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Hallo Leute,

ich habe mich mal gefragt, wie teuer es wäre, wenn man von 0 an ein Musikstück in Auftrag gibt. Mit Chor, Orchester und allem drum und dran, vom leeren Blatt bis zur Komposition und der fertigen Aufnahme im Studio mit dem ganzen drumherum bis hin zur Veröffentlichung.

Leute, da setzt ihr Euch auf den Boden und schlackert mit den Ohren. Was man da alles im Detail braucht und ich bin mir nicht ganz sicher, ob meine Informationen vollständig sind. Ihr werdet denken, "Das kann doch nicht wahr sein! - So ein Liedchen ist doch ganz schnell gemacht und total ohne Aufwand erledigt.".

Nein, ist es nicht. - Stellen wir uns mal blöd und wünschen uns als Millionär für die Feierlichkeit eines Geburtstags ein pompöses eigenes für einen selbst kreiertes Musikschaffenswerk.

Phase 1: Die Schöpfung (Urheber & Vorbereitung)
Bevor ein einziger Ton im Studio erklingt, arbeiten die kreativen Köpfe.
  • Texter (Lyricist):
    Schreibt das Libretto / den Songtext.
    • Kosten: 1.500 € bis 5.000 € Einmalhonorar (Vorschuss gegen Tantiemen).
  • Komponist (Composer):
    Entwickelt die Hauptmelodien, Harmonien und die Songstruktur.
    • Kosten: 5.000 € bis 25.000 € je nach Renommee.
  • Arranger / Orchestrator:
    Überträgt das Werk auf die Orchester- und Chorpartitur.
    • Kosten: 3.000 € bis 8.000 € (oft berechnet nach Taktanzahl/Minute).
  • Notenkopist (Music Copyist):
    Extrahiert aus der Partitur ca. 120 fehlerfreie Einzelstimmen für jedes Pult (Musiker + Sänger).
    • Kosten: 1.500 € bis 3.500 €.
  • Vocal Coach / Korrepetitor:
    Probt vorab mit den Solisten und dem Chor die schwierigen Passagen am Klavier ein.
    • Kosten (3 Tage Proben): 1.200 € bis 2.500 €.

Phase 2: Das Line-Up (Die Musiker & Sänger im Detail)

Hier rechnen wir nicht mehr in Pauschalen, sondern in Köpfen und exakten Tarifen (Beispiel: 3-Stunden-Aufnahmesession).
  • Das Sinfonieorchester (75 Musiker):
    Bestehend aus Streichern, Holzbläsern, Blechbläsern und Perkussion.
    • Kosten (Tarif Mitteleuropa): 75 Musiker × ca. 250 € Session-Gage = 18.750 €.
  • Der Profi-Chor (40 Sänger):
    Sopran, Alt, Tenor, Bass.
    • Kosten: 40 Sänger × ca. 200 € Session-Gage = 8.000 €.
  • Hauptsolist / Gastsänger (1 Person):
    Der Star des Songs.
    • Kosten: 2.500 € bis 15.000 € (oder deutlich mehr bei weltbekannten Namen).
  • Orchester-Dirigent (Conductor):
    Leitet die 115 Menschen im Saal.
    • Kosten: 2.000 € bis 5.000 € pro Tag.
  • Chorleiter (Choir Director):
    Bereitet den Chor vor und unterstützt den Dirigenten.
    • Kosten: 1.000 € bis 2.500 €.

Phase 3: Die Logistik (Reise, Unterkunft, Verpflegung)

Wenn du ein spezialisiertes Studio (z.B. in Wien, Berlin oder London) buchst, müssen die Kern-Beteiligten dorthin reisen. (Wir rechnen hier mit einem reisenden Kernteam von 6 Personen: Du, Komponist, Texter, Solist, Produzent, Manager). Das Orchester vor Ort reist nicht an.
  • Anreise Kernteam (6 Personen):
    Flüge oder Bahnfahrten (Business/First für den Solisten, Standard für Crew).
    • Kosten: 1.800 € bis 4.500 €.
  • Hotelunterkunft (6 Personen, 3 Nächte):
    Gehobener Standard für den Solisten, solides Business-Hotel für die Crew.
    • Kosten: 6 Personen × 3 Nächte × ca. 150 €–300 € = 2.700 € bis 5.400 €.
  • Verpflegung / Catering im Studio (125 Personen):
    Für Orchester, Chor, Techniker und Kernteam während des langen Produktionstags.
    • Kosten: 125 Personen × 30 € Tagespauschale = 3.750 €.
  • Abend-Catering / Spesen für das Kernteam:
    • Kosten: 6 Personen × 3 Tage × 50 € = 900 €.

