Poldi

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Die Earlam Chroniken – 1. Die Apostel der Apokalypse

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Erster Eindruck: Geheimnisvoller Krimi

Seit einem Unfall, bei dem Paul Earlam nicht nur seine Verlobte verloren hat, sondern seitdem auch an den Rollstuhl gefesselt ist, hat er seinen Lebensmut verloren. Dann bringt sein Bruder Ethan den ehemaligen Polizisten auf die Spur einer vermissten jungen Frau. Obwohl die Behörden aufgegeben haben, ermittelt Paul, und stellt schon bald eine Parallele zu einem anderen Fall her...

Die Earlam Chroniken des kleinen Labels Independent Standard sind ihre erste Produktion überhaupt, seit dem Start im Jahr 2009 sind nun schon drei Folgen erschienen. Die erste Folge, die ihr erstes Hörspiel überhaupt war, trägt den Titel „Die Apostel der Apokalypse“ und steckt zunächst einmal die Rahmenbedingungen der Charaktere ab. Doch dies geschieht hier nicht mit ellenlangen Erklärungen, sondern in den Beschreibungen, die wie nebenbei in ein Gespräch einfließen – gut gelöst, denn so wird der Hörer direkt eingebunden anstatt das Gefühl zu bekommen, einen Vortrag zu hören. Recht schnell wird dann in die Story gestartet, die ziemlich abwechslungsreich ist und konsequent und gradlinig die Ermittlungen von Paul zeigen. Immer wird ein wenig mysteriöse Stimmung mit eingebracht, die neben den spannenden Elementen den großen Anreiz bei diesem Hörspiel bilden. Auch der Hörer rätselt hier gerne mit und – und das ist die große Stärke dieses ersten Teil – ist völlig in der Handlung verankert, fiebert mit. Da sind einige kleinere Schwächen schnell vergessen, zumal auch die Sprache für ein Newcomerlabel sehr flüssig und keineswegs hölzern ist. Mir hat „Die Apostel der Apokalypse“ äußerst gut gefallen, eine sehr spannende Geschichte mit einer tollen Ankündigung auf weiteres drohendes Unheil.

Jan-Philipp Jarke, bisher in keiner Hörspielproduktion aufgefallen, ist gleich in der recht anspruchsvollen Hauptrolle des Paul Earlam zu hören. Er schafft es, dessen komplexen Charakter von der anfänglichen Depression bis zum späteren fieberhaften Einsatz sehr glaubwürdig darzustellen, eine wirklich gute Leistung! Simon Jäger ist als Robert Anderson zu hören, seine variationsreiche Stimme kann auch den Chief Inspector gut abbilden, zumal er sehr gut in die vorgegebene Stimmung passt. Engelbert von Nordhausens markante Stimme setzt als Mr. Montgomery wieder Akzente. Die weitere Sprecherliste setzt sich dann wieder aus unbekannten Namen zusammen, beispielsweise Diana Radnai, Jens Kauffmann und Anna-Rebekka Helmy.

Wie in der Handlung finden sich auch in der musikalischen Umsetzung des Hörspiels immer wieder mysteriöse Elemente wieder, die sich gegenseitig unterstützen und verstärken. Hier wurde schon recht professionell gearbeitet, alles passt sehr gut zusammen und wirkt stimmig, dazu zählen auch die eingesetzten Geräusche.

Bislang sind die Earlam Chroniken nur als Download erhältlich, dafür bekommt man im Paket auch gleich Druckvorlagen mit einem eigens gestalteten Cover, sodass man sich selbst eine schöne Aufmachung ausdrucken kann. Auf dem Cover zu sehen ist ein Mann, dessen Gesicht halb von einer Kapuze verdeckt ist, der graue Hintergrund passt hierzu sehr gut.

Fazit: Ein beeindruckendes Erstlingswerk, eine packende Geschichte mit tollen Charakteren und einer wunderbaren Stimmung.

VÖ: 3. Juli 2009
Label: Independent Standart
Bestellnummer: Erhältlich zum Download bei amzon.de, iTunes, audible.de
 
Zuletzt bearbeitet:

Dagmar

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Sprechprobe
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AW: Die Earlam Chroniken – 1. Die Apostel der Apokalypse

Hallo Poldi,
ich wüsst ganz gern wie du zu dieser sehr positiven Rezi kommst. Hab es mir gestern angehört und fand die Story zwar an sich recht nett, aber für ein kommerzielles Hörspiel hat es immens viele Schwächen.
Richtig geschüttelt hat es mich leider bei den ganzen Grammatikfehlern im Skript - die hätten ZWINGEND raus gemusst.
"... um ihm den Rücken zu kehren" - huch, wo hat er denn jetzt die Bürste her? Und warum ist der Rücken dreckig?
"... eine Maske, dessen Gesicht ihn anstarrte" - DEREN???
so ging das alle 5 Minuten, gruselig.

Die Sprecher waren zwar sympathisch, aber wirkten nicht 100% professionell. Die Dialoge erinnerten mich stark an frühere Hörspielprojekt-Sachen: zwar emotional gesprochen, aber nicht natürlich, immer einen Tucken zu viel Emotion, zu starke Betonung. Vor allem die Lacher vielen mir auf. Da macht einer einen Witz, dann ist eine Sekunde Stille, und als hätte man sie dann mit einem Elektroschocker gezwungen lachen sie alle gleichzeitig lauthals los und das sehr gekünstelt. Erschwert wird den Schauspielern das natürliche Sprechen durch ein Skript das mit unnatürlichen Dialogen glänzt. V.a. Satzunterbrechungen machen den Sprechern irre zu schaffen. Sie hören immer exakt da auf wo es im Skript steht, als wüssten sie dass sie nicht weitersprechen dürfen. Es wirkt als hätte es keine Regie gegeben, die Sprecher reden oft nebeneinander her als miteinander.
Für ein unkommerzielles Hörspiel hätte ich gesagt: hey, coole Geschichte, arbeitet am Lektorat und Skript, die Sprecher waren gut auf ihre Rollen besetzt aber hier und hier noch verbesserungswürdig, macht ein paar Nachtakes damit die (ge-x-ten) Dialoge besser zueinander passen.
Bei einem kommerziellen Hörspiel aber hätte ich deutlich mehr Professionalität erwartet. Schade, denn die Geschichte hätte mehr hergegeben, auch die Figuren sind sympathisch. Die CD-Aufmachung ist auch hübsch.
 
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