FAQ - Das Skript

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Was ist ein Hörspielskript?

Ein Skript ist das Drehbuch zum Hörspiel. Darin wird die Geschichte, die man erzählen möchte, auf eine ganz bestimmte Art niedergeschrieben. Das Ziel ist es, aus dem geschriebenen Wort das fertige Hörspiel zu machen, deswegen soll man aus dem Skript heraus genau ablesen können, was wie wo warum und mit wem in den Szenen passiert. Dabei helfen dir beschreibende Regieanweisungen, Sounds, Musik und natürliche Dialoge. Nachdem du es fertig geschrieben hast und es auch lektoriert und freigegeben wurde, kannst du mit der Sprechersuche beginnen.
 
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Was sind Regieanweisungen?

Hier ist sozusagen das Skript der Regisseur. Da beim Hoerspielprojekt jeder bei sich zu Hause aufnimmt, sollte man aus dem Skript die genaue Stimmung der jeweiligen Szene ablesen können. Später, wenn der Cutter die Takes zusammenfügt, soll ein echter Dialog entstehen, der die Hörer überzeugt. Als Autor hat man die Dialoge genau im Kopf, doch die Sprecher müssen sich in die fremde Geschichte erst einmal hineindenken. Die Regieanweisungen sind Hilfestellungen für den Schauspieler. Sie sagen ihm, ob er fröhlich, wütend, traurig, gelangweilt, vor Zorn bebend, mit erstickter Stimme, schmerzverzerrt, außer Atem, aufgeregt, förmlich, flüsternd, usw. sprechen soll. Das ist nicht bei jedem Satz erforderlich, aber je häufiger man die Regieanweisungen einsetzt, desto genauer wird das Bild der Szenerie für die Sprecher.
Ein Beispiel dafür:

HINZ
(FRUSTRIERT/GENERVT)
Hey Paul, ich habe dir doch gestern mein Skript zugeschickt. Hast du es schon fertig lektoriert?

KUNZ
(WÜTEND/EMPÖRT)
Moment mal, mein Skript liegt schon seit ganzen 2 Tagen bei dir! Paul, was ist denn nun?

PAUL
(VERZWEIFELT)
So viele gute Skripte, so wenig Zeit…
 
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Wie setze ich Sounds und Musik im Skript um?

Sounds und Musik sollen den Sprechern und dem Cutter helfen. Das ist wie bei den Regieanweisungen, je mehr Informationen du in den Text einfließen lässt, desto deutlicher wird das Bild der Szenerie und desto sicherer bewegen sich die Akteure darin. Erweitern wir unser Beispiel doch einfach, um dies zu verdeutlichen:

MUSIC: UNHEILSCHWANGERE MUSIK SETZT EIN

SOUND: REGEN PRASSELT, ERST LANGSAM, DANN IMMER STÄRKER

SOUND: HASTIGE SCHRITTE

SOUND: EIN MANN WIRD AN EINE WAND GESTOSSEN

HINZ
(FRUSTRIERT/GENERVT)
Hey Paul…

SOUND: DONNERSCHLAG

MUSIC: DRAMATISCHE GEIGEN SETZEN EIN

HINZ:
…ich habe dir doch gestern mein Skript zugeschickt. Hast du es schon fertig lektoriert?

KUNZ
(WÜTEND/EMPÖRT)
Moment mal, mein Skript liegt schon seit ganzen 2 Tagen bei dir! Paul, was ist denn nun?

SOUND: SCHLÄGE IN GESICHT UND MAGENGRUBE, WIEDER DONNER

PAUL
(VERZWEIFELT/SCHMERZVERZERRT)
So viele gute Skripte, so wenig Zeit…

SOUND: BEWUSSTLOSER KÖRPER SACKT ZU BODEN
Das ist jetzt natürlich sehr dramatisch und übertrieben, aber wie man sieht lesen sich diese drei Sätze nun ganz anders, als noch davor, obwohl da bereits die Regieanweisungen enthalten waren. Es ist nicht immer notwendig so unglaublich viele Details einzubringen. Manche Szenen erfordern weniger Anweisungen, manche benötigen genau das. Besonders actionlastige Szenen sollten auf jeden Fall mit Soundeffekten und Regieanweisungen versehen werden, da man das Geschehen nicht in natürlicher Dialogform wiedergeben kann. Dadurch weiß nicht nur der Cutter, welche Geräusche vorgesehen sind, sondern auch der Sprecher, wie er seine Rolle zu interpretieren hat.
 