Phase 4: Das High-End Tonstudio (Scoring Stage) & Technik
  • Saalmiete (Große Scoring Stage):
    Ein Raum, der akustisch für 115 Musiker/Sänger ausgelegt ist.
    • Kosten: 4.000 € bis 9.000 € pro Tag.
  • Haupt-Tonmeister (Scoring Engineer):
    Der Kopf hinter dem Mischpult.
    • Kosten: 1.500 € bis 3.000 € pro Tag.
  • ProTools Operator / Digital Editor:
    Nimmt die Spuren (oft über 120 Mikrofone parallel) digital auf und sichert sie live.
    • Kosten: 600 € bis 1.200 € pro Tag.
  • 2× Studio-Assistenten (Tape Ops):
    Mikrofone rücken, Kabel stecken.
    • Kosten: 600 € pro Tag.
  • Instrumentenmiete & Transport (Porterage):
    Miete für Konzertflügel, Harfen, Röhrenglocken, Timpani.
    • Kosten: 1.200 € bis 2.500 €.
  • Klavierstimmer / Konzertstimmer:
    Muss vor der Session und in den Pausen den Flügel nachstimmen.
    • Kosten: 300 € bis 600 €.

Phase 5: Recht, Verträge & Bürokratie (Die Absicherung)

Bei so vielen Beteiligten ist die rechtliche Absicherung der teuerste Schutz vor späteren Klagen.
  • Verschwiegenheitserklärungen (NDAs):
    Ausarbeitung der Klauseln, damit vor dem Release nichts an die Öffentlichkeit dringt.
    • Kosten Anwalt: 400 € bis 800 €.
  • Work-for-Hire-Verträge (Buyouts Orchester & Chor):
    Verträge, die garantieren, dass die Musiker und Sänger mit ihrer Einmalgage abgegolten sind und keine späteren Streaming-Gewinne einfordern können.
    • Kosten Anwalt: 1.500 € bis 3.000 €.
  • Solisten-Vertrag:
    Regelt exakt die Lizenzgebühren, Namensnennung und Promotion-Pflichten des Gastsängers.
    • Kosten Anwalt: 1.000 € bis 2.500 €.
  • Künstlersozialkasse (KSK-Abgabe in DE):
    Gesetzliche Abgabe auf alle Honorare an selbstständigeKünstler (Texter, Komponist, Solist, Designer). Aktuell ca. 5 %.
    • Kosten (angenommen auf 40.000 € Honorarsumme): ca. 2.000 €.
  • Haftpflichtversicherung für die Produktion:
    Falls ein Studiomusiker über ein Kabel stolpert und seine 200.000 € Stradivari-Geige zertrümmert.
    • Kosten: 300 € bis 700 €.

Phase 6: Post-Production (Schnitt & Mix)
  • Vocal Editing & Tuning Solist:
    Perfektionierung der Hauptstimme.
    • Kosten: 150 € bis 400 €.
  • Chor- & Orchesterschnitt (Comping):
    Zusammenfügen der besten Takes aus den verschiedenen Aufnahmedurchgängen.
    • Kosten: 800 € bis 2.000 €.
  • Premium-Mischung (Stereo + Dolby Atmos):
    Das Zusammenführen von über 150 Tonspuren zu einem epischen Klangbild.
    • Kosten: 2.000 € bis 5.000 €.
  • High-End Mastering:
    Letzter Schliff für den Weltmarkt.
    • Kosten: 250 € bis 700 €.

Phase 7: Physische Pressung & Digitaler Vertrieb
  • Premium-Artwork & Verpackungsdesign:
    Schickes Design für ein Hardcover-Digibook mit dickem Booklet für die Songtexte und Orchesterfotos.
    • Kosten Grafikagentur: 1.500 € bis 4.000 €.
  • CD-Presswerk (3.000 Stück im hochwertigen Sonderformat):
    Echte Pressung mit Glasmaster.
    • Kosten: 4.500 € bis 7.500 €.
  • GEMA-Abwicklung & Lizenzierung:
    Wenn du der alleinige Urheber bist, ist die Freistellung kostenlos. Wenn du Fremdrechte nutzt (Cover), fallen für 3.000 CDs ca. 2.500 € bis 4.500 € Vorab-Gebühren an.
  • Digitaler Vertrieb (B2B):
    Premium-Vertrieb, der den Song direkt an die Playlist-Editoren von Spotify und Apple liefert.
    • Kosten: 200 € bis 1.000 € Einrichtungsgebühr/Jahresfee.

