• CALVARIA - Garwindel 2

MaVericK

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Sprechprobe
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Liebe HörTalker,
ich wollte hier einfach mal einen Erfahrungsbericht teilen, weil ich ziemlich beeindruckt bin von dem, was über diese Community gerade wieder entstanden ist.
Wir führen hier ja oft sehr hitzige Diskussionen rund um KI – und ich halte die für extrem wichtig. Nicht nur technisch oder politisch, sondern ganz konkret für die eigene künstlerische Haltung. Mich persönlich haben diese Diskussionen in den letzten Wochen stark zum Nachdenken gebracht. Ich habe mich intensiv mit KI-Animationen beschäftigt, weil ich die Möglichkeiten spannend fand, und habe im Rückblick gemerkt, dass ich aus künstlerischer Sicht auf einem falschen Weg war. Die Gespräche hier im Forum haben mir sehr geholfen, mich neu zu sortieren und wieder einen eigenen Kompass zu finden.
Was ich aber vor allem hervorheben möchte:
Aus einem Projekt, das ursprünglich von einer einzelnen Person getragen wurde (mir), ist inzwischen ein 15-köpfiges Team geworden. Wir produzieren gerade die Pilotfolge für eine Animationsserie – und haben inzwischen sogar eine Grafikerin an Bord, damit künftig noch weniger KI eingesetzt wird.
Wenn man sich das einmal bewusst macht:

- Synchronsprecher:innen
- Lektor:innen aus dem Forum
- Komponist:innen
- Sänger:innen
- Sounddesigner für Effekte

Das alles ist hier aus der Community heraus entstanden.
Ich habe darüber auch mit Wayne gesprochen, und ein Bekannter von mir, der als Filmproduzent arbeitet, war ehrlich gesagt ziemlich baff. Die Pilotfolge ist Ende Januar fertig – und er meinte, dass rund 70 % ( ob das jetzt wirklich so ist, weiß ich nicht, denke das war von Wayne symbolisch) aller Projekte schon daran scheitern, überhaupt eine Pilotfolge zu realisieren. Und wir haben das hier einfach gemeinsam gemacht.
Deshalb möchte ich diesen Erfahrungsbericht auch an alle richten, die überlegen, etwas zu wagen:
Diese Community bietet unglaublich viele Möglichkeiten, sich künstlerisch zu entfalten. Man muss sie nur nutzen. Fragen stellen. Zusammenarbeit zulassen. Kritik annehmen.
Ich habe mir hier auch schon die Finger verbrannt – unter anderem bei dem Versuch, ein Hörspiel umzusetzen. Und ich bleibe dabei: Hörspiele sind extrem anspruchsvoll, für mich fast die Königsklasse des Erzählens, weil das Visuelle komplett über den Ton transportiert wird. Aber genau deshalb lohnt sich der Austausch hier so sehr.
Ein Tipp aus meiner Erfahrung: ein gemischtes Cast. Erfahrene Leute und neue Stimmen zusammenzubringen, bringt oft die spannendsten Impulse.
Ende Januar erscheint die Pilotfolge. Die zweite Folge wird nochmal ein deutlich höheres Niveau haben – unter anderem, weil wir jetzt grafisch stärker aufgestellt sind. All das wäre nicht möglich gewesen ohne die vielen Menschen hier, die Lust hatten, mitzuwirken und Verantwortung zu übernehmen.
Und damit zum Schluss ein Gedanke, der mir gerade sehr klar ist:
Das kann KI nicht ersetzen. Kunst ist Gemeinschaft. Und das kann nur der Mensch.
 

Nagelfuchs

Mitglied
Erstmal: Gratulation für das Projekt und dass ihr das so erfolgreich aus dem Boden gestampft habt. Find ich super.

That said: Ich bin bei dem Thema nach wie vor sehr zwiegespalten und denke nicht, dass man da pauschalisieren sollte.
Ja, beim Erstellen von Animationen und Grafiken in Produktionen, die zur Veröffentlichung (egal in welchem Rahmen) gedacht sind, halte ich KI auch für problematisch. Vor allem, wenn es um Stimmen und in Konsequenz um den Ersatz von Menschen geht, die mit ihrer Stimme arbeiten.

