Poldi

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Kalter Schmerz (Hanna Jameson)

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Erster Eindruck: Privatdetektiv oder Profikiller?

Nic Caruana verdient sein Geld als Privatdetektiv in der Londoner Unterwelt, und bei Bedarf tötet er auch gleich für seine Auftraggeber, Mitleid und Gewissen hat er längst abgestellt. Das soll sich ändern, als er für einen Waffenhändler dessen verschwundene Tochter aufspüren soll, denn er findet sie brutalst ermordet vor. Er wird auf die Spur des Mörders angesetzt, doch die plötzlich aufflammende Leidenschaft für die Mutter der Toten behindert bald seine Ermittlungen…

Gerade einmal 22 Jahre ist Hanna Jameson, die Autorin von „Kalter Schmerz“. Liest man allerdings ihren Roman – oder lässt ihn in dieser Version von David Nathan vorlesen – kann man dies kaum in Einklang bringen, eine so hoffnungslose und brutale Szenerie hat Jameson gewählt und detailliert beschrieben. Darin hat sie gleich eine Handvoll ebensolche Charaktere eingebaut, die in ihrer Kantigkeit und Komplexität sehr eindrucksvoll wirken. Allen voran natürlich Nic Caruana, der besonders dadurch besticht, in einigen Situationen Gefühle durchscheinen zu lassen, die in der Gangsterwelt Londons eher unangebracht scheinen, diese nach außen aber perfekt überspielen kann. Sein feuriger Eifer, den Mörder zu finden, ist eindeutig nicht nur auf berufliches Interesse zurückzuführen. Und dann diese außergewöhnliche Liebesgeschichte, die von Begierde und Faszination geprägt ist, die den Roman eine ganz andere Note verleiht als anfangs angenommen. Auch die Sprache kann mit ihrer kurzen Prägnanz punkten und passt somit wunderbar in das Ambiente. Doch etwas hat mich dann doch deutlich gestört: Die heftigen Gewaltszenen, die jedem Folterfilm in nichts nachstehen, sind eindeutig nur etwas für Menschen mit starken Nerven und ebenso starken Magen. Diese wirken manchmal etwas aufgesetzt und effekthascherisch, der Roman hätte mit dezenteren Beschreibungen, Andeutungen oder Umschwenken auf andere Szenen nichts Wesentliches verloren. Trotzdem ein insgesamt sehr gelungenes Debut der jungen Autorin, das besonders durch den langsamen Aufbau und das geniale Ende überzeugt.

Kaum ein anderer Sprecher scheint geeigneter für diesen Roman als David Nathan, dessen raue und prägnante Stimme bestens zu der Figur des Nic Caruana passt. Er kann die Emotionslosigkeit des harten Mannes sehr genau in Szene setzen, nur um kurz darauf heftige Ausbrüche folgen zu lassen und den Hörer so wachzurütteln und tiefer in die Psyche Caruanas einzudringen. Auch die anderen Charaktere kann er jeweils individuell darstellen, und der Spanungsbogen gewinnt durch ihn noch einmal deutlich.

Ziemlich abstrakt, aber düster und schmutzig ist das Cover geworden, das natürlich von der Buchausgabe übernommen wurde. Ein Rabe, an Kopf und Schwanz an Fäden aufgehängt, dazu ein paar wohlplatzierte Blutflecken und schrammelige Buchstaben als Schriftzug – schlicht, aber wirkungsvoll. Im Inneren des aufklappbaren Digipacks lassen sich einige stimmungsvolle schwarz-weiß Fotografien sowie die üblichen Kurzinfos zu Autor und Sprecher.

Fazit: Gewalt, Abgestumpftheit und Begierde prägen das Bild dieses Romans, stellen eingefahrene Muster auf den Kopf und zeigen kantige Charaktere und ein kaltes, hoffnungsloses London – hörenswert, aber nichts für schwache Nerven!

VÖ: 1.März 2013
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-86231-230-6
 
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