• Blut-Tetralogie   Dark Space

Chaos

Schneewittchen
Teammitglied
Sprechprobe
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AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt.
Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann geht's ab auf den Besen und auf in die Lüfte.
Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlich altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die alte Dunkelstein heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte sie gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen- der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.

Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte. Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

---

Derweil bereitete sich Lady Katja von Brauneis, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf Schloss Stolzenburg ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war "Tess" (wie sie ihre Freunde nannten), die einen Abstecher bei ihrer Freundin machte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war!
Tesstjana lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden und während Lady Katja zu Tesstjana rannte rief sie: "Tess, geht es dir gut?".
"Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid".
Katja wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine und untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach ab, versuchte es wieder und fluchte laut auf: "das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"

Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt wurde. "Hab Vertrauen, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!" Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem Rücksitz von Katjas goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band Katja noch ein magisches Seil um ihren Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewußtsein verlieren sollte.
Dann gab Katja ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter.

---

Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte: "Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe die sich über ihr ganzes Gesicht zog auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen. "Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.

Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es war Adamanias Großmutter die schallend lachend auf die anderen zukam und rief "Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Schönheitszauber! Den kann Tesstjana (doch nur sie allein!!) ganz leicht wieder rückgängig machen!" und Adamania erblasste. "Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Zauber auf den Besen ihrer Rivalin gelegt um es ihr heimzuzahlen und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde Tesstjana einige Zeit brauchen, um diesen Schönheitszauber wieder rückgängig zu machen.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

---

Die beiden Freundinnen waren unterdessen zum alten Haus von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden das Haus verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekamen würde es richtig heikel werden. Katja, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde - durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

---

Adamanias Antrag schien somit für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Gruppe fing an sich zu zerstreuen um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Enkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern: "I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."
"Was hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte - wenn die Person, die den Fluch ausgeführt hatte, starb, dann wurde derjenige seinen Fluch nie mehr los; wenn es ein Schönheitszauber oder Fluch war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden - Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen! Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser diesen mächtigen Fluch aussprechen. Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania. Weißt du überhaupt, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."
Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte den Zauber aus einem der Bücher ihrer Großmutter einmal abgeschrieben sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war", knurrte Maginia ", denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen" schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter und diese erwiderte "dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wohl gelenkt hat". Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluchs zu Katja abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervollen Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Katja Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde.
"Ja?" Die Frage der Großmutter schien sanfter zu werden, Gorßmutter war schon immer gut darin gewesen Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer - "Ich denke sie ist bei Tanja" flüsterte Adamania.
So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Wolkenfelsener Schloss, wo sie die Haushälterin fanden, die die Fensterscheibe gerade wieder heile hexte und ihnen die Auskunft gab, dass die beiden Frauen, nach denen sie suchten bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte doch eigentlich nicht, dass sie starb. Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Katja bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

---

Tanja war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tess hatte ihr Bewusstsein verloren und die sonst so energiegeladene Tess, die sie liebte wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Tanja wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.
Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen und du Tanja, hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht, sondern leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten an Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche bleiben uns nur noch wenige Minuten.", dirigierte die Alte mit krächzender Stimme.
 

Kolibri

Hannah
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AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt.
Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann geht's ab auf den Besen und auf in die Lüfte.
Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlich altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die alte Dunkelstein heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte sie gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen- der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.

Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte. Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

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Derweil bereitete sich Lady Katja von Brauneis, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf Schloss Stolzenburg ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war "Tess" (wie sie ihre Freunde nannten), die einen Abstecher bei ihrer Freundin machte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war!
Tesstjana lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden und während Lady Katja zu Tesstjana rannte rief sie: "Tess, geht es dir gut?".
"Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid".
Katja wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine und untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach ab, versuchte es wieder und fluchte laut auf: "das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"

Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt wurde. "Hab Vertrauen, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!" Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem Rücksitz von Katjas goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band Katja noch ein magisches Seil um ihren Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewußtsein verlieren sollte.
Dann gab Katja ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter.

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Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte: "Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe die sich über ihr ganzes Gesicht zog auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen. "Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.

Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es war Adamanias Großmutter die schallend lachend auf die anderen zukam und rief "Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Schönheitszauber! Den kann Tesstjana (doch nur sie allein!!) ganz leicht wieder rückgängig machen!" und Adamania erblasste. "Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Zauber auf den Besen ihrer Rivalin gelegt um es ihr heimzuzahlen und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde Tesstjana einige Zeit brauchen, um diesen Schönheitszauber wieder rückgängig zu machen.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

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Die beiden Freundinnen waren unterdessen zum alten Haus von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden das Haus verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekamen würde es richtig heikel werden. Katja, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde - durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

---

Adamanias Antrag schien somit für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Gruppe fing an sich zu zerstreuen um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Enkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern: "I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."
"Was hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte - wenn die Person, die den Fluch ausgeführt hatte, starb, dann wurde derjenige seinen Fluch nie mehr los; wenn es ein Schönheitszauber oder Fluch war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden - Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen! Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser diesen mächtigen Fluch aussprechen. Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania. Weißt du überhaupt, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."
Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte den Zauber aus einem der Bücher ihrer Großmutter einmal abgeschrieben sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war", knurrte Maginia ", denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen" schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter und diese erwiderte "dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wohl gelenkt hat". Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluchs zu Katja abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervollen Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Katja Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde.
"Ja?" Die Frage der Großmutter schien sanfter zu werden, Gorßmutter war schon immer gut darin gewesen Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer - "Ich denke sie ist bei Tanja" flüsterte Adamania.
So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Wolkenfelsener Schloss, wo sie die Haushälterin fanden, die die Fensterscheibe gerade wieder heile hexte und ihnen die Auskunft gab, dass die beiden Frauen, nach denen sie suchten bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte doch eigentlich nicht, dass sie starb. Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Katja bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

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Tanja war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tess hatte ihr Bewusstsein verloren und die sonst so energiegeladene Tess, die sie liebte wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Tanja wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.
Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen und du Tanja, hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht, sondern leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten an Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche bleiben uns nur noch wenige Minuten.", dirigierte die Alte mit krächzender Stimme.
Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen, Admania rannte ins Haus und fand das Hexenbuch mit einem Griff, als sie Tanja unter dem Baum gesehen hatte, hatte ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht gegeben, doch jetzt wollte sie sie nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig! Ihr wurde plötzlich bewusst, dass ihre Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Tess nicht immer hasste.
 

Chaos

Schneewittchen
Teammitglied
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AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt.
Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann geht's ab auf den Besen und auf in die Lüfte.
Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlich altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die alte Dunkelstein heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte sie gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen- der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.

Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte. Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

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Derweil bereitete sich Lady Katja von Brauneis, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf Schloss Stolzenburg ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war "Tess" (wie sie ihre Freunde nannten), die einen Abstecher bei ihrer Freundin machte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war!
Tesstjana lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden und während Lady Katja zu Tesstjana rannte rief sie: "Tess, geht es dir gut?".
"Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid".
Katja wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine und untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach ab, versuchte es wieder und fluchte laut auf: "das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"

Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt wurde. "Hab Vertrauen, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!" Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem Rücksitz von Katjas goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band Katja noch ein magisches Seil um ihren Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewußtsein verlieren sollte.
Dann gab Katja ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter.

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Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte: "Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe die sich über ihr ganzes Gesicht zog auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen. "Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.

Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es war Adamanias Großmutter die schallend lachend auf die anderen zukam und rief "Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Schönheitszauber! Den kann Tesstjana (doch nur sie allein!!) ganz leicht wieder rückgängig machen!" und Adamania erblasste. "Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Zauber auf den Besen ihrer Rivalin gelegt um es ihr heimzuzahlen und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde Tesstjana einige Zeit brauchen, um diesen Schönheitszauber wieder rückgängig zu machen.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

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Die beiden Freundinnen waren unterdessen zum alten Haus von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden das Haus verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekamen würde es richtig heikel werden. Katja, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde - durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

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Adamanias Antrag schien somit für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Gruppe fing an sich zu zerstreuen um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Enkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern: "I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."
"Was hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte - wenn die Person, die den Fluch ausgeführt hatte, starb, dann wurde derjenige seinen Fluch nie mehr los; wenn es ein Schönheitszauber oder Fluch war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden - Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen! Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser diesen mächtigen Fluch aussprechen. Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania. Weißt du überhaupt, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."
Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte den Zauber aus einem der Bücher ihrer Großmutter einmal abgeschrieben sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war", knurrte Maginia ", denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen" schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter und diese erwiderte "dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wohl gelenkt hat". Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluchs zu Katja abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervollen Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Katja Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde.
"Ja?" Die Frage der Großmutter schien sanfter zu werden, Gorßmutter war schon immer gut darin gewesen Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer - "Ich denke sie ist bei Tanja" flüsterte Adamania.
So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Wolkenfelsener Schloss, wo sie die Haushälterin fanden, die die Fensterscheibe gerade wieder heile hexte und ihnen die Auskunft gab, dass die beiden Frauen, nach denen sie suchten bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte doch eigentlich nicht, dass sie starb. Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Katja bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

---

Tanja war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tess hatte ihr Bewusstsein verloren und die sonst so energiegeladene Tess, die sie liebte wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Tanja wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.
Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen und du Tanja, hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht, sondern leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten an Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche bleiben uns nur noch wenige Minuten.", dirigierte die Alte mit krächzender Stimme.
Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen, Admania rannte ins Haus und fand das Hexenbuch mit einem Griff, als sie Tanja unter dem Baum gesehen hatte, hatte ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht gegeben, doch jetzt wollte sie sie nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig! Ihr wurde plötzlich bewusst, dass ihre Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Tess nicht immer hasste. Als Tess also im Zauberkreis lag, begannen Tanja, Maginia und Admania einen zeremoniellen Hexentanz um die Sterbende, während Admania gleichzeitig einen komplizierten Spruch aus dem verstaubten Zauberbuch rezitierte und daran dachte, dass die Rivalität zwischen ihnen nur bestand, weil sie sich so ähnlich waren - sie liebten beide schnelle Besenritte, Hexenduelle und wilde Tänze; eigentlich fand Admania sich oft in Tess wieder, aber gleichzeitig hasste sie es, wenn sie irgendwo besser war als sie, weil sie eigentlich auf dem gleichen Stand waren, und sie war sich fast sicher, dass es Tesstjana genauso gehen musste.
 

Kolibri

Hannah
Sprechprobe
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AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt.
Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann geht's ab auf den Besen und auf in die Lüfte.
Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlich altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die alte Dunkelstein heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte sie gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen- der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.

Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte. Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

---

Derweil bereitete sich Lady Katja von Brauneis, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf Schloss Stolzenburg ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war "Tess" (wie sie ihre Freunde nannten), die einen Abstecher bei ihrer Freundin machte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war!
Tesstjana lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden und während Lady Katja zu Tesstjana rannte rief sie: "Tess, geht es dir gut?".
"Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid".
Katja wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine und untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach ab, versuchte es wieder und fluchte laut auf: "das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"

Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt wurde. "Hab Vertrauen, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!" Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem Rücksitz von Katjas goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band Katja noch ein magisches Seil um ihren Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewußtsein verlieren sollte.
Dann gab Katja ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter.

---

Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte: "Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe die sich über ihr ganzes Gesicht zog auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen. "Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.

Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es war Adamanias Großmutter die schallend lachend auf die anderen zukam und rief "Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Schönheitszauber! Den kann Tesstjana (doch nur sie allein!!) ganz leicht wieder rückgängig machen!" und Adamania erblasste. "Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Zauber auf den Besen ihrer Rivalin gelegt um es ihr heimzuzahlen und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde Tesstjana einige Zeit brauchen, um diesen Schönheitszauber wieder rückgängig zu machen.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

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Die beiden Freundinnen waren unterdessen zum alten Haus von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden das Haus verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekamen würde es richtig heikel werden. Katja, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde - durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

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Adamanias Antrag schien somit für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Gruppe fing an sich zu zerstreuen um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Enkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern: "I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."
"Was hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte - wenn die Person, die den Fluch ausgeführt hatte, starb, dann wurde derjenige seinen Fluch nie mehr los; wenn es ein Schönheitszauber oder Fluch war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden - Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen! Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser diesen mächtigen Fluch aussprechen. Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania. Weißt du überhaupt, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."
Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte den Zauber aus einem der Bücher ihrer Großmutter einmal abgeschrieben sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war", knurrte Maginia ", denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen" schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter und diese erwiderte "dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wohl gelenkt hat". Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluchs zu Katja abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervollen Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Katja Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde.
"Ja?" Die Frage der Großmutter schien sanfter zu werden, Gorßmutter war schon immer gut darin gewesen Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer - "Ich denke sie ist bei Tanja" flüsterte Adamania.
So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Wolkenfelsener Schloss, wo sie die Haushälterin fanden, die die Fensterscheibe gerade wieder heile hexte und ihnen die Auskunft gab, dass die beiden Frauen, nach denen sie suchten bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte doch eigentlich nicht, dass sie starb. Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Katja bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

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Tanja war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tess hatte ihr Bewusstsein verloren und die sonst so energiegeladene Tess, die sie liebte wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Tanja wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.
Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen und du Tanja, hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht, sondern leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten an Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche bleiben uns nur noch wenige Minuten.", dirigierte die Alte mit krächzender Stimme.
Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen, Admania rannte ins Haus und fand das Hexenbuch mit einem Griff, als sie Tanja unter dem Baum gesehen hatte, hatte ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht gegeben, doch jetzt wollte sie sie nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig! Ihr wurde plötzlich bewusst, dass ihre Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Tess nicht immer hasste. Als Tess also im Zauberkreis lag, begannen Tanja, Maginia und Admania einen zeremoniellen Hexentanz um die Sterbende, während Admania gleichzeitig einen komplizierten Spruch aus dem verstaubten Zauberbuch rezitierte und daran dachte, dass die Rivalität zwischen ihnen nur bestand, weil sie sich so ähnlich waren - sie liebte beide schnelle Besenritte, Hexenduelle und wilde Tänze; eigentlich fand Admania sich oft in Tess wieder, aber gleichzeitig hasste sie es, wenn sie irgendwo besser war als sie, weil sie eigentlich auf dem gleichen Stand waren, und sie war sich fast sicher, dass es Tesstjana genauso gehen musste.
Plötzlich begann Admanias Narbe heftig zu schmerzen und sie hatte das Gefühl verbrennen zu müssen.
 

