Grundsatzdiskussion - Stimmgestaltung im deutschen Hörspiel

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Sirius

Super-Hoertalker
@PeBu34 Produktionen wie hier im Hoer-Talk meinte ich auf keinen Fall! Hier ist ja vollkommen klar, dass an einem unkommerziellen Hörspiel gearbeitet wird und der hier praktizierte Workflow ist dafür super, da so jedem, auch ohne Super-Studio, etc., die Möglichkeit gegeben wird an Hörspielproduktionen mitzuwirken :)

Mir geht es tatsächlich eher um kommerzielle Hörspiele wo Leute Geld in die Produktion investieren und ich frage mich ob die Budgets, so wie sie aktuell verteilt werden, optimal eingesetzt werden.

Bei vielen Hörspielformaten kann es bei guter Regieführung auch durchaus möglich sein mit getrennten Aufnahmen wunderbare Ergebnisse zu erzielen. Ich denke aber, dass das nur bei Genres möglich ist, bei welchen das Sounddesign einen größeren Stellenwert hat und maßgeblich das Timing der Sprache mitbeeinflusst, wie bsp. Fantasy, Sci-Fi oder Abenteuer/Action.
Bei dialoglastigen Genres wie Drama, Komödie oder Thriller bin ich jedoch schon der Überzeugung, dass eine gemeinsame Aufnahme bessere Endergebnisse liefert und sich der Kostenmehraufwand durch geringere Kosten im Schnitt relativiert. Denn wenn schon in der Aufnahme von den Sprechern ein gutes Timing zueinander erzielt wird muss man es nicht erst in der Postproduktion basteln.

Dem stimme ich dir nur zum Teil zu. Kleinmembraner haben ihre Stärken im Regelfall vorallem in den Höheren Frequenzen(weswegen man sie auch im Aufnahmebereich von Instrumenten oft wiederfindet) während die Großmembraner mehr die Allrounder sind.
Das stimmt meiner Ansicht nach nicht, bzw. habe ich im Studium genau gegenteiliges gelernt. Nur ein gutes Kleinmembranmikrofon kann einen nahezu komplett ausgewogenen Frequenzganz erzielen, während ein Großmembraner immer Abweichungen hat.

Beispielsweise hier die Frequenzverteilung zweier häufig verwendeter Großmembranmikrofone (Neumann U87, Rode NTG1A):




Und zum Vergleich hier die Frequenzdiagramme zweier Kleinmembraner mit Nierencharakteristik, die ich sehr gerne verwende (Sennheiser MKH40, Schoeps MK4):

 

Grissom

Super-Hoertalker
Sprechprobe
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Ich persönlich kann mit dem Originalton bei Filmen oder Serien nichts anfangen, bei ausländischen Produktionen finde ich das noch einigermaßen erträglich, aber deutsche Produktionen stoßen mich akustisch total ab. Sei es der Sprachduktus oder auch der Klang der Tonaufnahmen. Aber das ist wie oben schon erwähnt nur mein eigener Geschmack.
 

schaldek

zuckerfrei
Teammitglied
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deutsche Produktionen stoßen mich akustisch total ab. Sei es der Sprachduktus oder auch der Klang der Tonaufnahmen.
... oh, da gehe ich absolut mit. So unglaublich viele SprecherInnen scheinen echt die Lizenz zum Nuscheln zu haben, und es mit einer tiefgründigen Darstellung ihrer Figur gleichzusetzen; das macht mich regelmäßig kirre.

Was große, kommerzielle Produktionen und ihre Produktionsweise betrifft, muss ich sagen: hey, genau dass man sich darüber nicht aufregen muss, gibt es doch das Forum. Wir können selbst entscheiden, wieviel Wert, Liebe und Arbeit wir investieren wollen. Und allein das "Wollen" hat dem Forum schon eine Menge Hörspiele beschert, die m. M. n. weit über dem Durchschnitt bei vielen kommerziellen liegt.
Das, was viele hier machen, ist für mich kein "Versuch" an kommerzielle Produktionen heranzukommen, sondern
die Hörspiele zu machen, die man selbst hören möchte. Und das gilt auch für die Art der Produktion.:)
Also ran! :cool:
 
Zuletzt bearbeitet:

Bene

Hoertalker
@PeBu34
Das stimmt meiner Ansicht nach nicht, bzw. habe ich im Studium genau gegenteiliges gelernt. Nur ein gutes Kleinmembranmikrofon kann einen nahezu komplett ausgewogenen Frequenzganz erzielen, während ein Großmembraner immer Abweichungen hat.