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Womit kann ich ein Skript schreiben?

Ein gutes kostenloses Programm ist Celtx. Es übernimmt für dich die typische Formatierung von Skripten (Großschreibung der Namen, Sounds, Regieanweisungen usw.) und hat noch eine Menge netter Features, die einem beim Schreiben unter die Arme greifen können. Alternativ gibt es hier im Forum Word- und Officevorlagen, die ähnliche Ergebnisse erzielen. Da haben wir die Open-Office-Vorlage von Marco Ansing und die Open-Office-Vorlage von Silas Kropf. Natürlich kannst du auch ohne eine Vorlage schreiben, doch wirst du recht schnell feststellen, dass es sehr mühselig ist, alles von Hand zu formatieren.
 
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Wie lang sollte ein Skript sein?

Man muss, je nach Szene, mit mindestens 1 Minute pro Skriptseite rechnen. Manchmal sind es auch 1,5 Minuten oder mehr pro Seite, das hängt vom Erzählfluss ab. Ein übliches Hörspiel dauert 40 bis 60 Minuten, im Umkehrschluss sind die Skripte auch nicht mehr als 40 bis 60 Seiten lang. Das ist bloß eine Faustregel, aber man hat schon mal eine ungefähre Richtlinie, die meistens auch funktioniert. Bedenke beim eifrigen Schreiben, dass ein Hörspiel, das sehr lange dauert, die Hörer auch durchgängig in seinen Bann ziehen muss. Dein eigenes Skript kannst du austesten, indem du es laut vorliest, so wie du es dir vorstellst, und dabei die Zeit stoppst. Generell gilt aber, dass ein längeres Skript nicht unbedingt auch ein besseres Skript ist.
 
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Wie sollte ein Skript aussehen? Müssen sich alle Skripte gleichen?

Nein, das müssen sie nicht. Wichtig ist nur, dass sie übersichtlich sind, damit jeder Sprecher seine Stellen schnell findet. Wer mit Celtx oder den Vorlagen arbeitet wird die Formatierung vorgegeben bekommen. Wer sich lieber selbst aussuchen möchte, wie sein Skript auszusehen hat, kann sich die ersten 14 Seiten von unserer beliebten Hörspielserie Rick Future ansehen. Sven Matthias zeigt uns freundlicherweise, wie er die elfte Folge hat aussehen lassen. Ein anderes Beispiel findet ihr unter dem Punkt Sounds und Musik.
Wichtig sind die Abstände zwischen den Takes, ein leserlicher Schriftzug und eine einheitliche Anordnung bei den Regieanweisungen. Eine Nummerierung der Takes ist ebenfalls sehr nützlich, wie du in der Produktion des Hörspieles schnell feststellen wirst. Celtx und die Vorlagen übernehmen das automatisch für dich.
 
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Was sind natürliche Dialoge?

Bleiben wir am besten bei den Actionszenen. Stell dir vor, du wolltest einen Kampf schildern, würdest aber keine Sounds und Regieanweisungen verwenden. Um den Hörern klar zu machen, was gerade passiert, hättest du also keine andere Wahl, als die Sprecher alles genau erklären zu lassen. Das kann mitunter sehr ulkig wirken:

Ein unnatürlicher Dialog (Aufnahme aus dem Skriptworkshop vom IHW 2011)
 

DON DINCLAIR
(AUFGEBRACHT)
Allmächtiger! Das sind ja Zombies! Mindestes 100 von ihnen! Sie stehen in einem Halbkreis um den geöffneten Sarg, aus dem sich mit zittrigen Bewegungen eine düstere Gestalt erhebt.

DUKO
Don! Sie haben uns bemerkt! Sieh doch, die wenden sich uns zu!

DON DINCLAIR
Verdammt! Diese geifernden Biester wollen uns angreifen. Was für hässliche Fratzen! Diese albtraumhaften Wesen, sie werden mich noch Jahre in meinen Träumen verfolgen. So etwas Grauenhaftes habe ich ja noch nie gesehen! Alles voller Schleim und---

DUKO
Don! Duck dich, der erste Zombie greift dich mit seiner Gartenschaufel an. Pass auf, an der ist noch Erde dran!

DON DINCLAIR
Hua! Ich habe mich gerade noch rechtzeitig unter seinem Schlag weggeduckt. Das war vielleicht knapp! Na warte, du gammeliger Zombie! Jetzt bekommst du es mit meiner Faust zu tun! Ich schlage zu! JETZT! Oh nein! Ich habe vorbei geschlagen!

