Poldi

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Gruselkabinett – 127. Die Fakten im Fall Valdemar

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Erster Eindruck: Dem Tode so nahe...

Dr. Pelham entdeckt in den Forschungen um den Magnetismus eine Lücke, denn noch nie wurde ein Sterbender in Hypnose versetzt. Als ein Freund des Doktors, Ernest Valdemar, an Tuberkulose erkrankt und kurz vor dem Tod steht, willigt er in das Experiment ein. Doch zuvor muss er sich noch eine schreckliche Tat von der Seele reden...

Mit „Die Fakten im Fall Valdemar“ haben Marc Gruppe und Stephan Bosenius eine weitere Geschichte vom Grusel-Altmeister Edgar Allan Poe in das Gruselkabinett aufgenommen. Doch wie schon bei „Die Maske des roten Todes“ und „Die Grube und das Pendel“ wurde eine zweite Geschichte in die Handlung mit eingeflochten. Hierbei handelt es sich um „Das verräterische Herz“, das von der Titelgeschichte eingerahmt wird. Dieses Zwischenspiel transportiert eine ganz andere Stimmung als „Die Fakten im Fall Valdemar“ und ergänzt dieses sehr gut, zumal die Atmosphäre dabei auch sehr dicht ist. Zwar ist das Umschwenken des Hauptcharakters in der letzten Szene vielleicht etwas zu plötzlich geraten, aber die bedrohliche und makabre Stimmung haben mir sehr gut gefallen. Der Hauptteil hat durch den finsteren Plan von Dr. Pelham gleich einen sehr unheimlichen Touch, der sich immer weiter zu steigern weiß. Denn auch nach der Hypnose im zweiten Teil ist die Folge noch nicht vorbei, dieser Zustand wird in einigen sehr unheimlichen und eindringlichen Szenen beschrieben, die einem wahrlich Gänsehautschauer über den Rücken laufen lassen. Wahrlich beeindruckend!

Rolf Berg sorgt als Ernst Valdemar für genau diese Momente. Auch anfangs spricht er die Rolle schon sehr präzise und mit einem passenden Sinn für Dramatik, doch in den letzten Szenen lässt er seine Stimme zu einem unheimlichen Röcheln und Krächzen werden. Helmut Winkelmann ist als Dr. Pelham auch sehr gut besetzt, er sorgt für die passende Dynamik und bringt die Hypnose-Szene sehr treffend herüber. Peter Weis ist in der Geschichte um das verräterische Herz als alter Mann im Einsatz und wirkt dabei sehr präsent und eingängig. Das Sprecher-Sextett wird durch Tom Raczko, Dagmar von Kurmin und Louis Friedemann Thiele ergänzt.

Wo einige andere Gruselkabinett-Folgen romantisch angehaucht oder sogar etwas verspielt wirken, ist davon in dieser Folge rein gar nichts zu spüren. Von Anfang an breitet sich eine sehr düstere und bedrohliche Szenerie aus, die durch die leise, aber sehr geschickt eingesetzte Musik erzeugt wird. Gemeinsam mit der Handlung steigert sich auch die akustische Gestaltung immer weiter und ist am Ende extrem inständig.

Die Szene der Hypnose ist auch auf dem Cover zu sehen, das mit seinen düsteren Orange-Tönen ebenso beklemmend wirkt wie die Handlung. Dr. Pelham sitzt darauf auf einem ausladenden Himmelbett mit erhobenen Armen, während Ernest Valsemar mit weit aufgerissenen Augen und eingefallenem Gesicht darauf liegt. Ergänzt durch ein Spiel von Licht und Schatten ist so ein sehr ansehnliches Titelbild entstanden.

Fazit: Die beiden Geschichten von Edgar Allan Poe sind sehr gekonnt miteinander verknüpft und wirken, als würden sie schon immer zusammen gehören. „Das verräterische Herz“ ist sehr eindringlich erzählt und setzt den Fokus auf den sich steigernden Wahnsinn, während „Der Fall Valdemar“ unglaublich unheimlich und düster die Grenze zwischen Leben und Tod auslotet, was herausragend inszeniert wurde.

VÖ: 29. September 2017
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5559-4
 
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