Beispielsweise hier die Frequenzverteilung zweier häufig verwendeter Großmembranmikrofone (Neumann U87, Rode NTG1A):




Und zum Vergleich hier die Frequenzdiagramme zweier Kleinmembraner mit Nierencharakteristik, die ich sehr gerne verwende (Sennheiser MKH40, Schoeps MK4):

Hey ich habe es nicht studiert und kann nur aus Erfahrungen und belesenem sprechen und lasse mich gern besseren belehren ;-)
Aus welchem Grund hast du denn den Hochpassfilter auf - 10 HZ gesetzt?

Ist es bei beiden Signalen derselbe Sound?

Ich nutze die Großmembraner einfach hauptsächlich weil sie zumeist den Stimmenklang ins Wärmere setzen und bei Instrumenten Aufnahmen wie z.B. Gitarre nutze ich ein Klein und ein Großmembraner.
 

Dagmar

I'm not weird, I'm gifted
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Ich glaube das wird auch stark aus dem Synchronbereich beeinflusst. Da empfinde ich es genauso, insbesondere wenn man ne weile eine Serie im Original geschaut und dann zwischendrin mal auf die Sychronspur gewechselt hat: das Deutsche ist immer viel näher, präsenter, cleaner, da wird weniger geatmet, geschmatzt, weniger Raum und Distanz bespielt. Ich finde das auch sehr schade.
Wenn ich dann alte Radiohörspiele höre fällt mir immer sofort auf dass die zwar ggf. etwas "theatraler" gespielt sind, aber trotzdem irgendwie oft mehr Leichtigkeit haben. Da wird auch mal genuschelt und geschmatzt, weil der Durchlauf halt so war, und es gut passt. Da wird über Distanzen gespielt, in unterschiedlichen Räumen aufgenommen, durch den Raum gegangen, und das überträgt sich dann irgendwie auch aufs Spiel, das kann man nachträglich nur schwer mit technischen Mitteln imitieren.
Durch das X-en das heutzutage ja fast immer der Fall ist, nimmt man ja jeden Satz eh einzeln auf, dann kann man den "nochmal schön" machen wenn er unsauber war. Und am Ende ist eben ALLES supi schön sauber. Viele Sprecher sind dann ja auch noch total viel im Synchron unterwegs und haben da halt auch ihren Synchrosprech noch drin, der ja auch ok und nach Spiel klingt, aber eben das letzte Quentchen Authentizität vermissen lässt.
Ich denk es ist auch sauschwer als Regie wirklich diesen letzten Funken "authentisch" rauszukitzeln wenn die Leute alle einzeln und ohne Dialogpartner im Studio stehen. Bzw. klappt es dann bei einzelnen Rollen, aber nicht bei allen. Bei manchen audible-Originals z.B. ist mir das auch aufgefallen. Es gibt ein paar Sprecher, die es schaffen mega authentisch und "beiläufig" zu klingen, und andere spielen auch gut, aber klingen eben nach Synchronspur von nem Film. Alles sind aber langjährige Profis.

Neben den Sprechern fällt mir das auch bei der Soundgestaltung auf. Es ist halt möglich jedes noch so winzige Kleiderrascheln usw. zu vertonen, jede Explosion noch mehr aufzupusten etc... Manchmal fühl ich mich dann regelrecht von den Sounds erdrückt, mir ist das alles zu viel, zu perfekt, zu gewaltig. Als würde man mir jede eigene Fantasie nehmen wollen. Mir reicht es wenn ich in den Stimmen höre, dass die Leute sich bewegen. Vielleicht mal paar Schrittgeräusche. Aber ich muss nich noch 200 Vögel, die Autobahn, das Geraschel der 80%Viskose, 20% Elasthan-Jacke auf linksgeklöppeltem Angoraschal und das Vibrieren eines Handys von dem für die Handlung völlig irrelevanten Joggers im Hintergrund haben, wenn sich eigentlich nur 2 Leute über irgendwas Spanenndes unterhalten. Mir wäre da viel wichtiger dass der Dialog flüssig und "realistisch" ist, dass vielleicht auch mal ein ähm oder ein Atmer an der "falschen", weil authentischen Stelle gesetzt ist, dass ich die zuhörende Person auch noch als präsent wahrnehme weil sie mal atmet etc.

Aber das ist wohl auch Geschmackssache... andere Hörer stehen grade auf so bombastische Soundkulissen.

Edit: grade den Beitrag von @derFlüsterer gelesen: 100% genau meine Meinung! Die Paul Temples sind ein wunderschönes Beispiel.
 