DUKO
Don! Du hast ihn verfehlt!

DON DINCLAIR
Das weiß ich selbst Duko! Ich meine, ich habe es doch laut gesagt!

DUKO
Oh entschuldige, ich habe dir nicht zugehört. Du klingst einfach unnatürlich, hat dir das schon mal jemand gesagt?
Natürlich muss man bei einem Hörspiel seine Charaktere mehr sagen lassen, als sie es in der Wirklichkeit tun würden, doch muss man aufpassen, dass es nicht so klingt wie in dem Beispiel weiter oben. Wenn man will, dass der Dialog wirklich echt klingt, hilft es, ihn einmal laut vorzusprechen. Das geht am besten mit einem guten Freund. Beim Aussprechen merkt man meistens schon selbst, dass manche Sätze einfach nicht gut klingen. Durch eine solche Selbstkorrektur spart man sich und dem Lektor nachher viel Zeit und Arbeit.
 
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Das Haus-Modell

Das Haus-Modell ist eine Schema, das die Grundzüge eines Dialogs verbildlichen soll. Ich habe es für den Skriptworkshop, der beim IHW 2013 gehalten wurde, entwickelt. Zur Sicherheit: Alle Angaben sind ohne Gewähr. Dennoch halte ich es für korrekt und es mag dem einen oder anderen helfen, die eigenen Dialoge fundierter verfassen zu können.

Das Modell fußt auf der Annahme, dass der Dialog wie ein Haus aufgebaut ist. Es sieht folgendermaßen aus:

https://www.hoer-talk.de/upload/up/Das_Burghardtsche_Haus-1382614248.png​

Um zum letztendlichen Dialog zu gelangen, muss man zunächst das Fundament legen: Die Vergangenheit. Damit sind sämtliche Erlebnisse einer Figur von Geburt bis zum aktuellen Tag gemeint. Dazu sollte der Autor sich folgende Fragen stellen und beantworten können:

Wo und wann wurde sie geboren?
Welche Institutionen hat sie besucht oder auch nicht? (Schule, Universität, Ausbildung, etc.)
Wie sah das soziale Umfeld aus?
Welche Entscheidungen haben das Leben beeinflusst?
Welche sozialen Kontakte haben eine starke Prägung hinterlassen?
Wie hat sich die Psyche der Figur entwickelt und warum?
Gab es Schicksalsschläge, die Narben hinterließen?
etc.

Wenn man dies alles und noch mehr herausgearbeitet hat, kann man mit der Figur arbeiten und sie im Dialog einsetzen. Erst jetzt wissen wir z.B., warum der ehemalige Schützengrabensoldat sehr misstrauisch ist und bei lauten Geräuschen unwillkürlich zusammenzuckt. Oder warum der ehemals misshandelte Junge heute ein Zirkusclown ist, der die Welt nur dann akzeptieren kann, wenn er andere (zwanghaft) zum Lachen bringt. Die Vergangenheit hinterlässt Spuren bei den Menschen. Wir sind keine unbeschriebenen Blätter, sondern ganze Geschichtsbücher, die ein Zusammenschluss aus allem bisher Erlebten bilden. All das macht uns zu dem, was wir heute sind. Und dieses "heute" ist wichtig für die Geschichte, die wir schreiben möchten. Denn diese spielt genau heute.

Natürlich muss dieses Fundament (also die Vergangenheit einer Figur) für jede in der Szene befindliche Figur ausgearbeitet werden. Ist dies geschehen, wird sich der Dialog viel leichter schreiben lassen, da man genug "Futter" hat, um die Sätze zu füllen.

Nun haben wir das Fundament (Vergangenheit) und möchten zum Dach (Dialog) gelangen. Dazu müssen wir die Szenerie genauer ausleuchten und uns klar machen, wer was in welcher Verfassung mit welchem Ziel macht. Zu schnell? Gut, noch mal langsamer:

Wer macht was? (Situation)
In welcher Verfassung ist die Figur? (Emotion)
Welches Ziel verfolgt sie? (Motivation)

Das sind die drei Säulen, die auf dem Fundament (der Vergangenheit) stehen und das Dach (also den Dialog) tragen. Beleuchten wir diese doch genauer:

Die Situation, in der die Szene spielt, sollte nach Möglichkeit haargenau bekannt sein. Dazu stellt sich der Autor folgende Fragen:

