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22. Dezember - Ho, Ho, Ho

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Nervös blickte Fabian auf das übergroße Buch, welches in roten Samt eingeschlagen und an den Kanten und am Buchrücken mit aufwendiger goldener Spitze bestickt in seinem Arm lag. “Hoffentlich verlese ich mich nicht…”, murmelte er aufgeregt. Zum etwa zehnten Mal schob er das Kissen zurecht und band den Knoten des Seiles, mit dem es um seinen Bauch befestigt war, neu. Bestimmt zum tausendsten Mal stieß er sich den Ellbogen an dem verdammten Regal der kleinen Putzkammer, in der er sich versteckt hielt, damit keines der Kinder auf der Weihnachtsfeier ihn zufällig zu früh entdeckte. Eine Flasche mit Bleichmittel ganz oben auf dem Regal kippelte auf ihrem alten, völlig verbeulten Boden hin und her. Fabian bemerkte es zu spät und… Klong! Fabian stieß einen leisen Fluch aus. Die Flasche hatte genau getroffen. Missmutig rieb er sich den Kopf. Das würde eine Beule geben…

“Quatsch, den gibt es gar nicht!”, hörte Fabian eine Kinderstimme vor der Tür. Es war ein Mädchen. Er schätzte auf sechs oder sieben Jahre. “Klar gibt es den Weihnachtsmann!”, antwortete eine jüngere Jungenstimme. “Pah”, lachte das Mädchen. “An den glauben doch nur Babys!” Die Schritte der Kinder vor seiner Kammer verhallten und die Stimmen wurden leiser. Ein leichtes Lächeln glitt Fabian über die Lippen. “Mich gibt es also nicht?”, murmelte der Siebzehnjährige grinsend mit seiner bassigen Stimme. Da würde sich die Kleine aber wundern, wenn der Weihnachtsmann, den es ja gar nicht gab, gleich vor ihr auf dem rot gepolsterten Stuhl sitzen würde. Er blickte auf seine Armbanduhr. Um 17:30 Uhr war sein Auftritt… Nicht mehr lange… Ein paar Minuten. Vorsichtig, damit das Kissen nicht verrutschte und er sich nicht schon wieder in dieser viel zu kleinen Kammer irgendwo stieß, zog er sich den schweren, warmen, roten Mantel an und holte den langen weißen Bart und die rote Bommelmütze aus der Manteltasche. Vorsichtig zog er sich das Gummi des Barts über den Hinterkopf und hängte sich den Bart unters Kinn. Dann griff er zu der kleinen Tube und atmete einmal tief durch. Dann öffnete er die Tube, hielt die Luft an und trug eine dünne Schicht des Hautklebers um seinen Mund herum und an den Wangen auf. Vorsichtig nahm er den Bart und klebte ihn an die richtige Stelle. Er drückte den Bart einen Moment fest, bis der Kleber getrocknet und die Verwandlung zum Weihnachtsmann vollendet war. Fabian lächelte zufrieden. Jetzt konnten so viele Kinder an seinem Bart ziehen, wie sie wollten. Der Weihnachtsmann blieb der Weihnachtsmann! Er blickte noch einmal auf seine Uhr. Nur noch eine Minute. Er spürte das aufgeregte Kribbeln in seinem Bauch immer stärker werden. Hoffentlich wurde das etwas… Wenn er sich verlas… Nein, nicht daran denken… Vorsichtig öffnete Fabian den Jutesack voller Süßigkeiten, der zu seinen Füßen stand, und legte das Buch hinein. Dann knotete er ihn wieder zu. Nicht zu fest natürlich! Es gäbe nichts Peinlicheres, als wenn der Weihnachtsmann seinen Geschenkesack nicht auf bekommen würde… Jetzt war es Zeit! Fabian zog die rote Bommelmütze über den Kopf, lauschte kurz an der Tür, ob die Luft rein war, und schlüpfte dann auf den Flur.

“Ho, ho, ho!”, sagte er und öffnete die Tür zum Festraum. Sein Auftritt konnte beginnen!
 

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