Hydrophon

Dieses Thema im Forum "Technik / Studio" wurde erstellt von Yüksel, 3. Dezember 2012.

  1. Yüksel

    Yüksel Jan J. Münter

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    Mahlzeit allesamt,

    seit ich beim Hörtalk bin hat mich die Geräuschbastelei wieder so richtig "gepackt", und ich will mal wieder was ausprobieren, was ich früher schonmal gemacht habe.
    Ich wollte mal wieder mit Unterwasseraufnahmen rumspielen. Ich hatte früher mal recht primitive Hydrophone versucht selbst zu bauen, was allerdings alles in allem sehr unbefriedigend war. Entweder waren die Aufnahmen einfach schlecht oder die Dinger liefen voll Wasser. Und selbst gebrauchte "echte" Hydrophone waren vor 15 Jahrne für mich unbezahlbar.

    Daher mal meine Fragen in die Runde:
    - Hat jemand erfahrung mit dem Selbstbau von Hydrophonen?
    - Ich habe irgendwann was gehört, daß man z.B. Kondome zweckentfremdem kann, um ein normales Mikrofon in ein Hydrophon zu verwandeln. Hat das schonmal jemand ausprobiert?
    - oder hat jemand eine Quelle für bezahlbare Hydrophone? Bei meinen Lieferanten für Meßgeräte könnte ich zwar gebrauchte bekommen, aber das sind halt vollwertige Meßmikrofone in der Kiloeuro-Klasse. Und das sprengt einfach meinen Rahmen.

    Vielleicht hat ja jemand eine gute Idee?

    Bis dann
    Jan
     
  2. aurelin

    aurelin Where ist online?

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    AW: Hydrophon

    Nicht verzagen, Badda fragen ;)
     
    Phollux gefällt das.
  3. Yüksel

    Yüksel Jan J. Münter

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    Noch ein Nachtrag: Hier bei mir gibts viele stehende und fließende Gewässer, unterschiedliche Seen, viele Flüsse und Kanäle. Und da reizt es mich natürlich, mal wieder mit sowas rumzuspielen.
     
  4. Erdie

    Erdie Der düstere Herrscher

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    IMHO hat Badda das mit der Kondom Methode gemacht. Wenn Du etwas in der Form vorhast, würde ich dringend raten, Druckempfänger zu verwenden. Ich möchte das auch mal beizeiten testen.
     
  5. Yüksel

    Yüksel Jan J. Münter

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    Aha, das ist ja schonmal ein Hinweis.
    Druckempfänger - ja, eigentlich logisch, aber ich kenne mich da mit Typen überhaupt nicht aus. Kannst Du da was empfehlen?
     
  6. Yüksel

    Yüksel Jan J. Münter

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    Hmmm .... obwohl .... das müßte ja theoretisch mit einem Kondensatoormikrofon gehen
     
  7. Erdie

    Erdie Der düstere Herrscher

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    Druckempfänger soll heißen ein Mikrofon ohne Richtcharakteristik mittels geschlossener Kammer hinter der Membran - also ohne die typischen Schlitze bei Nieren. Das Verzögerungsglied (so heißt das Prinzip mit den Schlitzen) würde nämlich unter Wasser nicht funktionieren und stattdessen würde sich der Frequenzgang einer Niere unter Wasser grausam verbiegen (riesen Bassbeule). In dem Moment, in dem Du das Ding komplett dicht machst, würdest Du ja automatisch die Schlitze verschließen .. und hör dir das mal an, wenn man bei einer Niere die Öffnungen zuhält. Selbst wenn das vermeidbar wäre, könnte die Nierencharakteristik unter Wasser nicht funktionieren, da die Schalllaufzeiten dort ganz anders sind. Falls Dir das Experiement etwas wert ist, könnte das Behringer B5 für 50 Euro eine Option sein. Ich habe 2 davon, eines benutze ich zum Skypen mit Nierenkapsel (ja, es wird mit Wechselkapseln geliefert für den Preis). Das andere hat irgendwann mal geknarzt und liegt im Regal herum. Falls ich den Fehler beheben kann, könnte ich es dir ggf. günstig überlassen. Aber Du bringt mich jetzt auf die Idee damit selbst ein Hydrofon zu bauen ..
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Dezember 2012
  8. Yüksel

    Yüksel Jan J. Münter

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    Na, das ist doch mal ein interessanter vorschlag.
     
