Must-have-VST (für Reaper und sonstige DAW)

dieVERdener

Well-known member
Guten Morgen in die Runde!

Nachdem ich mich nun mehr und mehr mit Reaper anfreunde, stehe ich vor der Frage nach guten Effekt-Plugins. Reaper bringt ja schon von Haus aus einiges mit, aber Fachleute haben da sicher doch noch den einen oder anderen Tipp. Wenn man Tante Guhgl dazu befragt, wird man bombardiert mit Ergebnissen und kann sich spielend leicht den Rechner damit vollballern. Ich möchte da einfach nicht zu viel herum probieren, sondern mich lieber auf neutrale Profimeinung verlassen (wovon bei google ja nun leider nicht auszugehen ist).

Gesucht:
Plugin(s) für Reverb, Delay, EQ ( < gibt es nochwas, was man unbedingt haben sollte?)

und klar: es darf ruhig gut und kostenlos sein - es darf aber auch was kosten, denn mit guten Produkten dürfen Entwickler/innen auch gern Geld verdienen (diesbezügliche Schmerzgrenzen muss man dann für sich persönlich definieren)
 

NAB

Nicolas B.
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Also auf der "darf auch was kosten" - Seite kann ich die Reverbs von ValhallaDSP empfehlen (v.A. Valhalla Vintageverb! ) und die Plugins von Fabfilter für EQ, Compressor, Limiter, Gate. Sind aber schon kostspielig, also eher nach sales Ausschau halten.
 

WolfsOhr

Mario Wolf
Sprechprobe
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Dem obigen kann man nur zustimmen. HOFA PlugIns finde ich auch sehr gut. Das einzige PlugIn, dass ich überhaupt bisher gekauft habe ist der HOFA IQ DeEsser.

Als freie PlugIns gibt's ne Menge, da muss man ausprobieren. Ich mag z.B. die von Tokyo Dawn Records, den SonEQ, simulierte Klanghelm Kompressoren. Früher habe ich den OrilRiver Reverb benutzt. Und zur Analyse den Youlean Loudness Meter.
Gibt bestimmt noch einen Haufen weiterer Plug-Ins die man gut verwenden kann.

Und noch eine Frage meinerseits: Hat jemand einen freien TP Limiter (VST3 / 64bit) am Start, der gut funktioniert?
 

7klang

Musikus (semiprof.)/ Komponist/ MusikFX
@WolfsOhr gerne :) ...... by the way.... man muss nicht unbedingt alles an PlugIns sammeln, denn nach einer gewissen Zeit (ich nenns mal Erfahrung) erkennt man, dass einige PlugInns, die von den Firmen soooo hoch angepriesen werden, garnicht nötig sind! Meistens sind es 1fach nur Kombinationen aus 2 oder mehr Sachen, die man aber so nur selten einsetzt. Wenn du nen guten EQ, 2 - 3 gescheite Kompressoren,True-Peak Limiter, Plate- , Room- ConvolutionReverbs, gescheite Delays hast, dich etwas mit Envelope-Shapern auskennst und aufs Panning achtest, ist das fürs Hörspiel schon 2/3 der Miete ;-)
 

WolfsOhr

Mario Wolf
Sprechprobe
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Absolut! Viel braucht man nicht.
Das einzige was ich persönlich aber wirklich toll und entsprechend einfach finde ist ein guter DeEsser. Gerade bei allem was mit Sprache zu tun hat. Ist einfach viel schneller simpler, und ich behaupte auch besser, als ein dynamischer EQ, den man sich selber hinzubiegen versucht. Aber mehr braucht es definitiv nicht.
 

Spirit328

Der, der hier etwas weniger da ist.
Teammitglied
Schon in der analogen Welt gab und gibt es für mich nichts Besseres: SPL De-esser.
Er arbeitet ohne Kompressor und dadurch bleibt der Sound offener und dynamischer, aber dennoch werden die Sibilanten gefiltert.
Die Plugin Alliance Leute haben ein interessantes Bundle geschnürt. Und für 149 € ist das nicht zu teuer.
 