Aber:
Nehmen wir mal das Beispiel der Stimmen. Denn auch hier würde ich ausnahmen machen.
Ich weiß nicht, ob jemand die neue Pumuckl-Serie geschaut hat. Ich, als Pumuckl-Fan seit meiner Kindheit, habe sie geschaut und sehr genossen. Hier hat ein Sprecher die Rolle von Pumuckl übernommen und die KI hat sie dann zur Stimme von Hans Clarin umgebastel. Im Stream weden beide Versionen angeboten.
In so einem Fall, wo der Sprecher halt nicht mehr verfügbar ist, die Stimme aber so sehr mit einer Figur verbunden ist, dass eine Ablösung quasi nicht möglich ist, da finde ich diesen Einsatz von KI okay.
Nebenbei ist die Serie sehr liebe- und respektvoll gegenüber der alten Serie produziert. Und ich hab sie sehr genossen.

Weiters:
Ich hatte letztes Jahr das zweifelhafte Vergnügen, mich längere Zeit mit der Agentur für Arbeit...nun, nennen wir es "austauschen" zu müssen. In dem Kontext wurde mir irritierend vehement kommuniziert, das mein Job (Mediengestalter Bild und Ton) obsolet sei, das das ja eh alles von KI übernommen wurde und wird.
Das ist schlicht nicht zutreffend.

Aber (die zweite):
KI-Funktionen finden immer mehr Einzug in die Programmroutinen. Photoshop kann jetzt KI-gestützt Korrekturen vornehmen (Hintergründe entfernen, Farben angleichen, so Zeugs halt).
Audioprogramme wie Spectral Layers können Lieder komplett auseinandernehmen und jede Stimme und jedes Instrument in eine eigene Spur aufteilen.
Premiere kann vorhandene Musik bei Bedarf erweitern, falls es (z.B. im Rahmen von Werbespots) vom Timing her nötig ist.
Das alles sind Funktionen, die zwar von KI übernommen werde, den User dahinter aber nicht ersetzen und vor allem nicht unabhängig vom User funktionieren.

Was ich sagen will ist: Wenn KI respekt- und sinnvoll eingesetzt wird, verurteile ich sie nicht. Wenn sie verwendet wird, um nen schnellen Euro zu machen, allerdings schon. Und das sehr.

Und was man im privaten mit KI anstellt ist mir persönlich recht egal. :D
 

MaVericK

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Erstmal: Gratulation für das Projekt und dass ihr das so erfolgreich aus dem Boden gestampft habt. Find ich super.

That said: Ich bin bei dem Thema nach wie vor sehr zwiegespalten und denke nicht, dass man da pauschalisieren sollte.
Ja, beim Erstellen von Animationen und Grafiken in Produktionen, die zur Veröffentlichung (egal in welchem Rahmen) gedacht sind, halte ich KI auch für problematisch. Vor allem, wenn es um Stimmen und in Konsequenz um den Ersatz von Menschen geht, die mit ihrer Stimme arbeiten.

Aber:
Nehmen wir mal das Beispiel der Stimmen. Denn auch hier würde ich ausnahmen machen.
Ich weiß nicht, ob jemand die neue Pumuckl-Serie geschaut hat. Ich, als Pumuckl-Fan seit meiner Kindheit, habe sie geschaut und sehr genossen. Hier hat ein Sprecher die Rolle von Pumuckl übernommen und die KI hat sie dann zur Stimme von Hans Clarin umgebastel. Im Stream weden beide Versionen angeboten.
In so einem Fall, wo der Sprecher halt nicht mehr verfügbar ist, die Stimme aber so sehr mit einer Figur verbunden ist, dass eine Ablösung quasi nicht möglich ist, da finde ich diesen Einsatz von KI okay.
Nebenbei ist die Serie sehr liebe- und respektvoll gegenüber der alten Serie produziert. Und ich hab sie sehr genossen.

Weiters:
Ich hatte letztes Jahr das zweifelhafte Vergnügen, mich längere Zeit mit der Agentur für Arbeit...nun, nennen wir es "austauschen" zu müssen. In dem Kontext wurde mir irritierend vehement kommuniziert, das mein Job (Mediengestalter Bild und Ton) obsolet sei, das das ja eh alles von KI übernommen wurde und wird.
Das ist schlicht nicht zutreffend.