Chaos

Schneewittchen
Teammitglied
Sprechprobe
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AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt.
Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann geht's ab auf den Besen und auf in die Lüfte.
Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlich altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die alte Dunkelstein heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte sie gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen- der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.

Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte. Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

---

Derweil bereitete sich Lady Katja von Brauneis, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf Schloss Stolzenburg ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war "Tess" (wie sie ihre Freunde nannten), die einen Abstecher bei ihrer Freundin machte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war!
Tesstjana lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden und während Lady Katja zu Tesstjana rannte rief sie: "Tess, geht es dir gut?".
"Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid".
Katja wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine und untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach ab, versuchte es wieder und fluchte laut auf: "das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"

Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt wurde. "Hab Vertrauen, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!" Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem Rücksitz von Katjas goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band Katja noch ein magisches Seil um ihren Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewußtsein verlieren sollte.
Dann gab Katja ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter.

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Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte: "Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe die sich über ihr ganzes Gesicht zog auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen. "Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.

Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es war Adamanias Großmutter die schallend lachend auf die anderen zukam und rief "Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Schönheitszauber! Den kann Tesstjana (doch nur sie allein!!) ganz leicht wieder rückgängig machen!" und Adamania erblasste. "Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Zauber auf den Besen ihrer Rivalin gelegt um es ihr heimzuzahlen und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde Tesstjana einige Zeit brauchen, um diesen Schönheitszauber wieder rückgängig zu machen.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

---

Die beiden Freundinnen waren unterdessen zum alten Haus von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden das Haus verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekamen würde es richtig heikel werden. Katja, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde - durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

---

Adamanias Antrag schien somit für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Gruppe fing an sich zu zerstreuen um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Enkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern: "I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."
"Was hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte - wenn die Person, die den Fluch ausgeführt hatte, starb, dann wurde derjenige seinen Fluch nie mehr los; wenn es ein Schönheitszauber oder Fluch war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden - Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen! Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser diesen mächtigen Fluch aussprechen. Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania. Weißt du überhaupt, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."
Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte den Zauber aus einem der Bücher ihrer Großmutter einmal abgeschrieben sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war", knurrte Maginia ", denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen" schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter und diese erwiderte "dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wohl gelenkt hat". Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluchs zu Katja abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervollen Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Katja Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde.
"Ja?" Die Frage der Großmutter schien sanfter zu werden, Großmutter war schon immer gut darin gewesen Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer - "Ich denke sie ist bei Katja" flüsterte Adamania.
So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zum von Brauneisener Schloss, wo sie die Haushälterin fanden, die die Fensterscheibe gerade wieder heile hexte und ihnen die Auskunft gab, dass die beiden Frauen, nach denen sie suchten bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte doch eigentlich nicht, dass sie starb. Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Katja bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

---

Katja war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tess hatte ihr Bewusstsein verloren und die sonst so energiegeladene Tess, die sie liebte wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Katja wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.
Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen und du Katja, hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht, sondern leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten an Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche bleiben uns nur noch wenige Minuten.", dirigierte die Alte mit krächzender Stimme.
Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen, Admania rannte ins Haus und fand das Hexenbuch mit einem Griff, als sie Katja unter dem Baum gesehen hatte, hatte ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht gegeben, doch jetzt wollte sie sie nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig! Ihr wurde plötzlich bewusst, dass ihre Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Tess nicht immer hasste. Als Tess also im Zauberkreis lag, begannen Katja, Maginia und Admania einen zeremoniellen Hexentanz um die Sterbende, während Admania gleichzeitig einen komplizierten Spruch aus dem verstaubten Zauberbuch rezitierte und daran dachte, dass die Rivalität zwischen ihnen nur bestand, weil sie sich so ähnlich waren - sie liebte beide schnelle Besenritte, Hexenduelle und wilde Tänze; eigentlich fand Admania sich oft in Tess wieder, aber gleichzeitig hasste sie es, wenn sie irgendwo besser war als sie, weil sie eigentlich auf dem gleichen Stand waren, und sie war sich fast sicher, dass es Tesstjana genauso gehen musste.
Plötzlich begann Admanias Narbe heftig zu schmerzen und sie hatte das Gefühl verbrennen zu müssen.

Dann geschahen zwei unglaubliche Dinge gleichzeitig: Zum einen ging Adamania plötzlich in Flammen auf und verschwand von einem auf den anderen Moment und zum anderen öffnete Tesstjana Wolkenfels ihre Augen und schaute verwirrt in die Runde.
 
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ANdy

Andreas Hegewald
AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Tesstjanas Freundin heisst Katja und nicht Tanja...
 

Chaos

Schneewittchen
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Sprechprobe
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AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Aye, Sir, Katja ist wieder sie selbst!
 

ANdy

Andreas Hegewald
AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Danke. Und toll, dass die Geschichte euch so viel Spaß macht! :D
Ich habe Tesstjana und "Katja" nicht umsonst eingeführt, die Figuren sind schon länger Teil meiner Fantasie im Reich des schwarzen Auges, was Rollenspielern etwas sagen dürfte. Allerdings hatte ich mich an den Namen ihrer vornehmen, kühleren aber gutherzigen Freundin nicht erinnern können und sie deshalb Katja von Brauneis genannt. Ist wegen dem wiederkehrenden "ja" im Namen aber doch irgendwie blöd. Nun fand ich im DSA (Das Schwarze Auge) Forum hier ihren Namen wieder: Miriam von Dämmerstein. (die beiden sind in der DSA Dimension allerdings etwas älter)

Tesstjana's vornehme Flamme soll also künftig Miriam von Dämmerstein heißen. Ich hoffe, es macht euch nichts aus, dass ich das mal schnell verändere. Ich überprüfe den Text auch mal auf Logik- und Rechtschreibfehler und lektoriere ihn schnell...




Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt. Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann ging es ab auf den Besen und auf in die Lüfte. Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlichen, altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die sie heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte Tesstjana gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen - der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.
Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte.
Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

---

Zur gleichen Zeit bereitete sich Lady Miriam von Dämmerstein, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf dem Schloss ihres Vaters ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war Tesstjana, die einen Abstecher bei ihrer Freundin machen wollte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war! Sie lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden. Miriam rannte erschrocken zu ihr und rief: "Tess, geht es dir gut?" "Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte. "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid."

Miriam wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine, untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach aber ab, versuchte es wieder und fluchte schließlich laut auf: "Das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"
Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt worden war!
"Keine Angst, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "Ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!"
Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem hinteren Ende von Miriam's goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band diese noch ein magisches Seil um Tess' Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewusstsein verlieren sollte.
Schnell informierte Miriam noch das Hausmädchen, dann gab sie ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter. Vielleicht hatte sie Glück und Maginia war noch nicht zum Hexentreffen aufgebrochen.

---

Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte:
"Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe, welche sich über ihr ganzes Gesicht zog, auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte, sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen.
"Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.
Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania in Maginia schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es wa Maginia persönlich, die schallend lachend auf sie zukam und rief:
"Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Unschönheitszauber! Den kann Tesstjana - wenn auch nur sie allein - ganz leicht wieder rückgängig machen!"
Adamania erblasste.
"Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Fluch auf ihre Rivalin gelegt, um es ihr heimzuzahlen. Und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde sie einige Zeit Erholung brauchen, bis sie diesen Schönheitszauber wieder rückgängig machen könnte.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

---

Miriam war mit Tesstjana im Schlepptau unterdessen zur alten Hütte von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden es verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekam würde es richtig heikel werden. Miriam, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde -, durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien auch nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

---

Adamanias Antrag schien für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Hexen fingen an, sich zu zerstreuen, um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Urenkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern:
"I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."

"WAS hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte: Wenn die Person, die einen Zauber ausgeführt hatte, an den Folgen eines Fluches starb, dann wurde derjenige, auf den der Zauber abgezielt hatte diesen nie mehr los; wenn es wie in Adamania's Beispiel ein Unschönheitszauber war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden. Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen!

Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser einen mächtigen Fluch aussprechen? Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania! Weißt denn zumindest, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."

Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte ihn aus einem der Bücher ihrer Urgoßmutter einmal abgeschrieben, sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war!", knurrte Maginia "Denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"Ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen..." schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter. Diese erwiderte: "Dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wahrscheinlich gelenkt hat."

Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluches zu Miriam von Dämmerstein abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervoll klingenden Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Miriam Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde!
"Nun?" Der Ton von Maginia schien sanfter zu werden, sie war schon immer gut darin gewesen, Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte, war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer.
"Ich denke sie ist bei Miriam..." flüsterte Adamania.

So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Schloss Dämmerstein, wo sie das Hausmädchen Inge fanden, welche gerade dabei war, die Fensterscheibe zu reparieren. Inge gab ihnen die Auskunft, dass Lady Miriam und Tesstjana bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte sicher nicht, dass sie starb.
Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Miriam bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

---

Miriam war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tesstjana hatte ihr Bewusstsein bereits verloren. Die sonst so energiegeladene junge Hexe, die sie liebte, wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Miriam wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.

Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört, welche sich zusammen mit Adamania auf ihren Besen reitend im Landeanflug befand. Als sie den Boden berührte, begann sie mit krächzender Stimme zu dirigieren: "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen. Die, welche auch auf Gras zeichnet!" Sie wandte sich eilig Miriam zu: "Und du hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht! Leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten von Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche...", dabei beäugte sie Tesstjana kritisch und entdeckte den schwazstich im Weiß ihres Augapfels, "...bleiben uns nur noch wenige Minuten!"

Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen. Adamania rannte in die Hütte und fand das Hexenbuch und die Kreide mit einem Griff. Als sie Tesstjana auf Miriams Schoß gebettet unter dem Baum gesehen hatte, gab ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht. Doch jetzt wollte sie Miriam nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig!
Ihr wurde plötzlich bewusst, dass die Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Frohnatur nicht immer hasste.
Als Tess also im Zauberkreis lag, begannen Miriam und Maginia einen zeremoniellen Hexentanz um die Sterbende, während Admania am Rand gleichzeitig einen komplizierten Spruch aus dem schweren, verstaubten Zauberbuch rezitierte und daran dachte, dass die Rivalität zwischen ihr und Tess nur bestand, weil sie sich so ähnlich waren - sie liebten beide schnelle Besenritte, Hexenduelle und wilde Tänze. Eigentlich fand Adamania sich oft in Tess wieder, aber gleichzeitig hasste sie es, wenn sie irgendwo besser war als sie, weil sie eigentlich auf dem gleichen Stand waren, und sie war sich fast sicher, dass es Tesstjana genauso gehen musste.

Plötzlich begann Admanias Narbe heftig zu schmerzen und sie hatte das Gefühl verbrennen zu müssen.
Dann geschahen zwei unglaubliche Dinge gleichzeitig: Zum einen ging Adamania plötzlich in Flammen auf, das Buch fiel zu Boden und sie verschwand innerhalb eines Moments und zum anderen öffnete Tesstjana Wolkenfels ihre Augen und schaute verwirrt in die Runde.
"TESS! Du LEBST!" schrie Miriam laut auf, brach ihren Tanz ab und stürmte tränenüberflutet auf ihre Geliebte zu, um sie nach einer langen, festen Umarmung zu küssen... doch es war nicht nur Tesstjana's Bewusstsein, welche dies wahrnahm.
 
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Chaos

Schneewittchen
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AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt. Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann ging es ab auf den Besen und auf in die Lüfte. Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlichen, altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die sie heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte Tesstjana gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen - der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.
Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte.
Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

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Zur gleichen Zeit bereitete sich Lady Miriam von Dämmerstein, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf dem Schloss ihres Vaters ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war Tesstjana, die einen Abstecher bei ihrer Freundin machen wollte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war! Sie lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden. Miriam rannte erschrocken zu ihr und rief: "Tess, geht es dir gut?" "Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte. "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid."

Miriam wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine, untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach aber ab, versuchte es wieder und fluchte schließlich laut auf: "Das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"
Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt worden war!
"Keine Angst, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "Ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!"
Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem hinteren Ende von Miriam's goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band diese noch ein magisches Seil um Tess' Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewusstsein verlieren sollte.
Schnell informierte Miriam noch das Hausmädchen, dann gab sie ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter. Vielleicht hatte sie Glück und Maginia war noch nicht zum Hexentreffen aufgebrochen.

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Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte:
"Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe, welche sich über ihr ganzes Gesicht zog, auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte, sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen.
"Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.
Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania in Maginia schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es wa Maginia persönlich, die schallend lachend auf sie zukam und rief:
"Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Unschönheitszauber! Den kann Tesstjana - wenn auch nur sie allein - ganz leicht wieder rückgängig machen!"
Adamania erblasste.
"Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Fluch auf ihre Rivalin gelegt, um es ihr heimzuzahlen. Und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde sie einige Zeit Erholung brauchen, bis sie diesen Schönheitszauber wieder rückgängig machen könnte.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

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Miriam war mit Tesstjana im Schlepptau unterdessen zur alten Hütte von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden es verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekam würde es richtig heikel werden. Miriam, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde -, durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien auch nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

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Adamanias Antrag schien für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Hexen fingen an, sich zu zerstreuen, um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Urenkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern:
"I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."

"WAS hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte: Wenn die Person, die einen Zauber ausgeführt hatte, an den Folgen eines Fluches starb, dann wurde derjenige, auf den der Zauber abgezielt hatte diesen nie mehr los; wenn es wie in Adamania's Beispiel ein Unschönheitszauber war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden. Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen!

Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser einen mächtigen Fluch aussprechen? Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania! Weißt denn zumindest, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."

Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte ihn aus einem der Bücher ihrer Urgoßmutter einmal abgeschrieben, sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war!", knurrte Maginia "Denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"Ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen..." schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter. Diese erwiderte: "Dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wahrscheinlich gelenkt hat."

Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluches zu Miriam von Dämmerstein abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervoll klingenden Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Miriam Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde!
"Nun?" Der Ton von Maginia schien sanfter zu werden, sie war schon immer gut darin gewesen, Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte, war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer.
"Ich denke sie ist bei Miriam..." flüsterte Adamania.

So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Schloss Dämmerstein, wo sie das Hausmädchen Inge fanden, welche gerade dabei war, die Fensterscheibe zu reparieren. Inge gab ihnen die Auskunft, dass Lady Miriam und Tesstjana bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte sicher nicht, dass sie starb.
Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Miriam bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

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Miriam war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tesstjana hatte ihr Bewusstsein bereits verloren. Die sonst so energiegeladene junge Hexe, die sie liebte, wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Miriam wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.

Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört, welche sich zusammen mit Adamania auf ihren Besen reitend im Landeanflug befand. Als sie den Boden berührte, begann sie mit krächzender Stimme zu dirigieren: "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen. Die, welche auch auf Gras zeichnet!" Sie wandte sich eilig Miriam zu: "Und du hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht! Leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten von Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche...", dabei beäugte sie Tesstjana kritisch und entdeckte den schwazstich im Weiß ihres Augapfels, "...bleiben uns nur noch wenige Minuten!"

Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen. Adamania rannte in die Hütte und fand das Hexenbuch und die Kreide mit einem Griff. Als sie Tesstjana auf Miriams Schoß gebettet unter dem Baum gesehen hatte, gab ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht. Doch jetzt wollte sie Miriam nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig!
Ihr wurde plötzlich bewusst, dass die Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Frohnatur nicht immer hasste.
Als Tess also im Zauberkreis lag, begannen Miriam und Maginia einen zeremoniellen Hexentanz um die Sterbende, während Admania am Rand gleichzeitig einen komplizierten Spruch aus dem schweren, verstaubten Zauberbuch rezitierte und daran dachte, dass die Rivalität zwischen ihr und Tess nur bestand, weil sie sich so ähnlich waren - sie liebten beide schnelle Besenritte, Hexenduelle und wilde Tänze. Eigentlich fand Adamania sich oft in Tess wieder, aber gleichzeitig hasste sie es, wenn sie irgendwo besser war als sie, weil sie eigentlich auf dem gleichen Stand waren, und sie war sich fast sicher, dass es Tesstjana genauso gehen musste.

Plötzlich begann Admanias Narbe heftig zu schmerzen und sie hatte das Gefühl verbrennen zu müssen.
Dann geschahen zwei unglaubliche Dinge gleichzeitig: Zum einen ging Adamania plötzlich in Flammen auf, das Buch fiel zu Boden und sie verschwand innerhalb eines Moments und zum anderen öffnete Tesstjana Wolkenfels ihre Augen und schaute verwirrt in die Runde.
"TESS! Du LEBST!" schrie Miriam laut auf, brach ihren Tanz ab und stürmte tränenüberflutet auf ihre Geliebte zu, um sie nach einer langen, festen Umarmung zu küssen... doch es war nicht nur Tesstjana's Bewusstsein, welche dies wahrnahm.

---
Als Adamania die Augen öffnete, bemerkte sie zu allererst, dass sie sich ihre nun plötzlich körperlose Gestalt in einem Raum mit sieben Türen befand.
 

Kolibri

Hannah
Sprechprobe
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AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt. Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann ging es ab auf den Besen und auf in die Lüfte. Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlichen, altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die sie heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte Tesstjana gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen - der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.
Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte.
Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

---

Zur gleichen Zeit bereitete sich Lady Miriam von Dämmerstein, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf dem Schloss ihres Vaters ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war Tesstjana, die einen Abstecher bei ihrer Freundin machen wollte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war! Sie lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden. Miriam rannte erschrocken zu ihr und rief: "Tess, geht es dir gut?" "Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte. "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid."

Miriam wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine, untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach aber ab, versuchte es wieder und fluchte schließlich laut auf: "Das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"
Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt worden war!
"Keine Angst, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "Ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!"
Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem hinteren Ende von Miriam's goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band diese noch ein magisches Seil um Tess' Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewusstsein verlieren sollte.
Schnell informierte Miriam noch das Hausmädchen, dann gab sie ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter. Vielleicht hatte sie Glück und Maginia war noch nicht zum Hexentreffen aufgebrochen.

---

Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte:
"Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe, welche sich über ihr ganzes Gesicht zog, auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte, sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen.
"Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.
Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania in Maginia schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es wa Maginia persönlich, die schallend lachend auf sie zukam und rief:
"Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Unschönheitszauber! Den kann Tesstjana - wenn auch nur sie allein - ganz leicht wieder rückgängig machen!"
Adamania erblasste.
"Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Fluch auf ihre Rivalin gelegt, um es ihr heimzuzahlen. Und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde sie einige Zeit Erholung brauchen, bis sie diesen Schönheitszauber wieder rückgängig machen könnte.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

---

Miriam war mit Tesstjana im Schlepptau unterdessen zur alten Hütte von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden es verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekam würde es richtig heikel werden. Miriam, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde -, durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien auch nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

---

Adamanias Antrag schien für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Hexen fingen an, sich zu zerstreuen, um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Urenkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern:
"I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."

"WAS hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte: Wenn die Person, die einen Zauber ausgeführt hatte, an den Folgen eines Fluches starb, dann wurde derjenige, auf den der Zauber abgezielt hatte diesen nie mehr los; wenn es wie in Adamania's Beispiel ein Unschönheitszauber war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden. Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen!

Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser einen mächtigen Fluch aussprechen? Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania! Weißt denn zumindest, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."

Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte ihn aus einem der Bücher ihrer Urgoßmutter einmal abgeschrieben, sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war!", knurrte Maginia "Denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"Ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen..." schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter. Diese erwiderte: "Dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wahrscheinlich gelenkt hat."

Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluches zu Miriam von Dämmerstein abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervoll klingenden Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Miriam Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde!
"Nun?" Der Ton von Maginia schien sanfter zu werden, sie war schon immer gut darin gewesen, Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte, war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer.
"Ich denke sie ist bei Miriam..." flüsterte Adamania.

So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Schloss Dämmerstein, wo sie das Hausmädchen Inge fanden, welche gerade dabei war, die Fensterscheibe zu reparieren. Inge gab ihnen die Auskunft, dass Lady Miriam und Tesstjana bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte sicher nicht, dass sie starb.
Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Miriam bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

---

Miriam war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tesstjana hatte ihr Bewusstsein bereits verloren. Die sonst so energiegeladene junge Hexe, die sie liebte, wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Miriam wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.

Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört, welche sich zusammen mit Adamania auf ihren Besen reitend im Landeanflug befand. Als sie den Boden berührte, begann sie mit krächzender Stimme zu dirigieren: "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen. Die, welche auch auf Gras zeichnet!" Sie wandte sich eilig Miriam zu: "Und du hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht! Leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten von Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche...", dabei beäugte sie Tesstjana kritisch und entdeckte den schwazstich im Weiß ihres Augapfels, "...bleiben uns nur noch wenige Minuten!"

Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen. Adamania rannte in die Hütte und fand das Hexenbuch und die Kreide mit einem Griff. Als sie Tesstjana auf Miriams Schoß gebettet unter dem Baum gesehen hatte, gab ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht. Doch jetzt wollte sie Miriam nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig!
Ihr wurde plötzlich bewusst, dass die Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Frohnatur nicht immer hasste.
Als Tess also im Zauberkreis lag, begannen Miriam und Maginia einen zeremoniellen Hexentanz um die Sterbende, während Admania am Rand gleichzeitig einen komplizierten Spruch aus dem schweren, verstaubten Zauberbuch rezitierte und daran dachte, dass die Rivalität zwischen ihr und Tess nur bestand, weil sie sich so ähnlich waren - sie liebten beide schnelle Besenritte, Hexenduelle und wilde Tänze. Eigentlich fand Adamania sich oft in Tess wieder, aber gleichzeitig hasste sie es, wenn sie irgendwo besser war als sie, weil sie eigentlich auf dem gleichen Stand waren, und sie war sich fast sicher, dass es Tesstjana genauso gehen musste.

Plötzlich begann Admanias Narbe heftig zu schmerzen und sie hatte das Gefühl verbrennen zu müssen.
Dann geschahen zwei unglaubliche Dinge gleichzeitig: Zum einen ging Adamania plötzlich in Flammen auf, das Buch fiel zu Boden und sie verschwand innerhalb eines Moments und zum anderen öffnete Tesstjana Wolkenfels ihre Augen und schaute verwirrt in die Runde.
"TESS! Du LEBST!" schrie Miriam laut auf, brach ihren Tanz ab und stürmte tränenüberflutet auf ihre Geliebte zu, um sie nach einer langen, festen Umarmung zu küssen... doch es war nicht nur Tesstjana's Bewusstsein, welche dies wahrnahm.

---
Als Adamania die Augen öffnete, bemerkte sie zu allererst, dass sie sich ihre nun plötzlich körperlose Gestalt in einem Raum mit sieben Türen befand.
Aus einer der Türen blickte ihr eine wunderschöne Miriam entgegen, die gerade dabei war sie und doch gleichzeitig Tess zu küssen - aus einer anderen sah sie eine jüngere Ausgabe von Tesstjana Wolkenstein und Adamania erkannte, dass das die Tür zu den Kindheitserinnerungen von Tesstjana war - Was war passiert?
 

Nee

Mitglied
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Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt. Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann ging es ab auf den Besen und auf in die Lüfte. Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlichen, altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die sie heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte Tesstjana gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen - der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.
Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte.
Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

---

Zur gleichen Zeit bereitete sich Lady Miriam von Dämmerstein, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf dem Schloss ihres Vaters ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war Tesstjana, die einen Abstecher bei ihrer Freundin machen wollte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war! Sie lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden. Miriam rannte erschrocken zu ihr und rief: "Tess, geht es dir gut?" "Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte. "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid."

Miriam wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine, untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach aber ab, versuchte es wieder und fluchte schließlich laut auf: "Das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"
Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt worden war!
"Keine Angst, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "Ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!"
Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem hinteren Ende von Miriam's goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band diese noch ein magisches Seil um Tess' Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewusstsein verlieren sollte.
Schnell informierte Miriam noch das Hausmädchen, dann gab sie ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter. Vielleicht hatte sie Glück und Maginia war noch nicht zum Hexentreffen aufgebrochen.

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Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte:
"Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe, welche sich über ihr ganzes Gesicht zog, auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte, sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen.
"Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.
Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania in Maginia schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es wa Maginia persönlich, die schallend lachend auf sie zukam und rief:
"Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Unschönheitszauber! Den kann Tesstjana - wenn auch nur sie allein - ganz leicht wieder rückgängig machen!"
Adamania erblasste.
"Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Fluch auf ihre Rivalin gelegt, um es ihr heimzuzahlen. Und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde sie einige Zeit Erholung brauchen, bis sie diesen Schönheitszauber wieder rückgängig machen könnte.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

---

Miriam war mit Tesstjana im Schlepptau unterdessen zur alten Hütte von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden es verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekam würde es richtig heikel werden. Miriam, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde -, durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien auch nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

---

Adamanias Antrag schien für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Hexen fingen an, sich zu zerstreuen, um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Urenkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern:
"I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."

"WAS hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte: Wenn die Person, die einen Zauber ausgeführt hatte, an den Folgen eines Fluches starb, dann wurde derjenige, auf den der Zauber abgezielt hatte diesen nie mehr los; wenn es wie in Adamania's Beispiel ein Unschönheitszauber war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden. Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen!

Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser einen mächtigen Fluch aussprechen? Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania! Weißt denn zumindest, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."

Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte ihn aus einem der Bücher ihrer Urgoßmutter einmal abgeschrieben, sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war!", knurrte Maginia "Denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"Ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen..." schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter. Diese erwiderte: "Dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wahrscheinlich gelenkt hat."

Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluches zu Miriam von Dämmerstein abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervoll klingenden Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Miriam Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde!
"Nun?" Der Ton von Maginia schien sanfter zu werden, sie war schon immer gut darin gewesen, Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte, war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer.
"Ich denke sie ist bei Miriam..." flüsterte Adamania.

So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Schloss Dämmerstein, wo sie das Hausmädchen Inge fanden, welche gerade dabei war, die Fensterscheibe zu reparieren. Inge gab ihnen die Auskunft, dass Lady Miriam und Tesstjana bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte sicher nicht, dass sie starb.
Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Miriam bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

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Miriam war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tesstjana hatte ihr Bewusstsein bereits verloren. Die sonst so energiegeladene junge Hexe, die sie liebte, wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Miriam wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.

Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört, welche sich zusammen mit Adamania auf ihren Besen reitend im Landeanflug befand. Als sie den Boden berührte, begann sie mit krächzender Stimme zu dirigieren: "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen. Die, welche auch auf Gras zeichnet!" Sie wandte sich eilig Miriam zu: "Und du hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht! Leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten von Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche...", dabei beäugte sie Tesstjana kritisch und entdeckte den schwazstich im Weiß ihres Augapfels, "...bleiben uns nur noch wenige Minuten!"

Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen. Adamania rannte in die Hütte und fand das Hexenbuch und die Kreide mit einem Griff. Als sie Tesstjana auf Miriams Schoß gebettet unter dem Baum gesehen hatte, gab ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht. Doch jetzt wollte sie Miriam nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig!
Ihr wurde plötzlich bewusst, dass die Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Frohnatur nicht immer hasste.
Als Tess also im Zauberkreis lag, begannen Miriam und Maginia einen zeremoniellen Hexentanz um die Sterbende, während Admania am Rand gleichzeitig einen komplizierten Spruch aus dem schweren, verstaubten Zauberbuch rezitierte und daran dachte, dass die Rivalität zwischen ihr und Tess nur bestand, weil sie sich so ähnlich waren - sie liebten beide schnelle Besenritte, Hexenduelle und wilde Tänze. Eigentlich fand Adamania sich oft in Tess wieder, aber gleichzeitig hasste sie es, wenn sie irgendwo besser war als sie, weil sie eigentlich auf dem gleichen Stand waren, und sie war sich fast sicher, dass es Tesstjana genauso gehen musste.

Plötzlich begann Admanias Narbe heftig zu schmerzen und sie hatte das Gefühl verbrennen zu müssen.
Dann geschahen zwei unglaubliche Dinge gleichzeitig: Zum einen ging Adamania plötzlich in Flammen auf, das Buch fiel zu Boden und sie verschwand innerhalb eines Moments und zum anderen öffnete Tesstjana Wolkenfels ihre Augen und schaute verwirrt in die Runde.
"TESS! Du LEBST!" schrie Miriam laut auf, brach ihren Tanz ab und stürmte tränenüberflutet auf ihre Geliebte zu, um sie nach einer langen, festen Umarmung zu küssen... doch es war nicht nur Tesstjana's Bewusstsein, welche dies wahrnahm.

---
Als Adamania die Augen öffnete, bemerkte sie zu allererst, dass sie sich ihre nun plötzlich körperlose Gestalt in einem Raum mit sieben Türen befand.
Aus einer der Türen blickte ihr eine wunderschöne Miriam entgegen, die gerade dabei war sie und doch gleichzeitig Tess zu küssen - aus einer anderen sah sie eine jüngere Ausgabe von Tesstjana Wolkenstein und Adamania erkannte, dass das die Tür zu den Kindheitserinnerungen von Tesstjana war - Was war passiert?
Sie schaute sich weiter im Raum um und erblickte eine Tür, die sich deutlich von den anderen sechs unterschied: Sie war verschlossen und von tiefschwarzer Farbe.
 

ANdy

Andreas Hegewald
AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt. Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann ging es ab auf den Besen und auf in die Lüfte. Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlichen, altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die sie heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte Tesstjana gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen - der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.
Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte.
Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

---

Zur gleichen Zeit bereitete sich Lady Miriam von Dämmerstein, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf dem Schloss ihres Vaters ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war Tesstjana, die einen Abstecher bei ihrer Freundin machen wollte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war! Sie lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden. Miriam rannte erschrocken zu ihr und rief: "Tess, geht es dir gut?" "Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte. "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid."

Miriam wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine, untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach aber ab, versuchte es wieder und fluchte schließlich laut auf: "Das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"
Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt worden war!
"Keine Angst, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "Ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!"
Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem hinteren Ende von Miriam's goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band diese noch ein magisches Seil um Tess' Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewusstsein verlieren sollte.
Schnell informierte Miriam noch das Hausmädchen, dann gab sie ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter. Vielleicht hatte sie Glück und Maginia war noch nicht zum Hexentreffen aufgebrochen.

---

Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte:
"Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe, welche sich über ihr ganzes Gesicht zog, auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte, sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen.
"Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.
Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania in Maginia schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es wa Maginia persönlich, die schallend lachend auf sie zukam und rief:
"Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Unschönheitszauber! Den kann Tesstjana - wenn auch nur sie allein - ganz leicht wieder rückgängig machen!"
Adamania erblasste.
"Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Fluch auf ihre Rivalin gelegt, um es ihr heimzuzahlen. Und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde sie einige Zeit Erholung brauchen, bis sie diesen Schönheitszauber wieder rückgängig machen könnte.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

---

Miriam war mit Tesstjana im Schlepptau unterdessen zur alten Hütte von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden es verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekam würde es richtig heikel werden. Miriam, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde -, durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien auch nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

---

Adamanias Antrag schien für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Hexen fingen an, sich zu zerstreuen, um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Urenkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern:
"I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."

"WAS hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte: Wenn die Person, die einen Zauber ausgeführt hatte, an den Folgen eines Fluches starb, dann wurde derjenige, auf den der Zauber abgezielt hatte diesen nie mehr los; wenn es wie in Adamania's Beispiel ein Unschönheitszauber war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden. Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen!

Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser einen mächtigen Fluch aussprechen? Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania! Weißt denn zumindest, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."

Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte ihn aus einem der Bücher ihrer Urgoßmutter einmal abgeschrieben, sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war!", knurrte Maginia "Denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"Ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen..." schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter. Diese erwiderte: "Dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wahrscheinlich gelenkt hat."

Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluches zu Miriam von Dämmerstein abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervoll klingenden Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Miriam Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde!
"Nun?" Der Ton von Maginia schien sanfter zu werden, sie war schon immer gut darin gewesen, Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte, war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer.
"Ich denke sie ist bei Miriam..." flüsterte Adamania.

So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Schloss Dämmerstein, wo sie das Hausmädchen Inge fanden, welche gerade dabei war, die Fensterscheibe zu reparieren. Inge gab ihnen die Auskunft, dass Lady Miriam und Tesstjana bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte sicher nicht, dass sie starb.
Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Miriam bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

---

Miriam war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tesstjana hatte ihr Bewusstsein bereits verloren. Die sonst so energiegeladene junge Hexe, die sie liebte, wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Miriam wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.

Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört, welche sich zusammen mit Adamania auf ihren Besen reitend im Landeanflug befand. Als sie den Boden berührte, begann sie mit krächzender Stimme zu dirigieren: "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen. Die, welche auch auf Gras zeichnet!" Sie wandte sich eilig Miriam zu: "Und du hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht! Leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten von Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche...", dabei beäugte sie Tesstjana kritisch und entdeckte den schwazstich im Weiß ihres Augapfels, "...bleiben uns nur noch wenige Minuten!"

Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen. Adamania rannte in die Hütte und fand das Hexenbuch und die Kreide mit einem Griff. Als sie Tesstjana auf Miriams Schoß gebettet unter dem Baum gesehen hatte, gab ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht. Doch jetzt wollte sie Miriam nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig!
Ihr wurde plötzlich bewusst, dass die Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Frohnatur nicht immer hasste.
Als Tess also im Zauberkreis lag, begannen Miriam und Maginia einen zeremoniellen Hexentanz um die Sterbende, während Admania am Rand gleichzeitig einen komplizierten Spruch aus dem schweren, verstaubten Zauberbuch rezitierte und daran dachte, dass die Rivalität zwischen ihr und Tess nur bestand, weil sie sich so ähnlich waren - sie liebten beide schnelle Besenritte, Hexenduelle und wilde Tänze. Eigentlich fand Adamania sich oft in Tess wieder, aber gleichzeitig hasste sie es, wenn sie irgendwo besser war als sie, weil sie eigentlich auf dem gleichen Stand waren, und sie war sich fast sicher, dass es Tesstjana genauso gehen musste.

Plötzlich begann Admanias Narbe heftig zu schmerzen und sie hatte das Gefühl verbrennen zu müssen.
Dann geschahen zwei unglaubliche Dinge gleichzeitig: Zum einen ging Adamania plötzlich in Flammen auf, das Buch fiel zu Boden und sie verschwand innerhalb eines Moments und zum anderen öffnete Tesstjana Wolkenfels ihre Augen und schaute verwirrt in die Runde.
"TESS! Du LEBST!" schrie Miriam laut auf, brach ihren Tanz ab und stürmte tränenüberflutet auf ihre Geliebte zu, um sie nach einer langen, festen Umarmung zu küssen... doch es war nicht nur Tesstjana's Bewusstsein, welche dies wahrnahm.

---
Als Adamania die Augen öffnete, bemerkte sie zu allererst, dass sie sich ihre nun plötzlich körperlose Gestalt in einem Raum mit sieben Türen befand.
Aus einer der Türen blickte ihr eine wunderschöne Miriam entgegen, die gerade dabei war sie und doch gleichzeitig Tess zu küssen - aus einer anderen sah sie eine jüngere Ausgabe von Tesstjana Wolkenstein und Adamania erkannte, dass das die Tür zu den Kindheitserinnerungen von Tesstjana war - Was war passiert?
Sie schaute sich weiter im Raum um und erblickte eine Tür, die sich deutlich von den anderen sechs unterschied: Sie war verschlossen und von tiefschwarzer Farbe.
Langsam schritt Adamania auf die unheimliche Tür zu.
 

Kolibri

Hannah
Sprechprobe
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AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt. Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann ging es ab auf den Besen und auf in die Lüfte. Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlichen, altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die sie heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte Tesstjana gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen - der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.
Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte.
Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

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Zur gleichen Zeit bereitete sich Lady Miriam von Dämmerstein, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf dem Schloss ihres Vaters ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war Tesstjana, die einen Abstecher bei ihrer Freundin machen wollte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war! Sie lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden. Miriam rannte erschrocken zu ihr und rief: "Tess, geht es dir gut?" "Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte. "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid."

Miriam wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine, untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach aber ab, versuchte es wieder und fluchte schließlich laut auf: "Das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"
Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt worden war!
"Keine Angst, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "Ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!"
Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem hinteren Ende von Miriam's goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band diese noch ein magisches Seil um Tess' Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewusstsein verlieren sollte.
Schnell informierte Miriam noch das Hausmädchen, dann gab sie ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter. Vielleicht hatte sie Glück und Maginia war noch nicht zum Hexentreffen aufgebrochen.

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Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte:
"Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe, welche sich über ihr ganzes Gesicht zog, auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte, sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen.
"Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.
Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania in Maginia schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es wa Maginia persönlich, die schallend lachend auf sie zukam und rief:
"Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Unschönheitszauber! Den kann Tesstjana - wenn auch nur sie allein - ganz leicht wieder rückgängig machen!"
Adamania erblasste.
"Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Fluch auf ihre Rivalin gelegt, um es ihr heimzuzahlen. Und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde sie einige Zeit Erholung brauchen, bis sie diesen Schönheitszauber wieder rückgängig machen könnte.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

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Miriam war mit Tesstjana im Schlepptau unterdessen zur alten Hütte von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden es verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekam würde es richtig heikel werden. Miriam, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde -, durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien auch nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

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Adamanias Antrag schien für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Hexen fingen an, sich zu zerstreuen, um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Urenkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern:
"I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."

"WAS hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte: Wenn die Person, die einen Zauber ausgeführt hatte, an den Folgen eines Fluches starb, dann wurde derjenige, auf den der Zauber abgezielt hatte diesen nie mehr los; wenn es wie in Adamania's Beispiel ein Unschönheitszauber war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden. Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen!

Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser einen mächtigen Fluch aussprechen? Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania! Weißt denn zumindest, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."

Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte ihn aus einem der Bücher ihrer Urgoßmutter einmal abgeschrieben, sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war!", knurrte Maginia "Denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"Ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen..." schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter. Diese erwiderte: "Dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wahrscheinlich gelenkt hat."

Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluches zu Miriam von Dämmerstein abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervoll klingenden Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Miriam Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde!
"Nun?" Der Ton von Maginia schien sanfter zu werden, sie war schon immer gut darin gewesen, Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte, war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer.
"Ich denke sie ist bei Miriam..." flüsterte Adamania.

So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Schloss Dämmerstein, wo sie das Hausmädchen Inge fanden, welche gerade dabei war, die Fensterscheibe zu reparieren. Inge gab ihnen die Auskunft, dass Lady Miriam und Tesstjana bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte sicher nicht, dass sie starb.
Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Miriam bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

---

Miriam war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tesstjana hatte ihr Bewusstsein bereits verloren. Die sonst so energiegeladene junge Hexe, die sie liebte, wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Miriam wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.

Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört, welche sich zusammen mit Adamania auf ihren Besen reitend im Landeanflug befand. Als sie den Boden berührte, begann sie mit krächzender Stimme zu dirigieren: "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen. Die, welche auch auf Gras zeichnet!" Sie wandte sich eilig Miriam zu: "Und du hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht! Leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten von Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche...", dabei beäugte sie Tesstjana kritisch und entdeckte den schwazstich im Weiß ihres Augapfels, "...bleiben uns nur noch wenige Minuten!"

Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen. Adamania rannte in die Hütte und fand das Hexenbuch und die Kreide mit einem Griff. Als sie Tesstjana auf Miriams Schoß gebettet unter dem Baum gesehen hatte, gab ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht. Doch jetzt wollte sie Miriam nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig!
Ihr wurde plötzlich bewusst, dass die Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Frohnatur nicht immer hasste.
Als Tess also im Zauberkreis lag, begannen Miriam und Maginia einen zeremoniellen Hexentanz um die Sterbende, während Admania am Rand gleichzeitig einen komplizierten Spruch aus dem schweren, verstaubten Zauberbuch rezitierte und daran dachte, dass die Rivalität zwischen ihr und Tess nur bestand, weil sie sich so ähnlich waren - sie liebten beide schnelle Besenritte, Hexenduelle und wilde Tänze. Eigentlich fand Adamania sich oft in Tess wieder, aber gleichzeitig hasste sie es, wenn sie irgendwo besser war als sie, weil sie eigentlich auf dem gleichen Stand waren, und sie war sich fast sicher, dass es Tesstjana genauso gehen musste.

Plötzlich begann Admanias Narbe heftig zu schmerzen und sie hatte das Gefühl verbrennen zu müssen.
Dann geschahen zwei unglaubliche Dinge gleichzeitig: Zum einen ging Adamania plötzlich in Flammen auf, das Buch fiel zu Boden und sie verschwand innerhalb eines Moments und zum anderen öffnete Tesstjana Wolkenfels ihre Augen und schaute verwirrt in die Runde.
"TESS! Du LEBST!" schrie Miriam laut auf, brach ihren Tanz ab und stürmte tränenüberflutet auf ihre Geliebte zu, um sie nach einer langen, festen Umarmung zu küssen... doch es war nicht nur Tesstjana's Bewusstsein, welche dies wahrnahm.