Kristof

Dipl.-Opernsänger
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Ich suche ja noch ein paar gute Reaper-Plugins, die auch unter Ubuntu (Linux) laufen. Reaper – und mein Behringer U-Phoria Interface – laufen hervorragend unter Ubuntu, aber die meisten Plugins erfordern eine Installation unter Windoofs :rolleyes:
 

dieVERdener

Well-known member
Plate- , Room- ConvolutionReverbs,
ääääh ..... ?!?!

als da wären .... zB ?


Wofür braucht es verschiedene Kompressoren? Wenn man wirklich ausschließlich im Sprachbereich arbeitet und die Musik, die zum Einsatz kommt, bereits "fertig" ist, braucht es dann tatsächlich mehrere?

Und macht es überhaupt Sinn, einen kostenlosen de-esser zu probieren? Oder ist man da nur frustriert?

Habe vor dem Stellen der Frage hier halt mal ein wenig auf dem freien plugin-Markt rumgestöbert und probiert und dabei gemerkt, dass ich für steigende Ansprüche sicher nochmal den ein oder anderen Gulden in die Hand nehmen muss ....
 

7klang

Musikus (semiprof.)/ Komponist/ MusikFX
Wofür braucht es verschiedene Kompressoren?
Nun, um dir diese Frage ausführlich zu beantworten, müsste ich weit ausholen. Dazu fehlt mir gerade die Zeit. Grundsätzlich ist es aber so, dass es Kompressoren verschiedener "Bauart" gibt:

- Röhrenkompressoren > wie z.B. der PUIG CHILD Comp > DIESER hat keine RATIO-Einstellung ( Komprimierungsverhältnis). Je stärker der Treshold überschritten wird, desto höher ist die Ratio, also das Verhältnis von Input zu Output. Sehr musikalisch und auch zum Mastern einsetzbar.

- Optokompressoren > hier regelt die Kompression eine Fotozelle. Stell dir eine Glühbirne vor, deren Helligkeit mit der Spannung des Steuersignals geregelt wird. Daher ist ein Optokompressor einer der Langsameren. Werden oft im Mixingprozess eingesetzt.

- VCA Kompressoren > die meist verwendete Schaltungsart... Besteht aus einem Chip mit Transistoren. Er kann sehr schnell einsetzen, ist sehr transparent vom Sound. Um es mit Tom Wettsteinsworten zu sagen ..."das Schweizer Taschenmesser unter den Kompressoren "

- FET Kompressoren > eine Unterart der VCA's ... Er "verzerrt" das Signal durch seine spezielle Einschwingkurve auf eine angenehme Art. Die hierbei entstehenden Obertöne geben dem Audiosignal Präsenz und Durchsetzungsvermögen. Fürs Mastering nicht so gut zu gebrauchen, da sie sehr stark "färben" und sie keine langsamen Attackzeiten erlauben ( um z.B. Drums punchiger zu machen...). Er hat keinen Treshold-Regler, Hier bestimmt deas Inputsignal die Stärke der Kompression.

Aber es gibt hier im Forum eine Hand voll Leute, die dir da weiterhelfen können ;-)
 

dieVERdener

Well-known member
vielen herzlichen Dank für die ausführliche Info! Unfassbar, was für eine Welt sich auftut, wenn man da mal die Tür öffnet. Ich werde sicher so gut wie nichts davon für mich auch nur in irgend einer Weise gezielt/bewusst einsetzen können, finde es aber für mich wichtig zu wissen, was es da so gibt und was wie wodurch passieren kann, soll, müsste ..... :)
 

Spirit328

Der, der hier etwas weniger da ist.
Teammitglied
Hallo @dieVERdener !

Seit gut 40 Jahren mache ich nun Tontechnik, mehr oder minder intensiv, so wie mein Leben das eben zuließ, ich das wollte.