Wer taucht auf? (sprechende Charaktere, Menschen im Hintergrund, die vielleicht mithören könnten, Verfolger, die einen beschatten, aber nicht sprechen, Tiere, etc.)
Wo spielt die Szene? (Supermarkt, Schützengraben, Arbeitsamt, U-Boot, einsame Insel, Friedhof, etc.)
Welche äußeren Einflüsse dringen von außen an die Figuren heran? (drängelnde Passanten, brüllende Generäle, starker Regen oder Nebel verbirgt die Sicht, Temperaturen unter 0°C oder über 30°C, Dunkelheit, etc.)

Die Säule Emotion bezeichnet die mentale Verfassung der Charaktere. Sie ergibt sich aus der Vergangenheit, aber auch aus der aktuellen Situation. Auch hier sollte sich der Autor einige Fragen stellen, um den Charakter scharf zu umreißen:

Ist die Figur gestresst oder entspannt?
Wütend oder frisch verliebt?
Hasst sie die Menschheit oder würde sie am liebsten die ganze Welt umarmen?
Ist sie hungrig oder muss ganz dringend auf die Toilette?
Hat sie gerade eine Trennung hinter sich und trauert dem Verlust nach?
Kürzlich Todesfälle oder Geburten in der Familie?
Fühlt sie sich wohl in ihrer Umgebung oder würde sie am liebsten das Land verlassen?

Die emotionale Befindlichkeit einer Figur ist ausschlaggebend für den weiteren Handlungsverlauf.
Der wütende Peter Parker (Spiderman) z.B. ließ einen Verbrecher entkommen, weil er sich an dem Opfer rächen wollte, das ihn kurz zuvor betrogen hatte. Peter hätte den Verbrecher mit seinen Kräften leicht fangen können, aber er war zu wütend und ließ ihn bewusst entkommen. Leider tötete dieser Verbrecher auf der Flucht eher zufällig Peters Onkel Ben, was letztlich Peter dazu führte, der richtige Spiderman zu werden und auch seinen Leitspruch ("Aus großer Kraft folgt große Verantwortung.") bildete. Dieser Leitspruch hat Peters ganzes Leben begleitet und sämtliche danach erfolgten Entscheidungen maßgeblich beeinflusst.
Und das alles bloß aus einer einzigen emotionalen Empfindlichkeit heraus. Wir sehen also, auch im Fundament unseres Hauses (in der Vergangenheit) stecken jede Menge Emotionen.

Als letzte Säule folgt die Motivation. Kein Mensch ist völlig ziellos, jeder bezweckt etwas, und wenn es nur ein Tag ohne Aufgaben und Erledigungen ist, auch dann hat sie ein bestimmtes Ziel vor Augen. Hier hilft ein Blick auf die Vergangenheit der Figur, denn daraus lassen sich recht simpel logische Schlüsse ziehen, warum z.B. der alkoholkranke Trinker gerade zu Fuß in Richtung Supermarkt läuft oder der Einbrecher sich auffällig häufig die Räumlichkeiten des Museums betrachtet. Folgende Fragen können helfen:

Wie kam die Figur in diese Situation? Freiwillig oder gegen den eigenen Willen?
Welche Ziele wären im Hinblick auf die Vergangenheit passend?
Passt das kleine Ziel (z.B. Kauf eines Rucksacks) zum großen Ziel (z.B. Auswanderung oder Weltreise)?
Ist die Figur ein Einzelkämpfer oder ein Gruppenmensch? (Wichtig bei der Wahl oder der Annahme von Gefährten)

Hat man dies alles ausgeklügelt, wird der Dialog sehr wahrscheinlich ein fundierter, facettenreicher und erfolgreicher Austausch zwischen euren Figuren werden. :laechel:

Schön und gut, aber stimmt das wirklich? Beim IHW haben wir das ausgetestet. Ich habe zwei Skripte geschrieben und sie vortragen lassen. Die Sätze, die im Dialoggesprochen werden, sind zu über 85% deckungsgleich. Der Unterschied liegt an dem Veränderten Fundament und der Säule "Emotion". Doch hören wir uns die Dialoge zunächst einmal an:

a) Alte Freunde
 

SUSI
Hallo Lutz.

Lutz
Hallo Susi.

SUSI
Es ist ja schon ein bisschen her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben.

LUTZ
Ja, stimmt.