Finsterkev

Autor/ Cutter/ Hörspielmacher
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Spannendes Thema. Kann jetzt nur aus Sicht eines Studenten/ Hobbyisten sprechen, falls das andere, professionelle Gründe hat, möge man mich gern korrigieren, denn ich bin der Ansicht, man nimmt die Spuren einzeln auf und bürstet sie möglichst clean, um damit vernünftig weiterarbeiten zu können.
Dank extrem potenter Software stehen uns im Cut/Mastering eine riesige Auswahl an Werkzeugen zur Verfügung, um mit den Aufnahmen "spielen" zu können. Gerade beim Thema Hall/Echo ist das, zumindest meiner Erfahrung nach, wichtig:
Mit einer möglichst neutralen, hallfreien Aufnahme nah am Mikro kann ich viel präziser Arbeiten und den Raumhall einstellen, als mit einer, die bereits von sich aus Hall mitbringt. Eine cleane Aufnahme kann ich einfacher im Mastering von links nach rechts "bewegen" und anpassen, als eine, bei der die Sprecherin vor dem Mikro von links nach rechts gelaufen ist. Ich bin mit einzelnen, cleanen Aufnahmen in Nahaufnahme einfach viel flexibler. Es ist ja sogar möglich, das ganze binaural einzustellen und Stimmen "hinter" den Hörer zu legen, was bei der Aufnahme sehjr aufwändig und mit Nebenerzeugnissen (Hall, Dumpfheit u.ä.) belegt wäre

Was das Zusammenspiel angeht, ist es wohl die Frage, ob man sich den Aufwand vor dem Sprechen mit ausgiebigen Proben, in der Regie mit möglichst detaillierten Anweisungen oder im Schnitt/Mastering mit Atmern und Sprechertrennung macht. Ich nehme die Leute in der Regel einzeln auf und briefe sie die ganze Zeit und lese auch mal vom Schriebtisch aus die Texte des Gesprächspartners ein, um einen Flow zu simulieren und habe den Eindruck, dass es soweit ganz gut funktioniert. Neulich haben wir mal tatsächlich zu zweit vor dem Mikro gestanden und es gab im Cut dann Probleme, sobald einer in den Text des anderen reingeatmet hat.

Das waren so meine Erfahrungen, was meinen Geschmack angeht, so liebe ich das sogenannte "overacting" beim Sprechen, weil ich finde, je übertriebener der Sprecher ist, desto interessanter kommt es beim Zuhörer an. Das ist aber bei weitem nicht allgemeingültig, falsch platziertes Übertreiben kann eine Aufnahme/ einen Dialog böse verhunzen.

Desweiteren schließe ich mich der Meinung an, dass es mehr als gefühlte fünf Stimmen im professionellen Bereich geben sollte. Ich freue mich immer, wenn ich, egal ob im Hobby oder Profibereich, mal Stimmen höre, zu denen ich nciht direkt ein Gesicht im Kopf habe. Vor allem im Synchro-Bereich.
 

Killip

Killip
@Sirius damit rennst du bei vielen bestimmt die Türen ein. Ich bin 100% deiner Meinung.

Ich glaube das Problem ist heute einfach die perfekte Technik und Software und der fehlende Mut der Tonleute, einfach mal der kreativität vor dem Mikrofon freien Lauf zu lassen. Und die Tools die sie haben kreativ einzusetzen und nicht alles Aalglatt zu bügeln und Fett zu mischen. Da haben die alten richtigen Toningenieure und Echten Tonmeister uns jungen Audiofutzis was vorraus ;) Wenn ich mehr Luft habe werde ich hier mal weiter ausholen.
 

Phollux

Robert Kerick
Teammitglied
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Wie heißen doch gleich die Gründe die gegen die, nennen wir sie "schauspielerisch-qualitativ-hochwertige-Ensemle-Aufnahmen" sprechen?
1. Geld, 2. Geld und 3. Geld...
Sonst hätte sich das x-en gar nicht soweit durchgesetzt.
@Sirius Wie läuft das denn im Film, wie werden dort Ensembleaufnahmen geplant damit sie am wirtschaftlichsten ablaufen? Sicherlich werden im Vorfeld (sprich bereits als Vorgaben für den Drehbuchautoren) Entscheidungen getroffen um die Kosten überschaubar zu halten, oder? Ich denke da an max. zul. Schauspielerzahl, Kulissen kompl. in CGI usw.
 