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Als Adamania die Augen öffnete, bemerkte sie zu allererst, dass sie sich ihre nun plötzlich körperlose Gestalt in einem Raum mit sieben Türen befand.
Aus einer der Türen blickte ihr eine wunderschöne Miriam entgegen, die gerade dabei war sie und doch gleichzeitig Tess zu küssen - aus einer anderen sah sie eine jüngere Ausgabe von Tesstjana Wolkenstein und Adamania erkannte, dass das die Tür zu den Kindheitserinnerungen von Tesstjana war - Was war passiert?
Sie schaute sich weiter im Raum um und erblickte eine Tür, die sich deutlich von den anderen sechs unterschied: Sie war verschlossen und von tiefschwarzer Farbe.
Langsam schritt Adamania auf die unheimliche Tür zu.
Es war, als schien sie leise Flüstergeräusche von sich geben, Adamania versuchte sich zu konzentrieren, immer wieder kam ihr Name und der von Miriam drin vor!
 

Chaos

Schneewittchen
Teammitglied
Sprechprobe
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AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt. Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann ging es ab auf den Besen und auf in die Lüfte. Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlichen, altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die sie heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte Tesstjana gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen - der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.
Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte.
Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

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Zur gleichen Zeit bereitete sich Lady Miriam von Dämmerstein, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf dem Schloss ihres Vaters ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war Tesstjana, die einen Abstecher bei ihrer Freundin machen wollte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war! Sie lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden. Miriam rannte erschrocken zu ihr und rief: "Tess, geht es dir gut?" "Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte. "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid."

Miriam wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine, untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach aber ab, versuchte es wieder und fluchte schließlich laut auf: "Das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"
Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt worden war!
"Keine Angst, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "Ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!"
Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem hinteren Ende von Miriam's goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band diese noch ein magisches Seil um Tess' Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewusstsein verlieren sollte.
Schnell informierte Miriam noch das Hausmädchen, dann gab sie ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter. Vielleicht hatte sie Glück und Maginia war noch nicht zum Hexentreffen aufgebrochen.

---

Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte:
"Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe, welche sich über ihr ganzes Gesicht zog, auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte, sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen.
"Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.
Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania in Maginia schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es wa Maginia persönlich, die schallend lachend auf sie zukam und rief:
"Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Unschönheitszauber! Den kann Tesstjana - wenn auch nur sie allein - ganz leicht wieder rückgängig machen!"
Adamania erblasste.
"Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Fluch auf ihre Rivalin gelegt, um es ihr heimzuzahlen. Und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde sie einige Zeit Erholung brauchen, bis sie diesen Schönheitszauber wieder rückgängig machen könnte.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

---

Miriam war mit Tesstjana im Schlepptau unterdessen zur alten Hütte von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden es verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekam würde es richtig heikel werden. Miriam, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde -, durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien auch nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

---

Adamanias Antrag schien für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Hexen fingen an, sich zu zerstreuen, um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Urenkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern:
"I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."

"WAS hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte: Wenn die Person, die einen Zauber ausgeführt hatte, an den Folgen eines Fluches starb, dann wurde derjenige, auf den der Zauber abgezielt hatte diesen nie mehr los; wenn es wie in Adamania's Beispiel ein Unschönheitszauber war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden. Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen!

Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser einen mächtigen Fluch aussprechen? Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania! Weißt denn zumindest, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."

Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte ihn aus einem der Bücher ihrer Urgoßmutter einmal abgeschrieben, sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war!", knurrte Maginia "Denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"Ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen..." schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter. Diese erwiderte: "Dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wahrscheinlich gelenkt hat."

Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluches zu Miriam von Dämmerstein abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervoll klingenden Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Miriam Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde!
"Nun?" Der Ton von Maginia schien sanfter zu werden, sie war schon immer gut darin gewesen, Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte, war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer.
"Ich denke sie ist bei Miriam..." flüsterte Adamania.

So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Schloss Dämmerstein, wo sie das Hausmädchen Inge fanden, welche gerade dabei war, die Fensterscheibe zu reparieren. Inge gab ihnen die Auskunft, dass Lady Miriam und Tesstjana bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte sicher nicht, dass sie starb.
Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Miriam bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

---

Miriam war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tesstjana hatte ihr Bewusstsein bereits verloren. Die sonst so energiegeladene junge Hexe, die sie liebte, wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Miriam wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.

Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört, welche sich zusammen mit Adamania auf ihren Besen reitend im Landeanflug befand. Als sie den Boden berührte, begann sie mit krächzender Stimme zu dirigieren: "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen. Die, welche auch auf Gras zeichnet!" Sie wandte sich eilig Miriam zu: "Und du hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht! Leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten von Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche...", dabei beäugte sie Tesstjana kritisch und entdeckte den schwazstich im Weiß ihres Augapfels, "...bleiben uns nur noch wenige Minuten!"

Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen. Adamania rannte in die Hütte und fand das Hexenbuch und die Kreide mit einem Griff. Als sie Tesstjana auf Miriams Schoß gebettet unter dem Baum gesehen hatte, gab ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht. Doch jetzt wollte sie Miriam nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig!
Ihr wurde plötzlich bewusst, dass die Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Frohnatur nicht immer hasste.
Als Tess also im Zauberkreis lag, begannen Miriam und Maginia einen zeremoniellen Hexentanz um die Sterbende, während Admania am Rand gleichzeitig einen komplizierten Spruch aus dem schweren, verstaubten Zauberbuch rezitierte und daran dachte, dass die Rivalität zwischen ihr und Tess nur bestand, weil sie sich so ähnlich waren - sie liebten beide schnelle Besenritte, Hexenduelle und wilde Tänze. Eigentlich fand Adamania sich oft in Tess wieder, aber gleichzeitig hasste sie es, wenn sie irgendwo besser war als sie, weil sie eigentlich auf dem gleichen Stand waren, und sie war sich fast sicher, dass es Tesstjana genauso gehen musste.

Plötzlich begann Admanias Narbe heftig zu schmerzen und sie hatte das Gefühl verbrennen zu müssen.
Dann geschahen zwei unglaubliche Dinge gleichzeitig: Zum einen ging Adamania plötzlich in Flammen auf, das Buch fiel zu Boden und sie verschwand innerhalb eines Moments und zum anderen öffnete Tesstjana Wolkenfels ihre Augen und schaute verwirrt in die Runde.
"TESS! Du LEBST!" schrie Miriam laut auf, brach ihren Tanz ab und stürmte tränenüberflutet auf ihre Geliebte zu, um sie nach einer langen, festen Umarmung zu küssen... doch es war nicht nur Tesstjana's Bewusstsein, welche dies wahrnahm.

---
Als Adamania die Augen öffnete, bemerkte sie zu allererst, dass sie sich ihre nun plötzlich körperlose Gestalt in einem Raum mit sieben Türen befand.
Aus einer der Türen blickte ihr eine wunderschöne Miriam entgegen, die gerade dabei war sie und doch gleichzeitig Tess zu küssen - aus einer anderen sah sie eine jüngere Ausgabe von Tesstjana Wolkenstein und Adamania erkannte, dass das die Tür zu den Kindheitserinnerungen von Tesstjana war - Was war passiert?
Sie schaute sich weiter im Raum um und erblickte eine Tür, die sich deutlich von den anderen sechs unterschied: Sie war verschlossen und von tiefschwarzer Farbe.
Langsam schritt Adamania auf die unheimliche Tür zu.
Es war, als schien sie leise Flüstergeräusche von sich geben, Adamania versuchte sich zu konzentrieren, immer wieder kam ihr Name und der von Miriam drin vor!
Als sie die Türklinke berührte, durchzuckte sie ein heftiger Schmerz und ließ sie zurückweichen.
 

Nee

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Sprechprobe
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AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt. Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann ging es ab auf den Besen und auf in die Lüfte. Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlichen, altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die sie heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte Tesstjana gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen - der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.
Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte.
Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

---

Zur gleichen Zeit bereitete sich Lady Miriam von Dämmerstein, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf dem Schloss ihres Vaters ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war Tesstjana, die einen Abstecher bei ihrer Freundin machen wollte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war! Sie lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden. Miriam rannte erschrocken zu ihr und rief: "Tess, geht es dir gut?" "Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte. "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid."

Miriam wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine, untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach aber ab, versuchte es wieder und fluchte schließlich laut auf: "Das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"
Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt worden war!
"Keine Angst, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "Ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!"
Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem hinteren Ende von Miriam's goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band diese noch ein magisches Seil um Tess' Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewusstsein verlieren sollte.
Schnell informierte Miriam noch das Hausmädchen, dann gab sie ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter. Vielleicht hatte sie Glück und Maginia war noch nicht zum Hexentreffen aufgebrochen.

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Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte:
"Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe, welche sich über ihr ganzes Gesicht zog, auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte, sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen.
"Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.
Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania in Maginia schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es wa Maginia persönlich, die schallend lachend auf sie zukam und rief:
"Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Unschönheitszauber! Den kann Tesstjana - wenn auch nur sie allein - ganz leicht wieder rückgängig machen!"
Adamania erblasste.
"Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Fluch auf ihre Rivalin gelegt, um es ihr heimzuzahlen. Und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde sie einige Zeit Erholung brauchen, bis sie diesen Schönheitszauber wieder rückgängig machen könnte.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

---

Miriam war mit Tesstjana im Schlepptau unterdessen zur alten Hütte von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden es verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekam würde es richtig heikel werden. Miriam, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde -, durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien auch nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

---

Adamanias Antrag schien für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Hexen fingen an, sich zu zerstreuen, um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Urenkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern:
"I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."

"WAS hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte: Wenn die Person, die einen Zauber ausgeführt hatte, an den Folgen eines Fluches starb, dann wurde derjenige, auf den der Zauber abgezielt hatte diesen nie mehr los; wenn es wie in Adamania's Beispiel ein Unschönheitszauber war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden. Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen!

Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser einen mächtigen Fluch aussprechen? Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania! Weißt denn zumindest, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."

Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte ihn aus einem der Bücher ihrer Urgoßmutter einmal abgeschrieben, sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war!", knurrte Maginia "Denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"Ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen..." schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter. Diese erwiderte: "Dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wahrscheinlich gelenkt hat."

Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluches zu Miriam von Dämmerstein abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervoll klingenden Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Miriam Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde!
"Nun?" Der Ton von Maginia schien sanfter zu werden, sie war schon immer gut darin gewesen, Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte, war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer.
"Ich denke sie ist bei Miriam..." flüsterte Adamania.

So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Schloss Dämmerstein, wo sie das Hausmädchen Inge fanden, welche gerade dabei war, die Fensterscheibe zu reparieren. Inge gab ihnen die Auskunft, dass Lady Miriam und Tesstjana bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte sicher nicht, dass sie starb.
Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Miriam bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

---

Miriam war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tesstjana hatte ihr Bewusstsein bereits verloren. Die sonst so energiegeladene junge Hexe, die sie liebte, wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Miriam wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.

Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört, welche sich zusammen mit Adamania auf ihren Besen reitend im Landeanflug befand. Als sie den Boden berührte, begann sie mit krächzender Stimme zu dirigieren: "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen. Die, welche auch auf Gras zeichnet!" Sie wandte sich eilig Miriam zu: "Und du hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht! Leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten von Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche...", dabei beäugte sie Tesstjana kritisch und entdeckte den schwazstich im Weiß ihres Augapfels, "...bleiben uns nur noch wenige Minuten!"

Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen. Adamania rannte in die Hütte und fand das Hexenbuch und die Kreide mit einem Griff. Als sie Tesstjana auf Miriams Schoß gebettet unter dem Baum gesehen hatte, gab ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht. Doch jetzt wollte sie Miriam nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig!
Ihr wurde plötzlich bewusst, dass die Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Frohnatur nicht immer hasste.
Als Tess also im Zauberkreis lag, begannen Miriam und Maginia einen zeremoniellen Hexentanz um die Sterbende, während Admania am Rand gleichzeitig einen komplizierten Spruch aus dem schweren, verstaubten Zauberbuch rezitierte und daran dachte, dass die Rivalität zwischen ihr und Tess nur bestand, weil sie sich so ähnlich waren - sie liebten beide schnelle Besenritte, Hexenduelle und wilde Tänze. Eigentlich fand Adamania sich oft in Tess wieder, aber gleichzeitig hasste sie es, wenn sie irgendwo besser war als sie, weil sie eigentlich auf dem gleichen Stand waren, und sie war sich fast sicher, dass es Tesstjana genauso gehen musste.

Plötzlich begann Admanias Narbe heftig zu schmerzen und sie hatte das Gefühl verbrennen zu müssen.
Dann geschahen zwei unglaubliche Dinge gleichzeitig: Zum einen ging Adamania plötzlich in Flammen auf, das Buch fiel zu Boden und sie verschwand innerhalb eines Moments und zum anderen öffnete Tesstjana Wolkenfels ihre Augen und schaute verwirrt in die Runde.
"TESS! Du LEBST!" schrie Miriam laut auf, brach ihren Tanz ab und stürmte tränenüberflutet auf ihre Geliebte zu, um sie nach einer langen, festen Umarmung zu küssen... doch es war nicht nur Tesstjana's Bewusstsein, welche dies wahrnahm.