  9. Ohrenblicker

    Ohrenblicker Vollaudiot

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    Mit Hydrophonen habe ich noch keine Erfahrungen, irgendwann möchte ich aber gerne mal Walgesänge in der Spree aufnehmen. :D

    Douglas Adams hat vor vielen Jahren mal mit einem BBC-Tontechniker Unterwasseraufnahmen im Yangtse-Fluss gemacht. Da der Tontechniker darauf nicht vorbereitet war, hat er ebenfalls die Kondom-Methode angewandt. Die Geschichte hat Douglas Adams in seinem Buch "Die letzten ihrer Art" erzählt. Da geht's jetzt weniger um die Technik und Klangqualität, als vielmehr um die Anekdote, wie ein paar Briten in China losziehen, um Kondome zu kaufen und man ihnen die Pille anbietet. Ich kann das ganze Buch sehr empfehlen, es ist sehr witzig geschrieben und immer noch aktuell.
     
  10. Yüksel

    Yüksel Jan J. Münter

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    Ha! Genau! Das wars auch, woher ich die Idee mit den Kondomen habe, jetzt erinnere ich mich wieder.
     
  11. Erdie

    Erdie Der düstere Herrscher

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    Ich sehe gerade, das Teil kostet bei T*** 69 Euro. Entweder haben sich der Zeiten geändert oder ich erinnere mich falsch an den Preis. Die Dinger sollten eine Geheimtip sein und ich hatte mir vor Jahren ein Pärchen gegönnt zum Testen. Als allerdings nach einiger Zeit bei einem Mikro der Schalter für die Bassabschwächung rausgefallen war, war mein Vertrauen in die Qualität schon gefallen. Etwas dannach hatte ich bei einem Mikro Knistergeräusche und ich habe es entnervt weggelegt und nie wieder angefaßt. Im Nachhinein muß ich sagen, könnte es sogar an der Soundkarte gelegen haben. Ich hatte einfach keine Lust mehr auf das Billigzeugs und im Ernstfall kann ich mir einfach nicht erlauben, dass etwas ausfällt. Ich werde mir das Teil aber jetzt mal anschauen, ob es evtl doch funktioniert. Das Ding zu reklamieren, hatte ich schlichtweg verpennt. Für so eine Hydrofonanwendung wäre das ideal. Wenn es undicht wird, wäre der Verlust so 50-70 Euro statt dem zehnfachen bei hochwertigen Mikrofonen.
     
  12. Ohrenblicker

    Ohrenblicker Vollaudiot

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    Ich hab auch drei von den Dingern, die hatten mal vor ca. 8 Jahren 100 Euro gekostet. Zur Qualität: Ich glaube nicht, dass es an deiner Soundkarte lag. Eins von den Dingern hatte ich (in der Garantiezeit) umtauschen müssen, weil es britzelte. Weil ich es gerade für eine Produktion brauchte, hatte ich mir dann ein neues gekauft und das Ersatzmikro von Thomann lange nicht ausgepackt. Hätte ich mal machen sollen, denn das ausgetauschte machte noch mehr Störgeräusche. Davon konnte ich nur noch die Kapseln gebrauchen.

    Zu den zwei übrigen: Lustigerweise hatte ich eine ähnliche Idee wie du, ich habe mit den B5 im Badezimmer aufgenommen und zwar meinen "Duschenden Zauberlehrling". Also, nicht unter Wasser, aber wegen möglicher Spritzer und der Luftfeuchtigkeit wollte ich keine teuren Mikrofone nehmen. Und siehe da, schon bei leichter Luftfeuchtigkeit fangen die Dinger wieder an zu britzeln. Habe ziemlich viel duschen müssen, bis ich die Aufnahme im Kasten hatte. :D Ich hoffe, dass die Qualitätskontrollen bei Behringer inzwischen besser sind, ich würde mir die Teile jedenfalls nicht mehr kaufen.

    Aber wenn das Kondom dicht ist, müsste es ja eigentlich gehen. Ich wollte ja auch noch Schillers "Taucher" aufnehmen. ;)
     
  13. Badda

    Badda ---

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    Ja hier ich...


    ...habe schon einiges probiert. Es gibt da schon einige Ansätze, die man verfolgen kann und jeder hat seine Vor und Nachteile, die man erst im Laufe der Zeit erkennt.


