Marco

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Hallo an alle Audioworker.
Ich habe eine Frage. Normalerweise bekommt man eine akustische räumliche Darstellung nur in Stereo. Aber kann man auch in Mono Räumlichkeiten darstellen?
Ich gehe schon seit letztes Jahr damit schwanger ein Hörspiel á la Paul Temple zu schreiben. Um an das Original so nah wie möglich zu kommen, wird es natürlich eine Monoproduktion.
Wenn ich jedoch die alten Temple-Hörspiele höre, so habe ich schon einen räumlichen Eindruck. Das kann natürlich auch meiner Fantasie geschuldet sein.
 

soundjob

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Moin Marco,

selbstverfreilicht gibt es auch monophone Räumlichkeit, denn sie ist sogar ein ganz natürlicher psychoakustischer Effekt, der insbesondere Tiefeninformation wiedergibt.

Je weiter weg eine Quelle vom "Vorne" ist, um so enger (als auch diffuser) wird eine räumliche Ausbreitung. (Zusätzlich verändern sich auch Frequenzbilder).
Man stelle sich grafisch ein auf den Kopf gestelltes Dreieck vor.... oder bildlich denke man gerade beispielsweise an irgendein Tierlaut, irgendwo ganz weit weg dahinten im Walde.

Die haargenaue Position des Tierlauts wird sich zwar nicht bestimmen lassen, außer das es "irgendwo aus dieser Richtung zu kommen scheint", aber wir haben eine "ungefähre Tiefeninformation".
Würde die Quelle stereophon in der Breite noch relativ gut und präzise verortbar sein, so wird sich die Quelle i.d.R. auch nicht sehr weit weg von uns befinden. Wird sie hingegen zunehmend monophoner, um so weiter weg befindet sie sich.
Diesen ganz natürlichen Umstand macht man sich auch in einem Mix und der sogenannten Tiefenstaffelung zunutze.

Mixing-Praxis: Wir haben zwar eine breite Stereobühne, welche vor allem Near&Midfield-Ereignisse als "Vorne" definitert , doch wird z.B. ein sehr enger Hall/Echo, (nahezu fast schon monophon klingend), bzw. zur räumlichen Begrenzung und Positionierung Stereo-Imager eingesetzt, um Sounds zunehmend weiter hinten in der Tiefe zu verrücken.
Das ist der psychoakustische Effekt "monophoner" klingender Effekte.

Bei Monoaufnahmen (Stimme) kann natürlich auch durch eine nicht so gute akustische Optimierung "Rauminformation" auf die Aufnahme gelangen.
Teils ist das sogar gewollt, um einem "tontechnisch klinischem Vakuum" zu entgehen und natürliche Räumlichkeit (Authentizität) mitzunehmen.
Ein anderer Punkt ist aber auch, dass Aufnahmen nicht immer wirklich monophon sind, nur weil sie lediglich vermehrt in der (monophonen) Mitte verortet sind...

In den guten alten Zeiten, als noch mehrere Sprecher an einem Tisch saßen- jeder vor seinem eigenen Mikrofon, fand natürlich auch ein sogenanntes "Übersprechen" von Mikrofonen statt.
Sprache und Rauminformation haben sich natürlich auch über die anderen Mikrofone übertragen, bzw. wurden somit auch immer ein klein wenig anteilig über die anderen Mikrofone mit aufgenommen, wenngleich gerade jemand anders mit seinem Text und Sprechen dran war.
 

Marco

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Vielen lieben Dank für die Erklärung. Dann war mein Eindruck ja doch nicht so verkehrt.
Bei Paul Temple Hörspiele wurde scheinbar auch in einem Studio aufgenommen, bzw. auf einer Bühne.
 
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