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Als Adamania die Augen öffnete, bemerkte sie zu allererst, dass sie sich ihre nun plötzlich körperlose Gestalt in einem Raum mit sieben Türen befand.
Aus einer der Türen blickte ihr eine wunderschöne Miriam entgegen, die gerade dabei war sie und doch gleichzeitig Tess zu küssen - aus einer anderen sah sie eine jüngere Ausgabe von Tesstjana Wolkenstein und Adamania erkannte, dass das die Tür zu den Kindheitserinnerungen von Tesstjana war - Was war passiert?
Sie schaute sich weiter im Raum um und erblickte eine Tür, die sich deutlich von den anderen sechs unterschied: Sie war verschlossen und von tiefschwarzer Farbe.
Langsam schritt Adamania auf die unheimliche Tür zu.
Es war, als schien sie leise Flüstergeräusche von sich geben, Adamania versuchte sich zu konzentrieren, immer wieder kam ihr Name und der von Miriam drin vor!
Als sie die Türklinke berührte, durchzuckte sie ein heftiger Schmerz und ließ sie zurückweichen. Erneut lauschte sie angestrengt dem Flüstern.
 

ANdy

Andreas Hegewald
AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt. Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann ging es ab auf den Besen und auf in die Lüfte. Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlichen, altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die sie heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte Tesstjana gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen - der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.
Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte.
Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

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Zur gleichen Zeit bereitete sich Lady Miriam von Dämmerstein, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf dem Schloss ihres Vaters ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war Tesstjana, die einen Abstecher bei ihrer Freundin machen wollte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war! Sie lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden. Miriam rannte erschrocken zu ihr und rief: "Tess, geht es dir gut?" "Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte. "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid."

Miriam wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine, untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach aber ab, versuchte es wieder und fluchte schließlich laut auf: "Das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"
Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt worden war!
"Keine Angst, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "Ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!"
Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem hinteren Ende von Miriam's goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band diese noch ein magisches Seil um Tess' Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewusstsein verlieren sollte.
Schnell informierte Miriam noch das Hausmädchen, dann gab sie ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter. Vielleicht hatte sie Glück und Maginia war noch nicht zum Hexentreffen aufgebrochen.

---

Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte:
"Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe, welche sich über ihr ganzes Gesicht zog, auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte, sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen.
"Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.
Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania in Maginia schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es wa Maginia persönlich, die schallend lachend auf sie zukam und rief:
"Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Unschönheitszauber! Den kann Tesstjana - wenn auch nur sie allein - ganz leicht wieder rückgängig machen!"
Adamania erblasste.
"Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Fluch auf ihre Rivalin gelegt, um es ihr heimzuzahlen. Und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde sie einige Zeit Erholung brauchen, bis sie diesen Schönheitszauber wieder rückgängig machen könnte.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

---

Miriam war mit Tesstjana im Schlepptau unterdessen zur alten Hütte von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden es verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekam würde es richtig heikel werden. Miriam, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde -, durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien auch nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

---

Adamanias Antrag schien für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Hexen fingen an, sich zu zerstreuen, um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Urenkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern:
"I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."

"WAS hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte: Wenn die Person, die einen Zauber ausgeführt hatte, an den Folgen eines Fluches starb, dann wurde derjenige, auf den der Zauber abgezielt hatte diesen nie mehr los; wenn es wie in Adamania's Beispiel ein Unschönheitszauber war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden. Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen!

Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser einen mächtigen Fluch aussprechen? Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania! Weißt denn zumindest, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."

Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte ihn aus einem der Bücher ihrer Urgoßmutter einmal abgeschrieben, sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war!", knurrte Maginia "Denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"Ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen..." schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter. Diese erwiderte: "Dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wahrscheinlich gelenkt hat."

Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluches zu Miriam von Dämmerstein abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervoll klingenden Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Miriam Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde!
"Nun?" Der Ton von Maginia schien sanfter zu werden, sie war schon immer gut darin gewesen, Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte, war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer.
"Ich denke sie ist bei Miriam..." flüsterte Adamania.

So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Schloss Dämmerstein, wo sie das Hausmädchen Inge fanden, welche gerade dabei war, die Fensterscheibe zu reparieren. Inge gab ihnen die Auskunft, dass Lady Miriam und Tesstjana bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte sicher nicht, dass sie starb.
Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Miriam bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

---

Miriam war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tesstjana hatte ihr Bewusstsein bereits verloren. Die sonst so energiegeladene junge Hexe, die sie liebte, wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Miriam wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.

Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört, welche sich zusammen mit Adamania auf ihren Besen reitend im Landeanflug befand. Als sie den Boden berührte, begann sie mit krächzender Stimme zu dirigieren: "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen. Die, welche auch auf Gras zeichnet!" Sie wandte sich eilig Miriam zu: "Und du hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht! Leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten von Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche...", dabei beäugte sie Tesstjana kritisch und entdeckte den schwazstich im Weiß ihres Augapfels, "...bleiben uns nur noch wenige Minuten!"

Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen. Adamania rannte in die Hütte und fand das Hexenbuch und die Kreide mit einem Griff. Als sie Tesstjana auf Miriams Schoß gebettet unter dem Baum gesehen hatte, gab ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht. Doch jetzt wollte sie Miriam nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig!
Ihr wurde plötzlich bewusst, dass die Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Frohnatur nicht immer hasste.
Als Tess also im Zauberkreis lag, begannen Miriam und Maginia einen zeremoniellen Hexentanz um die Sterbende, während Admania am Rand gleichzeitig einen komplizierten Spruch aus dem schweren, verstaubten Zauberbuch rezitierte und daran dachte, dass die Rivalität zwischen ihr und Tess nur bestand, weil sie sich so ähnlich waren - sie liebten beide schnelle Besenritte, Hexenduelle und wilde Tänze. Eigentlich fand Adamania sich oft in Tess wieder, aber gleichzeitig hasste sie es, wenn sie irgendwo besser war als sie, weil sie eigentlich auf dem gleichen Stand waren, und sie war sich fast sicher, dass es Tesstjana genauso gehen musste.

Plötzlich begann Admanias Narbe heftig zu schmerzen und sie hatte das Gefühl verbrennen zu müssen.
Dann geschahen zwei unglaubliche Dinge gleichzeitig: Zum einen ging Adamania plötzlich in Flammen auf, das Buch fiel zu Boden und sie verschwand innerhalb eines Moments und zum anderen öffnete Tesstjana Wolkenfels ihre Augen und schaute verwirrt in die Runde.
"TESS! Du LEBST!" schrie Miriam laut auf, brach ihren Tanz ab und stürmte tränenüberflutet auf ihre Geliebte zu, um sie nach einer langen, festen Umarmung zu küssen... doch es war nicht nur Tesstjana's Bewusstsein, welche dies wahrnahm.

---
Als Adamania die Augen öffnete, bemerkte sie zu allererst, dass sie sich ihre nun plötzlich körperlose Gestalt in einem Raum mit sieben Türen befand.
Aus einer der Türen blickte ihr eine wunderschöne Miriam entgegen, die gerade dabei war sie und doch gleichzeitig Tess zu küssen - aus einer anderen sah sie eine jüngere Ausgabe von Tesstjana Wolkenstein und Adamania erkannte, dass das die Tür zu den Kindheitserinnerungen von Tesstjana war - Was war passiert?
Sie schaute sich weiter im Raum um und erblickte eine Tür, die sich deutlich von den anderen sechs unterschied: Sie war verschlossen und von tiefschwarzer Farbe.
Langsam schritt Adamania auf die unheimliche Tür zu.
Es war, als schien sie leise Flüstergeräusche von sich geben, Adamania versuchte sich zu konzentrieren, immer wieder kam ihr Name und der von Miriam drin vor!
Als sie die Türklinke berührte, durchzuckte sie ein heftiger Schmerz und ließ sie zurückweichen. Erneut lauschte sie angestrengt dem Flüstern.
Dann nahm Adamania all ihren Mut zusammen, umfasste die Klinke... bereit, trotz des Schmerzes die düstere Tür zu öffnen, als plötzlich und kraftvoll die Stimme Tesstjanas durch den Wahrnehmungsraum hallte: "NICHT!!"
 

Nee

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AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt. Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann ging es ab auf den Besen und auf in die Lüfte. Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlichen, altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die sie heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte Tesstjana gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen - der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.
Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte.
Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

---

Zur gleichen Zeit bereitete sich Lady Miriam von Dämmerstein, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf dem Schloss ihres Vaters ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war Tesstjana, die einen Abstecher bei ihrer Freundin machen wollte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war! Sie lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden. Miriam rannte erschrocken zu ihr und rief: "Tess, geht es dir gut?" "Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte. "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid."

Miriam wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine, untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach aber ab, versuchte es wieder und fluchte schließlich laut auf: "Das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"
Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt worden war!
"Keine Angst, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "Ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!"
Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem hinteren Ende von Miriam's goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band diese noch ein magisches Seil um Tess' Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewusstsein verlieren sollte.
Schnell informierte Miriam noch das Hausmädchen, dann gab sie ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter. Vielleicht hatte sie Glück und Maginia war noch nicht zum Hexentreffen aufgebrochen.

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Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte:
"Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe, welche sich über ihr ganzes Gesicht zog, auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte, sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen.
"Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.
Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania in Maginia schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es wa Maginia persönlich, die schallend lachend auf sie zukam und rief:
"Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Unschönheitszauber! Den kann Tesstjana - wenn auch nur sie allein - ganz leicht wieder rückgängig machen!"
Adamania erblasste.
"Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Fluch auf ihre Rivalin gelegt, um es ihr heimzuzahlen. Und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde sie einige Zeit Erholung brauchen, bis sie diesen Schönheitszauber wieder rückgängig machen könnte.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

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Miriam war mit Tesstjana im Schlepptau unterdessen zur alten Hütte von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden es verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekam würde es richtig heikel werden. Miriam, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde -, durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien auch nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

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Adamanias Antrag schien für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Hexen fingen an, sich zu zerstreuen, um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Urenkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern:
"I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."

"WAS hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte: Wenn die Person, die einen Zauber ausgeführt hatte, an den Folgen eines Fluches starb, dann wurde derjenige, auf den der Zauber abgezielt hatte diesen nie mehr los; wenn es wie in Adamania's Beispiel ein Unschönheitszauber war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden. Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen!

Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser einen mächtigen Fluch aussprechen? Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania! Weißt denn zumindest, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."

Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte ihn aus einem der Bücher ihrer Urgoßmutter einmal abgeschrieben, sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war!", knurrte Maginia "Denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"Ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen..." schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter. Diese erwiderte: "Dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wahrscheinlich gelenkt hat."

Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluches zu Miriam von Dämmerstein abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervoll klingenden Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Miriam Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde!
"Nun?" Der Ton von Maginia schien sanfter zu werden, sie war schon immer gut darin gewesen, Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte, war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer.
"Ich denke sie ist bei Miriam..." flüsterte Adamania.

So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Schloss Dämmerstein, wo sie das Hausmädchen Inge fanden, welche gerade dabei war, die Fensterscheibe zu reparieren. Inge gab ihnen die Auskunft, dass Lady Miriam und Tesstjana bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte sicher nicht, dass sie starb.
Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Miriam bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

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Miriam war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tesstjana hatte ihr Bewusstsein bereits verloren. Die sonst so energiegeladene junge Hexe, die sie liebte, wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Miriam wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.

Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört, welche sich zusammen mit Adamania auf ihren Besen reitend im Landeanflug befand. Als sie den Boden berührte, begann sie mit krächzender Stimme zu dirigieren: "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen. Die, welche auch auf Gras zeichnet!" Sie wandte sich eilig Miriam zu: "Und du hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht! Leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten von Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche...", dabei beäugte sie Tesstjana kritisch und entdeckte den schwazstich im Weiß ihres Augapfels, "...bleiben uns nur noch wenige Minuten!"

Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen. Adamania rannte in die Hütte und fand das Hexenbuch und die Kreide mit einem Griff. Als sie Tesstjana auf Miriams Schoß gebettet unter dem Baum gesehen hatte, gab ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht. Doch jetzt wollte sie Miriam nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig!
Ihr wurde plötzlich bewusst, dass die Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Frohnatur nicht immer hasste.
Als Tess also im Zauberkreis lag, begannen Miriam und Maginia einen zeremoniellen Hexentanz um die Sterbende, während Admania am Rand gleichzeitig einen komplizierten Spruch aus dem schweren, verstaubten Zauberbuch rezitierte und daran dachte, dass die Rivalität zwischen ihr und Tess nur bestand, weil sie sich so ähnlich waren - sie liebten beide schnelle Besenritte, Hexenduelle und wilde Tänze. Eigentlich fand Adamania sich oft in Tess wieder, aber gleichzeitig hasste sie es, wenn sie irgendwo besser war als sie, weil sie eigentlich auf dem gleichen Stand waren, und sie war sich fast sicher, dass es Tesstjana genauso gehen musste.

Plötzlich begann Admanias Narbe heftig zu schmerzen und sie hatte das Gefühl verbrennen zu müssen.
Dann geschahen zwei unglaubliche Dinge gleichzeitig: Zum einen ging Adamania plötzlich in Flammen auf, das Buch fiel zu Boden und sie verschwand innerhalb eines Moments und zum anderen öffnete Tesstjana Wolkenfels ihre Augen und schaute verwirrt in die Runde.
"TESS! Du LEBST!" schrie Miriam laut auf, brach ihren Tanz ab und stürmte tränenüberflutet auf ihre Geliebte zu, um sie nach einer langen, festen Umarmung zu küssen... doch es war nicht nur Tesstjana's Bewusstsein, welche dies wahrnahm.