    Als erstes habe ich einige billige Elektretkapseln in robuste Gummihandschuhe gesteckt und diese dann mit Sekundenkleber ohne eingeschlossene Luft hermetisch / wasserdicht verklebt. Dabei sollte man beachten, dass die Kapseln Kugelcharakteristik haben, damit es gut funktioniert. Der Nachteil dieser Konstruktion besteht darin, dass bei schon geringer Fließgeschwindigkeit des Wassers starke tieffrequente Störungen auftreten. Ähnlich wie beim Einsprechen ohne Popfilter. Ergebnisse kannst du bei Hydrophobia hören...
    Dann habe ich versucht diese Überempfindlichkeit mit einer anderen Konstruktion zu kompensieren. Dabei habe ich die Kapsel in ein dünnes Gefäß gesteckt und den inneren Hohlraum mit einer elektrisch nichtleitenden Flüssigkeit gefüllt zB. Speiseöl. Hatte sich nicht bewährt viel zu unempfindlich. Im Nachhinein betrachtet denke ich, dass die Gefäßwand zu starr und unflexibel war um die Töne ins Innere zu leiten.
    Als nächstes habe ich mit Piezo Transducer experimentiert. Das klappt ganz hervorragend! Hat aber auch viele Nachteile, die man dann Kompensieren muss.
    Der Piezo ist ja ein Kristall, der bei wechselnder kinetischer Belastung eine Spannung abgibt (jeder kennt das zB bei einem Elektrofeuerzeug - nur zu Info), er besitzt ein eher kapazitives Verhalten, welches sich sehr negativ auf den Klang auswirken kann, wenn der Mikrofonverstärker nur für geringe Eingangsimpedanzen ausgelegt ist.
    Dadurch entsteht ein Hochpassfilter, das den Klang sehr bescheidet. Also benötigt man einen Impedanzwandler, der Eingangsimpedanzen von mindestens 1Mega Ohm verträgt - besser höher.
    Dann gibt es noch unterschiedliche Bauformen bei Piezo Transducern. Scheiben kennt man wohl eher denn sie finden auch als Signalgeber (zb Hochtonlautsprecher) Verwendung, es gibt aber auch Piezokabel und Piezofolie. Jede Bauart klingt insbesondere im Hochtonbereich anders – ein weites Feld!
    Doch wie schon beschrieben bildet ein Piezo ja eine Spannung, wenn er kinetischer belastet wird. Fällt einem der Piezo beispielsweise auf den Boden, kann die Kristallstruktur zerbrechen. ABER es entstehen auch Spannungsspitzen von bis zu 30 Volt, bei der jeder Mikrofonverstärker das Zeitliche segnet, wenn er nicht entsprechend abgesichert ist!!! (zB durch sehr schnell öffnende Dioden die dann den Kristall kurzschließen)
    Auch deshalb habe ich bei einer Version den Piezo in Epoxidharz vergossen. Damit wird er fast unzerstörbar und natürlich wasserdicht. Diese Version nutze ich gleichzeitig als Kontaktmikrofon zum aufnehmen von Körperschall unter extremen Situationen (Schritte im Steinschotterbett brechendes Eis usw) Anderes Thema...
    Als letzte habe ich dann noch eine Primo 172 Kapsel in ein spezial Silikon gebettet, wie es zur Dachabdichtung verwendet wird. Es ist sooo empfindlich, dass damit auch Wasserinsekten aufgenommen werden können.
    Eine Kurze Geschichte: Als ich das Hydrophon im Gartenteich platzierte wollte ich ursprünglich das Füttern der Fisch aufzeichnen. Aber als ich zufällig aus drei Metern Entfernung wenige Sandkrümel, die an einem Finger (!) klebten, unachtsam einfach abwischte war ich später total begeistert! Diese wenigen super kleinen Sandkörner schlugen auf die Wasseroberfläche auf, was klar und deutlich aufgenommen wurde (nur mit dem LS11) – herzlich willkommen im Mikroklangkosmos!
    Strömungen verzeiht diese Variante aber keine.


    Abschließend kann ich sagen, dass ich mit Piezo und der Primo am besten Feldaufnahmen, je nach Situation, machen kann.


    Ach ja unbedingt geschirmte Kabel verwenden wenn man kein Radiosender mit auf der Aufnahme haben möchte...


    Der Piezo bietet sich übrigens gerade zur kalten Jahreszeit an. Nur mit ihm ist es möglich, weil Kälte unempfindlich und kinetisch belastbar, sogenanntes „Singendes Eis“ aufzunehmen, das durch Spannungen in einer großen Eisfläche bei wechselnder Sonneneinstrahlung und Temperaturumbrüchen entsteht. Einfach den Piezo im See einfrieren lassen und ein paar Stunden aufnehmen , dazu gehört dann aber noch etwas Glück!
    Das Ergebnis klingt wie aus einer anderen Welt - wunderschön!
    Für mich ist das die Essenz von Fieldrecording...
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Dezember 2012
  14. Yüksel

    Yüksel Jan J. Münter

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    Hmmmm .... ich bin ja sonst auch extrem experiemntierfreudig .... aber irgendwie ist mir unwohl dabei, ein normales C-Mikrofon - auch mit Lümmeltüte - in Wasser zu halten. Andererseits sortiere ich wohl demnächst mein MXL990 aus .... das hat ja eine geschlossene C-Büchse drin .... könnte also klappen ... mal gucken.
     
  15. Yüksel

    Yüksel Jan J. Münter

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    Boa! Vielen Dank für Deinen ausführlichen Beitrag, Badda.