Phase 8: Großes Marketing & Visuals
  • Behind-the-Scenes Videocrew:
    2 Kameraleute, die die gesamte Orchestersession und die Solistenaufnahmen im Studio dokumentieren.
    • Kosten (Dreh + Schnitt für Teaser & Musikvideo): 3.500 € bis 8.000 €.
  • PR-Agentur (Major-Kampagne für 3 Monate):
    Platzierung in TV, Radio und großen Kulturmedien.
    • Kosten: 4.000 € bis 10.000 €.
  • Werbebudget (Social Media & YouTube-Anzeigen):
    • Kosten: 5.000 € bis 20.000 €+.



Das ungeschönte Real-Budget (1 Song, Maximum Setup)
Hier ist die tabellarische Gesamtsumme, wenn du jeden einzelnen dieser Punkte aktivieren musst:

SektorMindestkosten (Sinfonischer Standard)Maximalkosten (Internationale Spitzenklasse)
1. Urheber & Vorbereitung12.200 €44.500 €
2. Das Line-Up (Gagen)32.250 €51.250 €
3. Logistik (Reise, Hotel, Essen)9.150 €16.550 €
4. Studio & Technik8.200 €16.900 €
5. Recht, NDAs & KSK5.200 €9.700 €
6. Post-Production3.200 €8.100 €
7. Pressung & Vertrieb6.200 €12.500 €
8. Marketing & Video12.500 €38.000 €
Echte Gesamtsumme88.900 €197.500 €
 
Zuletzt bearbeitet:

Nee

Moin
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Interessante Rechnung, aber woher hast du denn die Zahlen, bzw wie hast du die Annahmen getroffen?
 

Telliminator

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Hallo @Nee - Hauptsächlich recherche online im Netz,

Ich hab mal noch eine PDF hier mit Quellenangaben.

Inhalte des PDF auf einen Blick:
  • Tabellarische Budgetübersicht: Eine schnelle Gegenüberstellung der Mindest- und Maximalkosten (Sinfonischer Standard vs. Internationale Spitzenklasse).
  • Phasenweise Aufdröselung: Detaillierte Begründungen für jede einzelne Summe (z.B. Page-Rates bei der Orchestrierung, Session-Gagen für Musiker).
  • Anklickbare Quellenlinks: Alle Tarife, Verträge und Abgaben sind direkt im PDF mit den offiziellen Portalen und Satzungen verknüpft – darunter der TVK-Tarifvertrag für Orchestermusiker, die GEMA, Buchungstarife der Vienna Synchron Stage sowie gesetzliche Grundlagen zur Künstlersozialabgabe (KSK/MIZ).
 

Anhänge

  • kalkulation_musikproduktion.pdf
    7,7 KB · Aufrufe: 2

Telliminator

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Meine Recherche hier, muss ich zugeben, ist nur eine grober Überblick.

Die genauen Kosten varieren erheblich, vor allem wenn man wirklich einen Chor und ein 80 köpfiges Orchester an den Start bringt. Dann ist natürlich auch offen, wie lange man für so eine Session für das Lied braucht, reicht ein Tag im Saal oder dauert es länger, weil man ganz genau präzise und jeden Fehler raus haben möchte und Geld keine Rolle spielt und man die ganze Manschaft eine Woche im Hotel unterbringen und verköstigen muss. Plus Gage versteht sich. Es geht definitiv teurer.


Wenn jemand, wie ich, der keine Ahnung hat, sowas starten wollen würde, der zahlt garantiert noch mehr, weil er noch jemanden braucht, der sich mit sowas auskennt und vermutlich 3mal über den Tisch gezogen werden würde. 😅
 

soundjob

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Es ist natürlich ganz konsequent davon abhängig, welches Orchester (Größe, Reputation, Standort) du einsetzen willst und wie umfangreich Werk und Spieldauer / Sessions sind.
Aus den "200.000" geht z.B. nicht hervor, wie lang die Session gedauert hat (und sich eher an osteuropäisches orientiert) ...
50.000-80.000 zahlst du pro Tag(!) für eine Session (6 Stunden) mit einem Weltklasseorchester ;)
 

Telliminator

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Für das Orchester wurde eine Gage von 250 Euro pro Nase gerechnet. Das ist, denke ich, eine Einmalpauschale für höchstens 1 Tag. Für manch einen Musiker reicht das aber bei weitem nicht. Wenn ich bedenke was mein Arbeitgeber für mich pro Tag pauschal kassiert ... ja, grobe Schätzung halt. Damit man mal ein Gefühl bekommt was kostet das eigentlich alles.
 
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