Killip

Killip
Ich meine wenn man sich die Interviews von den Mediapaten auf YT anschaut, erzählen ja viele, dass man damals eher gemeinsam und zusammen gespielt hat, wohingegen heutzutage (aus Kostengründen) hautsächlich separat aufgenommen (ge'x't) wird
Die Zusammenarbeit zweier oder mehrerer Schauspieler im Studio ist einfach nur erfrischend ;) ich hatte in meiner bisherigen Studiozeit zweimal das vergnügen. Und die Kollegen erzählen heute noch wie großartig die das fanden.
 

Killip

Killip
Ich höre oft im Studio so Kommentare wie, wenn der Typ ne Maske aufhat „das machen die dann in der Mischung“ Pustekuchen in der Mischung haben die gar keine Zeit für sowas. Also setz ich dem Typ ne Maske auf ;) oder der Spricht in ne Tasse, na dann lass ich den Kollegen in eine Tasse sprechen etc. Wenn man einmal in einer Kinomischung für Synchronisation gesessen hat, weis man erstmal wie wenig von den Möglichkeiten aus Zeitgründen ausgenutzt werden kann.

Ich übertrage das jetzt mal frecherweise auf das gemeine Hörspiel. Wenn ein Sprecher das aufstehen und hinsetzen nicht mitspielt naja was soll man in der Mischung draus machen. Die kreativität und das spiel und die bewegung, das passiert alles vor dem Mikro nicht danach. Wenn ich aber alles super trocken aufnehme, weil ich angst vorm Raumhall habe, und alle Möglichkeiten haben will das Signal zu bearbeiten (die ja später sowieso nicht ausgenutzt werden können) naja dann lässt das auch so gut wie kein Spiel zu und da liegt ja das Hauptproblem. Aufgrund unseren heutigen versauten Hörgewohnheiten, wird alles nur noch platt gemacht. Dynamic weg = Spiel weg. Spiel ist dynamic ist gleich laut und leise ist gleich bewegung vor dem mikro ist gleich bewegung in den hohen frequenzen „on mic“ „off mic“ diese Denke wird in den Kommerziellen Produktionen zumindest zum großteil nicht mehr zugelassen. Ist ka das selbe in der Musik, alles nur noch Fett, klingt halt alles gleich.

Aber es ist natürlich schwierig in einem Kommerziellen Hörspiel wo du eine Regie hast die vielleicht später garnicht beim Cutter, Sounddesigner oder Mischer nebendran sitzt und sagen kann hier hab ich das so gemeint und hier so. Das muss alles das Script vorgeben. Und alle müssen verstehen wie was gemeint ist, damit es nach den Aufnahmen nicht zu kontraproduktiven entscheidungen kommt. Da kann ich schon verstehen, dass die Entscheidung heisst, schön direkt aufnehmen, dann haben wir alle Möglichkeiten. Aber alle Möglichkeiten zu haben ist Gift für kreative Prozesse. Tja und nun?

Wenn ich die Aufnahmen für mein Hörspiel mache, dann hab ich schon genau im Kopf wie die Szene später aussehen wird, wie ich sie auditiv gestalte, daher kann ich natürlich genaue Regieanweisungen geben. Spiel mal da hinsetzen und spiel mal da laufen mit. Das kann ich aber nur, weil ich später das Sounddesign und die Mischung mache. Mich würde mal interessieren ob es bei kommerziellen Produktionen noch leute gibt die das Gesamtwerk vor augen haben und daraus kreative Entscheidungen treffen.

Ich weis nicht ob mir noch jemand Folgen kann irgendwie ist das jetzt ziemlich ausschweifend und durcheinander geworden...
 

Killip

Killip
Ach ja und ein Gedanke noch zur Sauberkeit der Sprache.

Folgende Szene: ein Mensch spricht mit einer Computerstimme. Worst Case: Ich nehme alles dicht auf wegen des bösen Raumhalls und weil ich die technischen Möglichkeiten habe, putze ich beide Aufnahmen bis sie super sauber sind und ich EQ beide Stimmen bis sie Perfekt klingen. Na...welche Stimme ist der Computer und welche der Mensch.

