Ossi Eastborn

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Warum schreibe ich hier das? Weil ich sehe, dass der Konsens hier beim Sprechen oder schreiben da ist, aber bei anderen Dingen ist KI dann "in Ordnung".
Egal ob Logos, Musik, Video oder gleich komplette "Animation". Da hört man dann die selben Worte wie von Menschen, die Texte mit KI erstellen lassen, oder auch Stimmen benutzen, die mit KI gemacht wurden. "Es geht halt nicht anders." "Ich habe leider kein Geld, ich würde ja gerne..." .
Für mich ist jede Kunst gleichwert. Wenn KI genutzt wird, macht es für mich den Rest wertlos. Weil man dann sagt (meiner Meinung nach): "Es war mir nicht Wert, echte Künstler dafür zu nehmen. Es ging schneller. Hauptsache meine eigene Kunst lebt."
Entschuldigung für die incoming Wall of Text.

Ich würde grundsätzlich zustimmen, sehe es aber deutlich differenzierter.
Zunächst einmal: Was ist Kunst? Kunst ist ein von Menschen geschaffenes Kulturprodukt. Somit kann KI, per Definition, keine Kunst sein. Das heißt aber nicht, dass Kunst, die mithilfe von KI geschaffen wurde, automatisch keine Kunst ist.
Ein Beispiel: Ich bin ein sehr kreativer Mensch und ein großer Teil davon liegt im Schreiben. Ich schreibe sehr gerne, egal ob Kurzgeschichten, Romane oder auch Musik. Und bei der Musik, zum Beispiel, habe ich in den letzten 20 Jahren mehr als 300 Texte geschrieben. Aufgenommen habe ich vielleicht 40, professionell aufgenommen, gemischt und veröffentlicht habe ich exakt 12, 11 davon für die VBT-Turniere 2011, 2012 und 2013. Ich bin ein okayer Rapper. Ich bin aber auch, unter anderem und wie ich erst seit wenigen Jahren weiß, ADHS-Autist mit genereller Angststörung. Ich habe keine Connections und auch nicht den Mut, andere zu fragen, meine Texte aufzunehmen, und wüsste auch nicht wie, und selbst nicht den Skill, das Equipment oder den Mumm, das professioneller zu tun. Was habe ich also getan? Ich habe zu Beginn des Jahres einige Texte von mir genommen und die dazugehörigen Beats und habe von Suno daraus Tracks machen lassen, weil ich wissen wollte, wie es klingen würde, wenn ich es könnte und den Mut und die Zeit hätte.

Die Texte habe ich selbst geschrieben, die Beats waren Freebeats (die ich fast alle bereits bis 2014 geladen hatte, also nicht KI) und manche von mir selbst händisch abgeändert. Das Stimmmodell basierte zumindest lose auf meinem eigenen Stimmprofil. Von der KI stammten also nur das Zusammenfügen und ein großer Teil der Stimme und des Flows etc.
Ich finde, dass dies eine legitime Art ist, "kreative" KI zu nutzen. Zumindest solange man weder den Anspruch hat, es als ein wirklich eigenes Werk zu bezeichnen, noch es als solches darzustellen oder kommerziell anzubieten.
Weil, wo würde da genau die Grenze gezogen? Ich habe einige von den Tracks auch selbst aufgenommen (was der Sinn hinter der KI-Erstellung war, herauszufinden, welche am besten klingen könnten) und von einer KI-Mixing-Software mischen lassen. Ist das Ergebnis dann auch keine Kunst?

Ich behaupte, anders als viele, die die KI verteidigen, nicht, dass es in irgendeiner Weise Kunst oder kreativ ist, einen Prompt zu schreiben, egal, wie lange du daran "feilst" und das Ergebnis dann als ein eigenes Werk darzustellen. Ich sage aber, dass auch mit KI erstellte Werke nicht automatisch KEINE Kunst sind, wenn dahinter wirkliche Kreativität steckt. Mit anderen Worten, KI-Enhancement ist von "KI-Kunst" deutlich zu unterscheiden.

Dasselbe gilt auch für Texte, die man von KI korrigieren lässt, oder für die man sich von der KI Tipps geben lässt. Auch für Bilder, die man selbst zeichnet, malt, coloriert und sich dann zum Beispiel von der KI nur noch einen "Glanz" draufsetzen lässt etc. Sprachaufnahmen, die man mithilfe von KI von Rauschen, scharfen "s"-Lauten oder Hintergrundgeräuschen befreit. Videoaufnahmen, die man sich von KI vorschneiden lässt.

