Horror/Drama Es ... wird passieren

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schaldek

Mindspitter
Teammitglied
Es ... wird passieren

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Ich bin fasziniert vom Bösen. Dass ich ein Teil von ihm bin, habe ich aber nie für möglich gehalten.
In einer Eingebung heute Nacht – zumindest hielt ich es für eine – griff sie aus dem tiefen Dunkel, schnappte wild um sich, als wisse die verweste Hand nicht, was sie packen sollte. Und dennoch wanderte sie auf mich zu, um mich zu erwischen. Dann in ihrem Würgegriff schnappten auch die Zähne des bunten Mannes nach mir, wie ich zunächst hörte, dann spürte, ehe ich sie vor mir sah.

Wer aus einem Albtraum erwacht, der kann nicht glauben, dass das Böse in ihm ist. Schließlich flüchtet man doch aus dem Traum vor ihr hinein in die Dunkelheit der Nacht. Ins Jetzt, wo einem der Atem schlägt und man sich wünscht, dass es schon Tag wäre.

Ich habe es getan. Geantwortet auf ein neues Erlebnis, das sich hinter dem Zelluloid, hinter Pixeln und Stoffleinwänden verbirgt. Dr. Statler erklärte es mir so: „Patienten mit Angststörungen und Albträumen, die immer wiederkehren, werden gezielt in ihren Traum geschickt. Mittels Hypnosetechniken im Schlaflabor.“

Dort bin ich nun und schon bald werde ich euch zeigen, was mein Albtraum ist:
In diesem alten, zerfallenen Holzsarg, das ein Haus war, und das ihr auf dem Foto über diesem Text seht, werde ich mich wie immer, jede Nacht, verstecken. Und wenn die Tür hinter mir zuschlägt, weiß ich, dass dort etwas ist, das genau das will. Ein Opfer, das sich in Sicherheit wiegt. Der bunte Mann aus dem Film mit den spitzen Zähnen. Ihr wisst schon.

„Archie, bitte legen Sie sich jetzt hin, okay? Angelica verabreicht Ihnen nun das Narkosemittel.“
„Okay.“ Ich tue, was der Mann im weißen Kittel hinter der Glasscheibe sagt. Jemand kichert ganz leise nebenan, ehe er zur Ruhe gebeten wird. Der Rest des Saales ist ruhig. Auch, wenn ich wollte, könnte ich nicht sagen, wie viele Augen das Versuchskaninchen im halben Kittel – mich – nun grad beobachten. Ich … ich weiß es … ni...

Das Bild ist da. Ihr kennt es. Es steht über diesem Text. Ein leichter Wind weht, aber ich höre fast nichts wegen der Kapuze. Mein Herz rennt, ich selbst bin schon seit ein paar Momenten stehengeblieben. So wie immer in dieser Tagnacht. In der ich auf das Haus zu gehe. Eine Erinnerung überkommt mich. Diese Erinnerung ist so wohlig, dass ich die Stufen zur Veranda mit Zweistufenschritten nehme. Was immer da drin ist, schützt mich.
Ein bunter Mann, der mich auslacht. Der mich fressen könnte. Was immer in diesem Haus ist, wird mich wohlig warm erschrecken. Es wird mich sehen, sobald ich darin bin. Aber es wird mir nichts tun, da bin ich sicher. Allen anderen, ja. Aber nicht mir ...
Ich öffne die Tür und Dunkelheit blendet mich. Altes, feuchtes Holz steht um mich und ich höre entfernt ein leises Tropfen.
Wisst ihr, was dann passiert? Es ist immer dasselbe! Ich gehe einfach in den Raum hinein und dann fällt mir ein, warum ich weiß, dass etwas hier ist. Ich weiß es von Anfang an. Schon, wenn ich meinen Puls höre und das Haus von weitem sehe. Es ist mein zu Hause.
Ich schreite über laute Dielen, untot klingen sie, erzählen in die Stille hinein ein umso lauteres Lied. Ich werfe mich um, denn ich glaube da ist etwas, das seine Hand auf meine Schulter zu legen versucht oder wenigstens im Begriff dazu ist, es zu tun.
Ich lache still auf, weil es mich natürlich nicht erschrecken konnte.

Dann kommt es immer schlimm. Ich verharre in totaler Starre, denn am anderen Ende des Raumes steht eine Silhouette.
Kennt ihr das? So steif sie ist, ihr wisst, dass sie lebt. Atmet. Euch beobachtet. Es bewegt sich einfach nicht und so tue ich es.
Die Dielen sprechen wieder. Erst unsicher, dann selbsterschrocken laut und wild.
In einem Anflug von Wahnsinn und Angst, die so groß ist, dass ich schreie, erkenne ich mich selbst in einem alten Spiegel.
Ich trete näher und dann weiß ich, welcher Zauber hier am Werk war.
Dann schüttle ich den Kopf und ein leichtes Klappern schwingt durch den Raum. Jetzt ist es da!
Was ich nun da im Spiegel zu sehen vermag, ist der Moment des Jetzt. Keiner Vorahnung, keiner Eingebung, keinem Schreck und keiner Erinnerung vorausgehend.
Blitzende Zahnspitzen in einem weiten Mondbogen, der sich durch den Kopf im Spiegel zieht, nicken mich an.
Absolut still, denn ich bin längst erneut in Regungslosigkeit verharrt.
Aber wozu. Wenn es mich sieht. Mit diesen fremden Augen, die niemand sonst gehören als mir selbst!?

Ich weiß nichts mehr. Panik habe ich. Renne und doch schweigen die Dielen nun, als
kennen sie mein Schicksal. Mein Herz würgt sich pochend meine Kehle hoch.

Stille, Licht um mich.
Ein Piepen, beständig und klar.
Angelica fasst mich an die Schulter. Eilig, aber liebevoll.
„Danke, Archie!“, sagt sie freundlich. "Warten Sie, ich nehme Ihnen das ab!"
Die Stimme im Lautsprecher ertönt. „Und? Was meinen Sie, liebe Zuschauer? Gibt es Grund zu applaudieren?“
Jetzt erst sehe ich, dass auch nebenan Licht gemacht wurde. Wie ein Schachbrett funkeln
Licht und Dunkel aus ihm heraus. Pritschen dutzendfach in Reih und Glied sehe ich.
Darauf weinende, schreiende, aufgerichtete, liegende Leute mit ebensolchen Dioden am Kopf wie bei mir.

Das ist die Zukunft, Leute. Die Zukunft des Kinos.
Kommt mit, kommt mit in meinen Albtraum, in dem ich das Böse bin!
Ihr werdet ihn nie mehr vergessen.

ENDE
 

Mr_Kubi

Der auf den Bus wartet
Irgendwie gruselig ... liest sich fast wie ein Prequel von La Mancha ;)
... und erinnert mich...mmh...Ich konnte neulich so eine VR Brille ausprobieren ... Dem Gehirn und damit auch dem Körper, lässt sich damit schon viel Unreales vorgauckeln...Aber wer weiß wessen Traum wir alle gerade leben... und wie groß das Erschrecken ist, wenn klar wird das es der eigene Traum sein könnte....
Apropos - wie real ist dieser Thread eigentlich? :eek:

Hier können wir nicht anhalten.
Das ist Fledermausland!

irritierte
beste Greetings und ...
weitermachen :)
 

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