Poldi

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Dreamland Grusel – 12. Kap der blutigen Nächte

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Erster Eindruck: Was bisher geschah...

Das Schiff von Kapitän Regnier segelt unter keinem guten Stern: Auf mysteriöse Weise verschwinden immer mehr Mitglieder seiner Crew. Als ein schrecklicher Sturm losbricht, werden sie durch das Leuchtfeuer von Strandpiraten angelockt und erleiden Schiffbruch. Doch auch die räuberische Bande, die den Kapitän als Geisel gefangen hält, ist ihres Lebens nicht mehr sicher, als ein übernatürliches Wesen dem Schiff entsteigt...

Nach einer Pause, die dann doch nicht so lang ausfiel wie geplant, meldet sich Dreamland Productions mit der zwölften Folge seiner Gruselserie wieder. Als inoffizieller Nachfolger der legendären Europa Gruselserie von H.G. Francis wird hier zum zweiten mal Bezug auf die Kultserie genommen und die Vorgeschichte zu „Gräfin Dracula, Tochter des Bösen“ erzählt. Dabei treten die ersten unheimlichen Elemente schon recht früh auf, in Form eines weißen Wolfes, der an Bord auftaucht. Das weiß ebenso zu gefallen wie die Einleitung von Erzähler Christian Rhode und die durchaus gelungene Introszene an Deck. Mit dem Auftauchen des Leuchtfeuers und den Strandpiraten geht dann die eigentliche Handlung los, hier verliert die Geschichte ein wenig an Dynamik und Tempo, die sie erst im Laufe der Zeit mit dem unheimlichen Verschwinden eines der Piraten wiedergewinnt. Und ab da steht die übermächtige Figur der Gräfin Dracula im Mittelpunkt, sorgt immer wieder für gruselige Szenen und schließlich auch für ein actiongeladenes Finale am Strand. Gut ist hier die Erzählweise, in der teilweise zeitgleiche Ereignisse nacheinander erzählt werden und der Hörer alles gut verfolgen kann. Ganz am Schluss ist dann sogar der Anfang vom Europa-Original zu hören, sodass ein nahtloser Übergang zur Vorlage entsteht. Spannungsbogen und dramatische Entwicklung sind hier also als gelungen zu betrachten, die Folge gehört zu den stärksten der Serie, nur das Dialogbuch ist wieder in großer Kritikpunkt. Die Dialoge wirken häufig gekünstelt und hölzern, hier wäre wieder einmal Feinschliff nötig gewesen. Ansonsten eine gute Folge, der Bezug zur Europaserie verleiht dem Ganzen zusätzliche Würze.

Die anfängliche Szene auf dem Schiff ist zwar eine gut erzählte, nur sind die Sprecher hier nicht in Topform und besonders bei den Schreien recht unglaubwürdig. Ansonsten ist die Sprecherleistung solide bis gut. Gefallen hat Gabriele Wienand als Gräfin Dracula, die das bösartige Wesen gekonnt darstellt und wirklich bedrohlich wirkt – nur ihre Geräusche, wenn sie Blut saugt, wirken ein wenig merkwürdig. Katja Brügger ist als Strandpiratin Joana de Silva zu hören, ihre tiefe und raue Stimme passt gut zu der Rolle, die leichten moralischen Anflüge der Frau kann sie wirkungsvoll platzieren. Erzähle Christian Rhode sorgt mit seiner markanten Stimme immer wieder für gelungene Akzente. Weitere Sprecher sind Lutz Mackensy, Christian Stark und Daniel Welbat.

Akustisch gesehen ist die Geschichte ebenfalls solide produziert und sorgt mit seinen Melodien immer wieder für hübsche Atmosphären. Mehr Raum wird hier jedoch den Geräuschen zugesprochen, die fast ständiger Begleiter der Dialoge sind. Sowohl in der ersten Szene auf dem Schiff wie auch in der letzten mit dem Möwenschwarm treten sie stärker in den Vordergrund.

Das Cover – dieses mal ist wieder rot als dominante Farbe an der Reihe – zeigt und die zähnefletschende Gräfin mit leicht irrem Blick und erinnert damit zusätzlich an die Vorlage. Das Booklet ist im Inneren schwarz-weiß und enthält neben einigen Infos – auch zur Europaserie – zahlreiche Fotos der Mitwirkenden. Als Bonustrack auf der CD gibt es übrigens noch die Gedanken einiger Hörspielmacher zum mittlerweile verstorbenen H.G. Francis.

Fazit: Trotz unausgereifter Dialoge ist hier ein spannendes und schwungvolles Hörspiel entstanden, das durchaus gruselige Momente zu bieten hat und die Vorgeschichte gut umsetzen kann.

VÖ: 1.Juli 2012
Label: Dreamland Productions
Bestellnummer: 978-3-939066-61-3
 
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