Synchrobox / in kleinen Maße / Wie Perfektionieren? Bassfallen /Diffusor?

Fate Voice Over

Well-known member
Sprechprobe
Link
Hey Hoertalk Forum, ich habe früher mal einige Dinge wegen der Sprecherkabine nachgefragt.

Mittlerweile sieht es so aus..

Bassfallen habe ich bisher noch nicht drin, bin aber sicher das würde das ganze Problem lösen

Zum Problem"!
" Der Klang unserer Aufnahmen klingen meiner Meinung nach extrem gedrückt und auch überhaupt nicht realistisch. Wenn man nah ans Mikro geht dann kann man gar nicht klagen, aber das ist ja nicht Sinn der Sache bei Fandubs also bei Szenen ohne Nahbesprechungseffekt.
Das bedeutet wir brauchen schon Abstand, mindestens 2 Faustballen vom Mikro und Mund weg.

Sobald ich mehr Abstand erreiche klingt das schon schnell sehr eigenartig in meinen Ohren und lässt mich nachdenken ob es nicht schlauer wäre in einem normalen Raum aufzunehmen. Aber das Geld ist ausgegeben daher möchte ich es nun "perfektionieren", so gut es geht.

Beim Klatschen kommen keine schmerz druck Geräusche mehr, das ist schon mal ganz gut.
Dennoch klingt der Sound im allgemeinen relativ räumlich und einfach überbasst. Grade wenn man tiefer spricht, dann verstehe ich kaum mehr was.



Ich lass hier mal ein paar Aufnahmen von mir hier, sodass ihr hören könnt wie es klingt in der Box.
Alle Aufnahmen haben einen ähnlichen Abstand, mindestens aber 2 Fäuste, es variiert nur wenig beim sprechen, aber ab und zu kann es mal vorkommen weiter oder näher dran.


Hobbit - Bard "in der box habe ich weniger Schaumplatten als davor, und der Abstand betrug dort locker 3 Fäuste am Anfang des Takes,
(mich stört.. dass die Aufnahme trotzdem relativ nah klingt, und auch von den höhen her wenig Spiel ist und sehr gedrückt klingt.)
 


APEX - Mirage "lauter aufgeweckter gesprochen.. da war ich etwas näher dran, das klingt noch mit am besten
 



Das klingt komischerweise sehr gut meiner meinung nach, obwohl alles gleich, Abstand und Aufbau. vielleicht ein oder 2 mal etwas näher
 



Das klingt am schlimmsten.... Die Stimme bekommt wenig Pepp und es klingt sehr trashig...
 



""""was mir fehlt""""" dieser Leichte Eigenhall

Zum Beispiel. Perfekter Take vom Original Sprecher aus Herr der Ringe. Ich bin immernoch fasziniert von der Aufnahme. (Ja ich weiß dazu gehört auch das die Stimme gemixt wird)
Aber das hat ja auch schon in der Aufnahme eine Gute Quelle gehabt.
 



Hier sind Bilder wie die Box aussieht damit man sich was drunter vorstellen kann. (((( Maße ca. 1,30 x 1,80cm)))

Blender paar minuten schnell erstellt.
box_4-1614808831.JPG

Heimstudio_2018_zeichnung-1614808753.jpg





Ich habe nun vor mir Bassfallen anzuschaffen, oder eher Diffusor um einen Raumhall und eine bassfalle zu haben??

Wo sollte ich am besten das Mikro hinstellen?

Aufnahmen sind gemacht mit dem Shure SM7B / normalerweise haben wir das Rode Procaster aber nicht für die Takes oben.



Danke für alle die mir Tipps geben oder einfach nur Feedback.
Gruß
 

Slowfox

Well-known member
Sprechprobe
Link
Hallo Fate,
ich habe mir deine Aufnahmen zwar noch nicht anhören können, aber ich habe auch eine ähnliche Kabine. Ein leichtes dröhnen in bestimmten Bass-Frequenzen, ist bei der Größe wohl niemals ganz zu vermeiden.
Mit Basotect, ist da aber natürlich viel Verbesserung möglich.

Ich habe im Sommer mein erstes professionelles VoiceOver eines dokumentarischen Spielfilms mit 15 Sprechern in meiner Kabine realisiert, als Synchron-VoiceOver-Hybrid.

Nicht lippensynchron und mit stehengelassenem Originalton, jedoch sonst wie Synchron. Was letztendlich noch aufwendiger ist, da die Originalsprache stehen bleibt und das ganze somit keine falsche Töne und Klänge verzeiht.