Wie 7Klang schon schrieb gibt es eine schier Unmenge von Kompressoren und fast wöchentlich wird das Rad neu erfunden und das Ei des Kolumbus entdeckt. Oder so ähnlich.

Die unterschiedlichen Bauarten haben verschiedene Vorzüge, ein paar Nachteile und jede Art für sich im "Klang", sagen wir besser im Klangbild unterschiedlich.

Bedingt durch die sehr unterschiedlichen Schaltungsarten (mit hunderten von Unterarten und Mischformen) erzeugen sie ein charakteristisches Klangbild. So wie eine Geige anders klingt als die ähnlich oder gar baugleiche daneben.

Mit Tontechnik ist es wie mit gutem Wein. Natürlich ist auch der billigste Fusel roter Wein, aber es gibt da Unterschiede. Das lernt man nur über Erfahrungen, oder wie sonst sollte man einen Merlot von einem Primitivo unterscheiden können?
In der Tontechnik kann Erfahrung nur durch noch mehr Erfahrung ersetzt werden. Oder wie ich gerne sage: Am besten: Testen!"

Ab einem gewissen Bereich werden die Unterschiede immer feiner und weniger deutlich hörbar. So wird irgendwann der Punkt kommen, wo der Kopfhörer für 50€ einfach nicht mehr die Differenzierung bringen kann, wie ein Kopfhörer, der 20 Mal mehr kostet. (Beispiel)
Hört man dann die Stücke, die man gut zu kennen glaubt über noch differenzierter abbildende Komponenten hört man manchmal "neue" Stücke.
Mir ist das mal mit "Sledgehammer" von Peter Gabriel so gegangen. Ich dachte, ich kennte das Stück sehr gut. Dann habe ich es bei einer Freundin mal über eine sehr, sehr hochwertige Anlage abgehört und ich habe für die Dauer des Stücks vergessen, daß ich eigentlich mit ihr klären wollte, daß ich sie so sehr liebe, daß ich mit ihr den Rest meines Lebens verbringen wollte. (TL;DR: Wir haben dann doch nicht geheirartet)
Doch zurück zu Sledgehammer. Diese Tiefenstaffelung, diese leicht abgedämpfte Triangel, der ausgefallene Chorus-Effekt auf dem Bass ... all das habe ich da zum ersten Mal gehört.

Also, mach Dich auf die Reise. Mach das Machbare. Natürlich hat man mit den schier sündhaft teuren Geräten Möglichkeiten, die man mit einem "Multicom" nicht hat. Doch auch damit kann man arbeiten, Erfahrungen sammeln und immer besser werden.
Ich habe es immer so gehalten: Ich habe mir die ganzen "ultimativen" und "maßstabsetzenden" Geräte angehört und mein Gehör entscheiden lassen. Heute ist es weder 19" noch Formfaktor "500", sondern Plug-Ins. Doch das Prinzip ist dasselbe: Wenn man nicht weiß was man wie damit erreicht, ist es rausgeschmissenes Geld.

Doch genug gemeckert!

Wie kannst Du, ohne ein Vermögen auszugeben, hier besser werden?
Zunächst einfach mal anfangen. Ganz einfach, machen. Probier aus, wie sich welche Einstellungen auf welche Art von Signalen auswirkt. Verwende ruhig auch mal "Extrem-Einstellungen". So verwende ich z.B.: für eine "Heavy-Metal-Kick-Drum" drei Spuren nur für die Kick-Drum. Spur 1: Ein gutes Stück EQ, keine Kompression und mit möglichst hohem Pegel fahren. Spur 2: Ein angepasster EQ, "normale" Kompression und auch einen hohen Pegel fahen und Spur 3: Alle Frequenzen über 300 Hz werden auf ein Minimum reduziert, Kompression 10:1, Threshold: -20 dB, Pegel nach Gusto.
Das gibt eine KICK-ASS-KICK DRUM. Spur 3 schiebt im Bassbereich alles nach vorne, was große Pappe hat (aka Subwoofer), Spur 2 sorgt für den "Punch" und Spur 1 für die Luftigkeit und den "Kick". Das alles zusammengemischt, ergibt diesen fetten, kick Sound, der im Heavy-Metal Bereich erwartet wird.
Wußte ich auch nicht sofort. Hat ein paar Jahre gedauert, bis ich das herausgefunden hatte. Ich habe lange probiert, bis ich es "hatte".