Oder eben, wenn es just for fun ist. Wenn ich eine komplett kostenfreie Homebrew-DnD-Kampagne z. B. auf Roll20 plane oder Charaktere baue, würde ich für hunderte Bilder keinen Künstler engagieren, alleine aus Kostengründen. Ich würde entweder, wie es die meisten Leute tun, irgendwelche Bilder von Tumblr, Google oder anderen Fantasy-Settings wie Magic oder The Witcher nehmen, und manche würden eben ein KI-Bild generieren. "Gestohlen" ist in dem Fall beides. Und es ist ja nicht so, als würde man ein Bild als das eigene ausgeben.

In diesem Zusammenhang finde ich es auch immer wieder verstörend, welches Missverhältnis manche Menschen zu Geld haben bei gleichzeitig elitärer Denkweise. "Ich habe leider kein Geld, ich würde ja gerne" ist nun mal ein sehr valides Argument. Ein Schüler, Arbeitsloser, Behinderter oder in vielen Fällen normaler Bürger hat nun einmal nicht die Mittel, selbst Kunst zu schaffen oder sich dabei helfen zu lassen. Ein Aufnahmestudio für einen Tag beginnt bei 100 Euro, ein kommissionierter Künstler z. B. für Emotes auf Twitch nimmt, je nach Art und Umfang, ab 30 Euro pro Emote. Mixing und Mastering habe ich damals bei Moretime als VBT-Rabatt für 20 Euro pro Track bekommen, nominell sind wir da aber auch eher bei 40 bis 60 Euro pro Song aufwärts. Ein gutes Mikrofon, eine gute Kamera, gute Pinsel, eine gute Leinwand – das alles geht ins Geld. Ein einfaches Plugin für Reaper kann gerne mal 120 Euro kosten, eine Aufnahmesoftware viel mehr. Ich habe einen Roman geschrieben, und wenn ich den veröffentlichen will, brauche ich entweder richtig viel Glück, einen Agenten oder Verlag zu finden, oder ich mache das im Self-Publishing. Da ich den aber lektoriert haben möchte, sollte ich lieber ab 3.000 Euro aufwärts für einen Lektor einplanen. Allein das Exposé und die Leseprobe bei einer günstigen Lektorin in Auftrag zu geben, hat mich fast 300 Euro für insgesamt 48 Seiten gekostet. Das Buch hat 488 Seiten.

Dann gibt es Leute, die sagen: „Dann lern' es doch einfach.“ Du kannst nicht lernen, fotogen zu sein, du kannst nicht lernen, eine annehmbare Stimme zu haben. Du kannst auch nicht lernen, Glück, Geld und Beziehungen zu haben. Du kannst unter vielen Umständen nicht einmal die Dinge lernen, die man lernen könnte, wie Mixing/Mastering, Schreiben oder Singen, wenn du Einschränkungen hast. Um in Deutschland professioneller Sprecher oder Schauspieler zu werden, ist Talent nur eine Nebensache. Stattdessen verlangen die meisten Agenturen, Theater, Produktionen und Plattformen, dass du eine abgeschlossene Ausbildung hast. Eine staatliche Schauspielschule in Hamburg, zum Beispiel, nimmt jährlich aber nur 6 Studenten auf, ist zeitintensiv und zahlt nichts (anders zum Beispiel in Rostock). Eine Sprecherschule gibt es nicht staatlich und private Institutionen gehen bei lässigen 600 Euro im Monat los. Du kannst nicht lernen, dass du dir das leisten kannst, und egal wie viel du vom eigentlichen Handwerk lernst, wie gut du als Sprecher oder Schauspieler bist, du kannst nicht lernen, dass dich irgendwer ohne formale Ausbildung in Deutschland akzeptiert.

