher Frequenzen reduziren. Wenn Ihr glaubt mehr zu brauchen, solltet Ihr eine Pause machen, Eure Ohren entspannen und es dann noch mal versuchen. Ist es immer noch so schlimm, dann ist die Aufnahme wohl nicht gut genug.

Es ist halt wie mit allen allgemeinen Tips. Sie sind halt allgemein und auf den Einzelfall nicht immer vollständig zutreffend.

Probiert es ruhig einmal aus, was so alles mit den "Bordmitteln" Eurer Software machbar ist.
Wenn das dann schon ganz passabel klingt, könnt Ihr noch ein wenig "Politur" anbringen in Form von Plug-Ins.

Was ich ganz gerne bei Stimmen einsetze, die etwas "dünn" klingen sind Röhrensimulationen. Wie z.B.: SPL TwinTube Plugin.
Doch das ist ganz gewiss kein Allheilmittel, sondern Politur.
 

7klang

Musikus (semiprof.)/ Komponist/ MusikFX
Ich nutze für o.g. "Operationen" gern den Cubaseeigenen Quadfuzz.... das ist ein 4 Band Sättiger, für den man je Band entweder Tape-, Tube-Sättigung, Verzerrung oder Verstärkung einsetzen kann und einiges mehr.
Link: Quadrafuzz v2

Mit einem leicht angezerrten, sehr kurzem Plate-Reverb und ner eingegrenzten EQ-Einstellung dieses Halls im INSERT kann man auch in begrenztem Maße fehlende Frequenzen aufpolieren .... aber mit Gefühl!

Dann gibt's noch die Möglichkeit eines Match-EQs.... dieser nutzt einen analysierten Frequenzverlauf einer vorhandenen Aufnahme, um diese Frequenzkurve auf ein zu bearbeitendes Signal (Aufnahme) zu übertragen. Aber wie du schon bemerktes: was nicht vorhanden ist, kann man/frau nicht verstärken ;-)

Dann gibt's noch die Möglichkeit der Parallelkompression (man/frau mischt ein hochgradig komprimiertes Signal, welches man mit nem EQ angschliffen hat, zum Original dazu.... verwende ich immer auch bei Drums - Overheadaufnahmen).

Der Overtone-EQ von Voxengo ist auch immer eine gute Wahl.

Letztendlich ist es aber wie @Spirit328 schrieb.... es muss halt auch in den Kontext passen.
 
Zuletzt bearbeitet:

LunarWingz

Voice Actor und Hörspielautor
Sprechprobe
Link
Ich erwarte von meinen Sprechern, dass sie weder EQ noch Enhancer benutzen. Zumindest keine digitalen. Das kann später in der Postpro wenn ich Pech hab zu Problemen führen. Das macht halt dann am Ende ein Fachmännchen :) für alle Takes zusammen.

Denn Sprecher A kann nicht wissen wie Sprecher B klingt und obwohl soe gleich waren modelliert Sprecher A sich anders ;)
 

Lupin Wolf

Klaus S. - The Evil Master of Deasaster
Sprechprobe
Link
Was ich ganz gerne bei Stimmen einsetze, die etwas "dünn" klingen sind Röhrensimulationen. Wie z.B.: SPL TwinTube Plugin.
Doch das ist ganz gewiss kein Allheilmittel, sondern Politur.
Stimme ich dir in allem zu. Genau das macht Marvel Overtone ja auch - nur halt individuell auf 7Freq. Bändern anpassbar. Obertöne sind ja das, was Röhrenverstärker dazu geben - Sound verpfuschen um einen besseren Klang zu haben (um es ganz platt auszudrücken :) ). Ist eine der besten Plugin-Ergänzungen für jede DAW - wenn es entsprechende Bordmittel für diesen speziellen Bereich nicht gibt.

Ich erwarte von meinen Sprechern, dass sie weder EQ noch Enhancer benutzen.
Darauf hättest du jetzt nicht extra hinweisen müssen. Der Thread dreht sich ja in erster Linie um Klangaufbereitung, nicht darum wie man als Sprecher im Vorfeld shcon alles mit "Kosmetik" für später verpfuschen soll :)

Der Overtone-EQ von Voxengo ist auch immer eine gute Wahl.
Stimmt - Overtone, Marvel GQ und Span sind das Must-Have Dreiergespann im kostenfreien Plugin Werkzeugkasten von Voxengo, mit denen ich bei Bedarf am liebsten arbeite.

@ALL
Wem der Overtone nicht zusagt, es gibt auch den etwas einfacher gestrickten Tube AMP von Voxengo unter den FREE-Plugins.
 

About

Werde Teil einer freien Hörspielproduktion. Egal, ob Sprecher, Autor, Cutter, ob Einsteiger oder Profi - hier, kann jeder mitmachen oder sein eigenes Projekt starten.

Support

Die Onlineprojekte Hoerspielprojekt.de und Hoertalk.de können mit einer freiwilligen Spende unterstützt werden, dies hilft anfallende Kosten zu decken und die Projekte am Leben zu erhalten. Hier unterstützen

Social Media

Facebook Twitter Youtube
Oben