Poldi

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Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand - Das Hörspiel

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Erster Eindruck: Romanvertonung zwischen Krimi und Roadmovie

Die Vorbereitungen für Allan Karlssons Feier zu seinem 100. Geburtstag sind fast abgeschlossen, als das Geburtstagskind plötzlich verschwindet. Eher zufällig nimmt er auf seiner Flucht einen Koffer mit Geld mit – doch das gehört der Mafia. Und so ist nicht nur das ganze Land samt Sonderkommandos hinter dem Mann her, sondern auch gefährliche Verbrecher. Und keiner ahnt, was für ein bewegtes Leben Allan hinter sich hat…

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ war als Buch ein großer Erfolg und hat bei Lesern wie Kritikern eingeschlagen. Der Roman von Jonas Jonasson wurde nun auch vom hr1 als Hörspiel vertont und ist nun beim Hörverlag erhältlich. Für die außergewöhnliche Vorlage wurde hier ein ebenso außergewöhnliches Gewand gefunden, das mit seinen schnellen Szenenwechsel ein beachtliches Tempo vorlegt. Zahlreiche kurze Passagen sind hier fast schon collagenhaft aneinandergereiht und wechseln schnell zwischen den verschiedenen Schauplätzen, beispielsweise werden auch Telefonate, Notizen oder SMS-Verkehr mit eingebaut. Eine weibliche Stimme sorgt dabei meist für den nötigen Überblick, einiges an Aufmerksamkeit ist für das Verständnis des Hörspiels aber schon von Nöten. Neben den aktuellen Ereignissen gibt es auch immer wieder Rückblicke auf Allans bewegtes Leben, der oftmals eher zufällig die Geschicke der Geschichte beeinflusst hat und einigen bedeutenden Persönlichkeiten begegnet ist. Die eigentliche Handlung berichtet viel von der Suche nach dem Mann, aber eben auch von seiner Sicht der Dinge. Immer wieder tauchen hier sehr humorvolle Stellen auf, die zwischen skurril und zynisch angesiedelt sind und eine sehr heitere Komponente in die Handlung bringen, die das gesamte Hörspiel prägend beeinflussen. Eine sehr interessante Produktion, die mich wirklich beeindruckt hat und viele mutige, gut umgesetzte Ideen enthält. Hörspielfans sollten hier unbedingt mal reinhören.

Sehr gut gelungen ist die Auswahl der Sprecher, sie stellen Lebendigkeit und Verschmitzheit in den Mittelpunkt. Matthias Habich ist als Allan Karlsson zu hören, seine schon leicht gebrochene, aber immer noch kraftvolle und dynamische Stimme verleiht dem Hundertjährigen eine ganz besondere Note. Charly Hübner ist als Benny eine ebenso gute Wahl und kann mit seinem eindringlichen Klang für spannende Momente sorgen. Besonderes Augenmerk verdient der Auftritt von Rosemarie Fendel, ist es doch der letzte der großartigen Schauspielerin. Mit ihrer wie immer markanten, tiefen Stimme kann sie die Rolle der Amanda sehr gut auskleiden und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Weitere Sprecher sind Walter Renneisen, Marion Breckwoldt und Christian Redl.

Die akustische Umsetzung passt sehr gut zu der außergewöhnlichen Vorlage und bedient sich einiger interessanter Ideen. Dabei sind meist nur wenige Geräusche eingesetzt, die die einzelnen Szenen klarer machen oder zur besseren Struktur der einzelnen Szenen eingesetzt wurden. Musik ist dabei eher wenig zu hören, die Sprecher und ihre Dialoge stehen klar im Vordergrund.

Für das Hörspiel wurde das Cover des Buches noch einmal überarbeitet und neu eingefärbt. Statt braun ist dieses nun grün eingefärbt und zeigt nur einen Teil des abgebildeten Elefanten, der im Verlauf des Hörspiels eine kleine Rolle spielt. Die Schrift ist in einem Kofferanhänger abgebildet und verdeckt große Teile des Motivs, das so erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Das umfangreiche Booklet enthält einen einleitenden Text sowie Informationen und Fotos einiger Mitwirkender.

Fazit: Der außergewöhnliche Roman wurde hier ebenso außergewöhnlich umgesetzt, ist skurril und spannend, spielt auf verschiedenen Ebenen und ist sehr interessant zu lauschen. Sprecher und Produktion sind ebenso herausragend.

VÖ: 10.Juni 2013
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-1010-2
 
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