Tips:
1. Die Bässe schwingen sich vor allem in gegenüberliegenden Ecken und Kannten auf, die am weitesten voneinander entfernt liegen. (Wenn Du den Abstand ausmisst, kannst Du sogar die Frequenzen errechnen. Müsste aber selber nachschauen, wie.) Also hinten, oben - vorne, unten bzw. rechts, oben - links, unten. (Da einfach mal mit selbstgemachten Bassfallen experimentieren.)

2. Experimentiere mit der Standposition von Dir und dem Mikrofon. (Bei mir hat es sich gezeigt, dass wenn der Sprecher zu weit hinten stand, das Wummern zu stark wurde. Daher mussten wir das Mikrofon, seitlich in die Ecke positionieren und von da auf den Mund ausrichten, damit der Abstand groß genug war.)
Kann Dir nachher mal ein Foto schicken.

3. Richtcharakteristik - Hyperniere. Alles Andere fängt zu viel Raum auf.

4. In der Regel ein kleinmembran Mikrofon verwenden. (Richtrohre können in kleinen Räumen problematisch sein. Haben wir aber eingesetzt.)

(Nachbearbeitung)

5. Einen dynamischen EQ einsetzen, der die problematischen Frequenzen runter regelt, wenn sie lauter werden.

6. Kaum, bis gar keine Weiterbearbeitung.

7. Erst dann kommt der Raumhall ins Spiel.
Am besten mit Impulse-Response Hallräumen (IR’s) arbeiten, und die dann tweaken, bis sie klingen wie das Original.

Fettich...
 

Slowfox

Well-known member
Sprechprobe
Link
IMG_1142-1614871054.JPG



Das ist zwar nicht mein endgültiger Aufbau — das entsprechende Foto habe ich gerade nicht zur Hand — sollte aber dennoch verdeutlichen, wie es gehen könnte.

Das Großmembran-Mikrofon ist für die Doppelmikrofonie mit der ich inzwischen aufnehme. Ist aber nicht zwingend notwendig und macht den Aufbau und das Einrichten in der DAW etwas komplizierter.
Ich habe es noch durch ein Brauner VM1 (als Hyperniere) ersetzt — welches die phantastischste Höhenaulösung bietet, die ich je bei einem Mikrofon gehört habe — und näher an das Richtrohr gestellt.

Wenn die beiden Aufnahmen, latenzkompensiert auf rechts und links liegen, brauche ich, nach entsprechendem Rouiting, nur noch am Pan-Regler zu drehen, um den Klang so zu verändern, dass er jeweils optimal zum Originalton passt. Denn beide Mikrofone klingen natürlich total anders, und eine Mischung der beiden macht den Klang letztlich auch durch den winzigen, aber natürlich entstehenden Kammfiltereffekt, lebendiger und flexiebler. Es funktionieren jedoch nicht alle Mikrofone gleich gut miteinander. Da muss man rumprobieren.

Meine Sprecher haben nicht richtung Mikrofon, sondern gerade, zum Bildschirm gesprochen, der hier auch noch nicht zu sehen ist. Wichtig ist allerdings, dass die Mikrofone direkt auf den Mund zielen.

Durch ein Spielen, durch die Sprecherin, mit der Sprechrichtung kann natürlich nochmal eine lebendige Wirkung erzielt werden.

Grüße, Boris
 

Slowfox

Well-known member
Sprechprobe
Link
Zum Beispiel. Perfekter Take vom Original Sprecher aus Herr der Ringe. Ich bin immernoch fasziniert von der Aufnahme. (Ja ich weiß dazu gehört auch das die Stimme gemixt wird)
Aber das hat ja auch schon in der Aufnahme eine Gute Quelle gehabt.

Die Deutschen übertreiben beim Synchronisieren manchmal mit der Klangfarbe eines Sprechers. Hört sich an, wie mit einem Großmembranmikrofon eingesprochen und viel Röhrenkompression. Ja, klingt fett, hat aber nicht mehr viel mit der Natürlichkeit des Originaltons zu tun.
(Im Original hörst Du viel mehr, dass da einer in der Hobbithöhle stehend spricht. Allerdings setzen sie im Original auch diesen fetteren Erzählerton ein, wenn Gandalf nicht zu sehen, sondern nur zu hören ist, wie eine Erzählerstimme.)
 

Fate Voice Over

Well-known member
Sprechprobe
Link
Viel Input! Aufjedenfall erstmal danke für dein Beitrag und deine Umfassende Meinung / Ratgebung!

Also tatsälich werde ich mir mit Sicherheit bassfallen anlegen. Denn dein Tipp umzusetzen mehr Richtung ecke zu sein kann ich nur nach eifern, indem ich die Ecke auch wirklich den Bass verringer.