Bei einem Bild ist es, mit Glück, einfach, es für einen drei- bis fünfstelligen Betrag zu verkaufen. Man kann den Preis selbst bestimmen und hat eine ziemlich große Marge im Verhältnis zu den Eigenkosten. Ja, auch an Zeitkosten. An ein Buch, einen Song, ein Logo, einen Film, ein Hörspiel oder ein Hörbuch kann ich nicht einfach einen solchen Preis anschlagen und hoffen, jemand kauft es. Wir reden hier von Margen im Centbereich, gerade am Anfang. Margen, die nur zum Leben reichen, wenn du hunderte, tausende Leute dazu bringst, deine Kunst zu mögen und zu konsumieren. Für ein Bild brauchst du nur EINEN Käufer. Selbst wenn du an einem Bild ein Jahr sitzt und es dann für 50.000 verkaufst, hast du quasi das ganze Jahr abgedeckt. Um mit einem Buch, für welches der Autor gerade am Anfang vielleicht mal nen Euro pro Verkauf als Honorar bekommt, brauchst du für die gleiche Summe 50.000 Verkäufe, hast in der Regel aber auch mehr als ein Jahr investiert. Für nen Song bekommst du vielleicht 2 Euro pro 1.000 Streams (Spotify zahlt zwischen 1,8 und 3,2 Euro pro 1.000). An dem Song hast du vielleicht auch nur nen Monat wirklich gearbeitet, aber selbst dann sind das mehr als 2 Millionen benötigte Streams pro Monat, um auf den gleichen Betrag von 50.000 Euro im Jahr zu kommen.

Und das ist, was ich persönlich am wichtigsten finde. Dass wir einerseits zwischen kommerziell und privat unterscheiden und zum anderen auch zwischen den Intentionen. Entsprechend stimme ich zu, dass es definitiv keine Kunst ist, wenn sagen wir mehr als 50 % der tatsächlichen "künstlerischen" Leistung von der KI stammen, es aber durchaus Kunst sein kann, wenn KI nur, wie ein Pinsel, eine Software oder eine Kameraeinstellung, als Werkzeug genutzt wird, mit dem die tatsächliche, eigene Kunst erweitert und nicht geschaffen wird. Und die Umstände entscheiden eben auch. Ist man am Anfang der Karriere und hat keine Beziehungen, keinen Namen, kein Einkommen? Ist es ein Hobby?
Und natürlich ist es immer wichtig, dass man, wenn man etwas Entsprechendes nutzt, dies auch angibt und eben wirkliche KI-Inhalte generell nicht und schon gar nicht als eigene Kunst darstellt und schlimmer noch als solche verkauft.

Oder kurz gesagt: Solange hinter der KI ein Mensch steckt, der seine Kreativität, sein Herzblut und

Das zu den rein zwischenmenschlich-moralischen Aspekten von Kunst, Künstlern, Diebstahl und geistigem Eigentum.

Die umwelttechnische und alltägliche Komponente sehen anders aus. Natürlich sollte KI schon aufgrund der Ressourcenverschwendung so wenig wie nur möglich genutzt werden. Es gibt aber Szenarien, in denen sie im Alltag eine große Hilfe ist. Zum Beispiel spezialisierte KI in der Medizin oder wenn man eine etwas spezifischere Frage hat, weil Google heutzutage einfach zu nichts zu gebrauchen ist, was nicht eine eindeutig-klare Suchanfrage ist. Sobald du zum Beispiel nach etwas suchst, was eine Kombination aus zwei Sachen betrifft, zum Beispiel welcher GdB bei ADHS UND Autismus angemessen ist, werden sich 90 % der Antworten mit ADHS ODER Autismus befassen und die restlichen 10 % sind fast ausschließlich gesponserte oder KI-Beiträge, die im Zweifel weder mit dem einen noch mit dem anderen zu tun haben. Wichtig ist in diesem Fall eben nur, dass man dann eine Antwort von ChatGPT und Co. schon noch hinterfragt und überprüft und das kritische Denken nicht komplett einstellt.
 

DarkHeart

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Welcome to the Party? Bin selbst ADHSlerin, mit Autismus Verdachtsdiagnose. Für RPG oder "for Shits an' giggles" habe ich auch schon AI mal benutzt und damit experimentiert. Was dein Werk angeht, so würde ich es denke nicht mögen, wegen AI Voice. Aber zumindest würde ich es positiv anmerken, dass du so AI-frei wie möglich gegangen bist. Und Jaaaaa musicstuff is expensive. Hab ja selbst hier mein kleines Studio. BTW habe ich mir selbst alles was ich weiß über mixing und co selbst beigebracht ^^
 
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