Aber (die zweite):
KI-Funktionen finden immer mehr Einzug in die Programmroutinen. Photoshop kann jetzt KI-gestützt Korrekturen vornehmen (Hintergründe entfernen, Farben angleichen, so Zeugs halt).
Audioprogramme wie Spectral Layers können Lieder komplett auseinandernehmen und jede Stimme und jedes Instrument in eine eigene Spur aufteilen.
Premiere kann vorhandene Musik bei Bedarf erweitern, falls es (z.B. im Rahmen von Werbespots) vom Timing her nötig ist.
Das alles sind Funktionen, die zwar von KI übernommen werde, den User dahinter aber nicht ersetzen und vor allem nicht unabhängig vom User funktionieren.

Was ich sagen will ist: Wenn KI respekt- und sinnvoll eingesetzt wird, verurteile ich sie nicht. Wenn sie verwendet wird, um nen schnellen Euro zu machen, allerdings schon. Und das sehr.

Und was man im privaten mit KI anstellt ist mir persönlich recht egal. :D
Kann ich voll unterschreiben! Auch betreffend Pumuckl!
 

Margolotta

Mitglied
Ich hatte letztes Jahr das zweifelhafte Vergnügen, mich längere Zeit mit der Agentur für Arbeit...nun, nennen wir es "austauschen" zu müssen. In dem Kontext wurde mir irritierend vehement kommuniziert, das mein Job (Mediengestalter Bild und Ton) obsolet sei, das das ja eh alles von KI übernommen wurde und wird.
Das ist schlicht nicht zutreffend.
Ich finde es schockierend, dass man Dir so etwas "vor den Latz geknallt" hat. Erstens sehe ich es auch so wie Du, dass die Aussage nicht stimmt. Ja, es werden Arbeiten entfallen, aber viel wird auch bleiben bzw. zu dem Job wird auch die Anwendung von KI gehören, man muss sich halt weiterentwickeln.

Aber zweitens ist es Aufgabe der AfA, die Leute zu motivieren und sie zu unterstützen. Das war ja bei Deinem Ansprechpartner das genaue Gegenteil. Unfassbar.

Was den Einsatz angeht: Ich kann besonders gut so "Automaten-Ansagen". Der Job wird sicher schon schnell obsolet sein. Dafür sind synthetische Stimmen schon viel zu gut. Aber der kreative, dynamische Teil, der wird bleiben. Dasselbe gilt für grafische Arbeiten. So etwas wie die Bauhaus-Bewegung wäre nicht entstanden, hätte man damals schon gesagt, dass kreative Arbeit jetzt von Automaten übernommen wird. Denn damit gibt es keine kreative Weiterentwicklung, nur algorithmisches Folgen des Massengeschmacks.
 

MaVericK

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Ich finde es schockierend, dass man Dir so etwas "vor den Latz geknallt" hat. Erstens sehe ich es auch so wie Du, dass die Aussage nicht stimmt. Ja, es werden Arbeiten entfallen, aber viel wird auch bleiben bzw. zu dem Job wird auch die Anwendung von KI gehören, man muss sich halt weiterentwickeln.

Aber zweitens ist es Aufgabe der AfA, die Leute zu motivieren und sie zu unterstützen. Das war ja bei Deinem Ansprechpartner das genaue Gegenteil. Unfassbar.

Was den Einsatz angeht: Ich kann besonders gut so "Automaten-Ansagen". Der Job wird sicher schon schnell obsolet sein. Dafür sind synthetische Stimmen schon viel zu gut. Aber der kreative, dynamische Teil, der wird bleiben. Dasselbe gilt für grafische Arbeiten. So etwas wie die Bauhaus-Bewegung wäre nicht entstanden, hätte man damals schon gesagt, dass kreative Arbeit jetzt von Automaten übernommen wird. Denn damit gibt es keine kreative Weiterentwicklung, nur algorithmisches Folgen des Massengeschmacks.
Und das wird uns auf die Füße fallen! Ich sage nur vor 15 Jahren; Keiner braucht mehr Lehramt studieren, wir haben genug Lehrer und viel zu wenig Kinder. Und dann fällt es auf die Füße oder damals bei meinem Vadder in der Stahlbranche, zich erfahren Leute entlassen und nicht mehr ausgebildet, weil gibt ja Roboter und 5 Jahre später festgestellt "Scheiße" wir brauchen Menschen mit Schmiede Erfahrung, die genau verstehen ob der Computer einen Fehler gemacht hat!
 
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