Sprechen Persönliche Erkenntnisse/ Tipps für Anfänger

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Marvin Kopp

Marvin Kopp
Sprechprobe
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Hallo, liebe Hörtalk community.

Ich hab mal versucht in diesem Artikel ein paar meiner wichtigsten Erkenntnisse fürs Sprechen zusammenzufassen, in der Hoffnung, dass es vielleicht dem einen oder anderen Einsteiger hilft etwas mehr von seinem Potential zu entfalten. Ich hier auch nicht auf die deutsche Hochlautung eingehe. Mir geht es in erster Linie ums Schauspiel. (Und ja, Sprechen ist Schauspiel)
An dieser Stelle sei auch gesagt: Ich bin mir natürlich bewusst, das jeder seinen eigenen Sprechstil hat und wenn ihr hier mit nichts anfangen könnt, ist das auch total in Ordnung. Ich spreche selbst erst seit vier Jahren und bin damit sicherlich nicht allwissend :)
Aber vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen. Ich fand die Punkte damals auf jeden Fall sehr hilfreich.

Euer größtes Alleinstellungsmerkmal ist eure natürliche Stimme:

Umso dichter ihr an eure Sprechstimme im Alltag herankommt, desto natürlicher wird euer Spiel klingen. Was sich im Schauspiel ändert ist in der Regel nicht eure Stimme, sondern die Situation, in der ihr euch befindet.
Eine Ausnahme ist hier vielleicht das Cartoon/ Zeichentrick Genre, wo teils versucht wird die Physikalität einer Figur nachzuempfinden. Oder allgemein überall, wo nicht – menschliche Charaktere gesprochen werden.

Äußere Umstände, Zustand eures Charakters.

Macht euch bewusst, wo sich euer Charakter befindet. Ist es besonders heißt oder kalt. Was ist die Distanz zu den anderen Charakteren mit denen ihr sprecht, sprecht ihr vielleicht mit Euch selbst. Seid ihr müde, seid ihr außer Atem, seid ihr betrunken, wie ist eure Beziehung zu den anderen Charakteren, habt ihr einen Akzent usw. All das sind Dinge die man sich klar machen sollte, bevor man anfängt zu Sprechen. Denn erst wenn ihr wisst was euer „handicap“ ist, sofern es den eines gibt, könnt ihr angemessen auf andere Charaktere reagieren.

Bevor ihr sprecht reagiert ihr auf etwas.

Selbst eine einfache Begrüßung wie „Hallo“ ist eine Reaktion darauf, das ihr euer Gegenüber gesehen oder gehört habt. Die Sinneseindrücke werden erst verarbeitet und dann artikulieren wir uns. Euer Charakter sucht nach etwas? Dann sucht wirklich nach etwas. Ihr erfahrt überraschend vom Tod eures Bruders? Lasst das doch mal ein paar Sekunden wirken, bevor ihr darauf reagiert. Das ist auch meiner Meinung nach, was einen guten Hörbuchsprecher auszeichnet. Er fühlt, sieht und erlebt die Dinge, bevor er sie ausspricht. Das macht den Text für den Zuhörer erst glaubhaft.

Echte Emotionen

Für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse, Lautstärke ist nicht immer mit großen Emotionen gleichzusetzen. Es geht darum die Dinge wirklich zu fühlen, wenn ihr sie sagt. Eure natürliche Sprechweise und Stimmlage zu finden, ist dafür essentiell. Den jeder Mensch, auch ihr fühlt unterschiedlich. Das tolle ist, jeder kann das für sich selber testen.

Hier für für gibt es eine kleine Übung: Entspannt euch und sprecht die Emotion, die ihr fühlen wollt laut aus. Ihr werdet merken, das euer Körper auf das Wort reagiert. Ich z.B fühle beim Wort „Freude“ eine Welle, die sich von meiner Körpermitte her nach oben hin ausbreitet. Der „Hass“ sitzt bei mir in der unteren Magengegend. Das kann bei euch aber ganz anders sein.

Da jeder Mensch individuell fühlt, solltet euch also nicht fragen, wie reagiert mein Charakter in der gegebenen Situation, sondern wie würde ich mit der Vergangenheit meines Charakters und seinem Wesen reagieren.Und nein das soll nicht heißen, dass ihr zum Serienkiller werden müsst, um die entsprechende Rolle glaubhaft rüberzubringen ;)
Was ich meine ist, dass ihr nur auf euren persönlichen Erfahrungsschatz von Emotionen zurückgreifen könnt. Alles andere wird immer etwas aufgesetzt klingen.

Versucht nicht den Moment zu verbessern

Einen Fehler, den viele Anfänger, machen, ist, dass sie besonders wütend oder besonders traurig, oder besonders fröhlich rüberkommen wollen. Und nur durch dieses „Versuchen“ kann es passieren, dass der Take nicht mehr glaubwürdig klingt. Das hängt natürlich auch wieder stark mit den von mir angesprochenen „echten Emotionen“ zusammen. Jemand der denkt „ich muss jetzt besonders wütend sein“ und sich so sehr auf die Emotion konzentriert, wird vermutlich den Bezug zur Szene verlieren.

Das klingt vielleicht etwas verwirrend am Anfang und mir selbst passiert das sicherlich auch noch das ein oder andere Mal, aber was man sich klar machen sollte ist, dass die besten Takes die sind, in denen man nicht merkt, dass man spielt.

So, das wären meine persönlichen Erkenntnisse/ Tipps für Anfänger. Ich hoffe, dass jemand was damit anfangen kann. Mich würde natürlich auch interessieren, was ihr so für Ansätze habt :)
 

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