Warum nicht so: Ich putze nur die Computerstimme bis sie Perfekt ist und den Mensch lass ich mit all seinen Ecken und Kanten und geschmatze etc. Voila am besten ich mach die Stimme noch etwas schmaler mit dem EQ oder noch besser. Ich nehme gleich die Computerstimme sehr dicht am Mikro auf und den Mensch weiter weg, dann klingt er so schon schmaler als der Computer. Oder noch besser Computer Großmembran und dicht, Mensch Kleinmembran und weniger dicht. Und schon sind die Würfel gefallen ;)
 

wer.n wilke

wer.n the voice
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Warum wird ein Hörspiel nicht wie ein Film inszeniert und aufgenommen?
Tja - das geschieht, wenn auch eher selten, doch noch zuweilen. "Das Luferhaus" (Johanna Steiner) z.B. hat ein Experiment unternommen und in einem abgelegenen Haus ein Hörspiel live aufgenommen, mit teils improvisierten Texten. Ähnlich einem Theaterstück, nur mikrophoniert. Der WDR und SWR unterhalten noch den Luxus von Hörspielabteilungen, die unter quasi Livebedingungen produzieren. Und ja: da werden oder wurden Räume nachgebaut, mit Mobiliar, Schränken, Treppen, Türen etc., damit das alles max echt klingt. Christian Rode (RIP) erzählte einmal, dass er mal stunden lang in einer Badewanne liegen und sprechen musste, damit die Rolle auch echt echt klang.

Aber ja: ist richtig teuer und nur die großen Rundfunkabteilungen können sich noch den Spaß erlauben, wenn auch unter den skeptisch Blicken derer, die in KleinstLabels mit KleinstBudgets doch teiweise Erstaunliches, wie ich finde, zu Wege bringen. Stein/Hard z.B. lassen ihre Protagonisten zumindest im Ensemble einsprechen. (Vgl. Twilight Mysteries) oder die Truppe um Tommy Krappweis, die mit Ghostsitter ebenso im Ensemble aufnehmen. Aber ist halt - richtig - teuer.

Man darf auch nicht vergessen, dass das Hörspiel in den guten, alten Zeiten eine ganz eigenständige (Literatur-) Gattung war und für viele Kino- & TV-Ersatz. In den 50iger/60iger Jahren hatte nicht jeder ein TV, und wenn gabs 1 - 2 - 3 Programme, incl. Pausenzeichen zwischen 12 und 16 Uhr und ab 0 Uhr. Natürlich hatte da ein Hörspiel ein ganz anderes Gewicht und die Funkhäuser trieben allen Aufwand, der unterhalb der einer Filmproduktion gerade noch möglich war.
Und natürlich, die bekanntesten Bühnen-, Film & Fernseh Schauspieler kamen da zusammen und holla - aber manchmal auch hoppla - nicht alles war Gold, was dabei herauskam.

Nun sind ja auch heute die meisten Hörspiel/Synchron-Sprecher gestandene Schauspieler auch - und nicht alle sind nur Sprechschulenschüler. Nur, man ertrinkt ja fast in einer unüberschaubaren Flut von Hörspielen und die Verkaufszahlen/Stck bewegen sich eher am Abgrund, will man den Pessimisten glauben. Mittlerweile sind ja die Aufnahmegeräte derart billig, dass sogar unsereins ein ordentliches Tonstudio daHeim sich einrichten kann. Da passt dann allerdings auch nur knapp eine Person rein. Und steht mit'm Arsch anner Kabinenwand.

Ja, früher ... da wurde noch geraucht im Atelier und wenns mal klemmte, n Schnappi dazu. Nur, wenn sich einer im Ensemble versprach, musste die ganze Session ... alles auf Anfang. Müssen tolle Zeiten gewesen sein.

Ich selber -?- sprech auch gern solo ein. Da kann ich mir alle Fehler erlauben und so lange feilen, bis es passt. Ich denke, meine Hörer wissen, wovon ich spreche.

Und warum wird nicht mit Kleinmembran-Mikrofonen ohne Nahbesprechung aufgenommen, wenn es doch ein viel transparenteres Klangbild bietet?
Ja. Kleinmembraner sind transparenter, denn: kleine Membran = kleine Masse = präziseres Ein- und Ausschwingverhalten. (Hat nix mit dem Frequenzgang zu tun) Aber auch kleinere elektrische Leistung und so kleinerer Rauschabstand. Großmembran = größere Masse = träge, aber dafür größere elektrische Leistung und größer der Rauschabstand. Allerdings fällt das bei hochwertigen Geräten heut-zu-tage kaum noch ins Gewicht. Und ist eher ne Geschmacksfrage. Die meisten größeren Studios haben wohl beide Möglichkeiten.

Trotzdem, lieber Sirius: von hier aus noch einmal: Herzlichen GlückWunsch zum bestandenen Ton=Welt=Meister! Vll traust Du Dich ja nochmal in die Niederungen des reinen AmateurHörspiels? Cutter z.B. sind hier immer gern gesehn und nat. auch Soundzauberer und Tonmechaniker.
 

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