Der Hexer von Salem – 1. Als der Meister starb

Dieses Thema im Forum "Rezensionen und Kritiken" wurde erstellt von Poldi, 15. März 2019 um 09:05 Uhr.

  1. Poldi

    Poldi Super-Hoertalker

    Beiträge:
    2.942
    Der Hexer von Salem – 1. Als der Meister starb



    Kurz vor dem Ziel kommt die Fahrt auf dem Segelschiff für den jungen Robert Craven zum Erliegen, als vor der schottischen Küste eine geradezu unheimliche Windstille aufkommt. Als dann auch noch in dichter Nebel aufzieht, der einige Zeit später noch nicht abgezogen ist, wird Roberts Geduld auf eine harte Probe gestellt. Doch so bleibt ihm die Zeit, das Geheimnis um den alten Mr. Montague zu lösen, der ebenfalls aus New York nach London aufgebrochen ist...

    Mit der Buchreihe über den „Hexer von Salem“ hat Wolfgang Hohlbein einen Mythos geschaffen, der von den Werken H.P. Lovecrafts einige Elemente genommen und dann in eine neue Form gebracht hat. Lindenblatt Records hat sich mit „Als der Meister starb“ den wohl bekanntesten Teil ausgesucht und als Start einer neuen Serie produziert. Dabei hat man sich nicht lange mit Erklärungen aufgehalten, die Handlung ist hier schnell in vollem Gange, ist aber auch recht komplex geraten. Und da verschiedene Szenerien miteinander vermischt werden, bekommt man diese zu Anfang nicht direkt übereinander gelegt und fragt sich, wie alles miteinander zusammenhängen soll. Dieses Element gestaltet besonders die erste der beiden CDs sehr reizvoll, was gepaart mit der unheimlichen und sehr dichten Stimmung sehr hörenswert geraten ist. Später lichtet sich dieser Schleier deutlich, die einzelnen Teile werden dann sinnvoll miteinander verknüpft – und ab hier ist es dann die umfangreich erdachte Hintergrundgeschichte aus der Vergangenheit, die erkundet werden will. Dabei gibt es für den Hörer so einige Überraschungen und Wendungen, die die Dynamik der Folge gekonnt erhöhen und für gelungene Highlights sorgen. Auch die harten Schnitte und gelungene Variationen des Tempos sorgen dabei für Kurzweil, wenn sich auf eine spannende Szene ein deutlich ruhigeres, aber nicht minder intensives Gespräch anschließt. Die Szenen auf dem Schiff werden mit einer sektenähnlichen Gemeinschaft ergänzt, aber auch einige andere Szenerien und ein magischer und düsterer Hintergrund finden zueinander und werden zu einer packenden Handlung verwoben. Die Produktionsweise passt bestens dazu, sodass ein gelungener Start in die neue Serie gelungen ist. Am Ende werden dann auch gleich die Weichen für die weiteren Folgen gelegt, auch wenn für meinen Geschmack vielleicht eine Spur zu dick aufgetragen wurde.

    Patrick Borle ist in der Hauptrolle des Robert Craven zu hören und macht seine Sache sehr ordentlich, indem er einerseits die unheimliche Grundstimmung der Serie noch weiter herausarbeitet, sich aber andererseits auch voll auf seinen Charakter und seine Entwicklung konzentriert. Stefan Wilkening kitzelt aus seiner Rolle ziemlich viele gelungene Facetten heraus und kann diesen so in seiner ganzen Komplexität erfassen – eine sehr gelungene Leistung. Christiane Blumhoff ist als Andara zu hören, von ihr geht eine sehr eigene Aura aus, die sie sehr lebendig und eindrucksvoll wiedergibt. Weitere Sprecher sind Manfred Erdmann, Tommi Piper und Claudia Urbschat-Mingues.

    Sehr sorgfältig und vielfältig ist der Einsatz von Geräuschen geraten, besonders die Szenen auf See bleiben durch die vielen Geräusche sehr präsent. Vom leisen Knarren der Balken bis zum lauten Krachen bei den Actionszenen fügt sich alles sehr stimmig zusammen. Auch Musik ist immer wieder eingebunden und sehr genau an die Handlung angepasst, sodass diese sehr treffend unterstützt wird.

    Auf dem Cover ist ein Schiff auf welliger See zu sehen, umgeben von den riesigen Tentakeln eines Seeungeheuers. Die kühlen, bläulichen Farben sorgen dabei gemeinsam mit dem tiefschwarzen Rahmen für einen sehr gelungenen und düsteren Eindruck. Im Inneren des kleinen Booklets gibt es eine ausführliche Auflistung aller Teilnehmenden, bei der die Sprecher sogar nach Personengruppen aufgeteilt sind.

    Fazit: Der Auftakt der neuen Serie nach den Vorlagen von Wolfgang Hohlbein ist gut geglückt und erzählt eine spannende und abwechslungsreiche Handlung, bei der man am Ball bleiben muss, um die vielen Verbindungen und gelungenen Details aufzunehmen. Das lohnt sich vor allem wegen der sehr gut verknüpften Hintergrundgeschichte und vielen packenden Szenen. Vielleicht hätte man aber doch einen etwas längeren Rohling nehmen können, anstatt ein Hörspiel von 85 Minuten auf zwei CDs aufzuteilen oder ein paar Minuten weniger produzieren können.

    VÖ: 29.März 2019
    Label: Lindenblatt Records
    Bestellnummer: 978-3-96282-316-0
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. März 2019 um 09:49 Uhr