Meine Gegenfrage dazu: Wäre es nicht schlauer mit dem Rücken an der Wand zu sein und in die Länge des Raums weiter weg vom Bildschirm zu sprechen?


Ich habe mal ne grobe Skizze gezeichnet mit den Vorstellungen und Tipps umgesetzt.
Wie wäre das?

Synchrobox_von_uns_vorstellung-1615029518.jpg
 

Slowfox

Well-known member
Sprechprobe
Link
Das ist theoretisch nur sehr schwer zu beantworten. Am besten, Du probierst es einfach durch...
 

Slowfox

Well-known member
Sprechprobe
Link
Bei einem so kleinen Raum könnte es übrigens angebracht sei, die Bassfallen oben und unten, an den Kannten anzubringen, die am weitesten voneinander entfernt sind.

Aber wie gesagt, das Ausprobieren ist hier sicherlich von größerem Erfolg gekrönt, als das pure Nachdenken. Auch die Elbphilharmonie musste akustisch nachgebessert werden, obwohl sicher alles tausendmal durchgerechnet worden ist...

In diesem Falle geht Probieren sicherlich über Studieren. Auch, wenn Beides natürlich eine Einheit bilden sollte, um zum wahren Experimentieren zu werden...
 

Delay

Well-known member
Sprechprobe
Link
Also ich würde es mal mit einem normalen Großmembraner mal testen, kann mir gut vorstellen das die klanglichen Eigenschaften die dich so stören schon allein durch das Mikrofon bedingt hervorgerufen oder ggf. verstärkt werden.
Die dynamischen haben einfach bauartbedingt nicht so den fluffig lockeren Klang gerade im Obertonbereich. Die sind ja eher für das nahe Besprechen gedacht oder für sehr laute Quellen. Vielleicht habt ihr ja die Möglichkeit das mit einem Großmembraner zu testen?
 

Spirit328

Der, der hier etwas weniger da ist.
Teammitglied
@Fate Voice Over !

Es ist nahezu unmöglich aus der Ferne Dir Tipps zu geben, die Dich direkt zum Ziel führen.
A propos Ziel.

Ich verstehe Dein Ziel so, daß Du Dich dynamisch bewegen möchtest, einen gleichbleibend guten Klang Deiner Stimme hast und nicht ein Vermögen ausgeben willst / kannst.

Das sind drei Wünsche auf einmal und sie sind zum Teil diametral verschieden.
Wenn Du Dich dynamisch bewegen möchtest / mußt, dann ist das direkt vor einem Mikrofon mit hoher Vorsicht zu genießen, denn das wirft ein Mikrofon schon mal um. Das ist sicherlich nicht gewollt ;)

Dann soll es aber so schön nah, direkt und voll klingen, wie bei der Original Gandalf Aufnahme.
Das wird schwierig. Denn die Gandalf-Aufnahme ist in einer sehr, sehr kontrollierten Umgebung aufgenommen worden. Da war nur die Stimme und sonst nichts. Wenn man das mit Hobby-Budget (also nicht Hollywood-Budget) nachbauen will, kann ich nur sagen, erzähle mir bitte wie Du es geschafft hast, dann kann ich das auch nachbauen.

Die Gandalf Aufnahme ist mit sehr hochwertigem Equipment aufgenommen worden. Dann hört sich das für mich so an, als hätte man die Spur gedoppelt und eine Spur "pur" gelassen und die andere (Kopie) mit Kompressor und etwas EQ bearbeitet. Wie da das Verhältnis ist, kann ich nicht sagen, ich kenne die Original Stimme nicht.

Das mit den Bass-Resonanzen kann man zum Teil berechnen (besser vom Computer berechnen lassen, da kompliziert und komplex). Viel einfacher und hinreichend präzise wird es mit einer einfachen (besser einfacheren) Messung der realen Gegebenheiten. Das hat den charmanten Vorteil, daß Du die Wirkung von Veränderungen schneller und präziser erkennen kannst.
Dazu gibt es diese Software. Die gibt es für Windoze und Mäc und richtige Betriebssysteme. Das Prinzip ist einfach. Ein Mikrofon (am besten Kugel-Charakteristik, Niere geht auch, wenn man um die Einschränkungen weiß) an verschiedene Positionen gestellt, Messung gemacht, alles protokollieren und so den gesamten Raum ausmessen. Das hilft beim Auffinden von sog. Raummoden oder auch Resonanzen. Das sieht man sofort und dafür muß man kein Ton-Ing. sein. :)

Dann würde ich verschiedene Maßnahmen, wie schon so gut von @Slowfox beschrieben durchführen und jede dieser Veränderungen wieder an den vorherigen Meßpunkten (Tesakreppkreuz auf Teppichboden kleben und Standort markiert) durchmessen.
Das dauert schon mal ein ganzes Wochenende für "Nicht-Profis". Aber das wird sich so derartig lohnen - Versprochen!