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Als Adamania die Augen öffnete, bemerkte sie zu allererst, dass sie sich ihre nun plötzlich körperlose Gestalt in einem Raum mit sieben Türen befand.
Aus einer der Türen blickte ihr eine wunderschöne Miriam entgegen, die gerade dabei war sie und doch gleichzeitig Tess zu küssen - aus einer anderen sah sie eine jüngere Ausgabe von Tesstjana Wolkenstein und Adamania erkannte, dass das die Tür zu den Kindheitserinnerungen von Tesstjana war - Was war passiert?
Sie schaute sich weiter im Raum um und erblickte eine Tür, die sich deutlich von den anderen sechs unterschied: Sie war verschlossen und von tiefschwarzer Farbe.
Langsam schritt Adamania auf die unheimliche Tür zu.
Es war, als schien sie leise Flüstergeräusche von sich geben, Adamania versuchte sich zu konzentrieren, immer wieder kam ihr Name und der von Miriam drin vor!
Als sie die Türklinke berührte, durchzuckte sie ein heftiger Schmerz und ließ sie zurückweichen. Erneut lauschte sie angestrengt dem Flüstern.
Dann nahm Adamania all ihren Mut zusammen, umfasste die Klinke... bereit, trotz des Schmerzes die düstere Tür zu öffnen, als plötzlich und kraftvoll die Stimme Tesstjanas durch den Wahrnehmungsraum hallte: "NICHT!!"
"Aber welche Tür soll ich dann wählen?", fragte sie und sah sich erneut im Raum um.
 

ANdy

Andreas Hegewald
AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt. Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann ging es ab auf den Besen und auf in die Lüfte. Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlichen, altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die sie heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte Tesstjana gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen - der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.
Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte.
Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

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Zur gleichen Zeit bereitete sich Lady Miriam von Dämmerstein, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf dem Schloss ihres Vaters ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war Tesstjana, die einen Abstecher bei ihrer Freundin machen wollte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war! Sie lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden. Miriam rannte erschrocken zu ihr und rief: "Tess, geht es dir gut?" "Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte. "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid."

Miriam wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine, untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach aber ab, versuchte es wieder und fluchte schließlich laut auf: "Das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"
Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt worden war!
"Keine Angst, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "Ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!"
Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem hinteren Ende von Miriam's goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band diese noch ein magisches Seil um Tess' Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewusstsein verlieren sollte.
Schnell informierte Miriam noch das Hausmädchen, dann gab sie ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter. Vielleicht hatte sie Glück und Maginia war noch nicht zum Hexentreffen aufgebrochen.

---

Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte:
"Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe, welche sich über ihr ganzes Gesicht zog, auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte, sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen.
"Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.
Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania in Maginia schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es wa Maginia persönlich, die schallend lachend auf sie zukam und rief:
"Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Unschönheitszauber! Den kann Tesstjana - wenn auch nur sie allein - ganz leicht wieder rückgängig machen!"
Adamania erblasste.
"Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Fluch auf ihre Rivalin gelegt, um es ihr heimzuzahlen. Und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde sie einige Zeit Erholung brauchen, bis sie diesen Schönheitszauber wieder rückgängig machen könnte.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

---

Miriam war mit Tesstjana im Schlepptau unterdessen zur alten Hütte von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden es verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekam würde es richtig heikel werden. Miriam, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde -, durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien auch nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

---

Adamanias Antrag schien für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Hexen fingen an, sich zu zerstreuen, um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Urenkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern:
"I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."

"WAS hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte: Wenn die Person, die einen Zauber ausgeführt hatte, an den Folgen eines Fluches starb, dann wurde derjenige, auf den der Zauber abgezielt hatte diesen nie mehr los; wenn es wie in Adamania's Beispiel ein Unschönheitszauber war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden. Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen!

Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser einen mächtigen Fluch aussprechen? Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania! Weißt denn zumindest, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."

Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte ihn aus einem der Bücher ihrer Urgoßmutter einmal abgeschrieben, sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war!", knurrte Maginia "Denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"Ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen..." schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter. Diese erwiderte: "Dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wahrscheinlich gelenkt hat."

Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluches zu Miriam von Dämmerstein abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervoll klingenden Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Miriam Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde!
"Nun?" Der Ton von Maginia schien sanfter zu werden, sie war schon immer gut darin gewesen, Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte, war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer.
"Ich denke sie ist bei Miriam..." flüsterte Adamania.

So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Schloss Dämmerstein, wo sie das Hausmädchen Inge fanden, welche gerade dabei war, die Fensterscheibe zu reparieren. Inge gab ihnen die Auskunft, dass Lady Miriam und Tesstjana bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte sicher nicht, dass sie starb.
Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Miriam bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

---

Miriam war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tesstjana hatte ihr Bewusstsein bereits verloren. Die sonst so energiegeladene junge Hexe, die sie liebte, wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Miriam wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.

Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört, welche sich zusammen mit Adamania auf ihren Besen reitend im Landeanflug befand. Als sie den Boden berührte, begann sie mit krächzender Stimme zu dirigieren: "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen. Die, welche auch auf Gras zeichnet!" Sie wandte sich eilig Miriam zu: "Und du hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht! Leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten von Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche...", dabei beäugte sie Tesstjana kritisch und entdeckte den schwazstich im Weiß ihres Augapfels, "...bleiben uns nur noch wenige Minuten!"

Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen. Adamania rannte in die Hütte und fand das Hexenbuch und die Kreide mit einem Griff. Als sie Tesstjana auf Miriams Schoß gebettet unter dem Baum gesehen hatte, gab ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht. Doch jetzt wollte sie Miriam nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig!
Ihr wurde plötzlich bewusst, dass die Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Frohnatur nicht immer hasste.
Als Tess also im Zauberkreis lag, begannen Miriam und Maginia einen zeremoniellen Hexentanz um die Sterbende, während Admania am Rand gleichzeitig einen komplizierten Spruch aus dem schweren, verstaubten Zauberbuch rezitierte und daran dachte, dass die Rivalität zwischen ihr und Tess nur bestand, weil sie sich so ähnlich waren - sie liebten beide schnelle Besenritte, Hexenduelle und wilde Tänze. Eigentlich fand Adamania sich oft in Tess wieder, aber gleichzeitig hasste sie es, wenn sie irgendwo besser war als sie, weil sie eigentlich auf dem gleichen Stand waren, und sie war sich fast sicher, dass es Tesstjana genauso gehen musste.

Plötzlich begann Admanias Narbe heftig zu schmerzen und sie hatte das Gefühl verbrennen zu müssen.
Dann geschahen zwei unglaubliche Dinge gleichzeitig: Zum einen ging Adamania plötzlich in Flammen auf, das Buch fiel zu Boden und sie verschwand innerhalb eines Moments und zum anderen öffnete Tesstjana Wolkenfels ihre Augen und schaute verwirrt in die Runde.
"TESS! Du LEBST!" schrie Miriam laut auf, brach ihren Tanz ab und stürmte tränenüberflutet auf ihre Geliebte zu, um sie nach einer langen, festen Umarmung zu küssen... doch es war nicht nur Tesstjana's Bewusstsein, welche dies wahrnahm.

---
Als Adamania die Augen öffnete, bemerkte sie zu allererst, dass sie sich ihre nun plötzlich körperlose Gestalt in einem Raum mit sieben Türen befand.
Aus einer der Türen blickte ihr eine wunderschöne Miriam entgegen, die gerade dabei war sie und doch gleichzeitig Tess zu küssen - aus einer anderen sah sie eine jüngere Ausgabe von Tesstjana Wolkenstein und Adamania erkannte, dass das die Tür zu den Kindheitserinnerungen von Tesstjana war - Was war passiert?
Sie schaute sich weiter im Raum um und erblickte eine Tür, die sich deutlich von den anderen sechs unterschied: Sie war verschlossen und von tiefschwarzer Farbe.
Langsam schritt Adamania auf die unheimliche Tür zu.
Es war, als schien sie leise Flüstergeräusche von sich geben, Adamania versuchte sich zu konzentrieren, immer wieder kam ihr Name und der von Miriam drin vor!
Als sie die Türklinke berührte, durchzuckte sie ein heftiger Schmerz und ließ sie zurückweichen. Erneut lauschte sie angestrengt dem Flüstern.
Dann nahm Adamania all ihren Mut zusammen, umfasste die Klinke... bereit, trotz des Schmerzes die düstere Tür zu öffnen, als plötzlich und kraftvoll die Stimme Tesstjanas durch den Wahrnehmungsraum hallte: "NICHT!!"
"Aber welche Tür soll ich dann wählen?", fragte sie und sah sich erneut im Raum um.

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"NICHT!!", Tesstjana bäumte sich reflexartig auf und stieß Miriam dabei unabsichtlich von sich, ihre ehemals grünen Augen flackerten in einem flammengleichen Rot.
 

Chaos

Schneewittchen
Teammitglied
Sprechprobe
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AW: Satz für Satz zur Geschichte II

Das große Hexentreffen auf dem Damalsberg stand an und Tesstjana Wolkenfels freute sich darüber in ihrer vor Energie und Lebenslust nur so sprudelnden Art und Weise - hatte sie neben ihren Pflichten als Bauernstochter doch auch die Übungen für die anstehende Prüfung regelmäßig ausgeführt. Nur noch etwas Krötenessenz ins Haar, dann ging es ab auf den Besen und auf in die Lüfte. Heute - endlich - würde ihr großer Tag werden.
Wenn da nicht ihre alte Rivalin, Adamania Dunkelstein, gewesen wäre - bereits im letzten Jahr hatte diese sie sowohl im Zaubertrank-Brauen als auch im großen Besenrennen knapp geschlagen; um sie danach auch noch wegen ihrer angeblich scheußlichen, altmodischen Kleidung zu verspotten!
Aber wenn ihr Plan aufging, dann würde die sie heute nicht erscheinen können, denn das hatte Tesstjana voller Eifer versucht zu verhindern.
Da Adamania ohnehin die wohl eitelste Hexe aller Zeiten war, hatte Tesstjana gestern nur einen kleinen "Schönheitszauber" an ihr testen müssen - der würde dann hoffentlich das Übrige erledigen.
Kichernd flog sie über Wiesen und Felder, die Abendsonne verströmte wundervolles Licht und Tesstjana dachte voller Vorfreude an das Treffen auf dem Damalsberg.

Plötzlich ging ein Ruck durch Tesstjana, sie verlor das Gleichgewicht und ließ dabei unwillkürlich den Besenstil los. Sofort geriet der Flugapparat ins Trudeln und die wohl vielversprechendste Anwärterin auf den Junghexenehrenpreis wäre vermutlich an den Hängen des Morgenberges wie ein rohes Ei zerplatzt, hätte sie nicht im letzten Moment mit beiden Händen den Stil wieder hochgerissen. Dicht über den Felsen, kaum ein Fingerbreit Luft dazwischen, raste sie wie eine Rakete im halsbrecherischen Tempo zum Gipfel empor. Sie unterdrückte den Schmerz, als ein oder zwei spitze Steine ihre Knie aufschürften. Dann endlich, es schien Tesstjana schon wie eine Ewigkeit, schoß sie über dem Bergkamm hinaus, nicht ohne dass ihr Besen bei diesem Manöver einbüßen mußte.
Allmählich wurde der Flug Richtung Damalsberg wieder ruhiger und sie begann sich zu fragen, wie dieser Beinahe-Absturz nur geschehen konnte.

---

Zur gleichen Zeit bereitete sich Lady Miriam von Dämmerstein, Lordstochter und heimliche Geliebte Tesstjanas, auf dem Schloss ihres Vaters ihren eigenen Abflug zum Damalsberg vor.
Plötzlich war in der Eingangshalle ein unheimliches Gepolter und Geschreie zu vernehmen und die verwunderte Hexe beschloss, herauszufinden, was denn da unten soviel Chaos verursachte.
Es erinnerte sie an ihre Freundin, die mit ihren verrückten Einfällen und ihrer Tollpatschigkeit selbst im jugendlichen Alter von 16 Jahren jeder Achtjährigen Konkurrenz machen konnte - und wirklich, es war Tesstjana, die einen Abstecher bei ihrer Freundin machen wollte, um sie abzuholen... und beim Anflug in ein Fenster gekracht war! Sie lag nun mit vielen Schnittwunden am Boden. Miriam rannte erschrocken zu ihr und rief: "Tess, geht es dir gut?" "Bei den sieben runzeligen Kröten, dieser Besen will mich umbringen; ich weiß auch nicht, warum, aber auf einmal wollte er mir einfach nicht mehr gehorchen", ächzte Tesstjana, während sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht aufsetzte. "Ich hatte ihn gerade wieder unter Kontrolle, da raste ich auch schon mit bahnbrechender Geschwindigkeit in dein Fenster....Tut mir echt leid."

Miriam wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte, und so half sie ihrer Freundin auf die Beine, untersuchte kurz die Schnittwunden und begann dann geheimnisvolle Sprüche zu murmeln, brach aber ab, versuchte es wieder und fluchte schließlich laut auf: "Das sind keine normalen Wunden, die du da hast!!!"
Tesstjanas Augen wurden vor Schreck so groß wie Hühnereier. Das konnte nur bedeuten, dass sie mit einem Fluch belegt worden war!
"Keine Angst, Liebes!", versuchte Katja sie zu beruhigen, "Ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Los, steig hinten auf meinen Besen auf!"
Leicht schwankend nahm Tesstjana auf dem hinteren Ende von Miriam's goldverzierten Besen Platz. Zur Sicherheit band diese noch ein magisches Seil um Tess' Leib, damit sie nicht runter fiel, falls sie das Bewusstsein verlieren sollte.
Schnell informierte Miriam noch das Hausmädchen, dann gab sie ihrem Besen den Befehl so schnell wie möglich zu Maginia Dunkelstein zu fliegen - die weiseste Hexe in der Nähe und obendrein Adamanias Urgroßmutter. Vielleicht hatte sie Glück und Maginia war noch nicht zum Hexentreffen aufgebrochen.