SUSI
Drei?

LUTZ
Was?

SUSI
Drei Monate ist es jetzt her, oder?

LUTZ
Achso.

SUSI
Und?

LUTZ
Ja, kann hinkommen.

SUSI
Was machst du so? Wie geht es dir? Erzähl doch mal!

LUTZ
Ach, nichts besonderes. Man lebt so vor sich hin, ne?

SUSI
Echt? Also bei mir ist so viel los gewesen. Ich war in Australien, weißt du?

LUTZ
Ja?

SUSI
Ja, mit Rucksack und so. 6 Wochen am Stück. Es war echt unglaublich. Man fühlt sich so befreit und losgelöst, weißt du? Einfach mal alles hinter sich lassen.

LUTZ
Klingt echt super!

SUSI
Und du? Ich glaube ich habe dich letztens mit Ulla gesehen. Seid ihr jetzt...?

LUTZ
Ja, sind wir. Schon ein Weilchen.

SUSI
Mensch, dann... gratuliere ich dir ganz herzlich! Sie ist ja auch echt eine Hübsche, klasse!
Du, ich muss jetzt noch was erledigen. Mach es gut!

LUTZ
Tschüß!

Dieses Skript wäre im Lektorat vermutlich ohne Beanstandung durchgesunken worden. Formal gibt es keine Fehler, die Giguen sind in sich kohärent, es ist eine gut vorstellbare Alltagssituation. Sie ist jedoch auch gleichzeitig ziemlich substanzlos. Man erfährt sehr wenig über die Figuren Lutz und Susi. Nur so viel, dass man als Hörer nicht sofort ausschaltet, denn einige Informationen werden ja geliefert.
Vergleichen wir dies nun mit dem Skript b) Gebrochene Herzen:

b) Gebrochene Herzen
 

- Gebrochene Herzen
(In dieser Version sind Susi und Lutz keine alten Freunde, sondern ein ehemaliges Liebespaar, dass sich nach der Trennung zum ersten Mal wiedersieht)

SUSI
(vorsichtig)
Ähm... hallo Lutz.

LUTZ
(DREHT SICH ÜBERRASCHT UM, DANN VERLEGEN)
Susi! Oh! Ähm... hi...
(BETRETENES SCHWEIGEN)

SUSI
(FASST MUT UND MACHT DEN ERSTEN SCHRITT)
Ja, hi... Mensch, du siehst gut aus. Deine Haare, endlich hast du diesen Mittelscheitel abgelegt. Gute Entscheidung... Wir haben uns lange nicht gesehen, was?

LUTZ
(VERLEGEN)
Danke. Ja, stimmt. Ein Weilchen.

SUSI
Drei?

LUTZ
Was?

SUSI
(WIRD JETZT TRAURIG)
Drei Monate ist es jetzt her, oder?

LUTZ
Achso. Das meinst du.

SUSI
Und? Mach es mir doch bitte nicht so schwer uns sag auch mal etwas...

LUTZ
(MERKLICH NERVÖS)
Ja, kann hinkommen.

SUSI
(SEUFZT)
Du änderst dich wohl nie... Was machst du so? Wie geht es dir? Lass dir nicht alles aus der Nase heraus ziehen!

LUTZ
(WILL EIGENTLICH WEG UND DAS GESPRÄCH KURZ HALTEN)
Es hat sich nichts geändert. Wohne noch bei meinem Bruder, bis ich was eigenes finde.

SUSI
(AUFGESETZT FRÖHLICH)
Ja... sorry...
(WECHSELT DAS THEMA)
Also bei mir ist so viel los gewesen. Ich war in Australien, weißt du?

LUTZ
Ja?

SUSI
(AUFGESETZTES LÄCHELN)
Ja, mit Rucksack und so. 6 Wochen am Stück. Es war echt unglaublich. Man fühlt sich so befreit und losgelöst, weißt du? Einfach mal alles hinter sich lassen.

LUTZ
Klingt toll. Du, ich muss eigentlich noch---

SUSI
(UNTERBRICHT IHN, JETZT BEINAHE WEINEND)
Und du? Ich glaube ich habe dich letztens mit Ulla gesehen. Seid ihr jetzt...?

LUTZ
(SEUFZT)
Ja, sind wir. Schon ein Weilchen.

SUSI
(HÄLT DIE TRÄNEN MÜHSAM ZURÜCK)
Mensch, dann... gratuliere ich dir ganz herzlich! Sie ist ja auch echt eine Hübsche, klasse!
Du, ich muss jetzt noch was erledigen. Mach es gut!