So ist das auch mit Kompressoren für Stimmen. Ich lerne hier auch von Kollegen, wie sie eine Sprecherstimme durch mehrere Stufen von Kompressoren schicken. Fand ich interessant und habe es auch mal ausprobiert, jetzt gehört es zu meinem "Repertoir".
Es hilft Dir sicherlich am meisten weiter, wenn Du Dir alle Meinung anhörst, sie für Dich ausprobierst und dann für Dich entscheidest, ob das für Dich passt oder nicht.

Ich bin bis heute kein Freund von Kompressoren auf ausgebildeten Jazz-Stimmen. Das macht fast immer mehr kaputt, als es nützt.
Vielleicht einen "Brick-Wall" Limiter, damit sie nicht übersteuern, wenn sie volle Dynamik geben, aber das ist es auch schon. Dafür lieber etwas mehr Mühe beim Pegeln und Entzerren geben. Das bringt, nach meiner Meinung einfach mehr.
Bei Rock 'n Roll, kommt bei mir immer ein ordentliches "Pfund" Kompressor auf die Stimme. Halt so wie es passt.

Bei Hörspielen, wäre ich auch eher zurückhaltent mit Kompressoren. Bei Profis würde ich sogar dahin tendieren ohne Kompressor zu arbeiten. Vielleicht in einer turbulenten Szene mit vielen, vielen Geräuschen, um die Stimme ein bißchen hervorzuholen, aber ansonsten eher nicht.

Doch Du wirst NIEMALS verstehen was es bedeutet solche Geräten / Plug-Ins einzusetzen und wie und wann und wo es passt, wenn Du es nicht ausprobierst. Laß Dein Gehör entscheiden, sei offen für neue Einsichten und Erfahrungen, probier so viel wie irgendwie möglich aus und auch in der Tontechnik gibt es nicht nur einen Weg, der nach Rom führt.
Viele interessante Hörerfahrungen basieren auf "Fehlbedienungen", "Crazy-Einstellungen" und purer Experimentierlust.

Die kostenlosen Plug-Ins sind nicht per se schlecht oder von minderer Qualität. Es gibt da sicherlich viele, die nicht zu einem passen, aber hin und wieder findet man ein "Juwel". Einfach machen, ausprobieren, hören, verbessern, hören, weiter verbessern, hören .....

Es ist ein eigenes Universum mit unendlichen Möglichkeiten und unentdeckten Klangbildern. Come in and enjoy!
 

WolfsOhr

Mario Wolf
Sprechprobe
Link
Und niemals vergessen: Weniger ist mehr! Und wenn die Aufnahme zu einem Cutter oder in ein Studio geht: Im Normalfall gar nichts bearbeiten!!! Und immer mit demjenigen absprechen was erwartet wird und auch welches Format.
 

dieVERdener

Well-known member
Ich sage ganz einfach mal an alle:
D a n k e

dann werde ich meine Experimentierfreude weiter auch nicht unbedingt bremsen, bleibe aber sicher bei meinen Leisten und das heißt: kleine Hörspiele, Audiobücher, Hörbücher in einfacher Aufmachung - für den Familienkreis und ein klein wenig drüber hinaus. Aber durchaus mit steigenden Ansprüchen. Und wenn wir so hören, was für himmelweite Unterschiede zwischen Werk #1 und dem aktuellen bestehen .... doch, es lohnt sich, sich nicht zufrieden zurück zu lehnen ..... :)
 

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