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Unterdessen hatten sich schon einige Hexen, vor allem der Ältestenrat, auf dem Damalsberg eingefunden und waren vergnügt dabei, sich zu begrüßen und unterhalten, als es plötzlich wutentbrannt ertönte:
"Ich verlange durch öffentlichen Antrag, dass Tesstjana Wolkenfels, dieser Nichtsnutz vom Halderhof, aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen wird - und zwar für immer!"
Die keifende Stimme gehörte Adamania Dunkelstein, die mit einer hässlichen Narbe, welche sich über ihr ganzes Gesicht zog, auf den Platz gestürmt war und nun verzweifelt versuchte, sich Gehör beim Ältestenrat zu verschaffen.
"Seht nur was diese Ausgeburt der Hölle mit meinem makellosen Gesicht angestellt hat! Ja, ganz richtig, das ist eine hässliche Narbe und die habe ich nur ihr zu verdanken!", schrie sie und lief vor Wut so rot an, dass die Narbe heftig pulsierte und ihr Gesicht noch mehr verunstaltete.
Einige Hexen wichen erschrocken zurück, andere konnten sich ein Lachen nicht verkneifen... allerdings hinter vorgehaltener Hand, da Adamania in Maginia schließlich eine Urgroßmutter hatte, die hohes Ansehen unter allen Hexen genoss, auch wenn sie nicht zum Ältestenrat gehörte. Doch die Hexen drehten sich verblüfft um - es wa Maginia persönlich, die schallend lachend auf sie zukam und rief:
"Ach Adamania, das war doch nur ein einfacher Unschönheitszauber! Den kann Tesstjana - wenn auch nur sie allein - ganz leicht wieder rückgängig machen!"
Adamania erblasste.
"Du meinst, ich soll diese grauenhafte Person darum bitten, das hier rückgängig zu machen? Niemals!"
In Adamanias Kopf spielte sich zudem noch etwas ganz anderes ab - sie hatte einen schwarzen Fluch auf ihre Rivalin gelegt, um es ihr heimzuzahlen. Und wenn Adamania richtig lag und Tesstjana nicht besonders Glück gehabt hatte, dann würde sie einige Zeit Erholung brauchen, bis sie diesen Schönheitszauber wieder rückgängig machen könnte.
Verzweifelt blickte sie sich um und hoffte für einen kurzen Moment inständig - so komisch es auch klingen mochte - dass ihr Fluch fehlgeschlagen war und Tesstjana im nächsten Moment wohlbehalten hier landen würde, um diese scheußliche Narbe wieder verschwinden zu lassen.

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Miriam war mit Tesstjana im Schlepptau unterdessen zur alten Hütte von Maginia Dunkelstein geflogen - doch sie fanden es verlassen vor und Tasstjana ging es immer schlechter, sie atmete nur noch stoßweise und ihr brach kalter Schweiß auf der Stirn aus - Falls sie nicht bald Hilfe bekam würde es richtig heikel werden. Miriam, die schon ganz verzweifelt war vor Sorge um ihre sterbende Begleiterin - denn sterben würde sie mit Sicherheit, wenn ihr nicht bald Hilfe zuteil wurde -, durchschritt panisch die Hütte der alten Maginia, durchwühlte Truhen und blätterte in alten, verstaubten Hexenbüchern, aber nichts schien auch nur den Anschein von möglicher Hilfe zu erwecken.

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Adamanias Antrag schien für die Hexen aus dem Kreis der Ältesten erledigt und die Hexen fingen an, sich zu zerstreuen, um sich auf die bevorstehenden Rennen vorzubereiten - doch Maginia hatte Adamanias erbleichendes Gesicht bemerkt und als niemand mehr in der Nähe der beiden zu sein schien schritt sie auf sie zu und fragte ihre Urenkelin was das alles zu bedeuten hatte. Unter dem strengen Blick ihrer Urgroßmutter begann Adamania zu stottern:
"I-i-i-chm, ähm, also, w-w-w-w-arum schaust du mich s-so streng an, i-i-i-ch, hab doch n-n-nichts getan, ich habe nichts, rein gar nichts damit zu tun, geschweige denn habe ich Rache geübt, o-o-oder was du jetzt auch d-denken magst."

"WAS hast du getan?" fragte die Großmutter ein zweites Mal und sie betrachtete besorgt das aufglühende Gesicht ihrer Enkelin - die Narbe schien sich grünlich zu verfärben - und die weise Maginia wusste was das zu bedeuten hatte: Wenn die Person, die einen Zauber ausgeführt hatte, an den Folgen eines Fluches starb, dann wurde derjenige, auf den der Zauber abgezielt hatte diesen nie mehr los; wenn es wie in Adamania's Beispiel ein Unschönheitszauber war, dann verfärbten sich die Auswirkungen zunächst grün, bis sie schlussendlich schwarz oder rot wurden. Kein Zweifel - Tesstjana musste im Sterben liegen!

Schockiert blickte Maginia in die Augen ihrer Enkelin und sprach: "Sag nichts mehr, ich weiß was du getan hast und das wird vielleicht schlimme Folgen haben - wie konntest du nur so töricht sein und wegen einer kleinen Narbe wie dieser einen mächtigen Fluch aussprechen? Und so etwas kommt von meiner Urenkelin; ich bin enttäuscht, zutiefst enttäuscht Adamania! Weißt denn zumindest, was dieser Fluch genau anrichtet? Schnell, sag es mir, damit ich herausfinden kann, ob überhaupt noch Hoffnung für Tesstjana besteht."

Adamania begann unter Tränen von ihrem ausgeführten Fluch zu erzählen - sie hatte ihn aus einem der Bücher ihrer Urgoßmutter einmal abgeschrieben, sich aber die genaue Wirkung nicht gemerkt - sie hatte nur versucht all ihre Wut mit in den Fluch zu legen.
"Gnade, Gnade dir Kind, dass das nicht einer dieser uralten Dämonen-Flüche war!", knurrte Maginia "Denn dann gibt es fast keine Hoffnung mehr! Wir werde jetzt unverzüglich nach Tesstjana suchen!"
"Ich weiß noch, dass ich mir vorgestellt habe, wie sie in meinen Spiegel fliegt und mein Spiegelbild so nicht mehr zu sehen ist, dann habe ich kurz den Anschluss vergessen..." schluchzte Adamania unter dem bohrenden Blick ihrer Großmutter. Diese erwiderte: "Dann ist sie vielleicht irgendwo in ein andere spiegelnde Scheibe geflogen, konzentrier dich Mädchen und sag mir wo ... sie ... ist... ! Geh in dich rein und fühle deine Wut und die Richtung, in die sie Tesstjana wahrscheinlich gelenkt hat."

Bei dieser Aufforderung errötete Adamania, denn sie erinnerte sich plötzlich, dass ihre Gedanken beim Ausüben des Fluches zu Miriam von Dämmerstein abgeschweift waren - sie hatte an ihr schönes Gesicht gedacht, die wohlgeformten Lippen immer bereit sich zu einem fröhlichen, so wundervoll klingenden Lachen zu öffnen, dass Adamania ganz verrückt danach war, es immer und immer wieder zu hören - nur leider liebte Miriam Tesstjana, weswegen sie sich nichts sehnlicher wünschte, dass diese endlich ein für alle Mal von der Bildfläche verschwinden würde!
"Nun?" Der Ton von Maginia schien sanfter zu werden, sie war schon immer gut darin gewesen, Adamanias Gefühlen zuzuhören und obwohl ihre Großmutter oft streng wirkte, war sie die einzige Person, der sie anvertraut hatte, dass sie Frauen lieber mochte als Männer.
"Ich denke sie ist bei Miriam..." flüsterte Adamania.

So schnell es ging stiegen die beiden auf ihren Besen und flogen zu Schloss Dämmerstein, wo sie das Hausmädchen Inge fanden, welche gerade dabei war, die Fensterscheibe zu reparieren. Inge gab ihnen die Auskunft, dass Lady Miriam und Tesstjana bereits vor kurzer Zeit abgereist waren - Tesstjana wäre dabei besonders wackelig auf den Beinen und nicht mehr in der Lage zu fliegen gewesen.
Adamania begann zu wimmern - als sie die Glascheibe mit den Blutspritzern gesehen hatte, war ihr endlich bewusst geworden, was sie da eigentlich gemacht hatte! Sie hatte versucht einen Menschen umzubringen - vielleicht nicht mit Absicht, aber auch wenn sie im Augenblick furchtbar wütend auf Tesstjana war - sie wollte sicher nicht, dass sie starb.
Doch für übermäßige Trauer blieb keine Zeit und so machten sich beide Hexen wieder auf den Weg - diesmal zu Maginias Hexenhütte, denn es erschien der alten Hexe am wahrscheinlichsten, dass Miriam bei ihr hatte Hilfe holen wollen, da sie die einzige mächtige Hexe in der Nähe war.

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Miriam war unterdessen vollkommen verzweifelt - Tesstjana hatte ihr Bewusstsein bereits verloren. Die sonst so energiegeladene junge Hexe, die sie liebte, wich einer bleichen, mit Blut befleckten und vollkommen stummen Tess - Miriam wusste weder ein noch aus, setzte sich unter den Baum neben Maginias Hütte, bettete Tess Kopf auf ihre Beine und begann zu weinen.

Ihr herzzerreißendes Schluchzen wurde abrupt vom energischen Rufen der alten Maginia gestört, welche sich zusammen mit Adamania auf ihren Besen reitend im Landeanflug befand. Als sie den Boden berührte, begann sie mit krächzender Stimme zu dirigieren: "Schnell, Adamania, hol das alte Hexenbuch und die magische Kreide, um einen Zauberkreis zu zeichnen. Die, welche auch auf Gras zeichnet!" Sie wandte sich eilig Miriam zu: "Und du hör auf zu heulen, dadurch überlebt Tess bestimmt nicht! Leg sie hier auf den Boden - ja genau dort. Und nun Adamania, konzentrierst du dich und versuchst ernsthaft deine Taten zu bereuen; am besten denkst du jetzt an die guten Seiten von Tess, damit wir sie überhaupt wieder zum Leben erwecken, denn wenn ich mich nicht täusche...", dabei beäugte sie Tesstjana kritisch und entdeckte den schwazstich im Weiß ihres Augapfels, "...bleiben uns nur noch wenige Minuten!"

Die Mädchen versuchten die Anweisungen so gut es ging zu erfüllen. Adamania rannte in die Hütte und fand das Hexenbuch und die Kreide mit einem Griff. Als sie Tesstjana auf Miriams Schoß gebettet unter dem Baum gesehen hatte, gab ihr das einen kleinen Stich der Eifersucht. Doch jetzt wollte sie Miriam nur noch glücklich sehen - und Tess lebendig!
Ihr wurde plötzlich bewusst, dass die Ärgereien mit Tess eigentlich immer nur Spaß gewesen waren und dass sie die kleine stupsnasige Frohnatur nicht immer hasste.
Als Tess also im Zauberkreis lag, begannen Miriam und Maginia einen zeremoniellen Hexentanz um die Sterbende, während Admania am Rand gleichzeitig einen komplizierten Spruch aus dem schweren, verstaubten Zauberbuch rezitierte und daran dachte, dass die Rivalität zwischen ihr und Tess nur bestand, weil sie sich so ähnlich waren - sie liebten beide schnelle Besenritte, Hexenduelle und wilde Tänze. Eigentlich fand Adamania sich oft in Tess wieder, aber gleichzeitig hasste sie es, wenn sie irgendwo besser war als sie, weil sie eigentlich auf dem gleichen Stand waren, und sie war sich fast sicher, dass es Tesstjana genauso gehen musste.

Plötzlich begann Admanias Narbe heftig zu schmerzen und sie hatte das Gefühl verbrennen zu müssen.
Dann geschahen zwei unglaubliche Dinge gleichzeitig: Zum einen ging Adamania plötzlich in Flammen auf, das Buch fiel zu Boden und sie verschwand innerhalb eines Moments und zum anderen öffnete Tesstjana Wolkenfels ihre Augen und schaute verwirrt in die Runde.
"TESS! Du LEBST!" schrie Miriam laut auf, brach ihren Tanz ab und stürmte tränenüberflutet auf ihre Geliebte zu, um sie nach einer langen, festen Umarmung zu küssen... doch es war nicht nur Tesstjana's Bewusstsein, welche dies wahrnahm.

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Als Adamania die Augen öffnete, bemerkte sie zu allererst, dass sie sich ihre nun plötzlich körperlose Gestalt in einem Raum mit sieben Türen befand.
Aus einer der Türen blickte ihr eine wunderschöne Miriam entgegen, die gerade dabei war sie und doch gleichzeitig Tess zu küssen - aus einer anderen sah sie eine jüngere Ausgabe von Tesstjana Wolkenstein und Adamania erkannte, dass das die Tür zu den Kindheitserinnerungen von Tesstjana war - Was war passiert?
Sie schaute sich weiter im Raum um und erblickte eine Tür, die sich deutlich von den anderen sechs unterschied: Sie war verschlossen und von tiefschwarzer Farbe.
Langsam schritt Adamania auf die unheimliche Tür zu.
Es war, als schien sie leise Flüstergeräusche von sich geben, Adamania versuchte sich zu konzentrieren, immer wieder kam ihr Name und der von Miriam drin vor!
Als sie die Türklinke berührte, durchzuckte sie ein heftiger Schmerz und ließ sie zurückweichen. Erneut lauschte sie angestrengt dem Flüstern.
Dann nahm Adamania all ihren Mut zusammen, umfasste die Klinke... bereit, trotz des Schmerzes die düstere Tür zu öffnen, als plötzlich und kraftvoll die Stimme Tesstjanas durch den Wahrnehmungsraum hallte: "NICHT!!"
"Aber welche Tür soll ich dann wählen?", fragte sie und sah sich erneut im Raum um.

-----

"NICHT!!", Tesstjana bäumte sich reflexartig auf und stieß Miriam dabei unabsichtlich von sich, ihre ehemals grünen Augen flackerten in einem flammengleichen Rot.
Miriam stolperte und fiel, aber das machte ihr nichts aus - vielmehr sorgte sie sich um ihre Freundin und fragte sich, was zum Teufel gerade mit ihr geschah.
 
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