LUTZ
(BETRETEN)
Ja... leb wohl...

Was ist hier passiert? Die Dialoge sind von der Wortwahl beinahe deckungsgleich, dennoch haben wir es hier mit zwei vollkommen unterschiedlichen Gesprächen zu tun. Wer sich das Skript zu b) Gebrochene Herzen angesehen hat, wird die vielen Regieanweisungen bemerkt haben. Nur durch diese haben die Sprecher Informationen zu ihren Figuren erhalten. Sie haben keine Hintergrundgeschichte von mir erhalten und sich vorher auch nicht über ihre Figuren ausgetauscht. Ich als Autor musste natürlich wissen, was ich da tue.
Zunächst habe ich die Vergangenheit geändert. Aus ehemaligen Freunden wurden plötzlich frühere Geliebte. Die Trennung ist beiden nicht gleich gut bekommen. Während Lutz sich bereits mit seiner neuen Freundin Ulla vergnügt, musste Susi zunächst das Land verlassen, um sich mit ihrer Situation und den starken Emotionen auseinandersetzen zu können. Die Situation ist die selbe geblieben: Beide treffen sich zufällig in einer Einkaufspassage, nachdem sie sich drei Monate lang nicht gesehen haben. Die veränderte Vergangenheit der beiden hat das Treffen jedoch mit einem sehr bedrückendem Charakter versehen. Die Emotionen haben sich daher auch verändert. Das hat auch neue Motivationen ergeben: Susi braucht Gewissheit, Lutz will schnell weg.

Das Fazit: Worte alleine reichen nicht aus. Um das "Haus" bauen zu können sind sowohl Fundament, als auch die tragenden Säulen unbedingt erforderlich. Erst sie geben dem Dach die notwendige Substanz.
 
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Struktur der Geschichte

Viele Wege führen nach Rom! So verschieden die Charaktere der Menschen sind, so unterschiedlich sind die Arbeitsweisen und jeder muss für sich seine ganz eigene Schreibmethode finden. Allerdings gibt es universell gültige Kriterien, auf die ein jeder achten sollte:


1. Der Plot

Zunächst einmal braucht man eine Idee, die man zu einem Skript umwandeln möchte. Dabei erarbeitet man die Handlung, den sogenannten Plot. Die einen entwickeln ihre Ideen gerne während des Schreibens, die anderen planen zuerst. Der Vorteil der ersten Methode ist, dass es auch für den Autor spannender ist, da er die Story beim Schreiben selbst erst erlebt. Wiederum muss man eventuell alles hinschmeißen und von vorne beginnen, wenn einem am Ende eine ganz neue, eindeutig bessere Idee zur Strukturierung gekommen ist oder man vielleicht eine neue Hauptfigur einsetzen möchte oder oder oder...
Wer zuerst plant und dann schreibt, spart sich solche Mühen. Es empfiehlt sich, zuerst ein Exposé anzufertigen, in dem man den Handlungsverlauf kurz, aber mit allen wichtigen Informationen versehen, niederschreibt. Dabei erkennt man sehr schnell Logikfehler, die im eigenen Kopf gar nicht so falsch klangen und es fällt leichter auch eine kompliziertere Struktur aufzubauen.
Ich selbst wollte einen Verbrecherboss einmal sehr böse darstellen, also habe ich ihn Drogen verkaufen lassen. Da er ganz besonders böse sein sollte, waren diese Drogen mit giftigen Substanzen gestreckt worden, sodass die Süchtigen sehr schnell starben. Ein guter Freund eines Protagonisten sollte so auf die Spur des Bosses kommen und auf diese Weise ein persönliches Motiv erhalten den miesen Fiesling zur Strecke zu bringen.
Das Problem war nur: Wenn alle Kunden sterben, gibt es bald keine Abnehmer mehr...
Im Exposé wird folgendes festgehalten:
Wie viele Szenen gibt es?
Was geschieht in den einzelnen Szenen?
Welcher Protagonist handelt wo und warum?
Ein Autor muss seine Geschichte kennen, um sie erzählen zu können.


