Schreibfrage: Live dabei oder mitten drin?

Luscinia

Weltenwandlerin
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Hi,

am Wochenende habe ich mich ans Konzipieren und Schreiben des zweiten Phoenix-Teils gesetzt und heute beim O&M-Training (= Spezielles Training für Maulwürfe wie mich, die den Orientierungssinn einer unreifen Mirabelle haben und das gerne lernen würden), als ich so in einem mehr oder weniger stillen Pavillon saß und über die wichtigen Fragen des Lebens nachgedacht habe (Ist blau grüner als rot? Was passiert mit dem Licht im Kühlschrank? Erst die Milch oder erst die Cornflakes? Und: Wer hat sich eigentlich den Namen "Schwiegermuttersitz" für einen hässlichen Kaktus ausgedacht? Dem würde ich gerne Blumen schicken...), habe ich mir diese Frage gestellt: Wenn ihr ein Hörspiel hört, in dem die Charaktere Furchtbares durchmachen und der Grund dafür aufgeklärt werden soll, erlebt ihr das Ganze lieber aus der Sicht der Charaktere mit allen möglichen W-Fragen (Wie? Was? Wann? Wer? Wieso? Weshalb? Warum?) oder wollt ihr die Charaktere lieber "beobachten"? So nach dem Motto: Ihr erkennt die Sprecher, bekommt eine dunkle Vorahnung und würdet die Charaktere gerne warnen, könnt es aber nicht und würdet sie am Liebsten schütteln, weil sie es einfach nicht merken?
Für mich als Skripterin wäre dieser Plot einfacher umzusetzen und es wäre doch mal was Anderes... oder nicht? Immerhin möchte ich mit dem Cover von @Kluki (Vielen Dank nochmal dafür) genau diese Wirkung erzeugen...

Liebe Grüße,

Annalena.

PS: Und ja, den Schwiegermuttersitz gibt es wirklich. :p
 

PeBu34

Der Forumsperfektionist
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Hallo @Luscinia,

meine Antwort wird dir vielleicht jetzt nicht gefallen... ;) Es hat beides seinen Reiz, Hauptsache es ist gut geschrieben! Und was ich bisher vom Skript gelesen habe ist gut geschrieben! :) Ich bin jedenfalls noch jedes Mal in die Geschichte "eingetaucht"! :)

Anders gesagt: Egal, wie du es machst: mach es auf deine Art, denn es ist deine Geschichte! :) (Und wenn du Hilfe brauchst - egal ob ein Lektorat oder was auch immer - musst du ja nur fragen! :) Wir nehmen die Geschichte dann schon auseinander! :D)

Liebe Grüße von
Peter :)
 

Luscinia

Weltenwandlerin
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@PeBu34 Ich weiß und danke für die Blumen. ^^ Ich wollte ja nur wissen, was euch persönlich lieber wäre. Geschichten, bei denen die Zuhörer den Protagonisten einen Schritt voraus sind, habe ich noch nie geschrieben, aber es würde mich reizen. Im Endeffekt wissen ja erstmal die Sprecher, was abgeht, weil die Namen ihrer Rollen im Skript stehen. Trotzdem...
Und @Kristof Ich mag keine Kakteen. :eek: Seid ich als Dreijährige voll in die Stacheln eines Kaktus gegriffen habe, die mir nacheinander aus den Händen gezupft werden mussten, was, wie ich mich noch dunkel erinnere, höllisch wehgetan hat, bleibt mir mit den Dingern lieber vom Hals, wenn ihr euch nicht mit mir anfeinden wollt muhahaha.
 

MonacoSteve

...nicht ganz Dichter ;-)
Ich kann Peter nur rechtgeben. Man muss es ausprobieren.

Vielleicht gibt es auch Szenarien, die das eine oder andere "natürlicherweise" nahelegen. Ich gebe nur zu bedenken: Wenn die Zuhörer den Protagonisten systematisch voraus sein sollen, muss die Spannung vermutlich permanent oben gehalten und die Handlung viel geradliniger angelegt werden. Zu viele Abschweifungen vom Plot könnten sonst eventuell schnell langweilen.

Man kann aber natürlich auch kurze "Voraus-Episoden" in eine Geschichte einbauen, wo der Erzähler mit seinem Wissen den Leser/Hörer nach einer Weile wieder "überholt". Klassiker wären solche "Orakel"-Sätze wie "Da wusste er noch nicht, dass das der letzte Tag seines Lebens sein sollte", oder "Hier sollten sie sich gewaltig irren", mit denen man z.B. einen Roman-Prolog abschließen kann. In der folgenden Story wird sich das Orakel irgendwann erfüllen, und ab dann ist der Leser/Zuhörer wieder ohne Zusatzwissen "live" dabei.
 