Sicherlich ist ein gutes Mikrofon (und weitere Signalkette wie Preamp, AD-Wandler, DAW, DA-Wandler ...) von entscheidender Bedeutung. Wichtig ist aber auch die Positionierung desselben. Auch hier finde ich die Ausführungen von @Slowfox sehr hilfreich und schlichtweg GUT. :)

Wie schnell einem diese Raummoden den Tag versauen können, habe ich mal erlebt, als wir eine gute Jazz-Combo "unplugged" in einem guten Kölner Tonstudio aufgenommen haben. Am Ende eines Songs haben beide Stimmen denselben Ton gesungen und auf der Aufnahme wurde er gegen Ende immer leiser, ja war fast weg.
Beim Checken der Kabel (man sucht sich da schon mal den Wolf ;) ) bin ich ein klitzekleines bißchen an einen Ausleger eines Mikrofonstatives gestoßen.
Dann haben wir es noch einmal aufgenommen und alles war wunderbar. Es war eine Interferenz. Wenn man das nicht mal selbst erlebt hat, glaubt man das nicht.
In Deinem Fall kann es schon helfen, das Mikrofon (welches Modell übrigens? ;) ) mal 4,23147 cm weiter in den Raum rein zu stellen oder es 1,235 cm nach links zu drehen.

Um die Unterschiede schneller und präziser zu finden hilft das REW Paket. Vor allem wird das Gehör schnell müde, wie die Nase "taub" wird, wenn man zuviele Parfums in zu kurzer Zeit probiert.

Auch in Deinem Raum gibt es einen "Sweet Spot", wie in jedem Raum. Das Gute ist, Du fängst nicht bei "Null" an, sondern hast schon eine recht ordentliche Dämpfung im Raum.

Noch mal zurück zur Position des Mikrofons. Auch die besten Mikrofone arbeiten noch besser, bzw. liefern erwartete Ergebnisse, wenn man sie mit möglichst optimalem Signal beschickt.
Eine "Faustregel" ist etwa eine Handbreit zwischen Mund und Mikrofon. Wenn nun das Mikrofon den wedelnden Armen im Weg ist, kann man ja mal versuchen von einer etwas tiefergelegenen Position aufzunehmen oder das Mikrofon von "über Kopf" einzufliegen. JA! Das verändert den Klang und sogar massiv. Da hilft nur ... Erfahrung, Erfahrung und eigentlich noch ... Erfahrung ;)
Die Tips von @Slowfox würde ich mir dazu auch noch mal sehr genau ansehen.

Und am Ende: Die Ton-Aufnahmequalität von Hollywood Blockbustern sind wie Sterne. Man wird sie nie erreichen, aber man kann sich verdammt gut daran orientieren. :)
 

Fate Voice Over

Well-known member
Sprechprobe
Link
Sehr umfassende und gut gemeinte Meinung. Bedanke mich großherzig für eure Tipps.
Der Gandalf Quali so nah zu kommen ist natürlich auch nur ein Wunsch den ich nicht unbedingt brauche aber ist natürlich bewundernswert.

Also ich habe heute meine 2 Bassfallen bekommen und auch noch einen Diffusor.
Ich bin sehr gespannt wie ich mit denen erreichen kann.

Nochmals danke ;)

Gruß

ist immer schon weitere Erfahrung und Tipps zu hören.
 

Spirit328

Der, der hier etwas weniger da ist.
Teammitglied
Am Ende beißt die Maus keinen Faden ab, Rassabsorber & Diffusoren sind NIE verkehrt. Doch wenn sie nicht an den optimalen Stellen sind, dann hilft das auch nicht wirklich viel :(

Aber : Versuch macht kluch ;) Einfach mal ausprobieren und dann hörst Du schnell bzw.siehst Du in REW wo noch verbessert werden könnte

Viel Spaß und Erfolg! :)
 

About

Werde Teil einer freien Hörspielproduktion. Egal, ob Sprecher, Autor, Cutter, ob Einsteiger oder Profi - hier, kann jeder mitmachen oder sein eigenes Projekt starten.

Support

Die Onlineprojekte Hoerspielprojekt.de und Hoertalk.de können mit einer freiwilligen Spende unterstützt werden, dies hilft anfallende Kosten zu decken und die Projekte am Leben zu erhalten. Hier unterstützen

Social Media

Facebook Twitter Youtube
Oben