2. Die Charaktere

Im Hörspiel ist es wie im Buch und im Film: Spannende, gegensätzliche Charaktere beleben die Geschichte. Ein Protagonist ist aber nur dann spannend, wenn er auch einen Hintergrund hat, aus dem man als Autor schöpfen kann. Man neigt dazu, stereotyp zu denken: Ein dümmlicher Kraftprotz, ein ehrenhafter Anführer, ein gehässiger Bösewicht und und und… doch sind diese Stereotypen, trotz ihres hohen Wiedererkennungswertes, so in sich noch hohl.
Damit deine Charaktere auch lebendig wirken, sollten sie gelebt haben. Erstelle einen Hintergrund, in dem du alles Wichtige über die Person und den Werdegang des Charakters aufschreibst: Alter, Herkunft, Bildungsgrad, einschneidende Erlebnisse in der Vergangenheit, Stärken und Schwächen, Angewohnheiten und moralischer Kompass. Damit kennst du deine Figur so gut, dass sie immer eigenständig in der Story ihren zum Charakter passenden Weg gehen kann. So ein Hintergrund hilft dir im Hörspielbereich auch, eine eigene Redeweise pro Charakter zu finden. Je nach Vergangenheit ist man vielleicht eloquenter, wortkarger, ein Plappermaul usw.
Ganz wichtig: Jeder Charakter benutzt ein eigenes Vokabular!


3. Beschreibungen

Wenn du viel mit Wörtern wie "merkwürdig", "anders" oder "seltsam" arbeitest, versteht der Hörer nichts davon. Wie sieht denn ein seltsamer Baum aus? Wie klingt ein ganz anderes Lied? Und wie riecht eine merkwürdige Substanz? Um zu beschreiben, was geschieht, benötigst du ein Vokabular, das mehr vermittelt, als die subjektive Einschätzung des Autors.


4. Das Hören

"Die Uhr tickte schwerfällig, doch das knisternde Kaminfeuer verbreitete eine wohlige Atmosphäre."
Für Prosa ist das ein schöner Satz, im Hörspiel jedoch überflüssig. Es gilt: Was man hören kann muss nicht beschrieben werden, außer es ist für die Story von besonderem Interesse. Die Uhr und das Feuer können als Soundanweisungen in das Skript eingebracht werden und der Erzähler kann sich den wichtigen Dingen widmen.


5. Der Erzähler

Du musst dich für eine Erzählperspektive entscheiden. Ob auktorial, personal oder Ich-Erzähler, wichtig ist, dass du deiner Linie treu und in der Erzählweise einheitlich bleibst.
Beim Hörspiel sollte man den Erzähler mit Bedacht einsetzen. In manchen Geschichten macht er sich hervorragend, doch wie schnell wird durch einen zu häufig auftauchenden Erzähler der Schwung aus der Geschichte genommen. Viele Begebenheiten lassen sich auch durch natürliche Dialoge wiedergeben, auch wenn es schwierig erscheint, für das Ergebnis macht es sich allemal bezahlt.


6. Wortwiederholungen

"Dann geschah das Wunder! Und wie es sich für ein Wunder gehört, haben sich alle wundersam gewundert. Wunder sind toll, denn Wunder sind wundersam..."
Es geschieht schnell, dass man beim Schreiben immer wieder das selbe Wort verwendet. Verwende Synonyme und Umschreibungen, wo es geht, denn auf Dauer stört so etwas den Erzählfluss. Wenn der Hörer immer wieder des selbe Wort vorgesetzt bekommt, könnte er sich wundern.


7. Kürzen, kürzen, kürzen!

Wer kennt das nicht? Man feilt Stunden, ach was, ganze Tage und Wochen an einer ganz bestimmten Szene, doch ein guter Freund sagt dir, sie sei überflüssig, sogar störend im Erzählfluss. Auch wenn es schmerzt: Was weg kann , muss auch weg. Wichtig ist das Gesamtwerk, nicht das einzelne Wort.


8. Das Ende

Cliffhanger, also Situationen die schlagartig enden und den Hörer über den Fortlauf der Ereignisse im Unklaren lassen sind sehr beliebt und für die einzelnen Szenen bestimmt auch hilfreich, denn sie erzeugen den Wunsch, mehr von der Geschichte zu erfahren.
Aber: Weiterlesen kann der Leser nur, wenn die Geschichte auch fortgeführt wird. Eine Hörspielproduktion dauert Monate, da kann es schon mal passieren, dass die Lust an der Geschichte verloren geht. Um gewährleisten zu können, dass die Hörspiele bei Hoerspielprojekt.de auch fertig erzählt werden, solltest du darauf achten, dass deine Geschichten in sich geschlossen sind. Ein Cliffhanger ist schön und gut, aber wenn die Fortsetzung nicht kommt, ist man als Hörer/Leser enttäuscht. Um das zu vermeiden werden Hörspiele nur freigegeben, wenn die Episode in sich geschlossen ist. Falls du einen Cliffhanger einbauen möchtest, musst du den Folgeteil, in dem die Story dann beendet wird, bereits fertig geschrieben und eingereicht haben. Solltest du aus irgendeinem Grund nicht mehr in der Lage sein, die Fertigstellung deines Hörspiels durchführen zu können, kann es vom Hörspielprojekt-Team fertig produziert werden.
 
