Poldi

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Pinguinwetter (Britta Sabbag)

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Erster Eindruck: Ein verhängnisvolles Treffen im Zoo

Charlotte, eine erfolgreiche Lektorin, bekommt – anstatt befördert zu werden – die Kündigung. Dass ihre Mutter in Grönland in Untersuchungshaft sitzt und ihre Affäre wegen einer anstehenden Heirat Schluss macht, gibt ihr den Rest. Freundin Trine möchte sie aufmuntern und drückt Charlotte ihren Sohn Finn aufs Auge. Und dann lernt sie Eric kennen – doch der denkt, Finn sei ihr Sohn...

Britta Sabbags Debütroman „Pinguinwetter“ ist unverkennbar ein sogenannter „Frauenroman“, also eher leichte Leselektüre mit stark romantischem Einschlag und natürlich einer weiblichen Protagonistin um die 30, die jede Menge Chaotisches erlebt. Die Hörbuchausgabe, gelesen von Nana Spier, ist bei Lübbe Audio erschienen. Einige Lacher dürften dem geneigten Hörer entlockt werden, viele der Gags sind gelungen und tragen zur Erheiterung bei. Leider hört es dann auch schon auf mit den positiven Eigenschaften des Buches, denn hier reiht sich eine unglaubwürdige Situation an die nächste. Nicht nur, dass dies alles recht überzogen wirkt, die Ballung des Ganzen geht dann schon ins Absurde. Zudem verhalten sich die Charaktere nicht immer Glaubwürdig, und die Auflösung des Ganzen ist dann der Höhepunkt dieser Entwicklung. Hinzu kommt, dass Charlotte einfach nicht sympathisch erscheinen will. Erst ist sie überhebliche Powerfrau, dann weinerliches Etwas, dann kinderhassende Zicke. Kleines Beispiel: Bei einer Shoppingtour durch den IKEA setzt sie Finn im Kinderland ab und holt ihn trotz mehrerer Durchsagen nicht von dort ab. Hier ist die Autorin mächtig über das Ziel hinausgeschossen und präsentiert einen zwar flüssig geschriebenen und witzigen Roman, dessen Geschichte nur leider gar nicht überzeugen kann.

Nana Spiers unverwechselbare Stimme sorgt auch hier für eine angenehme und entspannte Stimmung. Sie setzt gekonnt Akzente und greift die lockere Atmosphäre des Romans auf, lässt sich auf den Witz ein und gestaltet alles kurzweilig. Nur leider schafft selbst sie es nicht, Charlotte etwas von ihrer Schärfe zu nehmen, sie wirkt weiterhin unsympathisch und grantig. Die anderen Charaktere hingegen kann sie gut darstellen und verpasst allen ein eigenes Gesicht.

Knallpink ist das Cover – kaum ein Mann wird hier wohl freiwillig zugreifen, das Genre des Frauenromans wird hier gleich deutlich. Passend zum Titel ist ein putziger kleiner Pinguin zu sehen. Zwei großformatige Fotos in schwarz-weiß sind im Inneren zu sehen und zeigen Sabbag und Spier, die üblichen Kurzbiographien dürfen dabei natürlich nicht fehlen.

Fazit: Witzig und recht kurzweilig, aber eben leider auch abstrus, konstruiert und mit einer unsympathischen Hauptfigur – hat mich gar nicht überzeugt.

VÖ: 22.Juni 2012
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-4612-7
 
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