Luscinia

Weltenwandlerin
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@MonacoSteve Genauso wollte ich das ungefär gestalten. Es geht darum, dass Person X durch einen Zufall eine Person Y kennenlernt, die eine Person Z ebenfalls kennt. Diese Person Z (Und auch Person X) halten Person Y für ein Opfer von Person XYZ, obwohl Person Y eigentlich sozusagen die Drähte gezogen hat.
Die Zuhörer würden dann beispielsweise erkennen "Oje, war das nicht die Person Y, die dingsbums gemacht hat? Und warum bemerken Person X und Z nichts davon? Das ist bestimmt die Schuld von Dingsbums. Oder doch nicht?"
 

Spirit328

Der, der hier etwas weniger da ist.
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Hallo @Luscinia !

Das mit der Freiheit als Künstlerin ist so eine Sache. Du kannst machen, was immer Du für richtig hälst.

Und blau enthält kein Gelb, weswegen es per Definition nicht grün werden kann. Im Bereich der additiven Farbmischung (z.B.: Licht) sind blau, grün und rot die Grundfarben, aus denen sich alle (!) Farben mischen lassen.
Bei der subtraktiven Farbmischung ist es so, daß es vier Grundfarben gibt. Gelb, Magenta, Cyan und Schwarz. Auch daraus kann man alle Farben mischen. Da hier ein anderes physikalisches Prinzip vorliegt, wird der Aufbau der Farben anders. Und die Antwort auf alle Fragen ist eh 42!

Ich persönlich würde ein Hörspiel in dem die hörende Person Teil der Geschichte ist, sehr spannend finden. Zumal man das sogar noch um ein paar technische Tricks erweitern könnte. Nämlich Surround bzw. Ambience Sounds. Mitten drin, statt nur dabei.
ABER ... Dabei explodiert der Aufwand und die Bearbeitungszeit verlängert sich um mehrere Faktoren. Doch es hört sich einfach unglaublich gut an. Die hörende Person wird in das Geschehen integriert.

Bei einer beobachtenden Position, ist zwar der Dabei-Sein-Effekt nicht so groß, aber dafür hält sich der technische Aufwand in überschaubaren Grenzen und Du könntest auf viele Erfahrungen von Kolleginnen und Kollegen beim Cutten zurückgreifen.

Wenn die Story gut ist und sie sich selber trägt, die Zuhörer quasi fesselt, dann bin ich mir nicht sicher, ob ich den erheblichen Aufwand treiben würde, die hörende Person in das Geschehen hineinzusetzen (im übertragenen Sinne). Doch das hängt halt von der Story ab und wieviel Aufwand Du treiben möchtest.
Eventuell könnte man das noch weiter auf die Spitze treiben, daß Du etwas anderes hörst, wenn Du Deinen Kopf drehst. (Stichwort: Head Tracker) Aber das ist schon ein wahnsinnig hoher Aufwand und die allerwenigsten Hörer haben einen Head-Tracker.
 

Spirit328

Der, der hier etwas weniger da ist.
Teammitglied
@Luscinia .... Ein hab' ich noch:

Das ist jetzt leider in Inglisch vor Runnawais und die Effekte sind ein bißchen zu sehr übertrieben, aber ich finde es als Idee ganz brauchbar. :)
 

Spirit328

Der, der hier etwas weniger da ist.
Teammitglied
Ich denke auch schon seit einiger Zeit darauf herum. Mich würde das so richitg packen, wenn ich (zumindest vom Hörerlebnis her) Teil der Geschichte wäre.

Was mir nur echte Probleme macht ist, die unpräzise Ortung von Dingen, die etwa auf Knöchelhöhe passiren. So zischelt eine Schlange, die auf dem Boden ist, nicht wirklich knapp unter meiner Schädelplatte. So hört es sich aber über Kopfhörer an.

Außerdem finde ich die richtige Surround Dosierung alles andere als leicht. Ist es zuviel, lenkt der Effekt von der Geschichte zu sehr ab, ist er hingegen zu wenig ... nun, dann kann man es auch lassen ;)

Hört sich das Material für Dich denn "natürlich" an?

... und beim nächsten IHW machen wir mal ein Test-Mini-Hörspiel in Surround. Darauf freue ich mich schon jetzt. :D
 

Luscinia

Weltenwandlerin
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@Spirit328 Naaaa ja. Die Action-Szene hat mich gepackt, alles Andere war mir irgendwie zu "eerie". Der Arbeitsaufwand wirkt bei beiden Hörbeispielen immens hoch, da würde @Spectroflame vermutlich im Dreieck springen. Außerdem kommt es vermutlich auch auf das Genre an.
 

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