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Was macht eigentlich ein Lektor?

Gute Frage. Je nachdem, wem man sie stellt, bekommt man entweder die Antwort: Der macht meinen Text kaputt. Oder aber: Der hilft mir, das Beste aus meinem Text heraus zu holen. Wer also Lektor werden möchte, muss sich bewusst sein, dass er nicht nur für die Überprüfung von Rechtschreibung, Grammatik und Logikfehlern verantwortlich ist, die Chrakterzeichnung im Auge behalten muss und Anschlußfehler vermeiden soll, sondern weit mehr wird. Er wird Beichtvater, Seelentröster, Mindcoach und vielleicht zum Buhmenschen, weil er derjenige ist, der dem Autor sagen muss, dass das geliebte Kopfkind leider nicht auf die Welt kommen, sprich, veröffentlicht wird. Der Lektor muss unangenehme Wahrheiten nett, aber bestimmt transportieren können, Lob sinnvoll aber nicht zu Höhenflügen veranlassend anbringen und bereit sein, in der Sache unnachgiebig zu sein.
 
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Was ist, wenn ich das Feedback des Lektors nicht umsetzen möchte?

Man kann über alles reden, manchmal ist ein klärendes Gespräch sehr hilfreich, um einige streitbare Szenen zu erläutern. Im Zweifelsfall wendet sich ein Lektor ohnehin an mindestens einen Kollegen und bespricht das Skript im Team. Da gilt dann das Prinzip der entscheidenden Mehrheit.
Es ist wichtig zu verstehen, dass das gewissenhafte Lektorat viel Arbeit und Zeit kostet, gerade wenn das Feedback sehr ausführlich wird. Deshalb gilt: Wer sein Skript einreicht, erklärt sich dazu bereit vorgeschlagene Änderungen auch zu übernehmen.
 
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Was brauche ich, um Lektor sein zu können?

Ein dickes Fell. Geduld. Ein gutes Sprachgefühl. Geduld. Gute Rechtschreibkenntisse. Geduld. Ein Gefühl für Zusammenhänge und Dynamik von Dialogen und Actionen. Geduld. Konfliktfähigkeit. Bevorzugt Erfahrung als Hörspielautor oder Prosaautor. Und vor allem Geduld. Weil man auch beim zehnten Mal immer noch Rücksicht auf die Gefühle des Autors nehmen muss. Schließlich operiert man am offenen Herzen dessen, was der Autor im Schweiße seines Angesichtes mit Leib und Seele geschrieben hat. Trotzdem heißt "nein" "nein". Nicht "jain", nicht "eventulleicht", sondern "nein". Das ist wahrscheinlich das schwerste Wort, das ein Lektor schreiben können muss.
 
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Was kommt nach dem Lektorat?

Wenn das Skript geschrieben ist, es lektoriert und auch freigegeben wurde, muss zuerst noch eine letzte Sache erledigt werden: Bevor du die Rollen ausschreibst, soll feststehen, wer den Cut übernehmen wird. So vermeidet man böse Überraschungen, außerdem wird auf diese Weise in etwa gewährleistet, dass die Produktion auch tatsächlich stattfindet
 
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Was ist mit Serien?

Eine Serie von Hörspielen zu schreiben ist ein langfristiges und aufwändiges Unterfangen. Das darf man nicht unterschätzen. Es ist daher empfehlenswert mit einem Hörspiel zu starten und eventuell später weitere Folgen dazu zu schreiben. Außerdem sollte jedes Hörspiel einer Serie in sich geschlossen sein. Andernfalls gibt’s viele offene Fragen und enttäuschte Hörer, sollte die Serie nicht fortgesetzt werden können.
Verwendest du einen Cliffhanger, muss auch das Folgeskript fertig sein, bevor du mit der Produktion starten darfst.
 
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